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2007/2008
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Freunde

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Samaipata – Sucre – Potosí – Uyuni – La Paz

01. – 16.07.2007

Bolivien ist im Pro-Kopf-Einkommen eines der ärmsten Länder Südamerikas, obwohl es äusserst reich an Bodenschätzen ist. So stammen 41 % des Gesamtexporterlöses aus dem Bergbau, 9 % aus Erdgas und Erdöl, 17 % aus Soja und 7 % aus der Holzwirtschaft (dies sind insgesamt 74 %). 1879 hat Bolivien im Salpeterkrieg seinen Zugang zum Pazifik an Chile verloren und ist seitdem, neben Paraguay, der zweite Binnenstaat Südamerikas.

03.07.2007 – Peña colorada
Wir haben uns in Samaipata ausgeruht und sind bereit für neue Taten. Nach gut 90 km Teerstrasse biegen wir auf die Naturstrasse Richtung Sucre ein. Wegweiser gibt es keinen, doch bei der Zahlstelle bestätigt man uns, dies sei die richtige Strasse. Es ist zwar staubig, aber der Zustand der Fahrbahn ist so gut, dass wir die wunderbare und immer wechselnde Landschaft geniessen können – es gibt riesige Kakteen, Berge in wechselnden Farben und breite Schluchten. Wo es das Gelände zulässt wird etwas angebaut.

04.07.2007 – Sucre
Auch heute führt unsere Reise durch eine abwechslungsreiche Landschaft und hält sogar noch eine brenzlige Situation für uns bereit, die uns an das Mail mit den Fotos von „Driving in Bolivia“ erinnert: Ein mit gebrochener Kardanwelle in der Kurve liegen gebliebener Sattelschlepper blockiert den Verkehr und es wird Peter verständlicherweise ein bisschen mulmig, als er talseitig an ihm vorbei fährt.

Es gibt nochmals 110 km Naturstrasse, bevor wir die letzten 80 km nach Sucre auf Beton resp. Teer unter die Räder nehmen. Einige Stücke der neuen Strasse sind durch Hangrutsche allerdings bereits teilweise oder ganz weggerissen und es sind aufwändige Aufräum- und Reparaturarbeiten im Gang.

Sucre liegt auf ca. 2800 müM, wurde 1538 gegründet und hat ca. 225'000 Einwohner. 1623 wurde hier eine der ersten Universitäten Südamerikas gegründet. Seit 1828 ist Sucre die offizielle Hauptstadt Boliviens. Nach und nach gingen jedoch fast alle Funktionen an La Paz über, das 1899 Regierungs-Hauptstadt wurde und einzig der oberste Gerichtshof blieb in Sucre. 1992 wurde die Stadt mit vielen gut erhaltenen alten Gebäuden aus der Kolonialzeit von der Unesco zum Weltkulturerbe erklärt.

05.07.2007
Das JoyRide Cafe in Sucre ist vor allem bei Reisenden, die ein Notebook dabei haben, sehr beliebt. Wir sitzen über fünf Stunden auf den harten Stühlen und sind glücklich, wenigstens die wichtigsten Pendenzen erledigen zu können. Die Kosten sind gering, denn für den Internetanschluss bezahlen wir nichts und für 70 Bolivianos (umgerechnet Fr. 12.15) haben wir zu Zweit je einen feinen Toast, ein Stück Kuchen, diverse Softdrinks und einen Kaffee konsumiert.

Sucre ist eine hübsche auf vielen Hügeln gelegene Stadt und ihre Menschen sind freundlich. Marie und Peter, die sich ein Weilchen aus dem Internetcafe verziehen und sich auf eine Bank im nahen Park setzen, kommen plötzlich lachend wieder zurück. Sie hätten vor einem halben Dutzend Schuhputzer flüchten müssen, jeder versuchte es auf seine Art – unter anderem wollten sie die Sohle von Peters Turnschuhen weiss malen.



