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2007/2008
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Ushuaia (Argentinien) – Nationalpark Villarica (Chile)

10. Januar – 14. Februar 2008

10. Januar 2008 – „Tierra del Fuego“-Nationalpark am Rio Lapataia
Wir sind am Ende der Strasse „Ruta 3“ angelangt. Von hier geht’s nur noch zu Fuss oder per Schiff weiter nach Süden. Ab jetzt fahren wir Richtung Norden mit dem noch weit entfernten Endziel Alaska.

11. Januar 2008 – „Tierra del Fuego“-Nationalpark am Rio Pipo
Wir besteigen den Cerro Guanaco und werden mit einer wunderschönen Aussicht auf Ushuaia und den ganzen Park belohnt. Der Schwierigkeitsgrad dieser Wanderung ist mit hoch bezeichnet, wir empfinden es mit unserem Übergewicht vom feinen Essen auf dem Schiff in die Antarktis eher als ziemlich anstrengend und schwitzen auch dementsprechend.

12. Januar 2008 – Ushuaia

Nachdem wir den kleinen Wasserfall “Cascada Rio Pipo” gesehen haben fahren wir langsam wieder nach Ushuaia zurück, wo wir Volker antreffen, dessen Frau eigentlich gestern hätte hier ankommen sollen. Sie musste jedoch unfreiwillig einen eintägigen Aufenthalt in Rom einlegen, weil ihr Flug von Rom nach Buenos Aires ausgefallen war. Aber heute endlich trifft Inge ein, welch eine Erleichterung und Freude für Volker.

13. Januar 2008
Wir bekommen von Marie und Marcel ein Mail (ebenfalls aus Ushuaia) und fragen uns, ob sie wohl gleich irgendwo um die Ecke von unserem Kaffeehaus sitzen. Und siehe da, als wir zum Campingplatz zurückkommen sind sie auch schon hier. Zum Abschied macht Volker noch ein schönes Feuer, damit wir unser Fleisch grillen und gemütlich zusammen essen können.

14. Januar 2008 – Rio Grande
Ushuaia ist verhangen und die düsteren Regenwolken giessen ihr Nass über uns aus. Jetzt ist es klar, dass auch für uns die Zeit gekommen ist Richtung Norden zu ziehen. Wir rufen noch Ruben und seine Frau aus Rio Grande an und laden sie zu Kaffee und Kuchen in unser Wohnmobil ein. Aufgrund irgendeines Missverständnisses klappt das Treffen leider nicht und wir verspeisen die feinen Törtchen aus der international bekannten Bäckerei in Tolhuin zusammen mit Hannelore und Ludwig aus Regensburg, die wir beim Übernachtungsplatz am Strand kennen lernen.

15. Januar 2008 – Laguna Azul
Auf dem Weg nach Norden müssen wir ein Stück durch Chile fahren, die Grenze heute also zwei Mal überqueren. Weshalb überhaupt versuche ich mit dem chilenischen Beamten der SAG (Lebensmittelkontrolle) über unsere paar Früchte und das bisschen Gemüse zu diskutieren, das er konfisziert? Nur weil wir geglaubt haben „Transittouristen würden nicht kontrolliert“? Eigentlich wissen wir doch genau, dass man es grundsätzlich nie weiss, ob und wie man kontrolliert wird. Das nächste Mal werden wir, wie bisher, einfach keine frischen Lebensmittel mehr dabei haben und so auch keine Gehässigkeiten provozieren.

Bereits wieder in Argentinien fahren wir ein Stück gegen Westen um beim Kratersee „Laguna Azul“ zu übernachten.

16. Januar 2008 – Puerto San Julián
Rio Gallegos ist gerade recht zum Tanken und Einkaufen, es gibt nichts Sehenswertes. Ein starker Wind bringt sogar Kiesel zum fliegen und wir sind froh, dass wir nicht auf dem Motorrad oder per Fahrrad unterwegs sind sondern uns hinter der Frontscheibe unseres MAN verstecken können. Die Strecke führt durch die Pampa und lediglich das auf der Karte unscheinbare Örtchen Comandante Luis Piedrabuena ist wie eine Oase mit klarblauen Flussarmen und grünen Bäumen eine kleine Überraschung.

