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2008/2009
Argentinien, Chile

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Zürich – Buenos Aires - Halbinsel Valdés

15. September - 7. Oktober 2008

15.09.2008 – Zürich – (Boston) – Atlanta – Buenos Aires
Der Beginn unserer Reise verläuft ein bisschen harzig. Start ist um 06.00 in Safenwil. Ruedi, Peters Bruder, bringt uns zum Flughafen – das klappt noch bestens.

Beim Einchecken werden wir darauf aufmerksam gemacht, dass unser Flug bereits eine Stunde und vierzig Minuten Verspätung hat. Wegen einem medizinischen Notfall musste der Flieger auf dem Flug nach Zürich in Boston zwischenlanden. Als wir bereits im Flugzeug sitzen erfahren kurz vor dem geplanten Start, dass die Kerosin-Pumpe des mittleren Tanks ausgefallen ist. Deshalb muss das zuvor getankte Kerosin wieder abgepumpt werden und so warten wir weitere drei Stunden, diesmal bereits auf den Flugzeugsitzen, ohne auch nur von Fleck zu kommen. Hinzu kommt nun, dass wir in Boston zum Nachtanken zwischenlanden müssen, weil der Sprit nicht bis zum Bestimmungsort reicht – was zu einer weiteren Stunde Verspätung führt. Von den planmässigen sechs Stunden Aufenthalt in Atlanta beiben gerade noch knappe 30 Minuten. Kaum Zeit genug um Einreise und Zoll zu erledigen – aber es reicht (weil auch der Anschlussflug nach Buenos Aires ein wenig Verspätung hat).

16.09.2008 – Buenos Aires – Lobos
Mit nur einer Stunde Verspätung kommen wir in Buenos Aires an, wo uns Jorge vom Campingplatz bereits erwartet. Unterwegs begegnen wir Maite und Werner, einem deutschen Paar, das wir hier eigentlich nicht erwartet hätten – wir haben ja sowieso gemeint wir wären um diese Zeit wohl die einzigen auf dem Campingplatz.

Doch es sind da noch einige mehr: Walli und Jochen, von denen wir schon viel gehört haben, weil sie bereits einige Jahre unterwegs sind, dann Helga und Eugen, die soeben mit der Grimaldi eingetroffen sind sowie Erika und Peter, die wir in Bariloche kennen gelernt hatten.

Als Peter den Töffträger herunterlässt reisst das Stahlseil der Seilwinde beinahe und – weil es lang genug ist – können wir das defekte Stück einfach abschneiden und eine neue Kausche anbringen. Das erforderliche Material bekommen wir problemlos in der „Ferreteria“ (Eisenwarenhandlung) in Lobos.

Bereits am ersten Tag lädt Peter Walli und Jochen ein, weil sie schon morgen wieder abreisen wollen. Deshalb verbringen wir den Abend zusammen und erhalten interessante Informationen von den beiden.

17.09.2008 – Nuevo Camping Bahia de los Lobos
Am Morgen treffen Andrea und Guido mit ihrem grossen Wohnmobil ein. Sie sind zwar noch nicht lange hier, werden jedoch bereits am Freitag wieder nach Deutschland zurückreisen, weil ein interessanter Auftrag ruft.

Jorge hilft Peter den defekten Auspuff zu demontieren und schweisst ihn dann fachmännisch zusammen. Den von einem Stein zertrümmerten Elektrostecker bei der Hinterachse zu ersetzen ist, trotz anderweitiger Information, ein bisschen knifflig. Doch mit Werners fachmännischer Hilfe ist alles nur noch halb so wild.

Bei einem Glas Wein erzählen uns Maite und Werner von ihren eindrücklichen Reiseerlebnissen mit schwerwiegenden Pannen in Bolivien und daraus resultierender Ersatzteilbeschaffung in Chile. Die teilweise tagelangen Strassenblockaden gehen darob beinahe fast als belanglos durch.

