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2007/2008
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El Chaltén – Ushuaia, Feuerland

27. November – 26. Dezember 2007

27. November 2007 – El Chaltén
Nach einem langen Tag “online” besteigen wir den kleinen Hügel oberhalb des Visitor-Centers, nicht etwa weil wir das Gefühl haben, dass wir heute den Kondoren begegnen würden, sondern vielmehr um die Köpfe zu verlüften. Und das gelingt ausgezeichnet im starken und böigen Patagonienwind.

28. November 2007 – Freier Camping am Lago Roca
Weil es immer noch zügig windet verzichten wir auf unsere letzte Wanderung zum Loma del Pliege Tumbado von wo man nochmals eine hervorragende Panoramasicht über den Cerro Torre und das Fitzroy Massiv hätte. Stattdessen fahren wir weiter nach El Calafate und verbringen den sonnigen Nachmittag schon wieder im Internet.

29. November 2007
Peter und Edi sind beim Fischen offensichtlich zu ungeduldig, sie haben noch nie etwas gefangen. Walter, ein Amerikaner hingegen fischt aus Leidenschaft und lässt seine Beute jeweils wieder frei. Weil wir jedoch gerne ein feines Nachtessen hätten überlässt er uns grosszügig seinen heutigen Fang.

30. November 2007
Das Wetter ist mittelprächtig, was uns veranlasst mit dem Besuch des Gletschers Perito Moreno noch einen Tag zu warten und stattdessen einen nahen Hügel zu besteigen, von wo wir bei besserem Wetter eine tolle Aussicht hätten.

1. Dezember 2007 – El Calafate, Camping Niriguao

Perito Moreno

Patagonien wird von einer 22'000 km2 grossen Eisdecke beherrscht. Dies ist die grösste zusammenhängende Inlandeisfläche und nach der Antarktis und Grönland die insgesamt drittgrösste Eisfläche auf unserer Erde. Die Gletscherzunge des Perito-Moreno-Gletschers erhebt sich auf einer Breite von 4 Kilometern imposante 60 Meter hoch aus dem Lago Argentino. Im mit 1 – 2 cm langsam fliessenden Eisstrom bilden sich Risse und Spalten, was dazu führt, dass ab und an mächtige Eisquader in den See stürzen.

Noch immer ist es bewölkt und regnerisch, doch wir brauchen eine Luftveränderung und reisen trotz düsterem Wetter zum Gletscher, der nach dem im Jahre 1852 geborenen Patagonien-Forscher Franzisco P. Moreno benannt wurde. Die Wahrscheinlichkeit, dass man Eisstücke abbrechen sieht ist bei diesem Gletscher äusserst gross und so beeindruckt er uns auch ohne Sonneneinstrahlung extrem. Es kracht und knallt im Eis und wir sehen wie ganze Türme tosend ins Wasser stürzen und dann schwimmend im See treiben.

2. Dezember 2007
Das Wetter ist schön und die Temperatur mild. Zwei Blocks von unserem Campingplatz entfernt beginnt um zehn Uhr die ländliche Ausstellung und Grossvieh-Messe. Ab vier Uhr nachmittags werden die prämierten Bullen versteigert und uns interessiert natürlich, wie das hier in Argentinien abläuft. Als erstes wird gleich das teuerste Tier vorgeführt und der schönste Stier geht für satte 10'000 Pesos (knappe Fr. 4000.--) an seinen neuen Besitzer über. Der zweite Bulle, mit 6'000 Pesos wesentlich günstiger, wird zu unserem Erstaunen vom gleichen Mann ersteigert. Er dürfte eine riesige Estancia besitzen, wenn er zwei solch stattliche Stiere braucht. Wie an einer Gant üblich, wird auch hier gleich nach dem Zuschlag der entsprechende Scheck unterzeichnet, so dass alles seine Richtigkeit hat. Nach einer guten Stunde sind wir im Bild und verlassen das von mehr Schaulustigen als Kaufinteressierten gesäumte Messegelände.