Puerto San Julián ist ein hübscher kleiner Ort, der den Touristen etwas bieten möchte und wo man gerne einen Zwischenhalt einlegt auf der langen Reise Richtung Norden.

17 Januar 2008 – Küste nördlich von Puerto San Julián
Vor dem Hotel Bahia, wo wir dessen Internetanschluss nutzen, klopft es plötzlich an die Tür. Das Lokalfernsehen bittet um ein kurzes Interview über unsere Reise und möchte auch unser Wohnmobil filmen. Und jeder der Peter kennt weiss, dass er dabei selbstverständlich bereitwillig mitmacht.

18. Januar 2008 – 20 km südlich von Pico Truncado
Der heutige Tag bringt viel Abwechslung. An der Küste hat es eine Kormoran-Kolonie, Möwen und Seelöwen. Wir sehen Hasen, Füchse, Guanakos, Ziegen, Schafe, Ñandus, verschiedene Vögel, wieder einmal ein Gürteltier und Tauben.

Der Höhepunkt ist jedoch der versteinerte Wald: Das „Monumento Natural Bosques Petrificados” liegt inmitten einer trockenen Hügel-Landschaft, die aussieht als ob sie in einem Anfall überschüssiger Energie in aller Eile aufgeschüttet worden wäre. Da liegen, wie in Stücke gesägt, riesige versteinerte Baumstämme. Wir staunen: die Holzstruktur und die Jahrringe sind deutlich sichtbar. Die Bäume liegen am selben Ort wo sie vor über 150 Millionen Jahren lebten. Sie wurden über 100 Meter hoch und über 1000 Jahre alt, bevor sie durch starke Winde gefällt und unter Vulkanasche begraben wurden. Mit Mineralien angereichertes Regenwasser erreichte jede Ritze und jede leere Stelle und kristallisierte. Dieser lange physikalische und chemische Prozess bewirkt die Versteinerung. Später gab dann die Erosion die heute sichtbaren Bäume wieder frei, aber es gibt noch viele, noch ältere Bäume, die immer noch darunter begraben sind.

Normalerweise fährt man auf dem gleichen Weg wieder zur Ruta 3 zurück. Die Parkwächter bestätigen jedoch auf unser Drängen, dass die 60 Kilometer lange Verbindungsstrasse zur Ruta 12 mit unserem Fahrzeug machbar sei. Zeitweilig ist die Naturstrasse dann erstaunlicherweise wie eine Autobahn – breit und fein. Aber zwischendurch gibt es Abschnitte, die wir eher einen holprigen steinigen Feldweg nennen würden. So ist es denn auch kein Wunder, dass wir uns nicht vor Gegenverkehr fürchten müssen. Die Ruta 12 erinnert uns dann ein Stück weit ans Tal der Monumente und wir erfreuen uns an dieser willkommenen Abwechslung.

In einem ausgetrockneten Flussbett ist ein Lastwagen stecken geblieben. Wie immer frage ich mich beim Schreiben des Reiseberichts, weshalb es von der Rettungsaktion wohl wieder kein Foto gibt. Die Antwort lautet: Es war schaufeln angesagt, nicht fotografieren! Der ziemlich verzweifelte Chauffeur, der Lebensmittel auf eine Estancia gebracht hatte, hat sich etwa 50 Meter von der Strasse entfernt beim Wenden richtig eingegraben. Bis auf beide Achsen steckt er im weichen feuchten Sand. Der Mann hat weder Schaufel noch sonst irgendwelches Bergungswerkzeug dabei und hat versucht sich mit Holzleisten, Ästen, Steinen und einigen Wellblech-Stücken zu helfen, was bisher noch gar nichts gefruchtet hat. Beim Versuch ihn rückwärts hinauszuziehen graben wir uns zunächst selbst ein. Auf der anderen Seite ist es jedoch griffiger und so ziehen wir ihn vorwärts raus, nachdem wir vorher den Sand vor seinen Rädern weggeschaufelt haben um den Widerstand zu verringern. Wir können gerade sehen, wie eine Zentnerlast vom gestressten Mann abfällt, als er endlich frei ist.

