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Punta Pardelas, Halbinsel Valdés

07.10. – 03.11.2008

07.10.2008
Wir kommen am Abend in Punta Pardelas an und sind überrascht wie wenig Wohnmobile hier stehen. Ist es wohl noch erlaubt da zu übernachten – oder wird man von den Parkwächtern etwa weggeschickt? Nach zwei Franzosen sind wir die dritten im Bund, etwas später gesellen sich ein Argentinier und ein Deutscher dazu.

08. – 19.10.2008 – Punta Pardelas
Nicht nur wenig Touristen, auch wenig Wale gibt es im Moment in der Bucht. Laura und Walter aus Trelew schreiben dies dem Umstand zu, dass die Wale vom Aussterben bedroht seien, weil seit dem letzten Jahr nun auch die Chilenen den Walfang wieder zulassen würden. Die Japaner hätten schon zu viele gefangen und würden deren Fortbestand gefährden. Dass dem nicht so sei erfahren wir eine Woche später von einem kompetent wirkenden und bereitwillig Auskunft gebenden Parkaufseher. Wenn wir so auf das flache Meer hinausschauen machen wir uns auch Sorgen, mehr als etwa vier oder fünf der riesigen Meeressäuger sieht man kaum einmal in der grossen Bucht. Traumhaft schön ist es trotzdem hier.

Parkwächter geben uns folgende Erklärung für das Fehlen der Wale: Die Saison habe sich vor verschoben, die Wale seien dieses Jahr früher gekommen und die Männchen seien bereits nach Süden in die nahrungsreichen Gewässer weiter gezogen.

Bei einem Abendspaziergang finden wir am entfernten Strand einen toten Wal. Er ist um die 20 m’ lang und die Breite der Fluke beträgt etwa 6 m’. Es schaut aus, als ob er das Opfer eines Fangversuchs geworden wäre. Um den Schwanzansatz liegt ein dickes Tau, welches weiter hinten durchgescheuert zu sein scheint. Am nächsten Morgen fragen wir die Parkwächter, was mit dem Wal geschehen sei. Sie erklären uns, er sei vorher am Strand von Puerto Pirámides angeschwemmt worden, von wo die Walbeobachtungstouren ausgehen. Ein toter, stinkender Wal ist natürlich nicht gerade eine Touristen-Attraktion und deshalb wurde er mit dem Tau weit in die Bucht hinausgeschleppt. Von dort hätte ihn die Flut aufs offene Meer hinaustragen sollen.

Am Sonntag ist das Wetter grandios und wir müssen früh aufstehen, es gibt doch noch vier fünf Männchen, die um die Gunst eines Weibchens buhlen. Das Weibchen legt sich auf den Rücken und sobald es sich zum Atmen wieder auf den Bauch dreht kommt das in bester Position wartende Männchen zum Zug. Dieses Ritual wiederholt sich so lang, bis sich alle Männchen gepaart haben. Dabei gibt es erstaunlicherweise keinerlei Gezänke, denn jeder kommt an die Reihe.

Für Dienstag planen wir mit einem Schiff hinauszufahren, um den Meeresriesen noch näher zu kommen. Und was uns vorher kaum möglich erscheint trifft ein. Der Kapitän stellt den Motor ab und lässt das Boot einfach treiben – ein Wal schwimmt unten durch und taucht auf der anderen Seite wieder auf, andere sind so nah, dass sie uns seitlich beinahe berühren. Die gleich neben dem Schiff in die Höhe schnellende Schwanzflosse ist enorm und hätte fast nicht aufs Foto gepasst.

Es ist Vollmond und in der Nacht hören wir die Wale blasen und grunzen, bis um sieben sind sie sehr aktiv. Wir ergötzen uns noch an ihren letzten Sprüngen. Als wir dann endlich richtig wach werden und unsere Kameras schussbereit hätten, sind die Tiere langsam müde und schwimmen ruhig von dannen.

Das Wetter ist traumhaft schön und in der letzten Woche hatten wir lediglich ein paar Regentropfen. Die Temperaturen schwanken stark – ohne Wind ist es heiss an der Sonne und mit Südwind müssen wir uns winterlich warm anziehen.