18.09.2008
Wir fahren mit dem Motorrad nach Buenos Aires um bei der Filiale von San Cristobal unsere Versicherungspapiere abzuholen. Wir tun uns schwer, die Adresse zu finden und verlieren beinahe eine Stunde mit suchen. Aber Ende gut – alles gut!

Am Nachmittag buchen wir die Fähre nach Uruguay. Der Buquebus soll uns am Montagmorgen nach Colonia de Sacramento bringen und am Dienstagabend wieder zurück. So hoffen wir für unser Fahrzeug eine neue 8monatige Bewilligung zu erhalten, denn die aktuelle würde Mitte Oktober ablaufen.

Die Aufseher und Mitbesitzer des Campings, Myrta und Jorge, trinken mit uns ein Gläschen Wein und wir zeigen Ihnen unseren Schweizer Film. Wir hoffen, dass sie uns einmal besuchen werden und wir ihnen einen Teil unseres Landes zeigen dürfen. Sie würden so gern einmal Europa besuchen, sind jedoch etwas besorgt weil sie „nur“ Spanisch sprechen.

21.09.2008 – Lobos – Buenos Aires
Wir starten unsere Reise, entgegen unserem Ziel “Halbinsel Valdes” Richtung Norden um die Papiere für das Wohnmobil zu erneuern.

Die Übernachtung an der Calle Marta Lynch in Buenos Aires, wo Bettina und Walter schon einige Male gestanden haben, erweist sich als extrem ruhig – und sicher dazu. Die Strasse, wie die meisten anderen Stadtteile von Puerto Madero, wird Videoüberwacht. Die „Prefectura“ (zuständige Polizei) ist immer präsent und wir haben keine Bedenken, das Fahrzeug tagsüber hier stehen zu lassen.

22.09.2008 – Buenos Aires – Colonia de Sacramento (Uruguay)
Die Überfahrt mit dem Buquebus (Fähre) „Eladia Isabel“ dauert drei Stunden. Sie startet morgens um neun und bringt uns über den Rio de la Plata von Argentinien nach Uruguay. Die Grenzformalitäten können wir, bis auf das Papier für das Wohnmobil, bereits in Buenos Aires erledigen. Die Beamten sind sehr freundlich und zuvorkommend.

Colonia de Sacramento ist eine alte, von den Portugiesen erbaute Stadt. Es ist freidlich und wir campieren für die eine Nacht nicht weit vom Hafen entfernt am Ufer des Flusses und direkt an der alten Stadtmauer.

23.09.2008 – Colonia – Buenos Aires
Dank unseren Fahrrädern schaffen wir es bis weit hinaus zu der zerfallenen Stierkampfarena. Auf dem Rückweg wählen wir die schöne Route den Fluss entlang. Die Uruguayer sind freundliche, offene Menschen, doch das Leben scheint uns hier schon um einiges teurer zu sein als in Argentinien. Das Essen im Restaurant kostet uns in etwa soviel wie in der Schweiz.

24.09.2008 – Buenos Aires – Pardo
Pardo, ein 300-Seelen Dorf, liegt drei Kilometer westlich der Ruta 3, etwas südlich der Stadt „Las Flores“ (die Blumen). Wir fahren hinein, weil wir hoffen, einen ruhigen Übernachtungsplatz etwas abseits der Hauptstrasse zu finden. Tatsächlich sind die Leute sehr nett und versichern uns, dass es hier „muy tranquilo“ (sehr ruhig – was hier auch sicher bedeutet) sei. Wir kaufen im kleinen Dorfladen etwas Gemüse, das wir eigentlich gar nicht bräuchten, und unterhalten uns mit dem alten Mann, der gegenüber in seinem alten Ica aus den 60er Jahren sitzt und Peter ganz neugierige Fragen über die Schweiz stellt.