3. Dezember 2007
An Tankstellen in Grenznähe zu Chile gibt es jeweils Tanksäulen mit verschiedenen Preisen, weil der Treibstoff in Chile viel teurer ist als in Argentinien und die Steuerbegünstigung nur Fahrern mit inländischen Nummernschildern zugute kommen soll. So auch bei den zwei Tankstellen im touristischen Calafate, wo „Einheimische“ für einen Liter Diesel ca. 1.90 Pesos (72 Rappen) bezahlen und der Touristen-Preis 3.11 Pesos beträgt. Bei Petrobras haben wir heute Glück und tanken am Vormittag 50 Liter zum tiefen Preis. Wir versuchen es am Nachmittag nochmals doch jetzt sind die Tanks leer und der Tanklastwagen kommt erst morgen um sieben Uhr – vielleicht!

4. Dezember 2007
Weil Petrobras auch um zwei noch keinen Diesel hat beschliessen wir, an der YPF-Tankstelle 50 Liter zum regulären Preis von 3.118 Pesos/Liter zu tanken (Fr. 1.18), um das lästige Thema endlich zu beenden. Jetzt bietet uns jedoch der gestern noch sehr sture Tankwart 50 Liter zum niedrigen Preis an, wir müssten ihm aber 30 Pesos „schmieren“. Wir finden 10 Pesos (Fr. 4.--) extra wäre genug, offerieren ihm jedoch 30 Pesos, falls er bereit wäre uns den Tank mit 250 Liter zu befüllen. Darauf meint er, dafür würde er seinen Job nicht riskieren und will 100 Pesos (inzwischen ist auch bereits schon ein Kollege involviert). Wir sind genervt, tanken aus lauter Verwirrung gar nicht und fahren am Abend nochmals hin. Petrobras hat noch immer leere Tanks und bei YPF hat es inzwischen Schichtwechsel gegeben.

Jetzt tanken wir ganz ruhig und regulär an der teuren Touristen-Säule – doch was passiert da plötzlich? Nach lediglich acht Litern hängt der Tankwart den Zapfhahn wieder ein und erklärt, der Tank sei leer. Er gebe uns jetzt noch 50 Liter von der anderen Säule (zum Preis von 1.879 Pesos pro Liter). Uff, dazu sagen wir nur: Wieder einmal Glück gehabt! Und (ohne zu schmieren) immerhin etwa Fr. 25.00 gespart.

5. Dezember 2007 – Cuevas del Milodón
Mitten in der Pampa – Auf der Ruta 40 zwischen El Cerrito und Tapi Aike haben wir mit unserem MAN die erste Panne. Am rechten Strassenrand steht ein Pickup und wir überholen ihn mit gebührendem Abstand auf der linken Seite. Genau in diesem Moment blockieren unsere Bremsen und wir kommen keinen Meter mehr weiter – die Pneumatik ist ausgefallen. Die Schläuche beider Systeme verlieren gleichzeitig Luft. Ein Ehepaar aus Corrientes, das nach Ushuaia reist, möchte uns gern helfen, ist jedoch etwa so ratlos wie wir selber. Aus der Gegenrichtung kommt ein vollbesetzter Bus und der Buschauffeur bietet spontan seine Hilfe an. Wäre so etwas in der Schweiz denkbar? Er hat das Problem innert Sekunden erkannt und wartet noch auf seinen Kollegen, der mit einem zweiten vollbesetzten Bus unterwegs ist. Nachdem Margrit uns drei Teppiche ausgeliehen hat, die wir unters Fahrzeug legen können ist der hilfsbereite Chauffeur schnell unter unserem Fahrzeug, schneidet kurzerhand die Schläuche durch – Peter kriegt dabei fast eine Herzbaracke – und steckt sie wieder auf das Verbindungsstück. War das tatsächlich schon alles? Und wir hatten uns wirklich fast den Kopf zerbrochen, wie wir die Schläuche möglichst schnell behelfsmässig dichten könnten.

