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2007
Marokko

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Marokko, 2. Teil

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Marokko, 2. Teil

24.01.2007 Ursprünglich wollen wir mit dem Motorrad eine Rundreise via Tinerhir, Bourmaline Daddes, Daddes Tal und über den Berg in die Todraschlucht machen. Am Ende des Daddes Tals fragen wir bei der Polizei nach dem Weg über den Berg. Der Polizist weist uns jedoch an zurückzufahren, weil grosse Teile der Strasse unterspült und Brücken weggeschwemmt seien. Es gäbe zuviel Wasser und wir sollten uns nicht unnötig in Gefahr begeben.

In der Todraschlucht fahren wir bis ins Dorf hoch, wo die Abzweigung über den Berg käme. Die Strasse ist tatsächlich in schlechtestem Zustand und die Reparaturbemühungen einiger hart arbeitenden Idealisten dürften wohl fast vergeblich sein. Die Strasse ist so nahe am Wasser, dass sie bei einer nächsten Überschwemmung wieder beschädigt würde und die Instandstellung scheint ein verzweifelter Versuch zu sein, die Verbindung zu den paar Dörfern, wo das Überleben so oder so nicht einfach ist, zu gewährleisten. Und wer sagt, wie man das von Touristen oft hört, die Marokkaner seien faul, der war noch nicht im Daddes Tal, denn dort treffen wir auf eine Bevölkerung, die unter extremen Bedingungen harte Arbeit leistet.

Den ganzen Tag über ist es so kalt, dass ich kaum den Auslöser meiner Kamera richtig bedienen kann. Peter sagt am Abend, ihn hätte es heute nur einmal gefroren und er wäre um eine Griffheizung sehr froh gewesen.

25.01.2007 Auf der Asphaltstrasse geht es weiter nach Merzouga – endlich Wüste!

In Erfoud steht, wie vor vielen grösseren Orten, die Gendarmerie Royale. Wir sind jedoch noch nie angehalten worden. Kurz nach Rissani sehen wir in der Ferne bereits die Sanddünen Erg Chebbi. Schon von weitem sind diese ganz eindrücklich. In Merzouga gibt es etwa zwanzig Herbergen, die Campingmöglichkeiten bieten und einander natürlich stark konkurrenzieren. Vor zwanzig Jahren gab es ein Restaurant und keine Campingplätze, denn damals war Tourismus noch kein grosses Thema.

Wir besichtigen den von Bruno empfohlenen Platz „Auberge La Tradition“ und stellen unser Fahrzeug gleich neben eine Sanddüne. Der Inhaber bietet uns an, für 20 Dirham pro Nacht (inkl. heisse Dusche) hier stehen zu bleiben. Er lädt uns auch gleich zum alkoholfreien Berber Whisky ein, der sich als Pfefferminztee entpuppt, und offeriert uns dann natürlich gleich verschiedene Reisen mit 4x4-Fahrzeugen oder Kamel. Ein Tag mit dem Cheep kostet 600 Dirham/Person, ein Dromedar-Kurzausflug in die Dünen: 200 Dirham/Person. Eine knappe Stunde Kamelritt reicht uns vollkommen, wir finden es witzig, haben aber bald genug davon. Einen mehrtägigen Dünenritt würden wir nicht aushalten, dann wären wir doch noch lieber zu Fuss unterwegs.

Vom Gebrauch unseres eigenen Fahrzeuges zur Fahrt über Pisten und in die Dünen rät uns der Herberge-Besitzer dringend ab – es gehe ja alles kaputt was wir da drin hätten. Wir erklären… Er glaubt uns jedoch erst richtig, dass unser Fahrzeug genau dafür gebaut ist, als wir es nach unserer Rückkehr auf eine etwas andere Art parkieren.

Zwischen sieben und acht setzt ein heftiger Wind ein, kurz darauf ist es jedoch wieder ruhig. Um zwanzig nach acht beginnt es leicht zu regnen. Später fängt es dann nochmals zu winden an und wir hoffen, dass jetzt die Wolken endgültig vertrieben werden.

26.01.2007 Schon in der Nacht sehen wir einen sternenklaren Himmel und der Tag beginnt unter besten Voraussetzungen. Wir versuchen den Weg, es gibt offenbar keine markierte Piste, rund um den Erg Chebbi zu finden. Doch im Süden stehen wir nach einigen Kilometern Piste bereits vor Dünen, welche wir nicht wirklich bezwingen möchten. Also beschliessen wir, zuerst den Flamingo-See zu besuchen und nachher noch im Camping Océans des Dunes beim Baselländer-Pärchen Isabelle und Kurt mit den KTM, die wir in Mhamid kennen gelernt hatten, vorbeizuschauen. Sie geben uns den Tipp des Tages: Nach etwa 20 km Piste immer entlang der Dünen soll es einen See geben und es sei das erste Mal, dass sie diesen mit Wasser gefüllt gesehen hätten. Tatsächlich finden wir den stahlblauen See im Nordosten der Dünen plötzlich vor uns. Dies ist wirklich ein einmaliger Anblick.