06.07.2007
Das Taxi bringt uns zum Franziskanerkloster La Recoleta, wo wir das Museum besuchen wollen. Dieses ist jedoch infolge Renovationsarbeiten (wir denken zwar eher an Geldmangel) seit Februar dieses Jahres bis auf weiteres geschlossen. Von den Torbögen ausserhalb des Klosters haben wir den schönsten Blick über Sucre und seine hügelige Umgebung.

Das Museo Textil Etnográfico/Arte Indigena vermittelt uns einen hervorragenden Eindruck über die komplizierten Webarbeiten der Jalq’a und Tarabuco. Jedes Bild ist ein Einzelstück, das seine eigene Geschichte erzählt. Ein Stück in der Grösse von ca. 30 x 50 cm wird zum Preis von 380 Bolivianos (Fr. 64.--) angeboten. 60 % davon fliessen als Löhne direkt an die Weber zurück.

Auf dem Plaza 25 de Mayo treffen wir wieder auf die jungen Schuhputzer, die zurzeit zwei Wochen Schulferien haben. Meine Wanderschuhe werden entstaubt und der dunkle Fleck, den der eifrige Junge eigentlich entfernen wollte, wird zu seinem Erstaunen nur noch grösser. Mit einer schmierigen Bürste, welche sonst vorwiegend schwarze Lederschuhe putzt ist es natürlich äusserst schwierig, braune Textilschuhe zu reinigen.

07.07.2007 – Bei einer Dorfschule nähe Tarabuco (Höhe 3'200 müM)
Weil im Hostal Austria heute abend eine Hochzeit stattfindet, welche bis in die frühen Morgenstunden dauern wird, beschliessen wir bereits am Nachmittag nach Tarabuco zu fahren obwohl wir auch die Übernachtung auf Sonntag bezahlt haben. Wir dürfen dafür von Sonntag auf Montag nochmals im Hof stehen.

Die Besitzerin des Hostal Austria, eine freundliche ältere Bolivianerin, bedankt sich sogar bei uns, dass wir hierher gekommen sind. Sie hoffte seinerzeit, als sie dem Hotel seinen Namen gab, Touristen aus der Ferne anzulocken, was bestens zu klappen scheint.

Ausserhalb von Tarabuco sehen wir etwas abseits der Strasse vor einem Gebäudekomplex einen ebenen Platz, der sich bestens zum Übernachten eignen würde. Peter geht hin und fragt die an vier neuen Schulräumen arbeitenden Maurer, ob wir uns niederlassen dürften. Nach anfänglichem Zögern stimmen sie immer noch sehr zurückhaltend zu.

Der 8jährige Junge, welcher mit der Schubkarre für die Maurer Material ankarrt ist sehr neugierig, aber unheimlich scheu. Wir möchten ihm gern ein paar Kleider geben, denn er könnte sie bestimmt gut gebrauchen. Es braucht viel Zureden, bis er mich an sich heranlässt und die Jeans, eine Jacke und einen Pijama als Geschenk annimmt. Seinen leuchtenden Augen nach zu urteilen ist er ziemlich glücklich darüber, seine Angst uns gegenüber wenigstens für einen kurzen Moment überwunden zu haben. Die wenigen Worte „gusta“ (es gefällt) und „gracias“ (Danke) drücken seine ganzen Gefühle aus.

Auch die zwar kranken, aber trotzdem strahlenden Augen des 35jährigen Landwirts, der 6 Kinder (4 Jungen und 2 Mädchen) zwischen 6 Monaten und 14 Jahren hat, zeigen eine grosse Dankbarkeit, als wir ihm eine Plastiktasche voll Kleider übergeben. Heute möchten wir selber ein herzliches Dankeschön an die Familie richten, die uns über unsere Bekannten Elisabeth und Paul so viele schöne Kleider hat zukommen lassen.

Den drei Männern, die hier unter fast menschenunwürdigen Bedingungen ohne Elektrisch und ohne Heizung wohnen, geben wir ein Stück Rüeblitorte. Sie freuen sich riesig über diese unerwartete Leckerei.