Am Donnerstagabend wollen wir unbedingt die springenden Wale filmen und fotografieren, nachdem wir am Mittwoch nicht genügend lang auf dem 300 Meter entfernten Felsen ausgeharrt hatten. Die Kerle haben genau in dem Moment zu springen begonnen, als wir uns vor den Wohnmobilen von den anderen verabschieden wollten. Aber heute bleiben wir standfest und warten bis es eindunkelt – und uns die Flut vom Fels vertreibt. Doch ausser nassen Socken und Hosen ist nichts gewesen – oder doch?

Denn was sich bereits nach Sonnenuntergang auf dem Rückweg direkt vor unserer Nase abspielt ist im wahrsten Sinne des Wortes gigantisch. In einem Minimalabstand von lediglich ca. 20 Meter vom Felsen tummeln sich eine Walmutter und ihr Junges. Wer die biblische Geschichte von Jonas kennt, der von einem Wal verschluckt und wieder ausgespuckt worden sein soll, kann sich nun plötzlich vorstellen, dass so etwas vom Grössenverhältnis her problemlos möglich wäre. Von weiter draussen gesellen sich zwei weitere Wale hinzu und wir sind überwältigt von den ungeheuren über 30 Tonnen schweren Viechern, die uns scheinbar zum Greifen nahe sind.

Am Sonntag wohnen wir fasziniert aber unbewusst der Geburt eines Walbabys bei. Wir wundern uns wie ausdauernd der Wal in unmittelbarer Nähe seine Fluke in die Höhe streckt, es dauert bestimmt eine Stunde. Nur selten kommt er, respektive in diesem Falle die Walmutter, zum Atmen mit dem Kopf an die Wasseroberfläche.

Erst als wir etwas später einen der Parkwächter fragen, weshalb die Wale die Schwanzflosse so Lange in die Höhe tragen, erfahren wir davon, dass vor unseren Augen soeben ein Waljunges geboren worden sei (eigentlich zu spät für diese Jahreszeit). Den Zeitpunkt habe die Walmutter so gewählt, weil die lästigen Möwen, die gerne in die Schwanzflosse picken, beim Eindunkeln bereits ihre Nester aufgesucht hätten und sie so ihre Ruhe hat. Die Fluke des Jungen ist unten ganz hell und auf dem Kopf hat es noch keine Schwielen. Die stattliche Grösse beträgt satte fünf Meter und das Gewicht um die drei Tonnen. Das Junge säugt ein Jahr lang täglich 40 Liter Milch. Jetzt zu Beginn ist das besonders anstrengend für die Mutter, weil hier kaum Nahrung zu finden ist und sie von ihren Fettreserven zehren muss. Das nahrhafte Krill befindet sich weiter südlich in den Gewässern der Antarktika. Die Wale kommen lediglich in den Golfo Nuevo und den Golfo San José um sich zu paaren und vor allem um die Jungen zu gebären, weil es hier geschützt ist und dies der südlichste Ort ist, wo noch die warmen Strömungen von Brasilien hingelangen.

Der Umstand, dass praktisch keine Nahrung vorhanden ist verursacht, dass relative viele Wale schwach werden und sterben. Wenn eine Walmutter verendet ist jedes Mal auch ihr Junges zum Tod verurteilt, denn erst im zweiten Lebensjahr ernährt es sich nebst der Muttermilch auch von Krill.

Die Naturschützer der Provinz Chubut leisten einen grossen Beitrag zur Weiterforschung und zum Schutz der Wale. Die hierher kommende Walpopulation sei in den letzten Jahren grösser geworden. Dieses Jahr wurden 675 Wale gezählt und bisher wurden 76 Tote (2007: 59) verzeichnet. Im Vergleich zum letzten Jahr sei zwar die Zahl der Toten, aber auch diejenige der angereisten Wale gestiegen. Eine weitere Todesursache ist auch eine durch Algen verursachte Infektion, welche die durch Nahrungsmangel geschwächten Tiere nicht überleben. Dies alles untersuchen die Parkwächter zusammen mit für speziell für die Forschung der Wale eingesetzten Meeresbiologen.