Gegen Abend besteigen wir dann noch die höchste Düne gleich hinter dem Campingplatz. Das Hochkraxeln der letzten 200 Meter ist fürchterlich anstrengend, weil der Sand weich ist. Doch die Mühe lohnt sich, denn der Blick über die Dünen ist einzigartig. Wir warten auf den Sonnenuntergang und machen uns dann schleunigst auf den Rückweg, denn bis zum Einbruch der Dunkelheit dauert es nur gerade eine halbe Stunde. Hat der Aufstieg etwa eine gute Stunde beansprucht, brauchen wir für den Rückweg nur knapp 20 Minuten.

Heute essen wir auswärts: Wir haben Berberpizza bestellt und dazu gibt es Suppe, Salat (wir essen nur das geschälte oder gekochte Gemüse) und Orangen als Dessert. Dies alles kostet 70 Dirham pro Person. Der Wirt setzt uns mit einem älteren Franzosen-Paar an einen Tisch und wir können uns ganz gut unterhalten. Der Mann hat Jahrgang 1934 und spricht einige Brocken Deutsch. Mit unserem Französisch geht’s inzwischen auch recht flott und beim Gespräch erfahren wir, dass es in Meknes und Fes schneien soll. Das könnte bedeuten, dass die Pässe, welche wir morgen überqueren wollen, geschlossen sind. Wir werden versuchen, uns bei der Polizei zu erkundigen.

27.01.2007 Nach Rücksprache mit verschiedenen Polizisten sehen wir kein Hindernis, Richtung Norden aufzubrechen. Einer sagt ganz bestimmt, der Bus aus Fes sei heute Morgen in Errachidia angekommen.

Zuerst geht es durch die mit Palmen gesäumten Gorges du Ziz, später steigt die Strasse an bis auf den 1907 Meter hohen Tizintalghaumt-Pass, wo ein Schäumchen Schnee liegt. Auf 1500 m in der Region um Midelt ist es 0°C. Der Duzad-Pass ist 2178 m hoch, hier wurde zwar gepflügt, die Strasse ist jedoch inzwischen bereits trocken und auf dem Gelände liegt lediglich 5 – 10 cm Schnee. Süd- und Nordseite sind bewaldet, die Hochebene bis etwa 15 km vor Azrou ist aber ziemlich kahl. Danach gibt es einen dichten Zedernwald und als plötzlich Autos an den unmöglichsten Stellen anhalten erinnern wir uns, dass es hier Affen geben soll. Tatsächlich tummeln sich die frechen Kerle ganz nahe der Strasse und warten auf irgendwelche Leckerbissen von begeisterten Touristen. Hier liegt auch deutlich mehr Schnee und auf dem Campingplatz in Azrou ist es richtig winterlich.

28.01.2007 Peter unterhält sich mit dem Campingplatz-Chef, der eigentlich gelernter Elektromonteur ist, sowie einem etwa 40jährigen Mann, der 17 Jahre in den USA gelebt hat. Dabei erfährt er, dass 70 % der Bevölkerung Junge seien und deren Perspektiven sehr gering wären. Das Land ist ganz dringend auf Tourismus angewiesen, notabene natürlich solchen, der auch einheimische Güter kauft. Vom König und von höchsten Stellen werden Polizei und Bevölkerung angehalten, alle Touristen bevorzugt zu behandeln. Deshalb wohl wurden wir gestern, in der 60er Begrenzung mit vermutlich ca. 70 unterwegs, von der Polizei nur kurz abgebremst und dann durchgewinkt.

Ifrane auf ca. 1700 m dürfte das St. Moritz von Marokko sein, dies jedenfalls schliessen wir aus den im westlichen Stil erstellten Häusern, den teuren Autos, den europäisch gekleideten Skifahrern und Snowboardern sowie dem nahen Flugplatz. Schon ein paar wenige Kilometer weiter ist die Armut aber wieder ganz deutlich sichtbar.

Der Camping International in Fes ist teuer, doch mit ein wenig handeln können wir zumindest 20 Dirham (knapp 2 Euro) einsparen. Er kostet immer noch 110 Dirham, was für das Gebotene absolut überrissen ist. Zum Spülen der Toiletten z.B. füllt man zuerst einen Kübel mit Wasser, die Duschen sind nicht gerade einladend und von Waschmaschinen haben sie wohl noch nie etwas gehört.

Um 13.00 Uhr beginnt unsere geführte Tour in die Stadt. Unser Führer Mohammed (wie könnte er auch anders heissen?) holt uns mit dem Kleintaxi vom Campingplatz ab.