Das ist genug „Action“ für einen Tag und wir finden 20 Kilometer vor Pico Truncado, wo wir dann wieder auf die asphaltierte Hauptstrasse gelangen werden, einen ruhigen Übernachtungsplatz mitten in der Prärie.

19. /20. Januar 2008 - Los Antiguos
Wir wundern uns ob der Grösse der Stadt Pico Truncado, stellen aber schnell fest, dass das mit dem Ölgeschäft zusammenhängt. Richtung Westen erstrecken sich über fast hundert Kilometer hinweg mit Ölpumpen übersäte und durch Strom und Ölleitungen verbundene Felder. Wir wussten zwar, dass es im Süden Argentiniens Erdölvorkommen gibt, hatten aber keine Idee wo sich diese befinden.

Bei Traumwetter fahren wir nach Los Antiguos. Das Kirschenfest ist vorbei, doch Chriesi gibt es trotzdem noch zu kaufen. Peter ersteht für 6 Pesos (Fr. 2.40) gleich ein Kilogramm der süssen Früchte. Weil er nur 7 Pesos und der Verkäufer kein Rückgeld hat packt dieser einfach noch mehr Kirschen drauf. Als ich „das Kilo“ dann auf die Waage stelle zeigt diese 1.940 kg an. Es ist Samstagnachmittag – bis am Montag früh müssen die Kirschen gegessen sein, denn dann fahren wir über die Grenze nach Chile. Und Früchteimport wäre ein Verbrechen.

21. Januar 2008 – Puerto Rio Tranquilo

Bei der Kreuzung „El Maitén“ gelangen wir auf die „Carretera Austral“. Das heisst 500 Kilometer Staub, Wellblech- und Schotterstrassen, Baustellen, aber auch traumhafte Umgebung.

22. Januar 2008 – Reserva Natural Coihaique/Laguna Verde
Dem See entlang führt die Naturstrasse durch eine wilde Gegend Richtung Norden. Als dann in Villa Cerro Castillo die Teerstrasse beginnt ist die Landschaft zwar immer noch traumhaft schön, doch irgendwie geht ihr ein bisschen der Charme verloren. Es kommt uns vor wie im Jura mit den Alpen im Hintergrund. Der gelbe Raps blüht und Blumen in allen Farben säumen den Strassenrand.

Auch in Chile erleben wir allerhand. Im „Reserva Natural Coihaique“ bei der Laguna Verde zerstört ein Parkaufseher kurzerhand die Abschrankung zur Wiese, damit wir mit dem Wohnmobil näher an der Lagune stehen können ohne die Strasse zu blockieren oder anderen Campern die Aussicht zu versperren.

23. Januar 2008 – Parque Nacional Queulat/Seccion Ventisquero Colgante
Frühmorgens umrunden wir die kleine Lagune um frisch zu werden für einen langen Tag.

Der Strassenabschnitt von Queulat bis Puyuhuapi ist zwischen 10 und 14 Uhr gesperrt. Wir berechnen, dass uns das nicht gross betrifft und erreichen um 14.20 die Baustelle, welche soeben wieder für den Verkehr freigegeben wird.

Im Queulat Nationalpark, Sektion „Ventisquero Colgante“, ist es heiss. Deshalb spazieren wir nur zum nahen Aussichtspunkt und zum Schiffsteg an der Lagune und verschieben den Aufstieg zum Gletscher auf morgen.