Die glücklichen Menschen, denen wir eine kleine Freude bereiten können, machen auch uns ebenfalls froh und geben unserem Herumreisen wenigstens ein klein wenig Sinn.

08.07.2007 – Sucre
Der Sonntagsmarkt von Tarabuco ist einer der interessantesten und schönsten von ganz Bolivien. Viele Einheimische der umliegenden Dörfer erscheinen hier in ihren traditionellen Trachten, kaufen ein, handeln und tauschen. Er ist jedoch auch bekannt bei den Touristen, weshalb die Preise ziemlich hoch liegen und für ein Foto normalerweise 5 Bolivianos (ca. 85 Rappen) gefordert werden. Peter filmt eine Frau, der ich für 6 Bolivianos (Fr. 1.--) drei Freundschaftsbändeli abkaufe. Als sie es merkt bittet sie ihn um mehr Geld, weil ja ihre kleine Tochter Nahrung brauche. Für mich stimmt das Verhältnis zwischen „Dienstleistung“ und Ware ganz und gar nicht – die gewebten Bänder sind zu billig und die Fotos viel zu teuer.

09.07.2007 – Bei KM 98
In Sucre beim alten Bahnhof fragen wir ein Studentenpärchen nach dem Weg Richtung Potosí. Sie sagen, das sei ziemlich schwierig zu erklären. Sie würden uns jedoch gerne begleiten, denn sie hätten sowieso die Idee gehabt, zum Stadtausgang zu gehen, die junge Frau sei da zuhause. Zwei können wir ja zur Not mitnehmen und so eine Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen. Als wir unterwegs erzählen wir würden bis zum „Castillo de La Glorieta“ fahren beschliessen sie, gleich mitzukommen. Wir treffen uns hier mit Marcel und Marie, die beim Toyota-Händler den Frostschutzgehalt kontrollieren lassen möchten.

Das Schloss „La Glorieta“ aus dem 17. Jahrhundert vereint verschiedene kontrastierende europäische Baustile: Mudéjar, französische Renaissance, Gotik und Jugendstil. Es liegt inmitten eines Militärgeländes, was uns beinahe von einem Besuch abhält, weil Respekt einflössende Wachposten am Eingang stehen. Das Schloss wird derzeit innen renoviert, deshalb wurden die Eintrittspreise reduziert. Für die Aussen-Besichtigung bezahlen wir lediglich 2 Bolivianos (35 Rappen).

Kurz nach der Abfahrt kreuzen wir einen MAN und sehen das Berner Kennzeichen ziemlich spät. Wir denken, er hätte angehalten und wenden bei der nächsten Gelegenheit. Tatsächlich holen wir ihn bereits 2 km später ein. Wir freuen uns, Renate und Bruno kennen zu lernen. Sie reisen seit bereits sieben Jahren in der Welt herum und waren längere Zeit mit Brigitte und Edy (waypoints.ch) unterwegs. Wir hätten einander bestimmt noch einiges zu erzählen gehabt, doch der Strassenrand eignet sich nicht besonders gut für einen ausgiebigen Schwatz.

10.07.2007 – Laguna de Tarapaya
Potosí war im Jahre 1650 mit 160'000 Einwohnern grösser als damals New York. Die Stadt verdankt ihre Existenz den überreichen Silbervorkommen. Potosí ist mit 4065 m die höchstgelegene Grossstadt der Welt und hat heute zirka 150'000 Einwohner, wovon 10 % in den Minen vom Cerro Rico tätig sind. Wir lassen uns mit dem Taxi vom Stadtrand ins Zentrum fahren um uns nach Minentouren zu erkundigen, ein wenig von der Stadt zu sehen und vor allem auch schon ein paar Stunden in dieser grossen Höhe zu Verbringen.

