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2007
Marokko

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Marokko, 2. Teil

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Marokko, ein faszinierendes Reiseland

06.01.2007 – 10.01.2007 Für die Anreise von der Schweiz nach Südspanien nehmen wir uns fünf Tage Zeit.

11.01.2007 16.00 Überfahrt von Algeciras nach Tanger - Ankunft nach marokkanischer Zeit erst etwa um sieben. Der Papierkram wegen der Fahrzeuge am Zoll dauert ungefähr eine Stunde. Tanger ist eine betriebsame Stadt und abends um acht ist alles auf der Strasse: Fussgänger, Busse, Pferdefuhrwerke (natürlich ohne Beleuchtung), Rad- und Motorradfahrer und natürlich auch Polizisten. Trotz Dunkelheit fahren wir noch ca. 50 km bis Assilah an den Hafen, weil wir zwei Deutschen Wohnmobilen dahin folgen können.

12.01.2007 Unser heutiges Ziel, Moulay- Busselham, wurde uns ebenfalls vom Deutschen empfohlen und liegt nicht weit von Assilah entfernt. Auf dem Weg dahin verfehlen wir die Strasse und begegnen auf einer äusserst mislerablen Verbindungsstrasse gleich zwei Unfällen. Beim ersten gab es einen Toten und beim zweiten liegt ein offensichtlich enorm überladener LKW mit zertrümmerter Frontscheibe auf der Seite.

Auf dem Campingplatz an der Lagune in Moulay-Bousselham lernen wir Pius und Martha aus Sins kennen. Sie sind äusserst nett und wir trinken mit ihnen zum Apero den Schümliwy von Monika und Peter.

13.01.2007 Ich unterhalte mich in Englisch mit dem Vogelkenner Hassan Dalil, der in Rabat Chemie studiert hatte und diese Sprache fliessend beherrscht. Er arbeitet heute als Touristenführer, weil er als Chemiker keine passende Arbeit findet. Dies ist für Marokko leider eine ganz typische „Karriere“. Er erzählt, dass sich Marokko in den letzten fünf Jahren enorm verändert hat. Der neue König will alle Einwohner mit Strom und Wasser versorgen, Arbeitsplätze in Fabriken schaffen und die Menschen aus den schäbigen Hütten herausholen. Im Vergleich zu früher sind die Marokkaner nicht mehr so aufdringlich und es wird nicht mehr so viel gebettelt wie zum Beispiel noch vor zwanzig Jahren. Das Land ist für Touristen einfach zu bereisen. Was jedoch riesig stört ist der Abfall überall: Auf den Strassen, in den Feldern und Wäldern, am Strand: Plastik, Glas und sonst aller nur erdenkliche Güsel.

Wir fahren mitten in die Stadt Mohammedia hinein, vielleicht können wir direkt am Strand stehen bleiben. Das ist jedoch nicht möglich und wir werden auf den Camping Loran verwiesen. Dieser wurde einst als der beste Campingplatz von Marokko bezeichnet, ist jedoch heute überhaupt nicht mehr zu empfehlen. Es wundert uns nicht, dass wir die einzigen Touristen sind, denn die sanitären Einrichtungen sind schmutzig und am Zerfallen. Wir bezahlen 50 statt 60 Dirham, was etwa € 4.50 entspricht.

Beim Ausfahren aus der Stadt hängen sich drei junge Burschen mit Inline Skates ganz frech am Motorradträger an und lassen sich durch die halbe Stadt nachziehen. Vor der grossen Kreuzung hängen sie ab, nur um kurze Zeit später die Gelegenheit erneut zu ergreifen. Bei 50 kmh hupt Peter und macht einen kleinen Schwenker um die vorwitzigen Kerle wieder loszuwerden.