24. Januar 2008 – Camping „Ventisquero Yelcho“
Die Dschungelwanderung zum „Ventisquero Colgante“, dem hängenden Gletscher, ist ein schöner Einstieg in den heutigen Tag.

Wir nehmen ab und zu einzelne Leute mit in den nächsten Ort, das ist manchmal ganz interessant. Der Mann, der heute zu uns einsteigt trägt ziemlich zerschlissene Kleider und riecht ein wenig seltsam. Er ist Holzer auf einer Estancia und als wir bei einem stehen gebliebenen Lastwagen vorbeifahren erklärt er, der gehöre seinem Patron. Er habe eine Panne – kein Diesel mehr. Und eben solchen Diesel müsse er jetzt bei der Tankstelle in La Junta für ihn holen.

Das Thermometer zeigt 36°C an, ob das wohl stimmt? Als wir aus dem kühlen Führerhaus ins Freie kommen haben wir tatsächlich das Gefühl in einen Backofen zu steigen.

25. Januar 2008 – Playa Santa Barbara
Trotz Morgennebel wollen wir die Gelegenheit nicht verpassen, auch den Gletscher „Ventisquero Yelcho“ aus der Nähe zu sehen und wir starten zeitig zur zweistündigen Wanderung, die dem Fluss entlang führt. Obwohl wir kaum höher kommen präsentieren sich die Berge und der Gletscher in glänzendem Sonnenlicht. Bereits während des Fotografierens ziehen die ersten Wolken auf und beim Zurückkommen tauchen wir wieder in den leichten Nebel ein. Weiter nördlich ist es dann bedeckt und die Sonne zeigt sich in Chaitén erst am späteren Nachmittag wieder.

Eingangs Chaitén finden wir eine mechanische Werkstätte, die unsere ausgerissene Schraube wieder anschweissen kann. Ebenfalls noch vor dem Mittagessen buchen wir für nächsten Dienstag die Fähre von Caleta Gonzalo nach Hornopirén. Die vier Tage bis dahin nutzen wir für ein paar Wanderungen im Pumalin Park.

26./27. Januar 2008
Mit dem Motorrad erkunden wir den westlichen „Pumalin Park“ einen immergrünen Regenwald. Dieser Park ist dank Geld und Initiative des Nordamerikaners Douglas Tompkins (North Face Bekleidung) entstanden und stellt eine Art Nationalpark unter privater Initiative dar. Es gibt einige hübsche Campingplätze und schöne Wanderungen durch den Urwald zu Wasserfällen, Seen und Vulkanen. Wir wandern zu den letzten gut zugänglichen über 1500 Jahre alten Alercen, einer Spezies, die heute geschützt ist. Alercen kommen in Chile und Argentinien auf einem 250 km breiten Gürtel vor, der hier das südlichste Ende erreicht.

„Ond es wär alles no vel schöner wenn nor di cheibe Bräme ned wäre!“

Wo früher das Holz der gefällten Alercen und anderer gut verkäuflicher Bäume zum Abtransport bereitgestellt wurde befindet sich heute die vermutlich schönste Campinganlage des Pumalin Parks. Auf dem “Vulkan-Wanderweg” lernen wir viele verschiedene Pflanzen kennen.

28. Januar 2008 – Caleta Gonzalo
Auf dem Weg zur Fähre stoppen wir um zu den “Cascadas Escondidas”, den unteren und oberen (Bild) versteckten Wasserfällen, zu wandern. Die “Caleta Gonzalo-Cascadas“ sind ein bisschen schwieriger zu erreichen. Der Weg führt über schmale Stege, Leitern, Wurzeln, Steine und Felsen bevor wir auch nur einen Blick auf diese Wasserfälle erhaschen können.

29. Januar 2008 – 30 km vor Puerto Montt
Die Fähre nach Hornopirén verlässt Caleta Conzalo pünktlich um 09.00 Uhr und die Überfahrt ist sehr ruhig. Dank interessanten Reisenden vergehen die fünf Stunden wie im Flug.