Bereits am frühen Nachmittag fahren wir zu unserem Übernachtungsplatz bei der Laguna de Tarapaya und obwohl es stark windet springen wir auf 3420 müM gleich ins einladend warme Wasser. Wer hätte gedacht, dass wir mitten im Winter auf dieser Höhe schwimmen gehen.

11.07.2007
Von der Lagune aus nehmen wir den direkten Wanderweg zur Brücke hinunter, wo in regelmässigen Abständen ein Bus vorbeikommen soll. Der Micro fährt uns für 4 Bolivianos (70 Rappen) pro Person die 25 Kilometer nach Potosí. Zur „Plaza 10 de Noviembre“ gehe es noch 15 Minuten geradeaus (den Berg hoch)und dann leicht links, erklärt der gesprächige Buschauffeur. Die Zeit gilt allerdings nicht für Touristen, welche in 4000 Meter Höhe schon nach ein paar zügigen Schritten ausser Atem kommen – wir benötigen etwa eine halbe Stunde um uns den stotzigen Hügel hoch zu schleppen. Wir buchen eine private 3stündige Minentour, weil uns die offizielle zu lange dauert. Das ist einerseits unheimlich anstrengend und andererseits bräuchten wir ein Taxi um wieder zur Lagune zu gelangen.

Wir buchen bei Koala Tours eine private 3stündige Minentour, weil uns die offizielle zu lange dauert und eventuell auch zu anstrengend wäre. Andererseits bräuchten wir dann ein Taxi um wieder zur Lagune zu gelangen, weil bereits ab 17.00 Uhr keine viel billigeren Minibusse mehr fahren.

Pünktlich um 13.00 verlassen wir mit Pedro Negro, einem Tourleiter von Koala Tours das Büro und begeben uns zuallererst auf den „Mercado de los Mineros“. Was es da zu kaufen gibt lässt uns mit offenem Mund dastehen: Dynamit, Explosionsverstärker, Zündschnur und Zünder sind ein „Completo“ und für 17 Bolivianos (knapp Fr. 3.--) zu haben. 1 Liter 96&iger Alkohol der aus Zuckerrohr gewonnen wird schmeckt wie billiger Wodka und kostet 10 Bolivianos (Fr. 1.70); ein Beutel Kokablätter mit Asche und getrockneter Banane zur Erzielung der gewünschten halluzinogenen Wirkung wird für 5 Bolivianos verkauft.

Beim Lagerhaus werden wir mit der obligatorischen Schutzkleidung versehen: Gummihose, Gummijacke, Gummistiefel und Bauarbeiterhelm, alles schon mit sichtlichen Gebrauchspuren versehen – was kommt da wohl auf uns zu?

Am Eingang zur Mine „La Candelaria“, auf etwa 4'300 Meter Höhe, nimmt uns unser Tourleiter Juan in Empfang, der uns gleich mit einer Stirnlampe ausrüstet. Er spricht fliessend Englisch und wird assistiert von seinem Bruder Javier, denn es braucht aus Sicherheitsgründen immer zwei Begleiter. Juan arbeitete selbst 3 Jahre in der Mine und ist seit 11 Jahren bei Koala Tours tätig. Zurzeit studiert er Linguistik an der Universität um später als Lehrer arbeiten zu können. Weil die Universität jedoch seit 2 1/2 Monaten geschlossen ist, ist er froh, ab und zu als Tourleiter eingesetzt zu werden. Javier war ein Jahr in der Mine tätig und spricht nur dürftig Englisch.

*Vor der Präfektura findet heute eine stille Demonstration von Administrativ-Arbeitern statt, die fordern, dass ihre Universität wieder geöffnet wird. Sie sind seit 2 ½ Monaten ohne Arbeit und Lohn, weil radikale Studenten mit teilweise unverständlichen Forderungen die Uni blockieren.

