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2008/2009
Argentinien, Chile

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Villa La Angostura (Argentinien) – Santiago (Chile)

29.11. – 25.12.2008

29.11.2008 – Villa La Angostura (Argentinien) – Frutillar Bajo (Chile)
Wollten wir in Villa La Angostura alle Einladungen annehmen, die wir am Samstagvormittag noch erhalten, kämen wir wohl erst an Weihnachten nach Chile. Also verabschieden wir uns für einmal mit einem herzlichen Dankeschön und dem Hinweis, dass unsere Visa bald auslaufen und wir deshalb bald ausreisen sollten. Wir reisen über den Paso Cardenal nach Chile ein. Die chilenischen Zollbeamten streiken seit einer Weile ab und zu, doch heute scheinen sie guten Mutes, sind freundlich und nehmen unser Wohnmobil ziemlich genau unter die Lupe.

Gudrun und Volkmar, mit denen wir uns in Punta Pardelas so prächtig verstanden haben, haben uns eben noch eine Mail geschickt, dass sie demnächst auf Wildschwein-Jagd gehen wollten und ob wir uns wohl daran beteiligen möchten. Wollen wir natürlich, denn der in Aussicht gestellte Wildschwein-Braten macht uns schon den Mund wässrig.

30.11.2008 – Frutillar – Rest. Espantapajaros (Puerto Octay)
Frutillar ist ein hübscher Ort und im Museo Aleman erfahren wir ein Stück Geschichte der ersten Deutschen Einwanderer.

Wir trinken Kaffee mit Doris & Wilfried, die soeben auf ihren 650er BMWs angekommen sind. Bill, der schon einen Monat in Frutillar stationiert ist, gesellt sich dazu und klopft einen Spruch nach dem andern.

Das Schwein müssen wir natürlich Gott sei Dank nicht selber jagen, denn dafür gibt es im „Restaurant Vogelscheuche“ ein ausgezeichnetes Buffet mit Wildschwein-Braten, das so hervorragend schmeckt, dass wir aus dem Schwärmen nicht mehr herauskommen. Gudrun und Volkmar sind, wie wir, hell begeistert vom Essen und der netten Atmosphäre. Das Tüpfchen auf dem i ist einmal mehr das anschliessende Gespräch mit dem Gastwirt, der freimütig seine interessante Lebens-Geschichte erzählt und auch keinen Groll hegt, obwohl er oft ungerecht behandelt wurde. So lernen wir auch Robert Becker kennen, einen jungen Deutschen der auf Besuch ist und uns erklärt wo er wohnt. Er lädt uns ein, seine Familie in der abgelegenen Ecke am Rio Puelo zu besuchen.

01.12.2008 – Puerto Octay – Lago Tagua Tagua
Anstatt wie geplant Richtung Norden fahren wir also nach Süden um ein Tal kennen zu lernen, wo nur wenige Reisende sich hin verirren. Vor der zweiten Fähre zögern wir dann, weil die Preise doch recht teuer sind. Volkmar und Gudrun machen uns den Vorschlag in ihrem Wohnmobil zu fahren und allenfalls für eine Nacht eine Cabaña zu mieten.

02.12.2008 – Lago Tagua Tagua – Camping Lago Totoral
Am frühen Morgen entscheiden wir jedoch spontan, ebenfalls mit unserem Fahrzeug auf die Fähre über den Lago Tagua Tagua zu fahren. Zuerst hat uns der teure Preis, hin- und zurück umgerechnet fast 80 Franken, beinahe von diesem Ausflug abgehalten. Doch wenn wir ein paar Tage bleiben möchten relativiert sich die Ausgabe wieder.

Wir sind in einer Gegend, wo es gemäss Landkarte gar keine Strassen gibt. Dies hat einerseits damit zu tun, dass das Gebiet bis vor gut zwanzig Jahren lediglich zu Fuss zugänglich war und die Chilenen andererseits die Verbindungen im Grenzgebiet nicht gross publizieren. Die Argentinier sind kartografisch um einiges besser bestückt.