Vor der nächsten Fähre Richtung Puerto Montt treffen wir auf Gaby und Ivo, denen wir bereits in Cusco und Salta begegnet sind. Wir sind überrascht und freuen uns, mit ihnen auf einem kleinen Campingplatz am Abend gemütlich zusammen zu sitzen und von unseren Erlebnissen zu erzählen.

30. Januar 2008 – Puerto Varas am Lago Llanquihue
Bei MAN in Puerto Montt lassen wir einen Service ausführen und sogar das defekte Scheinwerfer-Glas wird ersetzt. Einzig die linken Seiten- und Rücklichter brennen noch immer nicht, obwohl wir doch anfänglich so zuversichtlich sind. Es gibt wohl irgendwo einen Kurzschluss und wir müssen uns noch erkundigen, wie wir den aufspüren können.

Am Abend gibt es ein freudiges Wiedersehen mit unseren Freunden Margrit und Edi, die vor einem Monat Ushuaia fluchtartig verlassen hatten um in die Wärme zu gelangen.

31. Januar 2008
Anstatt die Geschichte der ersten Deutschen Siedler von Puerto Varas zu erzählen möchten wir kurz von Christian berichten. Seine deutschen Eltern wanderten nach Chile aus und er wurde hier geboren. Im Jahr 2000 pachtete er das Skigebiet des Vulkan Osorno für 30 Jahre und erwarb zwei alte 2er-Sessellifte der Flumserberge, die er dort abgeholt und eigenhändig am anderen Ende der Welt wieder montiert hat. Derzeit ist Christian noch dabei, ein Problem am oberen Lift zu beheben. Auf Peters Frage hin, was er denn gelernt hätte, antwortet er in Chile müsse man alles sein. Bei der Talstation auf 1240 müM gibt es ein Cafe, einen Souvenir-Laden und Adventure Tour Angebote. Die Lifte sind vor allem im Sommer in Betrieb, denn im Winter herrschen zu oft Sturmwinde von bis zu 250 kmh. Wir wundern uns, ob sich die Investitionen lohnen und die Anlage wohl wirklich rentiert.

1. Februar 2008 – Volcán Osorno
Die Petrohue Wasserfälle erleben wir leider bei Hochnebel und das schöne Bild mit dem Osorno im Hintergrund bleibt ein Wunschtraum. Das türkisblaue Wasser lässt uns aber das schlechte Licht beinahe vergessen. Nur 6 km weiter in Petrohue, am Lago Todos los Santos ist es klar und der Himmel strahlend blau. Der Vulkan Osorno und der Tronador erheben sie majestätisch.

Die nächste Station ist der Vulkan Osorno, wo wir zum nahen roten Krater aufsteigen. Edi hat mit einem Kanadier-Paar vor einigen Tagen in einer anspruchsvollen elfstündigen Tour den Gipfel über den Gletscher mit vielen Spalten und Klareis erklettert. Wir bestaunen den Vulkan, der 1835 letztmals aktiv war, mit Ehrfurcht.

2. Februar 2008 – Puerto Montt
Wir erreichen den Fischmarkt in Puerto Montt etwas spät, die meisten Fische, Muscheln und Krabben sind verkauft und die Stände bereits zusammengeräumt. So bummeln wir den Strand entlang, begutachten Kunsthandwerk, Pullover und Souvenirs.

3. Februar 2008 – Beim Restaurant Espantapajaros, Puerto Octay
Auf der Halbinsel Centinela versammelt sich am Sonntag ganz Puerto Octay zum Sonnenbaden. Wir gesellen uns dazu, wählen jedoch das weniger attraktive steinige Uferstück von dem sich die meisten Einheimischen fernhalten, vermutlich weil man über eine Steinmauer hinunterklettern muss. Der See ist so klar, dass es eine richtige Einladung ist, darin zu schwimmen. Die Sonne brennt so stark, dass wir beim Lesen einen bösen Sonnenbrand erwischen.