Die Zollabfertigung geht auf der argentinischen wie auf der chilenischen Seite freundlich und problemlos vonstatten und wir müssen gar nichts von unseren Lebensmitteln abgeben. Weil es im kleinen Grenzort Cerro Castillo kein Fleisch und kaum Früchte und Gemüse gibt fahren wir die 60 km nach Puerto Natales zum Einkaufen für die nächsten zwei Wochen.

6. Dezember 2007 – Laguna Azul (Torres del Paine Nationalpark)
Am frühen morgen ist es bedeckt und regnerisch, doch am Nachmittag wird es sonnig und die milden Temperaturen lassen uns sogar bei zügigem Wind draussen sitzen. Die Spitzen der Torres sind vorerst von Wolken verhüllt, welche sich aber gegen Abend verziehen.

7. Dezember 2007
Der Wecker klingelt um 05.00 Uhr. Das Wetter ist garstig und das Barometer ist gesunken. Grund genug liegen zu bleiben statt in die wolkenverhüllten Berge zu wandern.

Um doch noch etwas zu unternehmen besuchen wir am Nachmittag den nahen Wasserfall. So nah ist er aber doch wieder nicht und wir benötigen für die Tour immerhin dreieinhalb Stunden.

Am 8. Dezember ist der Himmel beinahe wolkenlos und wir freuen uns auf die bevorstehende Wanderung zum Gletschersee der Torres. Obwohl wir bereits vor 12 Uhr dort ankommen sind die Gipfel wieder von Wolken verhüllt und die Nebel fallen immer tiefer. Es beginnt sogar ganz leicht zu schneien und wir packen uns in die vorsorglich mitgenommenen dicken Klamotten ein. Nach eineinhalb Stunden vergeblichen Wartens auf bessere Bedingungen steigen wir wieder ab.

9. Dezember 2007
Das Wetter ist ziemlich widrig und der zeitweise böige Wind bringt sogar einige Schneeflocken mit sich. Ein Tag zum lesen, backen und die Wärme im Wohnmobil geniessen.

10. Dezember 2007 – Camping Lago Pehoé
Nach vier Tagen am Lago Azul brauchen wir eine Luftveränderung. Nach einer ausgiebigen Pause an der Laguna Amarga, wo wir zum Fotografieren auf Sonnenschein warten, fahren wir weiter zum Hafen am Lago Pehoé, von wo wir morgen mit dem Katamaran ans westliche Ende schiffen wollen. Wir besuchen den nahen Salto Grande, den grossen Wasserfall, wobei uns der stürmische Wind heftig ins Gesicht peitscht. An ein Übernachten auf dem exponierten Parkplatz ist nicht zu denken, denn auch unsere Fahrzeuge werden heftig durchgeschüttelt. Also begeben wir uns zum Campingplatz, der nur 8 km südlich liegt und etwas geschützt sein soll.

11. Dezember 2007
Der Blick aus dem Fenster lässt uns vermuten, dass die Bedingungen in den Bergen nicht gerade einladend sind. Deshalb wollen wir zunächst einen Tag abwarten, ob sich die Lage bessert. Edi und Margrit lassen sich nicht aufhalten und starten trotzdem zu ihrem zweitägigen Unternehmen.

Peter und ich begnügen uns damit, zum nahen Aussichtspunkt „Mirador Cóndor“ aufzusteigen und nach Kondoren Ausschau zu halten. Schon beim Aufstieg können wir die ersten beobachten und sehen einen nach dem anderen ohne auch nur einen einzigen Flügelschlag in Schwindel erregende Höhen entschwinden.

12. Dezember 2007
Obwohl wir gestern Abend beschlossen haben, heute die Tour in Angriff zu nehmen blasen wir sie bereits am frühen morgen wieder ab, denn es regnet heftig.