14.01.2007 Wir sehen zwar das 5 Tonnen Fahrverbot nach dem Wegweiser Richtung Autobahn, doch der Polizist, der gleich neben dieser Verbotstafel steht, lässt uns achtlos passieren. Weil wir keine Ahnung haben wo wir sonst durchfahren sollten fahren wir sorglos weiter und hoffen, vielleicht sei ja die Achslast gemeint. Kurz nach der Brücke hält uns dann ein anderer Polizist an und fragt, ob wir das Verbotsschild nicht bemerkt hätten, unser Fahrzeug sei bestimmt schwerer. Wir sagen, doch schon, aber ….

Nachdem wir ihm die Fahrzeugpapiere übergeben haben, lässt er uns mit der Mahnung „Attencion“ weiter fahren. Glück gehabt, Pius musste gestern wegen Nichttragen der Gurten 100 Dirham (€ 10.--) berappen.

Im Stellplatz am Strand von Oualidia gibt es Platz für ca. 20 Wohnmobile und wir zahlen dafür 10 Dirham. Das Entleeren der WC-Kassette wird von einem ganz geschäftstüchtigen Marokkaner übernommen und kostet ebenfalls 10 Dirham.

15.01.2007 Wir haben vor, noch bis Agadir mit Pius und Martha weiter zu reisen. Nach Safi fahren wir die Küste entlang und biegen dann auf die Hauptstrasse bis Ounara (20 km östlich von Essaouira). Der Camping des Oliviers – Chez Christian ist zwar teuer (80 Dirham für eine Nacht), bietet dafür aber fast europäischen Standard mit sauberen sanitären Einrichtungen. Die Stadt ist leider genau so schmutzig, wie jede andere auch. Wir fühlen uns trotzdem wohl. Koordinaten: N 31°-31.954’/W 009°-32.818’. Höhe 232 m’.

16.01.2007 Weiterfahrt Richtung Agadir. Der Camping-Platz „AtlanticaParc“ ist bisher der beste, es gibt sogar drei Waschmaschinen für die riesige Anlage (30 Dirham pro Wäsche € 3.--).

17.01.2007 Wir haben uns entschlossen, zu viert mit dem Taxi nach Agadir zu fahren, hin und zurück für 300 Dirham. Um neun Uhr meldet Peter an, dass wir um zehn wegfahren wollen. Nach einer Stunde warten und bei der Rezeption x-mal nachfragen begeben wir uns zur öffentlichen Busstation. Ein Einheimischer informiert uns: Der Bus fährt in 20 Minuten, das heisst um halb zwölf und kostet 8 Dirham, ein Taxi kostet 10 Dirham pro Person (das wird allerdings vollgestopft und wenn du Pech hast, sitzt auch Mal eine Ziege dazwischen…). Im Bus müssten wir vor allem beim Ein- und Aussteigen aufpassen, da es hier auch Menschen gebe, die nicht gerne arbeiteten und Taschendiebstähle verübten. Es geht denn hier auch alles gut, nachdem wir unsere Sitzplätze über riesige Säcke kletternd erreicht haben.

In der „Pharmacie de la Mosquée“ erklärt uns der freundliche Inhaber seine Kräuter und Produkte und lädt uns dann, wie es hier üblich ist, zum Tee ein. Drin gibt es weitere Produkte und auch wohlriechende Gewürze, von denen wir gerne einige kaufen wollen. Nach der Auswahl von fünf verschiedenen Produkten präsentiert er uns die Rechnung: Je 260 Dirham (€ 26.--), was natürlich viel zu viel ist. Er meint darauf hin: Leben und leben lassen. Okay, wir sind einmal reingerasselt, doch das soll uns so schnell nicht wieder passieren. Verschmerzen können wir’s auch, haben wir doch einiges an Taxi-Kosten in die Stadt gespart. Wir besuchen dann noch den grossen Souk (Markt) der Stadt, wo es von Möbeln über Haushaltwaren, Früchten und Gemüse alles zu kaufen gibt, was der Mensch so braucht (oder auch nicht). Die Gewürzpreise trauen wir uns gar nicht anzuschauen, sonst kommt uns noch das Augenwasser…

Der Bus Nr. 61 zurück nach Imi Waddar fährt uns gleich vor der Nase weg und wir warten eine geschlagene Stunde, bis der nächste geht – das ist Afrika: Warten, warten, warten – heute waren es insgesamt 2 ½ Stunden!