Als erstes besuchen wir gleich Roberts Eltern, die ein riesiges Grundstück bewirtschaften und eventuell irgendetwas mit Tourismus machen möchten. Nach 15 Jahren in Deutschland sind Evi und Winfried vor zwei Jahren zum zweiten Mal nach Chile ausgewandert. Bereits früher hatten sie sich für ca. 10'000 US $ 90 Hektaren Land (vom Fluss bis auf den Berg hinauf) gekauft. Auf diesem Land liegt eine Quelle, die auch in trockenen Jahren über 1 Million Liter Wasser täglich bringt und so kann er die kleinen gerodeten Landflecken jeweils sofort bewässern, damit der Boden nicht einfach austrocknet sondern schön kräftiges Gras zu wachsen beginnt.

Wir werden fröhlich empfangen und Evis leise Enttäuschung, dass wir Robert nicht mitgebracht haben, verfliegt ziemlich schnell. Er ist vor drei Wochen weggegangen um seine Aufenthalts-Papiere in Puerto Montt zu verlängern und seither haben seine Eltern nichts mehr von ihm gehört. Deshalb haben sie gestern mit Siegfrieds Frau Marlies telefoniert und von ihr die leider falsche Auskunft erhalten, wir würden ihn nach Hause bringen.

In der Mittagshitze lädt uns Evi zu Zitronensirup ein und serviert feinen Kuchen dazu. Nach einer kleinen, aber steilen Wanderung zum Fluss hinunter werden wir mit einer leckeren Linsensuppe und frisch gebackenem Brot verpflegt.

Wir erfahren das Siedlerleben aus erster Hand. Was die Beckers nicht selbst pflanzen, herstellen oder erlegen können kaufen sie halbjährlich in Puerto Montt ein. Tiefkühler besitzen sie keinen. Das Tal ist so abgelegen, dass sie zum Grosseinkauf mindestens zwei Tage einplanen müssen, weil eine solche Tour rein schon vom Weg her nicht in einem Tag zu bewältigen ist. Sie können dann jeweils solange bei Freunden wohnen. Auf dem Hof gibt es noch viel zu tun und das Ziel ist, dass der Betrieb spätestens innerhalb von zehn Jahren Ertrag abwirft. Solange kommen sie bei ihrer bescheidenen Lebensweise gut über die Runden. Winfried verzichtet gänzlich auf die Hilfe von Einheimischen, denn einerseits müsste er sie bezahlen und andererseits – das ist jetzt ganz allein unsere Ansicht – könnte er sich bestimmt schlecht mit der Arbeitsweise der Chilenen anfreunden. Sein sich im Bau befindlicher Unterstand ist derart perfekt gezimmert, dass ihn bestimmt jeder falsch eingeschlagene Nagel zutiefst schmerzen würde.

Um drei verlassen wir die gastfreundlichen Menschen und suchen uns einen Stellplatz an einem See oder Fluss. Weil auch hier alles privat ist fahren wir auf den winzig kleinen Campingplatz am Lago Totoral, wo unsere beiden Wohnmobile gerade mal so hinpassen.

03.12.2008
Der Lago Azul ist noch ein kleines Paradies, weil sich kaum jemand hierher verirrt und die Zufahrt höchstens mit einem kleinen 4x4-Fahrzeug zu bewältigen ist. Er ist jedoch kühler als der Lago Totoral und deshalb nicht zum Baden geeignet.

05.12.2008 – Lago Totoral – ca. 15 km südlich von Cochamó
Nach drei unvergesslichen Tagen in der Abgeschiedenheit begeben wir uns langsam wieder Richtung Zivilisation,

Zuerst interessiert es uns jedoch, wo genau der nicht eingetragene Weg überhaupt aufhört. Das Militär erlaubt uns die Durchfahrt der laut Signalisation gesperrten Strasse und nach dreizehn Kilometern nutzen wir den grossen von Baumaschinen umstellten Wendeplatz, um das verwunschene Tal von der anderen Seite zu durchqueren.