In Puerto Madryn haben wir Chilenen kennen gelernt, die Werbung für ihr Restaurant zwischen Frutillar und Puerto Octay gemacht haben. Das Restaurant „Espantapajaros“, was übersetzt Vogelscheuche heisst, ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien und ohne eine Reservation kriegt man am Sonntagmittag keinen Tisch. Es gibt Tiere wie Esel, Gänse, Wildschweine, Ziegen und Ñandus, die nicht nur, aber vor allem, die Kinder begeistern. Nach dem Essen, einem reichlichen Buffet für umgerechnet Fr. 22.50, inkl. Wein und Mineralwasser, setzt sich der um 1950 ausgewanderte Deutsche zu uns und erzählt uns viel von seiner Geschichte. Dass in der Pinochet-Ära viele Grundeigentümer enteignet wurden und sie später ihre in der Zwischenzeit teilweise heruntergewirtschafteten Ländereien zu normalen Preisen wieder zurückkaufen konnten, erstaunt uns sehr.

4. Februar 2008 – Am Fluss
Der Wasserfall „Salto del Indio“ im Puyehue Nationalpark hat viel weniger Wasser als üblich und den „Salto de la Prinzessa“ besuchen wir auf anraten erst gar nicht, weil er sich mit der derzeitigen Wasserknappheit kaum als echter Wasserfall präsentiert.

5. Februar 2008 – Niebla

6. Februar 2008 – Flussdelta am Lago Calafquén
Von Valdivia fahren wir auf der Naturstrasse dem malerischen „Rio Calle Calle“ und der Eisenbahnlinie entlang bis Los Lagos. Ab dort gibt es Teer und wir überlegen uns während der Mittagsrast in Panguipulli, am gleichnamigen See zu nächtigen. Es ist schön hier, doch es kommt noch besser. Der Lago Calafquén ist viel wärmer und wir finden am Flussdelta östlich vom sehr touristischen Lican Ray einen hübschen Platz, der in der Nacht etwas mehr Ruhe verspricht.

Bei der Wahl der richtigen Stelle vergisst Edi einen Moment lang, dass sein Fahrzeug nicht geländetauglich ist und setzt die Vorderräder kurzerhand in den Sand. Wir ziehen ihn mühelos rückwärts hinaus und diesmal liefert Margrit sogar noch das entsprechende Foto dazu.

7. Februar 2008
Die nächtliche Ruhe war ein Wunschtraum und ohne Ohropax wäre es eher ein Albtraum. Um halb zwölf dreht ein Quadfahrer seine erste von etwa vier lautstarken, kurzen Runden in unmittelbarer Nähe. Als er eine Stunde später fertig ist beginnt eine Gruppe von Jugendlichen mit ihrer Art von Unterhaltung. Sie hören laute Musik, singen, trommeln, grölen und schwatzen – bis halb sieben in der Früh. Wir schlafen nur dank oben erwähnter Hilfsmittel.

Am Vormittag haben wir den Strand und den See ganz für uns allein. Das Wasser ist ruhig, es gibt keine durch Wind, Motorboote oder Wassertöffs verursachte Wellen und die nachtaktiven Chilenen liegen allesamt noch im Bett.

Als sich gegen Abend ein paar Jugendliche in unserer Nähe niederzulassen scheinen teilt uns ein besorgter Chilene aus Santiago die Notfallnummer der Polizei (133) mit, falls es Schwierigkeiten geben sollte. Doch die Jungs sind friedlich und ausser mit dem in Südamerika üblichen Nachtlärm haben wir auch heute keine Probleme.

8. Februar 2008
Wir haben noch nicht genau herausgefunden, wer hier falsch gewickelt ist. Nachts um halb elf, es ist schon lang dunkel, fahren plötzlich ein Bagger und ein LKW auf. Zwei Mal wird der LKW voll beladen und dann ist es wieder ruhig - komische Sitten.