13. Dezember 2007

Glaciar Grey

Der Grey-Gletscher schiebt sich auf einer Länge von ca. 20 Kilometern vom Inlandeis her um eine Insel herum in den Lago Grey. Seine Eiswand ist 30 – 40 Meter hoch und riesige Eisblöcke, die von Zeit zu Zeit mit grossem Getöse abbrechen treiben bis ans entfernte Ende des Sees. Von diesen Eisbergen sind sieht man lediglich 15 %, der ganze Rest liegt unter Wasser.

Unser Entscheid bis heute zu warten macht sich voll bezahlt. Bei strahlendem Sonnenschein und ohne den hierzulande üblichen Wind fahren wir mit dem Katamaran über den Lago Pehoé und wandern zum Grey Gletscher. Die Aussicht ist bezaubernd und die Ausbeute an hervorragenden Bildern ist so gross wie noch nie. Nach dem 22 km Marsch sind wir geschafft aber sehr glücklich.

14. Dezember 2007
Gestern waren wir beim Gletscher und heute fahren wir zu dessen Friedhof – an das südliche Ende des Lago Grey, wo sich die restlichen Eisberge sammeln und ganz langsam schmelzen.

15. Dezember 2007 – Pinguinos Seno Otway
Wir haben uns vorgestellt die Nacht auf dem Parkplatz bei der Pinguinera Seno Otway zu verbringen. Doch bereits am Eingang zum vorher zu durchquerenden Reservat teilt man uns mit, dies sei alles Privat und um viertel nach Acht würde das Gatter geschlossen. Bis dahin müssten wir wieder draussen sein. Weil wir unbedingt die kürzlich geschlüpften Küken sehen möchten und die Pinguine zwischen fünf und sieben am aktivsten sind fahren wir trotzdem hin. Als wir dann beim Kassier freundlich fragen, gestattet er uns auf dem Parkplatz des Privatgrundstücks zu übernachten.

16. Dezember 2007 – Club Andino, Punta Arenas
Am Sonntag ist in Punta Arenas nicht viel los und bei schlechtem Wetter suchen wir nach einem offenen WiFi. Das „Conservatorio de Música“ ist diesmal der unfreiwillige „Spender“ und wir setzen uns in unseren Wohnmobilen direkt vors Gebäude.

17. Dezember 2007 – Tankstelle Gobernador Philippi
Vom Aussichtspunkt bei der Bergstation des Sessellifts sehen wir auf die Magellan-Strasse und überblicken Punta Arenas, die südlichste Stadt Chiles mit etwa 120'000 Einwohnern. Obwohl sie als schönste Stadt Patagoniens gilt können wir ihr, vielleicht auch des Wetters wegen, keine gute Seite abgewinnen.

18. Dezember 2007 – Lago Blanco
Auf dem Weg zur Fähre über die „Primera Angostura“, die erste Enge der Magellanstrasse, passieren wir die Estancia San Gregorio. Sie wurde 1878 vom Pionier Marius Andrieu gegründet und war der erste dem Fiskus verpachtete Viehzuchtbetrieb auf dem Festland. In der Blütezeit erlangte sie eine Grösse von 90'000 Hektar und im Jahre 2001 wurde sie vom Staat als typische Zone deklariert. Heute wird die Estancia von einer Kooperative bewirtschaftet, aber mit den verlassenen Gebäuden entlang der Hauptstrasse wirkt sie eher wie eine Geisterstadt.
Wir stoppen hier eigentlich nur, weil wir am Ufer die verrosteten Überreste des Dampfschiffs Amadeo und der Ambassasor entdecken.

19. Dezember 2007
Trotz eher schlechter Wettervorhersage ist es sonnig und angenehm warm und auf einer kleinen Wanderung finden wir eine uns bisher unbekannte wunderschöne Blume.