Kurz vor Cochamó entdecken Gudrun und Volkmar einen kleinen Hafen, wo wir wunderschön übernachten können. Nach dem netten Gespräch mit einem alten Fischer stellen wir uns freudig hin. Doch die Freude wird kurz darauf getrübt durch die vorwurfsvolle Frage des offensichtlich jungen Besitzers, wer uns denn erlaubt hätte, hier zu campieren. Ich erkläre ihm, wir hätten mit dem Alten da gesprochen und der hätte gesagt es sei kein Problem, das gehöre alles der Marine. Darauf reagiert er ganz ungehalten und weist den Mann ganz bös zurecht. Weil wir nicht recht wissen woran wir nun sind rufe ich ihn zurück, bitte um Entschuldigung und sage ihm, dass wir dann halt weiterfahren würden. Jetzt erlaubt er uns jedoch dazubleiben. Peter bietet ihm ein Glas Wein an und bricht damit das Eis. Der junge Mann lehnt zwar für den Moment ab, lädt jedoch Volkmar und Peter ein, sich den Bootsbau-Betrieb seiner Familie anzuschauen und sagt ihnen, die Fischfarm da draussen gehöre auch noch ihnen. Zu guter Letzt schenkt er uns einen 45 cm langen tiefgekühlten Lachs, den wir bei nächster Gelegenheit zusammen grillen und verspeisen werden.

06.12.2008 – Cochamó – Rest. Espantapajaros (Puerto Octay)
Die Fahrt dem Fjord entlang nach Puerto Varas ist, abgesehen von der schmalen schlechten Naturstrasse, traumhaft schön. Das heutige Ziel deckt sich mit dem Ausgangspunkt zu unserem unbeabsichtigten Ausflug in das nur wenigen Touristen bekannte Gebiet.

Einmal mehr schlemmen wir am üppigen Buffet des Bauern-Restaurants und essen mindestens das Doppelte unserer üblichen Portionen – vom Dessert einmal ganz abgesehen…

07.12.2008
Puerto Octay – Quepe
Das Frühstück ist heute sehr bescheiden, Peter isst immerhin ein Müesli, mir genügt sogar eine Tasse Tee. Den ersten Halt legen wir bereits nach knapp zehn Kilometern bei Nadia und Armin ein, die uns gestern Abend eingeladen haben, bei ihnen in der „Hospedaje Zapato amarillo“ einen Kaffee zu trinken. Nadia ist Chilenin, Armin (er ist Schweizer) hat sie vor zwanzig Jahren während einer Lateinamerika-Reise kennen und lieben gelernt. Seit zehn Jahren leben sie nun in Puerto Octay und betreiben mit viel Freude ein kleines Tourismusunternehmen mit ganz hübschen Unterkünften (www.zapatoamarillo.cl).

Bei bedecktem Himmel und angenehm kühlen Temperaturen reisen wir über Temuco nach Melipeuco, das wir jedoch wegen des späten Starts mit frühem Unterbruch heute noch nicht erreichen.

08.12.2008 – Quepe – Laguna de Icalma
Wir finden an der Laguna de Icalma auf etwa 1200 müM einen traumhaften Platz und werden vermutlich von einem Mapuche, der weiter oben wohnt und vorgibt der Eigentümer zu sein, um 2000 Pesos (ca. Fr. 4.00) erleichtert. Er meinte ursprünglich 5000 wären angebracht, doch wir konnten ihn überzeugen, dass wir ja weder Toiletten noch Wasser brauchten und lediglich hier stehen wollten. Auf die Idee, dass es sich eventuell doch nicht um sein Grundstück handeln könnte kommen wir erst, als er bei Gudrun und Volkmar nicht vorstellig wird und auch am nächsten und übernächsten Tag nicht mehr auftaucht.

Von hier scheint der See ziemlich klein zu sein, doch als wir der Strasse entlang Richtung Süden wandern sehen wir, wie weit verzweigt er in Wirklichkeit ist.

11.12.2008 – Laguna de Icalma – Salto del Indio, Curacautín
In Lonquimay verabschieden wir uns nach 10 vergnüglichen Tagen von Gudrun und Volkmar. Richtung Westen gibt es jetzt zwei Möglichkeiten, Schotterstrasse über die Berge oder der gebührenpflichtige angeblich längste Tunnel Südamerikas. Für nur 400 Pesos, weniger als einen Franken, wählen wir den angenehmeren Weg. Der 4527 Meter lange Tunnel ist gut beleuchtet und, durch Lichtsignale geregelt, nur einspurig befahrbar.