9. Februar 2008 – am Fluss zu den Thermen
Die „Termas Geométricas“ sind wunderschön in eine Schlucht eingebettet. Der Eintritt kostet zwar ein Sündengeld (14000 Pesos = CHF 35.00 pro Person), doch für einmal lassen wir uns von diesem Preis nicht vom Genuss dieser wirklich schönen Anlage abhalten. Es gibt siebzehn Becken mit heissem Thermalwasser, zwei Wasserfälle und drei Kaltwasserbecken, die wir heute gerne auslassen, sowie eine Cafeteria. Das alles ist mit gut begehbaren Holzstegen verbunden. Am Eingang erhalten wir zwei frische weisse Badetücher und zwei nummerierte Vorhängeschlösschen, mit denen wir die Kästchen in den Kabinen verschliessen können.

Auf dem Rückweg wollen wir bei einem Campingplatz für Wasser fragen, nachdem uns die Dame an der Tankstelle pro Liter 50 Pesos abknöpfen wollte. Für 100 Liter wären dies umgerechnet Fr. 12.50 gewesen… Der Campingplatz liegt jedoch hinter einer absolut schwachen Brücke, die unter unserem Gewicht zusammengebrochen wäre. Also fragt Peter kurzerhand die Mieter eines Bungalows, ob sie ihm etwas Wasser geben könnten. So lernen wir die sympathische Familie Carvajal Jerez aus Punta Arenas kennen. Als Dank übergeben wir ihnen zwei Tafeln Schokolade. Als wir uns verabschieden drücken sie uns einen geräucherten Lachs und Crackers in die Hände. Zudem ist unser Wassertank beinahe randvoll – 300 Liter Wasser zum Nulltarif, neue Freunde und obendrauf noch ein feines Zvieri. So unterschiedlich ist es auch in Chile.

10. Februar – 9. März 2008

10. Februar 2008 – Parkplatz Vulkan Villarica
Am Vulkan Villarica campieren wir zusammen mit Hartmut und Margret aus Deutschland, Edi und Margrit. Neben unserem Vorderrad hat Gina aus Kempten ihr kleines Zelt in den Windschatten gestellt. Ein deutsches Paar aus Hamburg schläft auf der Brücke des für zwei Tage gemieteten Pickup.

Wir bewundern in der Ferne den Lava speienden Vulkan Llaima bis spät in die Nacht. Hartmut hat sein Fernglas aufgestellt und die Einheimischen stehen Schlange, um einen Blick durch dieses wundersame Ding zu werfen. Auf den Fotos in der Dunkelheit ist zwar der 100 Kilometer entfernte Lavastrom deutlich zu sehen, doch die Konturen des Berges gehen leider verloren. Wäre ein Vulkanausbruch nicht mit grossen Gefahren verbunden würde man sich beinahe wünschen, dass das ewig so weitergeht.

11. Februar 2008 – Melipeuco
Morgens um fünf ziehen wir los um den Vulkan Villarica zu besteigen. Edi, der erfahrene Bergsteiger, führt uns durch die Dunkelheit den Berg hoch. 700 Höhenmeter und 1 ¾ Stunden später ist für Peter und mich bereits Endstation. Wir beschliessen, dass der schneebedeckte Gletscher für uns zu gefährlich ist und kehren gemütlich wieder zurück. Edi, Margrit und Gina, denen die Steilpassagen nicht viel ausmachen, nehmen derweil die zweite Hälfte in Angriff. Weil die drei jedoch keine Steigeisen dabei haben, müssen sie weiter oben einen zweistündigen Halt einlegen und warten bis der Schnee weich wird, bevor sie den Gipfel erklimmen können. Für einmal hat sich der frühe Start leider nicht unbedingt gelohnt.

Am Abend fahren wir nach Melipueco um den Vulkan Llaima von möglichst Nah zu sehen.