Der Alte hat 40 Jahre auf dem Land gearbeitet und erhält heute, als 85jähriger, eine Pension von gerade einmal 600 Pesos (knapp 240 Franken), die unter normalen Umständen kaum zum Leben reichen. Aber irgendwie kümmert das keinen – nicht einmal ihn selbst wirklich.

25.09.2008 – Pardo – Carhue
Auf dem kleinen Rundgang durch das Dörfchen stossen wir auf ein interessantes Museum, das sich im alten Bahnhofgebäude befindet. Obwohl im Büro ein Elektroofen brennt scheint niemand hier zu sein. Wir unterhalten uns eben über die eigenartigen Telefone, als der Aufseher eintritt. Er freut sich, dass wir den Weg gefunden haben und lässt uns gerne an seiner eigenen und der Geschichte Argentiniens teilhaben. So erzählt er uns, er sei in Mar del Plata aufgewachsen und habe später mit seiner Familie in Buenos Aires gewohnt. Als seine Frau, Krankenschwester, im Spital in Pardo eine Anstellung gefunden hat sind sie vor drei Jahren aus der „gefährlichen“ Stadt hierher gezogen. So kann seine 10jährige Tochter Noëlia behütet aufwachsen und sie leben hier – nicht reich – aber ganz offensichtlich sehr zufrieden.

Ja, und diese Telefone, die wurden zur Signalisation der Züge gebraucht. Die Zugverbindungen wurden von den Engländern gebaut, dies erklärt natürlich auch weshalb es für Damen separate Wartsäle gab. Aber nicht nur die Wartsäle, sondern auch die Fahrpläne für Damen und Männer waren unterschiedlich.

Dann schwärmt der Museums-Aufseher noch ein wenig von seiner Heimatstadt Mar del Plata und erzählt uns, wie sie früher ausgesehen hat. Das Casino hat es wohl schon damals gegeben doch am Eindrücklichsten erscheint uns die Renovation der Rambla (belebte Strasse), welche in den 40er Jahren mit Holz versehen wurde.

Wir machen uns auf die Suche nach Carlos, den wir im Februar an einem See nahe der Chilenischen Grenze kennen gelernt und mit ihm lustige Stunden verbracht hatten. Er hat uns eingeladen, aber lediglich seinen Namen, den Arbeitsplatz und den Ort angegeben wo er wohnt. Wir erinnern uns, dass er damals bemerkte, die Stadt sei klein (12'000 Einwohner) und wir könnten fragen wen wir wollen, hier kenne ihn jeder. Dem ist zwar so, trotzdem ist es nicht ganz einfach, seinen genauen Wohnort zu erfahren. Nachdem wir in zwei Strassen erfolglos suchen wenden wir uns an die soeben vorbeifahrende Polizeistreife. Hilfreich fahren sie uns vor und führen uns bis vor seine Haustür. Der überraschte Carlos, Kassenwart der Bank an der Ecke, fragt sich beim Anblick des Polizisten im ersten Moment, ob etwas Unangenehmes passiert sei. Doch das Lachen des Polizisten verrät nichts Ernstes und als Carlos im Hintergrund Peter und später das Wohnmobil entdeckt ist seine Freude unermesslich.

Nach einem Spaziergang zum Ufer der Lagune essen wir zusammen in unserem Wohnmobil feines Lomo (Rindsfilet), machen einen kurzen Verdauungsspaziergang über die Plaza und gehen auf einen Kaffee in die nahe Hotelbar. Der Inhaber, Lorenzo, lädt uns spontan für Samstagabend zum Nachtessen ein und für Freitagnachmittag um fünf Uhr offeriert er uns ein Sprudelbad mit enorm salzhaltigem Thermalwasser aus dem Lago Epecuén – wie generös.