Laut der letzten Statistik arbeiten im Cerro Rico 15'000 Mineros, (davon sind 2'000 Kinder zwischen 10 und 15 Jahren) die täglich 5000 Tonnen Erzgestein aus dem Berg holen. Von ehemals 700 Minen sind heute noch 300 aktiv. Seit 470 Jahren werden im Cerro Rico Mineralien abgebaut, die älteste Mine datiert jedoch vom Jahr 1545. Wurde früher nur Silber gewonnen so sind es heute Blei, Zink, … und Silber

Aus dem engen dunklen Stollen kommt uns im Eiltempo ein von zwei Mineuren geschobener Wagen entgegen, der mit einer Tonne Erzgestein beladen ist. Dann gehen wir hinter unserem Führer her den Schienen entlang. Bevor wir das Museum erreichen müssen wir in geduckter Stellung nochmals zurückeilen um in einer rettenden Nische Schutz vor einer herannahenden Lore zu finden. Schon sind wir froh, für 2 Bolivianos (33 Rappen) eine Staubmaske gekauft zu haben, denn bereits im Museum hängt Asbest von der Decke und ein wenig weiter im Stollen liegen auch noch Arsengase in der Luft. Dadurch und durch den vielen Staub werden die Lungen der Mineros derart geschädigt, dass die Lebenserwartung nur bei etwa 40 Jahren liegt. Die Mineros arbeiten allesamt ohne wirkungsvollen Staubschutz, viele tragen gar nichts, andere haben lediglich ein Baumwolltuch vor Nase und Mund. Sie erhalten für Bolivien relativ hohe Löhne von ca. 2000 Bolivianos pro Monat (Fr. 330.--), doch dafür setzen sie tagtäglich ihr Leben aufs Spiel.

Die nächste Station ist der Tio, das ist der Teufel, der im Berg herrscht. In jeder Ebene gibt es eine solche Götzenfigur. Die Mineros glauben an den Tio im Berg und verehren ihn, denn Gott ist draussen im Himmel. Jeden Freitag statten die Mineros ihrem Tio einen Besuch ab, geben ihm Kokablätter oder zünden ihm eine Zigarette an und genehmigen sich 96%igen Alkohol indem sie zuerst Pacha Mama, der Mutter Erde etwas abgeben, bevor sie selbst ihre Flasche leeren.

Im Cerro Rico gibt es keine Ingenieure und Geologen. Der Berg hat ein eigenes Gesetz: Alle Adern im Berg verlaufen in der Richtung Nord/Süd und neue Adern werden immer in Ost/West-Richtung gesucht.

Vor elf Jahren prophezeiten amerikanische Geologen, dass die Bergbauarbeiten noch sieben Jahre aufrechterhalten werden könnten. Im letzten Jahr sagten die Mineros selber, dass in fünf Jahren Schluss sei. Der Berg ist durchlöchert wie ein Emmentaler Käse und es besteht die grosse Gefahr, dass früher oder später ein Unglück geschehen wird.

Weil wir uns nur etwa 1 ½ Stunden in der Mine aufhalten, reicht die Zeit nicht um in die 3. Ebene zu gelangen, so bleibt uns der beängstigende Abstieg über eine steinige Rutsche erspart. Etwa 200 Meter im Berginnern ist es warm, wir schwitzen und der Staub bleibt an uns kleben. Obwohl wir uns nicht sehr schnell fortbewegen sind wir nach kurzer Zeit ausgepumpt und müssen eine Rast einlegen. Wie ergeht es da den Minenarbeitern, die in diesem ungesunden Klima Höchstleistungen erbringen? Wir sehen nur wenige, doch die leeren Blicke stimmen uns nachdenklich. Sie arbeiten 8 Stunden pro Tag ohne Unterbruch und 6 Tage in der Woche in einem 4-Wochen-Turnus.