Beim Salto del Indio, einem 35 Meter hohen Wasserfall, kommen wir mit Schülern und Betreuern der Schule No. 22 von Lebu ins Gespräch. Sie versuchen uns mit Bildern zu überzeugen, dass wir diesen Ort am Pazifik unbedingt besuchen sollten. Weil wir sowieso unschlüssig sind ob wir direkt oder über die Küstennahe Strasse Richtung Norden reisen wollen entschliessen wir uns zu diesem kleinen Umweg.

12.12.2008 – Salto del Indio – Lebu
Am Vormittag besuchen wir kurz die wenigen Sehenswürdigkeiten der 20'000 Seelen Stadt: Die Cuevas del Toro und den Aussichtspunkt erreichen wir ohne Einschränkungen. Die Plaza mit ihren berühmten Bronce-Kanonen aus Peru ist leider wegen Bauarbeiten gerade komplett abgesperrt und die im Jahre 1960 nach einem Erdbeben renovierte Kirche verschlossen. Das 1914 erbaute „Casa Eberspecher“ wäre zu besichtigen, doch wir begnügen uns mit einem Foto von aussen. Der Abstecher war hübsch und hätte das Wetter noch mitgespielt wären wir ganz bestimmt entzückt von dem Ort.

13.12.2008 – Lebu – Bulnes
Das Weingut „Viña Chillán“ gehört den Schweizern Ruedi Rüesch und Roland & Karin Lenz. Es wurde vor knapp zehn Jahren als Weingut „Viña Tierra y Fuego“ gegründet, musste jedoch wegen eines Namenskonflikts umbenannt werden. Das ändert jedoch nichts an der Qualität der exzellenten Rot- und Weissweine, die zu einem grossen Teil in die Schweiz exportiert und von dort von der Familie Lenz über das Weingut Iselisberg verkauft werden. Ruedi betreibt zusammen mit seiner Frau Mabel und drei Festangestellten das Weingut und das dazugehörende erstklassige Restaurant in Chile. Das gepflegte Restaurant ist etwas wie ein Geheimtipp, denn anstatt direkt an der Strasse liegt es wunderschön in Reben gebettet etwa 300 Meter zurückversetzt. Selbst der frühere Staatspräsident Lagos wie auch die aktuelle Präsidentin Bachelet haben schon da gespeist.

Wir sind heute vorerst die einzigen Gäste und lassen uns mit hausgemachten Teigwaren, Salat und einem Stück Filet verwöhnen. Der süssliche Apéro-Wein mit dem Namen „Vida loca“ (verrücktes Leben) mundet uns vorzüglich, und wir finden, dass er auch irgendwie zu uns passt.

Bis tief in die Nacht hinein sitzen wir im Garten und lassen uns von Ruedi seine ursprünglich ungeplante Auswanderungs-Geschichte erzählen. Am Anfang war es nämlich so, dass die Familie Lenz auswandern wollte, doch dann wurde diesen eine gute Pacht in der Schweiz angeboten was sie dazu bewog, in der Heimat zu bleiben. Inzwischen hatte Ruedi jedoch seine Frau Mabel kennen gelernt, was ihn wiederum dazu bewog, seine Zelte in der Schweiz abzubrechen und in Chile neu anzufangen. Wir übernachten mitten in den Reben, umgeben von absoluter Stille.

15.12.2008
Unser Ausflug mit dem Motorrad zu den Termas de Chillán und zum Valle Hermoso ist wunderbar. Eigentlich wollten wir ein wenig Wandern, doch wir blasen dieses Vorhaben mangels Wanderwegen kurzerhand ab. Für den Wintersport gibt es drei Sessellifte, die Skipisten sind im Sommer aber eher ein Bild des Schreckens. Die Bodenerosion ist dermassen enorm, dass die gerodeten Schneisen zwischen dem restlichen Wald richtige Geröllhalden sind. Die Termas de Chillán laden uns auch nicht gerade zum Baden ein – in den Termas des Valle Hermoso gefiele es uns schon besser, doch mangels Badehosen lassen wir auch das Planschen bleiben.