26.09.2008 – Carhue
Wir haben vor, das Museum zu besuchen. Doch wenn man plötzlich so viele Leute kennen lernt kommt es meistens anders als geplant. Es ist kurz vor zwölf. Wir plaudern und fragen nach einer Wäscherei. Nélida, die Kusine von Carlos’ Exfrau, spricht Deutsch und sie bringt uns hin, weil sie denkt, dass das Geschäft am Mittag schliessen könnte. Die Wäsche ist bereits um sechs wieder abholbereit. Auf dem Rückweg treffen wir Omar, den Bruder von Carlos, und Liliana, dessen Frau. Sie laden uns spontan zu einem Fährtchen durch das Dorf ein, was letzten Endes dazu führt, dass wir bei ihnen Mittagessen und dort José, den 19jährigen Adoptivsohn, sowie Carmelo, den Ñandu (Straussenart), kennen lernen. Der Sohn erzählt uns, dass 60 % der Schulabsolventen nicht wüssten, was sie studieren sollen und von den restlichen 40 %, die an die Universität gingen, viele wegen des zu grossen Drucks bereits im ersten Jahr ihr Studium aufgäben. So hängen viele einfach herum und leben auf Kosten ihrer Eltern ein oft ganz angenehmes Leben.

Das Bad im Hotel Epecuén ist etwas Spezielles, das wir ohne Einladung nie erlebt hätten: Es ist ein warmes Sprudelbad im gelblich-grünen Wasser, das in Tanklastwagen von der Lagune angeführt wird. Zur Sicherheit misst uns die ausgebildete Krankenschwester Alicia vorgängig den Blutdruck – 100:60 und bei Peter 120:80 sind für uns extrem niedrig, doch das soll mit dem Klima hier zusammenhängen. Nach einer guten Viertelstunde im Bad werden wir in Frottetücher und Badmantel eingepackt und bequem auf eine Liege gebettet. Uns wird mollig warm und wir dürfen uns nochmals 15 Minuten ausruhen. Nach dem Duschen fühlen wir uns so richtig wohl.

Carlos lädt uns zu einem feinen Nachtessen ein. Er kocht Teigwaren und eine geschmackvolle Fleisch/Pilzsauce dazu. Zum Apéro serviert er köstlichen Käse, Zwiebel-Salzstangen (die Peter von der Bäckerin geschenkt bekommen hat) und einen halbsüssen Weisswein (Spätlese) von Norton, einem bekannten Weingut in Mendoza.

Als er dann sein Perfecscope (Bild) hervor nimmt und uns 3D-Fotos aus den frühen 1900er Jahren zeigt trauen wir unseren Augen kaum. Wir hatten keine Ahnung, dass es so etwas damals schon gegeben hat. Bei Mate (herber Tee), der vom einen zum anderen gereicht wird, haben sich die Jungen vom Land früher ihre Freizeit damit versüsst, Fotos aus aller Welt anzuschauen – das war lange bevor es die Filme und Kinos gab.

27.09.2008
Der Regen weckt uns. Schade, Carlos wollte doch mit uns mit dem Fahrrad ins zwölf Kilometer von Carhué entfernte Epecuén fahren und uns die Ruinen vom ehemaligen Thermalkurort zeigen.

Anstatt des Fahrradausflugs geht Carlos wegen seiner unerträglichen Zahnschmerzen zuerst zum Zahnarzt und dann ins Spital. Wir machen uns derweil daran, etwas Ordnung in unseren bisherigen Reisebericht zu bringen.

Es giesst weiter wie aus Kübeln und der Spaziergang zum nahen Museum erweist sich als wahrer Spiessrutenlauf, weil die Wassermassen teilweise so weit in die Strasse hinaus fliessen, dass wir sie nicht einfach überspringen können und Umwege in Kauf nehmen müssen. Das Museum ist klein, aber hübsch und anhand des Films, der gezeigt wird, verstehen wir endlich, was 1985, als der Thermalkurort Epecuén überschwemmt wurde, wirklich passiert ist. Weshalb, das ist allerdings selbst den Einheimischen bis heute unerklärlich.