Das Erz wird heute nicht mehr heraus gemeisselt sondern gesprengt: Jeweils um 17.00 Uhr erfolgen die Sprengungen auf der 4. Ebene. Zu diesem Zeitpunkt darf niemand mehr in der Grube sein, denn schon nach kurzer Zeit füllen sich alle Stollen mit Staub. Am nächsten Tag wird das Erzgestein 20 m’ mit einer Handwinsch in die 3. Ebene gehievt. Vier Mann schieben dann die 2 Tonnen schwere Lore 700 m’ dahin, wo es in Körbe aus alten Lastwagenreifen geschaufelt wird und mit einer Elektrowinsch 40 m’ hoch auf die erste Ebene transportiert wird. Von dort fällt es durch eine Schütte in die 1-Tonnen-Lore der zweiten Ebene. Diese Lore wird von zwei Arbeitern 200 m’ nach draussen geschoben, wo es über Rutschen auf Lastwagen geladen und in die Verarbeitung transportiert wird. Dort wird das Gestein ….

Die Minen funktionieren als Kooperativen. Die Mineros bezahlen 14 % an die Kooperative, davon muss 6 % an den Staat abgeliefert werden.

Am Abend demonstrieren wir Schweiz/Bolivianische Zusammenarbeit beim Bergen eines am Abgrund hängenden Jeep. Ein bolivianischer Lastwagenfahrer zieht, unser Action-Mobil sichert und Marcel übernimmt das fachgerechte Anhängen und Sichern sowie das Kommando für die Fahrer. Der überglückliche Autobesitzer umarmt uns nach der geglückten Rettung gleich der Reihe nach.

12.07.2007 – Uyuni, 3 km östlich (3720 müM)
Potosí – Uyuni ist die landschaftlich abwechslungsreichste Strecke unserer Reise durch Bolivien. Immer wieder eröffnet sich uns nach einem Übergang ins nächste Tal ein neues, faszinierendes Landschaftsbild. Berge in den verschiedensten Farben und Felsen in fantastischen Formen.

Einzig den geeigneten Übernachtungsplatz zu finden gestaltet sich heute ziemlich schwierig. Als wir uns in der Nähe eines Friedhofs eingerichtet haben kommt ein Einheimischer daher und informiert uns, dass hier lediglich die Toten hergebracht werden und wir nicht hier stehen sollten. Wir packen wieder zusammen und beschliessen, in der Nähe des nächsten kleinen Ortes vor Uyuni zu übernachten. Das Dorf liegt jedoch auf über 4'000 müM, was uns ein wenig Sorge wegen der Höhe bereitet. Deshalb fahren wir auch noch die letzten 18 km und stellen uns beim Hotel Marith, in den kleinen Hinterhof, der zurzeit eine Baustelle ist und im Moment gar nicht empfohlen werden kann. Nach zehn Minuten werden wir gebeten, nochmals herauszufahren, weil ein Fahrer mit seinem Auto hinaus will und wir die Einfahrt blockieren. Deshalb füllen wir schnell Wasser nach und machen uns gleich aus dem Staub. Bei der Hinfahrt haben wir bereits einen Platz angeschaut, der ruhig ist und wo uns bestimmt keiner wegschicken wird. Denn nur weil wir Wasser brauchten, hatten wir uns entschieden beim Hotel zu übernachten und nicht frei zu stehen.

13.07.2007 – vor der Insel Incahuasi auf dem Salar (Salzsee), 3670 müM
Uyuni ist, obwohl viele Touristen herkommen, keine schöne Stadt. Nach dem Einkauf brechen wir deshalb sofort Richtung Norden auf.

In Colchani werden wir nach der Bezahlung von 5 Bolivianos registriert, dann dürfen wir rechts ab Richtung Salar de Uyuni fahren. Einheimische haben uns gewarnt, es sei schwierig, die Einfahrt zu finden, weil es sehr viele verschiedene Spuren gebe. Doch mit der genauen Wegbeschreibung und den Koordinaten des Salzhotels haben wir keine Mühe, einer sicheren Route zu folgen.