16.12.2008 – Bulnes – Lo Gallardo – San Juan
In Lo Gallardo besuchen wir Susana und Alex, die wir in Punta Pardelas kennen lernten. Sie nehmen uns herzlich auf und wir dürfen mitten in Alejandros Gärtnerei „Jardín inglés“ in San Juan parkieren. Nun ganz so schön, wie man das aufgrund des klingenden Namens annehmen könnte, ist es da nicht. Aber hier können wir mit dem Motorrad oder mit unseren Velos wegfahren ohne uns um unser Wohnmobil zu sorgen.

17.12.2008
An unserem ersten Tag in Lo Gallardo machen wir mit Susana einen kurzen Fahrradausflug nach Santo Domingo, der dann allerdings etwas länger dauert, weil Peter einen platten Reifen hat, sich die zwei Patronen zum Pumpen als Nieten erweisen und sich niemand findet, der eine passende Fahrradpumpe besitzt. Zum Glück ist Alex bereits wieder von seiner ersten Liefertour nach Santiago zurück und holt Peter mit dem Auto vom Strand ab. Susana beendet die Radtour mit mir allein und derweil hat die Haushalthilfe bei ihr zuhause bereits ein leckeres Mittagessen vorbereitet.

Am Nachmittag begleitet Peter Alex auf seiner zweiten Tour um Blumen an einen Grossverteiler zu liefern. Susanna fährt mit ihrer Tochter Octavia und mir nach San Antonio um an der „Promenade“ zu flanieren und ein paar Kleinigkeiten zu kaufen.

Am Abend kommt Peter dann doch noch auf seine Rechnung, als er mit Alex für 1 ½ Stunden mit dem Mountainbike in die steilen Hügel fährt.

18.12.2008
Ausflug mit dem Motorrad nach Valparaiso: Die Fahrt der Küste entlang ist phänomenal. Es gibt so steile Steigungen und Abfahrten, wie sie in der Schweiz kaum je anzutreffen sind. Kein Wunder gilt teilweise ein Fahrverbot für LKW’s und Busse. An anderen Stellen steht vor der Steigung ein Schild: Legen sie den 1. Gang ein! Mit dem Töff geht’s auch im dritten. Für Valparaiso selbst nehmen wir uns leider zu wenig Zeit, denken allerdings daran, nochmals dahin zurückzukehren. Sei es für Silvester zum Feuerwerk oder sonst einmal. Zwischen Weihnacht und Neujahr dürfte allerdings ziemlich viel los sein, denn beim einen Hotel/Campingplatz wo wir fragen ist bis am 2. Januar bereits alles ausgebucht.

19.12.2008
Heute zeigt mir Peter einen nahen See, an dem er vorgestern mit Alex vorbeigekommen ist. Dabei lernen wir einen 62jährigen Chilenen kennen, der das private Schutzgebiet mit dem dazugehörenden See beaufsichtigt. Es ist zwar frei zugänglich gehört jedoch einer Ausgleichskasse, von der er angestellt ist. Der Mann sieht sehr sportlich aus und darauf angesprochen erklärt er uns, er sei Südamerikanischer Meister im Rudern (2er) gewesen. Später hat er mit einem Deutschen zusammengearbeitet und viel von diesem gelernt. Wie die Boote ordentlich aufgereiht sind und wie er mit Fremden wie uns umgeht zeugt schon von europäischem Einfluss, denn bei den Chilenen liegen die Sachen oft einfach herum.

Eigentlich ist dieses Gebiet nur für den Tagesaufenthalt gedacht, doch der freundliche Mann stellt uns in Aussicht, dass wir ausnahmsweise sogar übernachten dürften. Eigentlich wollten wir am Sonntag direkt zum Campingplatz in Talagante fahren, doch das Angebot ist zu verlockend als dass wir es nicht annehmen könnten.