Der Lago Epecuén ist der letzte einer Kette salzhaltiger Seen in der Provinz Buenos Aires. Nach lange anhaltenden Niederschlägen im Jahre 1985 floss von den davor liegenden Lagunen so viel Wasser ab und sammelte sich im Lago Epecuén an, dessen Wasserspiegel bis 7.50 m anstieg und den ganzen Ferienort vorübergehend praktisch verschwinden liess. Was zurückblieb waren bereits zu beginn Ruinen, denn das Salzwasser zerstört die Materialien irreparabel. Niemand hat sein Leben verloren, doch die meisten der gut 2000 Einwohner wurden ihrer Existenz und des grössten Teils ihrer Habe beraubt. Entschädigungen von lediglich 50 % liessen viele verzweifelt und ohne grosse Hoffnung zurück.

Die Einladung des Hoteliers Lorenzo zum Nachtessen (um 22.00 Uhr!!!) ist für uns sehr interessant. Seine Frau Silvia und Carlos unterhalten sich vor allem über Politik und obwohl wir lange nicht alles verstehen erhalten wir doch etwas Einblick in die Sichtweise der Argentinier. Speziell ist dabei auch, dass Silvia und Lorenzo in der Grossstadt Buenos Aires wohnen und Carlos im 520 km entfernten Carhué auf dem Land. Das grösste Problem, die Korruption, macht ihnen allgemein am meisten zu schaffen. Wir zweifeln deshalb langsam daran, ob die Regierungsbeamten im demokratischen Argentinien tatsächlich vom Volk gewählt werden – weil sie doch von allen Seiten als Diebe tituliert werden. Doch, der Präsident wie auch die Senatoren werden von den Einwohnern gewählt, aber oft werden die Leute durch ein hübsches Gesicht und schöne Versprechungen elegant um den Finger gewickelt. Die meisten Leute sind der Meinung die Präsidentin Cristina Kirchner sei schon auf der richtigen Seite, das Problem liege jedoch bei den sie umgebenden Beamten.

28.09.2008
Peter hilft Carlos bei der „Sociedad Italiana“ einen Baum aufstellen, der gestern Abend von einem 85jährigen Einwohner samt Tafel umgefahren wurde.

Wir besuchen die Ruinen von Epecuén doch noch, allerdings mit dem Auto. Und das ist gut so, denn gerade als wir unser Picknick auspacken wollen beginnt es wieder zu regnen. Gott sei Dank ist diesmal der Regen nur von kurzer Dauer und wir können unsere knurrenden Mägen etwas später doch noch besänftigen.

Pilot Mauricio läutet an Carlos’ Haustüre und lädt dessen Gäste, also uns, zu einem Gratis-Rundflug ein. Unglaublich, was uns in Carhué alles widerfährt, wir fühlen uns wie die Fürsten. Mauricio fragt uns, wie wir dazu kommen einen so prominenten Menschen, wie Carlos zu kennen.

Schon bei unserer letzten Reise ist uns aufgefallen, wie viele Argentinier sich über die hierzulande herrschende Korruption beklagen. Als Touristen merken wir gar nichts davon und haben auch lange nicht ganz verstanden was auf politischer Ebene so alles abläuft. Bei interessanten Diskussionen mit Carlos erfahren wir etwas mehr. Er erzählt uns zum Beispiel die Geschichte der „Socialidad Italiana“ (italienische Gesellschaft), deren altes Clubhaus renovierungsbedürftig ist und die deshalb einen Unterstützungsantrag stellt. Die Provinz Buenos Aires spricht einen Renovationskosten-Beitrag von 100'000 Pesos (Fr. 40'000). Das Geld wird 2005 der Stadt überwiesen, welche dann die Renovationsarbeiten bezahlen soll. Nach zwei Jahren hin und her mit der Stadtverwaltung, die das Geld zwar eingenommen, aber keine Arbeiten in die Wege geleitet hat, gelangt der Präsident an die Medien und prangert die Untätigkeit der Verantwortlichen an. Danach sind zwar alle ärgerlich mit ihm, aber die Renovationsarbeiten beginnen endlich. Jetzt denkt ihr sicher – ja was ist schon dabei, zwei Jahre Verzögerung ist doch nicht alle Welt. Stimmt, nur der Gipfel der Sache ist folgender: Die Stadt behauptet es seien lediglich 48'000 Pesos überwiesen worden – niemand kann etwas anderes beweisen. Mehr als die Hälfte dürfte, wie in Argentinien offenbar üblich, in irgendwelche Politikertaschen gewandert sein.