18.01.2007 Wir bleiben noch einen Tag länger, damit Pius und Peter die gestern versäumte zweistündige Mountainbike-Tour nachholen können. Sie fahren vom Campingplatz Richtung Osten in die Berge und kommen südlich über Tagazout wieder zurück. Derweil entsteht an unserem Wohnmobil die erste Phase des von Kalil Elfanid gemalten Bildes. Kurz vor Sonnenuntergang malt er dann noch das, was das Bild wirklich ausmacht: die Palmen, das Kamel und den Beduinen.

19.01.2007 Wir müssen uns von Martha und Pius, die erst Mitte April wieder zuhause sein wollen, verabschieden. Wir hatten es sehr gut zusammen und wir hoffen, die beiden bei anderer Gelegenheit wieder zu treffen.

Unsere Reise führt uns über Taroudante, und Talouine nach Agdz. Um 13.30 Uhr sind wir auf einem 1850 m hohen Pass und fahren danach durch eine Hochebene. Um 15 Uhr hält uns ein Marokkaner mit seinem Sohn an. Sie sind ohne Diesel am Berg liegen geblieben. Wir helfen ihnen gerne aus und nehmen die Einladung zum Tee an, weil uns trotzdem genügend Zeit bleibt, den Campingplatz in Agdz noch bei Tageslicht zu erreichen. Sein Dorf liegt etwa 30 km vor der Stadt. Als wir da sind fragt er uns, ob wir unser Haus dabei hätten und darin schlafen könnten. Er bietet uns an, gleich in seinem Hof zu übernachten und nach einigem zögern willigen wir ein – weshalb eigentlich nicht? Nach dem Tee trinken zeigt uns Muhamed, so ist sein Name, verschiedene Teppiche, die seine Frau mit ihren vier Schwestern gewebt, geknüpft und gestickt hat. Morgen würde sie 15 der 25 Teppiche an die Händler verkaufen und wir hätten jetzt Gelegenheit, noch eines dieser Stücke zu ergattern –z.B. im Tausch gegen Wein, Kleider, Schokolade und wenig Dirham. Ich brauche keinen Teppich und will auch keinen, trotzdem hatte er uns bereits zu irgendeinem Zeitpunkt zum Nachtessen eingeladen und gefragt, ob wir dafür etwas Wein hätten. Wir sagen ihm eine Flasche zu und faseln auch etwas von Schokolade. Er fragt uns, ob wir die Gärten des Dorfes anschauen möchten, sein Sohn Mustafa würde uns diese gerne zeigen. Die Tour dauert bestimmt 1 ½ Stunden und endet mit der Führung durchs Dorf. Die Menschen sind sehr freundlich und lachen viel – es ist uns sehr sympathisch.

Am Abend kommt dann alles ein wenig anders. Ich habe eine Migräne, die es mir verunmöglichen würde, an einem Essen auch nur dabei zu sein. Also sagen wir ab, denn Peter mag nicht gerne allein dabei sein. Der gute Wein ist weg und die Gegenleistung dahin, irgendwie schade.

20.01.2007 Am Morgen um viertel vor acht verabschieden wir uns von Muhamed, der uns kaum mehr Beachtung schenkt und überhaupt nur etwas sagt, weil wir ihm demonstrativ die Hand entgegenstrecken. Gestern waren wir noch „très gentil“, heute will er nichts mehr von uns wissen, so enttäuschend kann die Absage zu Nachtessen nicht gewesen sein.