20.12.2008
Die 37 km lange Velotour mit Susana, Alejandro (Alex) und Paulina über Schotterstrassen zu einem abgelegenen Strand ist hart, aber die spektakuläre Aussicht und ein superfeines Mittagessen entschädigen uns für die erlittenen Strapazen. Peter hat schon wieder Pech, sein Hinterreifen verliert langsam Luft und er will der Sache auf den Grund gehen. Dabei zersticht er sich gleich mit dem zerbrochenen Draht des defekten Reifens seinen Finger. Somit ist das Übel zwar entdeckt, aber die Reparatur einigermassen trickreich. Der Rückweg ist glücklicherweise einfacher und dauert nicht mehr ganz so lange wie die Hinfahrt.

21.12.2008 – San Juan – Laguna San Juan
Unsere heutige Tagesetappe beträgt knapp 10 Kilometer. Nachdem wir uns von Susana und Alex verabschiedet haben fahren wir zur Laguna San Juan um uns nach der gestrigen Velotour gemütlich auszuruhen.

22.12.2008 – Laguna San Juan – Camping Millantú, Isla de Maipo
Mit Margret und Hartmut haben wir uns auf dem Campingplatz „El Bosque“ in Talagante verabredet, doch der Besitzer ist mürrisch und sagt, der Platz sei geschlossen, obwohl Peter und Alex am Donnerstag ganz anders informiert worden waren. Nun gut, nur einen Kilometer weiter finden wir eine Alternative – und wie sich später herausstellen wird, musste es genau so kommen…

24.12.2008
Gestern, nachdem wir bereits abgemacht hatten, heute mit dem Bus nach Santiago zu fahren, gesellte sich der Campingplatz-Besitzer Silvano zu uns und bot uns an, am Morgen in ein grosses Weingut zu fahren, das nur 10 Minuten vom Campingplatz entfernt liegt. Was lag da näher, als das grosszügige Angebot dankend anzunehmen?

Pünktlich um zehn werden wir abgeholt und die erste Station ist das riesige Weingut Tarapacá mit einer Fläche von 770 ha. Durch das Weinmuseum gelangen wir in den natürlich klimatisierten Weinkeller, in dem über 3000 Fässer mit je 220 l Wein lagern. Das nächste Weingut, San Martín, verfügt über eine Gesamt-Fläche von 670 ha. Die Wahl, wo welche Reben angepflanzt werden, treffen die Besitzer aufgrund von Satelliten-Bildern, welche offenbar klare Auskunft über die Bodenbeschaffenheit vermitteln. Innerhalb von zwei Stunden zeigt uns Silvano insgesamt fünf grosse Weingüter und stellt uns sogar einen der Besitzer vor, der in Europa jedoch für das weltweit beste Olivenöl ausgezeichnet worden sein soll. Neben den Reben besitzt er nämlich als Ausgleich noch Olivenplantagen.

Dank Margret und Hartmut feiern wir Weihnachten sogar mit einem Bäumchen. Echt ist es nicht, aber von und mit Herzen geschmückt.

25.12.2008 – Isla de Maipo – Villa El Colorado
Am Morgen holen wir zusammen mit seinen Eltern Ingo vom Flughafen von Santiago ab. Er bringt uns die Ersatzschlösser für unser Wohnmobil. Die modernen „Billetautomaten“ des Parkplatzes sind nicht in der Lage unser Nummernschild zu lesen, denn es hat eine Zahl zuviel. Deshalb erhalten wir Spezialbetreuung. Die Chefin selbst registriert die Daten manuell und beim Ausgang muss die Kassiererin bei ihrer Vorgesetzten wieder speziell die Öffnung der Barriere beantragen. Die automatische Erkennung kann unter anderem auch Fahrzeugdiebstahl auf dem Parkplatz verhindern helfen, weil bei der Ausfahrt die Nummer mit dem Ticket übereinstimmen muss.

Auf 2800 müM, hoch über Santiago, verbringen wir den zweiten Weihnachtsfeiertag. Nachdem die Stadt am Nachmittag noch unter dem Smog verborgen lag erfreuen wir uns beim Eindunkeln und bis gegen Mitternacht an den vielen Lichtern der etwa 30 Kilometer entfernten Metropole.

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