Für 150 Dirham (knapp 15 Euro) wird er uns heute Nachmittag die Medina (Altstadt) von Fes zeigen. Leider spricht er kein Deutsch, dafür ein schnelles Englisch, das mit seinem Akzent nicht leicht zu verstehen ist. Stellen wir Fragen, die er nicht beantworten will, erzählt er uns einfach etwas, das er sowieso in seinem Programm hat. Sonst ist er aber ganz in Ordnung. Die alten Gebäude mit den engen Gassen und Marktständen, die im 9. Jahrhundert (ab 808) gebaut wurden, sind eindrücklich. Die Materialien für die Renovation der antiken Gemäuer, wie Backsteine und Zement für die Universität, werden noch heute mit Mauleseln oder Eseln angeschleppt. Für Autos oder grössere Fahrzeuge gibt es keinen Platz zum Durchkommen. Was uns jedoch am allermeisten begeistert ist die Ledergerberei. Von hoch oben können wir den Meistern in die Töpfe mit den verschiedensten natürlichen Farben schauen. Gefärbt wird zum Beispiel mit Indigo, Henna, Safran oder wilder Minze.

Um vier Uhr haben wir genug gesehen und gehört, und wir entlassen unseren Führer um auf eigene Faust noch Eier, Gemüse und Früchte einzukaufen. Wir verstehen ja, dass jeder gern etwas verkaufen möchte, doch wir tun uns schwer, einfach nur etwas zu kaufen um eventuell die Armut einiger weniger zu lindern. Die Stadt Fes hat etwa zwei Millionen Einwohner. Seit 2004 gelten in Marokko die gleichen Rechte für Mann und Frau. Bigamie ist verboten, was unser 44jähriger Führer, der nur eine Frau und vier Kinder hat, ziemlich bedauert. Er meint, zurzeit als er noch hätte vier Frauen haben können sei er leider noch am Studieren gewesen und jetzt sei es halt zu spät. Er findet diese Einschränkung sehr schlecht, da es in Marokko einen enormen „Frauenüberschuss“ gebe und so nicht jede Frau die Möglichkeit hätte sich zu verheiraten. Vermulich ist das nicht sein einziges Argument...

29.01.2007 Es regnet und sieht ziemlich trostlos aus. Wetter und Strassenzustand passen zusammen, denn die Strasse von Fes Richtung Sidi Kacem ist auch schlecht.

Am Abend jedoch können wir in Moulay-Bousselham den Sonnenuntergang geniessen. Leider ist es bei windigen 19°C ziemlich kühl.

30.01.2007 Wir legen einen richtigen Ruhetag ein: Lesen, Brot & Wähe backen, frischen Fisch aus dem Atlantik grillieren und natürlich schlemmen…

Wir schlendern am Nachmittag kurz durchs Dorf und auf dem Rückweg möchten offensichtlich ein paar Mädchen mit uns sprechen, doch viel mehr als ein paar „bonjour, ça va?“ kommt dabei leider nicht heraus. Also winken sie uns "auf Wiedersehen", als wir die Treppe zum Campingplatz heruntersteigen. An der Ecke unterhalten wir uns noch ein wenig mit einem Fischer/Führer, der Ausflüge mit seinem Boot für Vogelliebhaber und Ornithologen anbietet. Pius und Martha waren vor zwei Wochen mit ihm unterwegs. Plötzlich sind die übermütigen Mädchen zurück und weil sie irgend etwas total lustig finden und wir nicht recht wissen was sie wollen oder wie wir sie wieder loswerden könnten zücke ich meine Kamera. Anstatt weg zu rennen, wie ich das eigentlich erwartet hatte, stellen sie sich ordentlich auf und sind ganz aufgeregt, dass sie fotografiert werden. Als sie noch das kleine Foto auf dem Display ansehen dürfen freuen sie sich richtig, danken, winken und machen sich aus dem Staub.

31.01.2007 Wir wollen uns die Stadt Assilah anschauen, weshalb die heutige Etappe nur kurz ausfällt. Die Altstadt ist ganz hübsch und die Anstrengungen, sie gut zu erhalten, sind gross.

01.02.2007 Bis Tanger sind es nur noch etwa 50 Kilometer. Wir haben keine Ahnung, wann die Fähren fahren und machen uns deshalb früh auf den Weg.

In der Nähe vom Hafen sind wir uns plötzlich nicht mehr sicher, welche Strasse wir wählen müssen, weil geradeaus ein Lastwagen Fahrverbot steht, und wir wollen den Polizist im Kreisel nach dem richtigen Weg fragen. Doch dieser pfeift schon lange vorher und winkt uns zu sich. Er bittet Peter auszusteigen und sich das Motorrad anzusehen, weil offensichtlich von uns unbemerkt drei Jungen aufgesprungen waren und ein Stück weit mitfuhren. Der Polizist sagt, es seien Diebe, die es auf unsere BMW abgesehen hätten. Es ist jedoch alles in Ordnung und wir dürfen weiterfahren.

Damit ist unser kurzes Marokko-Abenteuer erfolgreich beendet und wir verlassen Tanger fast pünktlich um elf Uhr mit der Fähre.

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