HOME

2007/2008
Südamerika

Reiseberichte

Mendoza – Buenos Aires

Junín de los Andes – Mendoza

Ushuaia (Argentinien) – Nationalpark Villarica (Chile)

Antarktis-Special

El Chaltén – Ushuaia, Feuerland

Península Valdés – El Chaltén (Nationalpark Los Glaciares)

Buenos Aires – Península Valdés

Salta – Buenos Aires

Arica – Paso de Sico (Grenzpass Chile/Argentinien) – Salta

Cusco – Tacna (Peru)

Titicacasee (Peru) – Cusco

La Paz – Nordyungas – Copacabana – Titicacasee

Samaipata – Sucre – Potosí – Uyuni – La Paz

Puerto Suarez – Samaipata (Bolivien)

Puerto Iguazú (Argentinien)/Ciudad del Este (Paraguay)/Foz de Iguacu – Corumbá(Brasilien)

Buenos Aires - Iguazú

Hamburg - Buenos Aires auf dem Seeweg

Hamburg - Buenos Aires auf dem Seeweg

Hamburg - Buenos Aires auf dem Seeweg

Informationen

Ausrüstung

Reiseroute

Galerien

Mendoza – Buenos Aires

Junín de los Andes – Mendoza

Ushuaia (Argentinien) – Pucon (Chile)

Antarktis-Special

El Chaltén – Ushuaia, Feuerland

Península Valdés – Nationalpark Los Glaciares

Buenos Aires – Península Valdés

Salta – Ciudad de Buenos Aires

Arica – Paso de Sico (Chile)

Cusco – Santa Rosa (Peru)

Juli (Peru) – Cusco

La Paz – Copacabana

Salar de Uyuni – La Paz

Sucre – Potosí – Uyuni

Sucre

Samaipata – Peña Colorada

Bonito – Samaipata

Iguazú – Bonito

San Ignacio – Iguazú

Buenos Aires – San Ignacio

Schiffsreise, Teil 3.2

Schiffsreise, Teil 3.1

Schiffsreise, Teil 2.2

Schiffsreise, Teil 2.1

Schiffsreise, Teil 1

Freunde

Freunde

ca. 71 Website-Besucher pro Tag, 162'172 Besucher total seit Update vom 6.September 2011

Puerto Suarez – Samaipata (Bolivien)

23. – 30.06.2007

23.06.2007 – Nähe Puerto Suarez
Auf der Bolivianischen Seite sagt man uns, die Einreiseformalitäten für die Fahrzeuge könnten nur bis 16.00 Uhr getätigt werden. Wir müssen uns also beeilen, weil es auf der brasilianischen Seite bis 15.20 Uhr gedauert hat um die Ausfuhrformulare für das Wohnmobil und das Motorrad zu erstellen. Um Viertel vor fünf hat der bolivianische Beamte alles erledigt (Wohnmobil anschauen, Chassis-Nummer und Nummernschild mit Papieren vergleichen etc.) und wir fahren einem wunderschönen Sonnenuntergang entgegen, den wir eigentlich lieber von einem sicheren Übernachtungsplatz aus gesehen hätten. Es blendet sehr stark und wir sind froh, kurz vor Einbruch der Dunkelheit einen geeigneten Platz etwas abseits der Strasse zu finden.

24.06.2007 – Roboré
Den ganzen Tag Naturstrasse fahren ist anstrengend, umso mehr als es sich um eine Baustelle von etwa 140 km Länge handelt. Ein kurzes Teilstück davon fahren wir einer neuen fast fertig erstellten Strasse entlang, die jedoch noch nicht für den Verkehr geöffnet ist. In Roboré fragen wir bei einer Sägerei, ob wir auf dem Grundstück übernachten dürften. Der Nachtwächter weiss erst nicht recht ob er uns das erlauben darf, sagt aber nach kurzem Zögern zu.

25.06.2007 – El Tinto
Um sieben Uhr trifft die Belegschaft ein und der Chef beantwortet gerne unsere Fragen über seinen Betrieb. Dir Firma ist erst im Aufbau und es sollen noch 10 Meter Dach erstellt werden, damit das Holz im Trockenen gesägt und gelagert werden kann.

Nach 15 Minuten regenweicher Naturstrasse folgt eine perfekte Betonpiste bis San José de Chiquitos, wo wir den Markt besuchen wollen, der jeweils am Montag stattfinden und wo auch Mennoniten ihre Ware zum Kauf anbieten sollen. Doch entgegen den Angaben in unserem Reiseführer gibt es keinen solchen Markt, denn die Mennoniten verkaufen ihre Produkte an die Läden im Dorf.