Der Eintritt auf die kleine gepflegte Insel Incahuasi kostet 10 Bolivianos (Fr. 1.70) pro Person. Auf dem gepflegten Wanderweg mit Wegweisern und Abfallkübeln aus Kakteenholz steigen wir auf den höchsten Punkt. Der Ausblick ist atemberaubend. Wir sehen bis zu den Schneebergen der Chilenischen Anden. In einer Bucht finden wir einen kalten aber ungestörten Übernachtungsplatz. Diese Nacht ist es –2°C kalt und der Wind rüttelt am Wohnmobil, obwohl wir im Schutz der Insel stehen.

14.07.2007
Vor der Weiterfahrt umrunden wir Incahuasi zu Fuss und es kommt uns immer noch vor, als ob wir auf gefrorenem Schnee gingen und nicht auf einer zwei bis sieben Meter dicken Salzkruste.

Der Salar de Uyuni ist die grösste Salzfläche der Welt. Mit einer Länge von 160 km und einer Breite von 135 km ist er etwa 1/3 so gross wie die Schweiz. Weil es seit längerer Zeit trocken ist müssen wir nicht befürchten einzubrechen, wenn wir die braunen Stellen in der Nähe der Inseln meiden und der genauen Route zur Ausfahrt aufs Festland folgen. Das spezielle Gefühl, auf einem Salzsee zu fahren, ist phänomenal.

Die Sonneneinstrahlung ist so intensiv und verleiht dem See einen Zauber, der alles irgendwie unwirklich erscheinen lässt. Die verschiedenen Inseln heben sich plötzlich vom Horizont ab und man hat den Eindruck sie würden in der Luft schweben. An der wärmenden Sonne empfinden wir die kalte Temperatur von 5°C am Nachmittag trotzdem als ganz angenehm. Die Namen der Inseln sind etwas verwirrend: Die Isla Pescado, 21 km Nordwestlich von Incahuasi (auch als Isla de Pescadores bekannt) ist nicht sehr einladend, deshalb fahren wir nach dem Mittagessen wieder zu unserem heutigen Ausgangspunkt zurück.

15.07.2007 – 7 km südlich von Huari auf 3'740 müM
Die weissen Wabenmuster erinnern uns daran, dass wir Salz unter den Rädern haben und nicht etwa Schnee. Ein Bolivianer hat uns erzählt, der Salar de Uyuni gelte als eines der Weltwunder und genau so empfinden wir das auch. Wir verlassen den Salzsee Richtung Norden über Tahua, um nicht die gleiche Strecke nach Colchani zurückfahren zu müssen.

Die Piste von Tahua nach Huari führt uns um den 5400 m’ hohen Vulkan Cerro Tunapa, der von jeder Seite eine ganz spezielle Ausstrahlung hat. Sie hält ein paar Flussdurchfahrten für uns bereit und kurz vor dem Eindunkeln empfinden wir Mitleid mit einem Chauffeur und seinen Mitfahrern, der seinen 3Achser in den Sand gesetzt hat. Mit Schaufel und Pickel versuchen sie, das Fahrzeug auszugraben, unterlegen Steine und Äste, die eine bessere Unterlage geben sollen. Wir stoppen nach etwa 200 Metern und bemerken, dass die zwei vorbeifahrenden Lastwagen nicht anhalten. Deshalb empfinden wir Mitleid und ziehen den Lastwagen mit der Kraft unseres MAN auf die feste, nur zwei Meter entfernte Piste. Wir stellen dann fest, dass von den Einheimischen niemand hilft, weil es an Bergematerial fehlt. Es hat kaum einer einen Abschleppgurt oder ein Stahlseil dabei.

16.07.2007 – 5 km südlich von Panduro (3'822 müM)
Kurz nach Huari beginnt die Teerstrasse und wir kommen zügig vorwärts. Unser Vorhaben, in Oruro die Visa für Bolivien zu verlängern gelingt leider nicht, weil wir die Pässe erst am nächsten Morgen wieder abholen könnten. Wir wollen heute jedoch noch ein Stück weiter Richtung La Paz fahren.

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