29.09.2008 – Carhué – Sierra de la Ventana
Wie immer und überall sprechen wir unser „Reifenproblem“ an. Die entsprechende Dimension ist zwar erhältlich, aber das Baustellenprofil ist hier in dieser Grösse nicht verbreitet. Carlos will den Reifen-Grosshändler Milla (Bridgestone/Firestone) anrufen und ihn fragen, ob er uns die gewünschten Reifen besorgen könnte.

Bingo! Hector Milla, der Geschäftsinhaber, hat bereits am Vortag unser Wohnmobil begutachtet und weiss genau, wovon Carlos spricht. In vier seiner Filialen Südargentiniens führt er unseren Reifentyp M748 für einige wenige Kunden. Wir sollen ihm 30 Tage bevor wir die neuen Pneus brauchen Bescheid geben, dann wird er sie termingerecht nach Carhué kommen lassen.

30.09.2008
Unser Plan, heute bei strahlendem Sonnenschein den Cerro de la Ventana im Parque Ernsto Tornquist zu besteigen wird mit einem knappen “el sendero esta cerrado” (der Wanderweg ist geschlossen) zu Nichte gemacht. Statt der 5stündigen Wanderung wird uns ein kurzer Spaziergang dem Bach entlang zum Wasserfall empfohlen, das ist ein bisschen spärlich und wir sind ziemlich enttäuscht. Da erfreuen wir uns schon mehr an der darauf folgenden zweistündigen Wanderung zum 739 m hohen Cerro Bahia Blanca, denn von dort oben haben wir eine ganz hübsche Rundsicht.

Wir freuen uns auf das Treffen mit Ursula vom Bauernhof „Appenzell“, welches der mit der Familie befreundete Metzger aus der Stadt für uns arrangiert hat. Das schöne rote Schild war uns schon im letzten Jahr aufgefallen und wir hatten uns fest vorgenommen, dessen Besitzer dieses Jahr zu besuchen. Ursula lädt uns zu Tee und Kuchen ein und Horacio, ihr Ehemann gesellt sich ein wenig später dazu. Jetzt wechseln wir unsere Konversation auf Englisch, denn er hat 18 Jahre in Australien gelebt. Wir fühlen uns sehr wohl mit den beiden und möchten sie gern zu einem Glas Wein einladen. Leider haben sie heute keine Zeit und deshalb beschliessen wir kurzerhand, die Einladung auf ein Nachtessen am folgenden Abend auszudehnen.

01.10.2008
Am nahen Fluss gibt es eine Menge Carpinchos, das sind die grössten Nagetiere der Welt, und wir wollen natürlich liebend gern ein paar Nahaufnahmen dieser meistens sehr scheuen Tiere machen. Die ersten zwei springen schon ins Wasser bevor wir sie überhaupt gesehen haben. Von da ab sind wir dann vorsichtiger und vor allem nicht mehr so laut. Nachdem genügend Fotos im Kasten sind brauchen wir zum Filmen natürlich noch etwas Action. Das Teamwork klappt hervorragend: Wenn Peter in Stellung ist gehe ich so nah an die Tiere heran bis sie – nicht ohne mich vorher lautstark zu warnen – ins Wasser springen und ans andere Ufer schwimmen.