Ich spreche die Frau einer Mennoniten-Familie in Deutsch auf ihre hübschen Kleider an und bitte, sie fotografieren zu dürfen. Nach einem kurzen Zögern und der Frage „Warum?“ willigt sie ein. Sie schneidern ihre Kleider selber, wie es seit Urzeiten Tradition ist. Für die Männer gibt es allerdings nur ein einziges Latzhosenmuster und den immer gleichen schwarzen Jeans-Stoff und dazu tragen sie einen Strohhut. Mit ihrem speziellen Outfit ist es unverkennbar, dass sie zu dieser auf eine gewisse Art rückständigen Gemeinschaft gehören. In der Kolonie in der Nähe von San José de Chiquitos wohnen etwa 4000 Mennoniten, die plattdeutsch sprechen und nach den alten Grundsätzen leben. Die Kinder werden zu Hause gelehrt: Bibel, Lesen, Schreiben und Rechnen – mehr ist nicht notwendig. Wenn sie 12jährig sind gelten sie als erwachsen und müssen auf Hof und Feld mitarbeiten. Sie sind Selbstversorger und zur Erleichterung der Feldarbeit wurden Traktoren angeschafft, die jedoch Stahlräder besitzen, damit die Leute nicht auf die Idee kommen, mit dem Gefährt einen Ausflug zu unternehmen. Wir können Euch versichern, auf diesen Strassen wäre das eine absolute Tortur… In ganz Bolivien leben etwa 60'000 Mennoniten und keiner von ihnen fährt selber Auto, doch falls sie eines benötigen lassen sie sich fahren. Ausser Kaffee, Zucker, Salz und Kleiderstoffen wird in den Kolonien alles selber hergestellt. Die Familie lädt uns ein, ihre Kolonie zu besuchen, stellt jedoch zur Bedingung, dass sie (sieben Leute) mit uns fahren dürften. Wir gehen das Risiko nicht ein, weil in unseren Fahrzeugpapieren nur vier Sitzplätze eingetragen sind, denn wir möchten der hiesigen Polizei absolut keinen Grund geben, uns unnötig Geld abzuknöpfen. Die Frau kann unsere Entscheidung schwerlich verstehen und reagiert etwas schroff auf unsere ablehnende Haltung.

Kurz nach dem Dorf folgt eine herbe Enttäuschung: Schon wieder Naturstrasse, diesmal Schotter und mit Schildern, die eine Höchstgeschwindigkeit von 10 kmh verlangen. Auf der wunderbaren Betonpiste wären übrigens nur 40 kmh erlaubt gewesen, absoluter Unsinn, so kommen wir nie nach Santa Cruz.

In El Tinto übernachten wir bei der mobilen Drogenkontrolle, gleich neben der Hauptstrasse. Die Polizisten verlassen bei Einbruch der Dunkelheit den Posten und wir sind nur noch umgeben von Schweinen, Kühen, Gänsen und ein paar Mücken.

26.06.2007- Delikatessen Austria, Warnes
Die Naturstrasse ist miserabel mit den vielen Löchern und wir fahren über weite Strecken neben der Strasse. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt etwa 25 kmh, aber wir wollen es trotzdem bis nach Santa Cruz schaffen. Gemäss Angaben im Reise Know How gibt es einen schönen Gratis-Stellplatz des Automóvil Club Boliviano. In der Dämmerung sind wir da, doch der Platz ist verlassen und die ehemalige Zufahrtstrasse ist kaum mehr erkennbar und durch einen tiefen Graben abgeschnitten. Zum Glück haben wir von anderen Reisenden noch den ungefähren Standort eines Österreichers etwas ausserhalb von Warnes bekommen. Wir wollten sowieso da vorbei um uns mit guter Fleischware einzudecken.

Es ist inzwischen bereits so dunkel, dass wir die Schilder kaum mehr erkennen können. Bei der Keramikfabrik halten wir deshalb kurz an um zu fragen, ob jemand diese Österreichische Fleischerei kennt und bekommen die Auskunft, dass sich nach 200 Metern auf der linken Seite ein Schild mit der Aufschrift „Austria Delikatessen“ befindet. (S17°26.630’/W063°11.622’)

Peter lädt Andreas und Elfriede, das Österreicher-Paar, auf eine Tasse Tee ins Wohnmobil ein. Andreas lässt seine Frau zuhause, kommt allein und erzählt uns seine ganze Lebensgeschichte und noch viel mehr. Aber den eigentlichen Grund, weshalb er etwa 1982 mit seiner Familie nach Bolivien ausgewandert ist, wissen wir bis heute nicht, obwohl wir ihn mehrmals danach gefragt hatten.