In Bezug auf Wale gibt es sehr viel Unbekanntes und was geschrieben wird oder von Parkwächtern und Tourismusangestellten „kompetent“ erklärt wird basiert leider oft nur auf Annahmen. Zu unserem Erstaunen erfahren wir nämlich von anderen Reisenden, dass ihnen Mitarbeiter des Tourismusbüros Puerto Madryn erzählt hätten, es gäbe dieses Jahr weniger Wale im Golfo Nuevo – deshalb sind unsere Aussagen bitte „ohne Gewähr“ zu geniessen.

Am Montag wollen wir unser Glück nochmals herausfordern. Um 13.05 Uhr ist bei Caleta ValdésFlut und da besteht die Chance, dass die Orcas sich dem Strand nähern und sich einen jungen Seelöwen zum Mittagessen holen. Orcas sind die einzigen Wale, die sich zum Fressen aus dem Wasser begeben. Sie hechten sozusagen aus dem Wasser, schnappen sich ihr Opfer und robben rückwärts wieder ins Wasser zurück.

Die Chubut-Orcas sind allerdings eine ganz spezielle Art. Es handelt sich um 28 identifizierte Tiere, die nicht weiterziehen sondern sich das ganze Jahr über in der Chubut-Küstenregion aufhalten. Keine anderen Orcas auf der ganzen Welt zeigen dieses untypische Verhalten.

20.10.2008 – Punta Pardelas – Caleta Valdés – Punta Flecha
Wir hoffen, an der Ostküste den Orcas bei ihrem Beutezug zuschauen zu können. Doch nicht nur wir, sondern auch ein ganzes bereitstehendes Filmteam von „National Geografic“, kommen nicht zum Zug. Schön ist es trotzdem hier, so beobachten wir halt einmal mehr Seeelefanten, verirrte Pinguine, kreis(ch)ende Möwen, schrumplige Schafe, finden Eidechsen und hören von sich sonnenden Schlangen (bevor sie den aufdringlichen Fotografen entfliehen).

21.10. – Puerto Madryn
Wir werden öfter von Einheimischen angesprochen, wo auch immer wir anhalten. Ein älterer Mann freut sich, dass wir aus der Schweiz kommen und erzählt uns, sein Sohn Gabriel hätte in der Fussballmannschaft Sion gespielt und sei mit ihr Schweizer Meister geworden. Dies ist schon ein paar Jahre her, sein Sohn sei zwar gleich alt wie Maradona (48), sei aber leider nicht so bekannt, weil er halt keine Drogen nehme. Señor Calderon lädt uns auf seine 70 ha grosse „Chacra“ in Telsen ein, wo er gerne einen Teich mit Forellen und ein neues Haus bauen möchte. Er würde sich sehr freuen, uns dieses schöne Fleckchen Erde zu zeigen.

22.10.– 02.11.2008 – Punta Flecha – Punta Pardelas
Am Donnerstag mühen wir uns in der Posada Pirámides in Puerto Pirámides damit ab, unsere Homepage zu aktualisieren. Als uns eine der anwesenden Japanerinnen zusammen reden hört kommt sie auf uns zu und spricht uns in perfektem Hochdeutsch an. Sie sei auch Schweizerin, war einmal mit einem Schweizer verheiratet und lebte einige Jahre in Lausanne, bevor sie mit ihm nach Bariloche auswanderte um 30 Jahre lang ein Hotel zu betreiben. Heute besitzt Emiko noch ein Haus in Bariloche und sie lädt uns ein, sie dort zu besuchen. Die sprachbegabte Frau ist eine interessante Persönlichkeit und wir freuen uns darauf, sie wieder zu treffen.

Yimi, der Australisch/Argentinische Mitbesitzer vom Hotel Posada ist ein feiner Mensch. Er lässt uns, ohne Konsumationspflicht, sein Internet (wifi) benutzen und bietet uns einmal sogar noch einen feinen Muschel-Apéro an. Wer Peter kennt der weiss, dass natürlich nur ich davon profitiert habe, denn er mag keine Meeresfrüchte.