Bereits um die Mittagszeit fliegt ein Kondor ganz tief über unser Camp hinweg, doch abends erleben wir dann eine richtige Schau. Einer nach dem anderen schwebt erstaunlich tief über die Baumwipfel und versucht in den schwachen Aufwinden Höhe zu erreichen. Flügelschlagende Kondore waren für uns ein eher seltenes Bild, doch heute schaffen es die Riesengeier nicht, ohne diese Anstrengung in ihr Nest zu gelangen. Wir zählen etwa acht Stück und können uns an dem Schauspiel kaum satt sehen.

20. Dezember 2007
Auf der heutigen Erkundungstour, welche Edi und Peter trotz starkem Regen unternehmen erklärt sich dann die gestrige Versammlung von Kondoren in unserem Gebiet. Ein gutes Stück von unserem Lagerplatz entfernt liegen zwei tote Kühe, von den Geiern inzwischen fein säuberlich ausgenommen. Die Gesundheitspolizei der Natur lässt hier nicht lange auf sich warten.

21. Dezember 2007 – Lago Fagnano, Tolhuin
Trotz des Strassenschildes, dass nur Fahrzeuge mit 4x4 den Paso Bella Vista nach Argentinien überqueren können versuchen Edi und Margrit mit ihrem Miet-Mercedes durchzukommen. Wir hoffen, dass wir ihnen dabei nicht helfen müssen oder gar selbst in Schwierigkeiten geraten.

Die Strasse bis zum chilenischen Zoll ist hervorragend und wir fragen uns, wozu denn ein 4x4 notwendig sein soll. Diese Frage wird uns dann ungefragt von den Zöllnern beantwortet. Direkt nach der Grenze, aber noch vor dem argentinischen Zoll, befindet sich ein Fluss und der Wasserstand sei gestern etwa knietief gewesen. Einer der Beamten steigt zu Edi und Margrit ins Fahrzeug und begleitet uns. Er zeigt uns auch, wo der Fluss am besten zu durchqueren ist, denn auf der Route, die bei geringem Wasserstand gefahren wird, gibt es ein Loch im Flussbett.

Edi traut der Sache verständlicherweise nicht so sehr und watet zur Sicherheit zwei Mal zu Fuss durch. Nach den heftigen Regenfällen von gestern steht das Wasser heute sogar hüfttief und aus eigener Kraft schafft es der Mercedes Sprinter nicht. Wir bieten Edi an, ihn hinüber zu ziehen. Doch das Wasser fliesst ziemlich schnell und könnte bei ihnen bis zur Sitzfläche hoch steigen. Deshalb entscheiden Edi und Margrit den weiteren aber dafür sicheren Weg über San Sebastian in Kauf zu nehmen. Schade, Rio Grande ist auf dem direkten Weg so nah und sie müssen einen Umweg von etwa 150 Kilometern fahren.

Auf der argentinischen Seite haben die Zöllner alles beobachtet. Sie erwarten uns bereits und fragen erstaunt, warum der „andere“ nicht gekommen sei, wir hätten ihn doch hinüberziehen können. Vielleicht sind wir heute die einzigen Grenzgänger.

Auf der einsamen Strecke vom Grenzübergang Paso Bella Vista, an dem werktags kaum etwas los ist, geht ein Gaucho zu Fuss des Weges. Er ist vor zwei Stunden bei der Estancia Retranca gestartet und bittet uns, ihn bis zur 40 km entfernten Estancia Menendez mitzunehmen, wo er seine schwangere Frau besuchen will. Er ist 21jährig, arbeitet als Schafscherer und sein 20köpfiger Trupp zieht von Estancia zu Estancia. Weil es gestern so stark geregnet hat sind die 15'000 Schafe zu nass um sie zu scheren.