Auf dem Campingplatz „Paradise Garden“, 6 km vor Mhamid, erfahren wir dann, dass wir einem Betrüger auf den Leim gegangen sind. Einem Deutschen Pärchen ist im März 2005 genau das gleiche widerfahren: Auto ohne Diesel liegen geblieben, Einladung zum Tee, Vorführung der Teppiche. Sie konnten das Dorf, die Lage des Hauses und die Räume exakt beschreiben. Doch die beiden sind dann nach dem Tee einfach weitergefahren.

In Mhamid will jeder eine Reise durch die Dünen verkaufen und das Marokko, welches wir schon vor Jahren erlebt hatten, kommt uns wieder in Erinnerung – alle sind aufdringlich und das mögen wir nicht.

21.01.2007 Wir dürfen noch schnell das Internet des Holländers benutzen. Der haust wie ein Marokkaner – Matratze in der Ecke auf dem durchhängenden Boden seines Zimmers das ihm als Büro, Wohn- und Schlafraum dient. Alle paar Tage muss er seine Schlafstatt wieder hochziehen weil er damit in die Senke herunterrutscht…. Mhamid gefällt uns nicht wirklich und wir beschliessen, an einem schöneren Ort zwei Tage zu verweilen. Vielleicht bietet sich Ouarzazate dafür an?

Der Camping Municipal ist okay und nicht teuer.

22.01.2007 Auf der ersten Töfftour nach Ait Ben Haddu fahren wir durch eine karge aber durch ihre Farben faszinierende Landschaft. Die Gelb-, Ocker-, Rot-, Braun- und sogar Grün-Töne in grellem Sonnenlicht und Schatten mit der Kamera einzufangen oder mit Worten zu beschreiben ist unmöglich. Diese Bilder werden aber, wie auch vieles andere, in unseren Köpfen erhalten bleiben. Ait Ben Haddu wurde berühmt, weil Filme wie z.B. „Gladiator“ gedreht wurden und Dorfbewohner drängen den Touristen eine Führung durchs Dorf auf um sich damit Ihren Teil vom Kuchen der Tourismusbranche abzuschneiden. Wir haben jedoch keine Lust, uns von einem relativ unsympathischen Typen mit schlechtem Französisch begleiten zu lassen und dafür auch noch bezahlen zu müssen. Viel lieber trinken wir im Hotel Riad gemütlich einen Kaffee und sehen uns die Kaspa von oben an. Peter hatte bei seiner letzten Reise noch einen ganz anderen Eindruck von der Szenerie und wir sind uns sicher, dass in den etwa zwanzig Jahren, die dazwischen liegen, enorm viel gebaut worden ist.

Die Stelle, wo eine zerfallene Brücke gestanden und der Weg durch den Fluss geführt hatte, haben wir einige Kilometer weiter nördlich allerdings wieder gefunden und der jetzigen Brücke sieht man auch an, dass sie neueren Datums ist.

Unsere Campingplatz Nachbarn sind Bruno und Angele aus dem Waadtland. Die beiden sind sehr gesprächig und Bruno gibt uns noch einige wertvolle Tipps, wie wir unser Motorrad schonender um die Welt transportieren könnten. Von ihnen erfahren wir auch, dass 38 % der Bevölkerung Kinder seien und wir folgern daraus, dass die Lebenserwartung der Marokkaner nicht sehr hoch sein kann.

23.01.2007 Vor der Abreise interessieren sich Evelyn und Dominik mit ZH-Nummernschild noch genauer für unser Fahrzeug (sie haben einen älteren VW-MAN gekauft und wollen ihn selber ausbauen). Wir zeigen ihnen gerne, wie es bei uns aussieht und so wird es etwa elf Uhr, bis wir Richtung Tinerhir aufbrechen können.

Was wir im Daddes-Tal und in der Todra-Schlucht erleben folgt im zweiten Teil unseres Berichts über Marokko.

Leider haben wir uns aus Zeitmangel und wegen der intensiven Südamerika-Planung schlecht auf das Marokko-Abenteuer vorbereitet, was wir inzwischen äusserst bedauern. Doch jetzt ist zu spät, das nächste Mal werden wir es besser machen.

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