Peter hat bei seinem Mountainbike die dicken Reifen aufgezogen und fährt ab und zu die oft sandigen Pisten und Höhenwege. Einmal begleitet ihn der Chilene Alex und beim nächsten Mal leihe ich dem Deutsch/Argentinier Hans mein Mountainbike aus. So bekommt es wenigstens wieder einmal Bewegung…

Auf Punta Pardelas hat es ab und zu ganz viele Reisende, zwölf Wohnmobile haben wir heute gezählt. Die meisten nehmen sich aber nicht so lange Zeit wie wir, viele zieht es bereits nach Süden, andere müssen schon wieder ans Heimreisen denken. Für uns stehen dieses Jahr nicht mehr unbedingt tolle Fotos im Vordergrund, wir geniessen es oft einfach, den riesigen Walen beim Schwimmen, Spielen oder Springen zuzuschauen.

Am Mittwoch nehmen uns Christa und Walter, zusammen mit Gudrun und Volkmar, mit nach Puerto Pirámides, von wo aus wir über die Sanddünen zurück nach Punta Pardelas wandern.

Nach bald vier Wochen denken auch wir langsam ans Weiterreisen. Am Freitag ist es ohne Wind zum ersten Mal richtig heiss und bei Temperaturen um 25°C suchen wir den Schatten. Die Wale freuen sich an der ruhigen See und springen richtig um die Wette. Dreissig, vierzig Tonnen eines Viehs, das so behände gar nicht zu sein scheint, schiessen aus dem Wasser als ob es federleicht wäre, doch beim Wiedereintauchen spritzt es meterhoch.

02.11.2008 – Punta Pardelas – Puerto Pirámides
Wir wollen zum Nachtessen in die Posada Pirámides, doch vorher komme ich auf Yimi’s Angebot, ein Sandboard auszuleihen, zurück. Er gibt mir ein Tuch und genügend Wachs mit, weil das Brett bereits nach einer Abfahrt nicht mehr läuft und auch im Steilhang einfach stecken bleibt. Das Sandborden ist lässig und nach einem ganzen Nachmittag hätte ich es bestimmt im Griff.

Beim Nachtessen haben wir etwas Pech. Die „Bude“ ist randvoll mit Halbwüchsigen und bis wir, lange nach neun, endlich etwas zwischen die Zähne kriegen sind Lotti und Mani, die uns begleiten, schon beinahe verhungert. Meine gratinierten Muscheln schmecken hervorragend und Peter geniesst seine Pouletbrust nach Schweizer Art (mit Tomatensauce und Käse überbacken). Die Preise sind leider, untypisch für Argentinien, sehr hoch doch Peter und ich dürfen uns nicht beklagen, denn Yimi spendet uns sehr grosszügig dieses teure Essen.

03.11.2008 – Puerto Pirámides – Puerto Madryn – Punta Flecha
Als wir am Vormittag Gas auffüllen lassen öffnet ein Mechaniker auf der gegenüberliegenden Seite das Tor seiner Werkstatt. Ich frage ihn ganz spontan, ob er eventuell unser Beil schärfen könnte. Kein Problem, und er will erst noch kein Geld dafür. Wir freuen uns über diese flotte Geste und bedanken uns mit einer Schweizer Schokolade, die er voller Freude gleich an seine Frau weitergibt.

Peter entdeckt den alten Ford Falcon von Señor Calderon, der uns auf seine „Chacra“ (einen kleinen Hof) in Telsen eingeladen hat, und fragt die Serviererin der nahen Bar, wo dessen Besitzer wohne. Anstatt ihn anzurufen macht Peter sich dann die Mühe bei jeder Wohnung zu klingeln und er nimmt an, dass dieser wegen seiner Gehbehinderung im Erdgeschoss wohnen dürfte. Doch erst beim elften Versuch (dritte Wohnung im 3. Stock) meldet sich der Gesuchte und wittert gleich die günstige Gelegenheit einen Helfer zu haben, der ihm das viele Gepäck zum Auto trägt, denn er will heute Abend mit seiner Frau auf die 200 Kilometer entfernte „Chacra“ fahren.

Und mit diesem Besuch starten wir dann unseren nächsten Reisebericht!

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