27.06.2007 – La Víspera, Samaipata
Samaipata liegt etwa drei Autostunden südwestlich von Santa Cruz in den Bergen auf einer Höhe von 1650 müM.

28.06.2007
Heute ist ein Arbeitstag angesagt: Die Fahrzeuge haben dringend eine Reinigung nötig. Wir waschen die Wäsche – natürlich von Hand – und lassen sie in der warmen Sonne trocknen. Am Abend erstrahlen die Motorhomes und das Motorrad in neuem Glanz und unsere Kleider riechen, trotz der braunen Brühe in der sie gewaschen wurden, wieder angenehm frisch.

29.06.2007
Wir besuchen „El Fuerte de Samaipata“, Relikte aus der Vor-Inkazeit, die als Weltkulturerbe der Menschheit gelten. Ab der Hauptstrasse führt eine 5.7 km lange Naturstrasse teilweise steil den Berg hinauf. Beim Bach fragen wir uns, wie es weiter geht – natürlich auf der anderen Seite. Rein schon der wunderbaren Aussicht wegen ist der Besuch der Ruinen sein Geld wert. Die Anlage ist rund um einen der höchsten Berggipfel gebaut, von dem aus wir die ganze einmalige Landschaft überblicken können.

Wir essen heute ausnahmsweise einmal auswärts. Peter und Marcel haben am Mittag je zwei verschiedene Menus ausgewählt und wir lassen uns überraschen. Peter hat sich für „italiano“ entschieden, Marcel und Marie versuchen die Gerichte mit der Bezeichnung „mediterraneo“. Peters Wahl ist gut ausgefallen und wir geniessen die Pasta con Pesto und die vegetarischen Rollen mit Thonfüllung. Marcel und Marie sind nicht ganz so glücklich mit ihren gefüllten Rollen, doch das reisartige Menu schmecke ganz okay.

La Víspera ist mit 10 Angestellten der grösste Arbeitgeber von Samaipata. Der deutsche Gärtner, eigentlich gelernter Reise-Kaufmann, verdient pro Monat bei einer 6-Tage-Woche um die 1200 Bolivianos, was zirka 200 Franken entspricht. Er hat eine Frau und zwei Kinder und kommt mit diesem Lohn gut aus, er könne sich sogar leisten ab und zu einen Kaffe trinken zu gehen. Von Altersvorsorge sprechen sie hier nicht, die Bolivianer leben heute und was nachher kommt sieht man dann später.

30.06.2007
Wir bereiten die Website vor, doch das Internet im Dorf können wir uns sparen. Marcel hat uns erzählt, er hätte in seinem ganzen Leben noch nie eine so langsame Verbindung gehabt. Zum übermitteln der Fotos müssten wir Tage hier sitzen.

Peter schwingt sich wieder einmal aufs Fahrrad. Auf der kaum befahrenen Hauptstrasse radelt er gute 40 km und kommt zwei Stunden später glücklich und verschwitzt von seinem Ausflug zurück.

Im Kulturzentrum wird ein „Konzertabend“ veranstaltet um herauszufinden, ob die Bevölkerung eine Musikschule wünscht. Jeder, der ein Instrument spielt darf etwas zum Besten geben. Dabei entdecken wir, dass Bolivianer sind eher scheu und zurückhaltend sind. Wo in Brasilien das Volk schon längst am Tanzen wäre sitzen die Bolivianer noch relativ still auf ihren Stühlen und stimmen höchstens in ein rhythmisches Klatschen ein. Die herausragendste Darbietung stammt von einer 18jährigen aus Santa Cruz, die seit dem Alter von 4 Jahren Klavierunterricht besucht. Sie spielt ein klassisches Stück von Johann Sebastian Bach, den modernen Mambo Nr. 5 und etwas das tönt wie Reggae. Ihre Musik füllt den Raum und begeistert uns sehr. Den grössten Applaus erhalten jedoch die vier älteren Herren sowie die zusammen gewürfelte Gruppe mit Drums, Trompete und Piano, die ein Stück zu improvisieren scheinen.

© by Peter und Ruth Zaugg | Das Kopieren und/oder Weiterverwenden von Inhalten ist untersagt. | Website © 2017 by x1024.ch