12. Februar 2008 – Bei Don Juan und Señora Monica auf der Strasse nach Cherquenco
1954, beim letzten grossen Ausbruch des Vulkans Llaima floss der Lavastrom ums Dorf herum und bildete die Laguna Huenuman. Das Wasser ist glasklar aber fürchterlich kalt. Derzeit wird eine Notstrasse um das Dorf herum gebaut, falls der seit 1. Januar dieses Jahres wieder ziemlich aktive Vulkan die Hauptverbindungsstrasse verschütten würde. Am gegenüberliegenden Berg gibt es Notunterkünfte für alle Dorfbewohner und am 1./2. Januar wurden diese dahin evakuiert.

Beim Informationsbüro fragen wir nach einer Möglichkeit, den Vulkan aus noch näherer Entfernung oder eventuell sogar vom Flugzeug aus betrachten zu können. Die Dame geht mit Edi und Peter zur Polizeistation, von wo ab und zu Flüge für die Geologen mit dem Helikopter durchgeführt werden. Der Polizeichef ist erst ab ein Uhr wieder im Dienst und von ihm erhalten wir dann einen Haufen erstklassiger Informationen. Er verspricht uns sogar Polizeibegleitung, damit wir den Aussichtspunkt auf der Nebenstrasse sicher erreichen. Um vier Uhr begleitet uns ein Polizist mit Motorrad bis zur Brücke El Salto. Wir wären ohne ihn zwar schneller da gewesen, denn er verpasst beim ersten Anlauf den Abzweiger von der Hauptstrasse. Eigentlich hätte er sicherstellen sollen, dass wir einen guten Übernachtungsplatz finden, doch vermutlich geht ihm die Rüttelpiste auf den Nerv. Er verabschiedet sich jedenfalls mit der Erklärung von uns, wir würden bald ein freies Feld finden, wo wir uns niederlassen könnten.

Unterwegs treffen wir wieder auf Francisco, den wir heute Vormittag kennen gelernt haben. Er hat bereits etwas Passendes gesichtet und fragt für uns alle bei Don Juan und Señora Monica ob wir bei ihnen übernachten dürfen. Das Grundstück liegt gleich gegenüber des Vulkans wo die glühende Lava den Berg hinunterströmt. Die beiden heissen uns herzlich willkommen und so erfahren wir weitere Lebensgeschichten aus Chile. Wir laden sie am Abend zu einem Glas Wein ein und werden am morgen mit warmem Brot verwöhnt. Obwohl ihr Chef ein wohlhabender Anwalt aus Temuco ist sind die beiden mausarm. So freut es uns, dass wir ihnen als Dank ein paar kleine Geschenke dalassen können.

13. Februar 2008 – Temuco
Eigentlich wollten wir alle einen Vulkan-Rundflug unternehmen. Doch der Aeroclub besitzt nur kleine Flugzeuge und so hätten wir zwei chartern müssen. Weil es bereits ein wenig bedeckt und ziemlich windig ist, was Peter beim Fliegen nicht sehr gut erträgt beschliessen wir, Edi Margrit und Francisco den Vortritt zu lassen. Sie nehmen für uns ein Auge voll und bringen hoffentlich tolle Fotos zurück. Nicht nur zu ihrer sondern zu unserer aller Enttäuschung ist der Himmel jedoch Wolkenverhangen und die drei Pechvögel sehen nicht einmal die Spitzen der Vulkane, geschweige denn deren Krater.

14. Februar 2008 – Villarica-Nationalpark (Chile)
Heute werfen wir einen ersten Blick auf den schönsten Vulkan Südamerikas, den 3774 Meter hohen Lanin, der auf der Grenze zwischen Chile und Argentinien steht.

Morgen überqueren wir die Grenze nach Argentinien.

© by Peter und Ruth Zaugg | Das Kopieren und/oder Weiterverwenden von Inhalten ist untersagt. | Website © 2017 by x1024.ch