Er erzählt uns bereitwillig von seiner Arbeit. Pro Tag schert ein Schafscherer etwa 200 Tiere. Er selbst will diese offenbar gut bezahlte Arbeit solange machen, wie sein bereits jetzt geschundener Rücken es zulässt. Vom Dezember – Februar wird die Wolle der Schafe geschoren, vom März – Juni werden nur die Köpfe „rasiert“ und zwischen August und November werden die Tiere zwischen den Beinen geschoren, um irgendeiner Krankheit vorzubeugen. So ist ein Schafscherer das ganze Jahr über beschäftigt.

Im Lago Fagnano schwimmt ein Biber und was er da sucht wissen wir nicht – die Biber ernähren sich doch von Borken und nicht von Fisch? Nach dem Nachtessen unternehmen wir einen kleinen Erkundungs-Spaziergang und sind überrascht, im nahen Teich gleich mehrere Biber zu Gesicht zu bekommen. Sie sind jedoch so scheu, dass sie sofort abtauchen, sobald sie uns bemerken. Allerdings sind sie trotzdem sehr neugierig und schauen, gut durch Baumstämme getarnt, vorsichtig aus dem Wasser um herauszufinden, ob Gefahr droht.

22. Dezember 2007 – Ushuaia, Camping Andino
Wir freuen uns sehr, auf dem Camping „La Pista del Andino“ viele bekannte Gesichter zu sehen und vor lauter Begrüssungen vergessen wir ganz, dass uns der Campingwart eigentlich den reservierten Platz zeigen will.

Wir richten uns ein und erfahren, dass ein deutsches Paar am Wochenende acht Stunden im Rio Bella Vista, den wir gestern durchquert haben, stecken geblieben ist. Davon hatte uns doch bereits der gesprächige Grenzbeamte ausführlich erzählt. Hätte er uns allerdings auch das Fahrzeug beschrieben, hätten wir bereits gewusst, wer da solches Pech hatte. Wir haben die beiden in El Chaltén kennen gelernt und sie laden uns gleich ein, die ganze mit Fotos dokumentierte Geschichte von ihnen selbst zu hören.

23. Dezember 2007
Mit dem Duft von Mailänderli und Brunsli kommt Weihnachtsstimmung auf. Ich backe zwar nur wenig Guetzli, dafür geniessen wir sie doppelt.

24. Dezember 2007
Auf dem Campingplatz veranstalten verschiedene Gruppen feine Weihnachtsessen und singen Weihnachtslieder. Wir beschliessen, uns verwöhnen zu lassen und melden uns beim Campingwart zum argentinischen Buffet an. Zu Salat, Rouladen und anderen Vorspeisen gibt es Lamm, Rind und Poulet vom Grill. Danach wird eine Eiscreme serviert. Um Punkt 24.00 Uhr wird mit Champagner angestossen und alle wünschen einander frohe Weihnachten. Nach Mitternacht dürfen wir uns dann am Dessert-Buffet gütlich tun.

25. Dezember 2007
Heute ist ein wunderbarer Tag und wir machen, wie bereits in Punta Arenas, eine Skipisten-Wanderung. Als wir beim Moor anlangen beenden wir allerdings den Ausflug, denn es ist zu sumpfig. Immerhin haben wir wieder ein paar Kalorien verbraucht und die Luft in unseren Lungen ausgetauscht.

Am Abend grillieren wir gemütlich am Lagerfeuer und unterhalten uns bis spät in die Nacht. Weil es bis fast um elf Uhr hell ist vergessen wir beinahe ins Bett zu gehen.

26. Dezember 2007
Eigentlich meinten wir, Ushuaia wäre das südlichste Ziel unserer Reise. Nachdem uns verschiedene Leute von ihrem Ausflug in die Antarktis vorgeschwärmt haben überlegen wir uns, ebenfalls eine 10tägige Reise zum Eis des Südpols zu unternehmen. Peter geht mit Volker und Marcel ins Reisebüro um die Möglichkeit eines Last-Minute-Angebots zu prüfen. Ob es geklappt hat erfahrt ihr dann in unserem nächsten Bericht.

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