Trotz Nieselregen fahren wir um die Mittagszeit mit dem Mountainbike in die 9 km entfernte Stadt um einzukaufen und an diesem etwas trüben Tag ein paar E-Mails zu versenden. Weil der Supermarkt erst um halb fünf wieder öffnet müssen wir den ganzen Nachmittag im langsamen Internet des Kasinos verweilen, bevor wir endlich den Rückweg im leichten Regen unter die Räder nehmen können.

Beim Nachtessen mit einem schönen Stück Rindfilet, Salat und Teigwaren unterhalten wir uns angeregt und merken einmal mehr, wie tolle Leute Ursula und Horacio sind, so herzlich und ehrlich. Wir hoffen sehr, dass sie uns in der Schweiz einmal besuchen werden – vielleicht klappt’s auch mit dem Treffen in der Spielerstadt Las Vegas (USA ;), wo Horacio so gerne wieder einmal hin möchte!?

02.10.2008 – Sierra de la Ventana – General Conesa (Camping Municipal)
Wir haben das Gefühl, uns von zwei Freunden zu verabschieden, sie sind so herzlich und natürlich. Ursula hat für uns soeben noch eine CD mit Argentinischer Folklore zusammengestellt und neben einem Buch schenkt sie uns auch einige Schweizer Illustrierte. Als wir bereits am Tor sind braust Horacio heran und überreicht uns noch T-Shirts ihrer vor einigen Jahren mitbegründeten Radiostation „Vagon de Sueños“ in Sierra de la Ventana.

Es geht weiter Richtung Süden. Weil die Lebensbedingungen südlich des 42. Breitengrades schwieriger werden ist unter anderem der Treibstoff subventioniert. Dies soll einen Anreiz verschaffen in die rauen Regionen Patagoniens umzusiedeln. Dank unseren grossen Kraftstofftanks können wir, ohne vorher nachzufüllen, ebenfalls vom günstigeren Dieselpreis profitieren.

03.10.2008 – General Conesa – Puerto Madryn (Punta Flecha)
Ausser Fleisch- und Früchte-/Gemüsekontrollen gibt es von dieser Strecke nicht viel zu berichten, wir wollen einfach so schnell wie möglich nach Puerto Madryn und zu den faszinierenden Walen.

04. – 07.10.2008 – Punta Flecha
Tagsüber beobachten wir die teilweise sehr nah am Ufer vorbei schwimmenden Wale. Eines Abends kommt eine Aufseherin des Tourismusbüro Puerto Madryn vorbei und sagt uns, wir müssten unsere Toiletten beim Busbahnhof in Puerto Madryn entsorgen und dürften sie nicht irgendwo in die Büsche entleeren.

07.10.2008 – Punta Flecha – Punta Pardelas
Bevor wir auf die Halbinsel Valdes hinausfahren wollen wir, wie geheissen, unser WC ordentlich entsorgen. Doch beim Busbahnhof erklärt mir die pflichtbewusste Dame, dieser Vertrag bestehe nicht mehr und statt mich einfach an die richtige Adresse zu verweisen tut sie ziemlich kompliziert und sagt mir sogar, es sei sogar verboten, die Toiletten auf dem Campingplatz zu entsorgen. Es wird ja immer besser. Ich sage ihr, unser Abwasser enthalte keine Chemikalien und es sei auf jeden Fall schlimmer eine Plastikflasche oder Blechdosen einfach wegzuwerfen als unseren biologischen Abfall in die Natur zu schütten. Darauf meint sie, wir seien Touristen und müssten ihre Gesetze respektieren, sie müssten das in unserem Land auch. Ich bin mit der Dame eigentlich vollkommen einverstanden – doch in Argentinien ist es leider so: Gesetze sind zwar da, aber die entsprechend Infrastruktur fehlt um sie auch einhalten zu können. Fazit: Wir entsorgen unsere biologisch abbaubare „Scheisse“ weiterhin ohne schlechtes Gewissen in der freien Natur.

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