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2008/2009
Argentinien, Chile

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Copiapó (Chile) – Cachi (Argentinien)

20.01. – 12.02.2009

21.01.2009 – 33 km östlich von Copiapó – Bahía El Cisne
Wir freuen uns, endlich wieder einmal schöne frische Früchte, Gemüse und Fleisch einkaufen zu können. Zu lange ist es her seit wir uns so richtig ausgiebig eindecken konnten. Im Jumbo in Copiapó finden wir alles was das Herz begehrt und es landen ein paar Sachen mehr in unserem Einkaufswagen als sonst üblich. Richtige Gewürzgurken und Dijon-Senf sind zur Abwechslung schon lecker. Sogar der „Emmentaler-Käse“ schmeckt ganz angenehm (fast wie richtiger Emmentaler) und die Auswahl an Zutaten für meine Brote ist überraschend gross für einen südamerikanischen Supermarkt. Denn Spezialsachen wie verschiedene Körner und Vollkornmehl bekommt man oft nur in gut versteckten Bioläden.

Am Strand lässt sich leichter arbeiten. Peter presst Orangen zu Saft, ich backe Brot und gemeinsam bereiten wir 3 kg Rindfilet zum Braten oder Tiefkühlen vor.

22.01.2009 – Bahía Cisne – Playa Rocas Negras (südlich von Caldera)
In Copiapó konnten wir nirgends Wasser auffüllen und deshalb überlegen wir uns, auf den Campingplatz in Bahía Inglés zu fahren. Dort könnten wir wenigstens duschen. Unterwegs sehen wir jedoch einen Tanklastwagen der die Menschen in den Zeltstädten, die in der Ferienzeit aufgebaut werden, mit Wasser beliefert. Ein Liter kosten 9 Pesos, 300 Liter also 2700 Pesos, ca. 5 Franken. Die Kapazität unserer Wasserpumpe ist nicht gerade überwältigend und die zwei Arbeiter verzweifeln beinahe ob der Warterei. Auf Peters Frage, was es denn nun kosten würde sagen sie: Zwei T-Shirts. Wir trennen uns leichten Herzens von zwei hübschen aber bereits gebrauchten Sport-Shirts und so sind beide Parteien glücklich über den Handel. Kurz darauf suchen wir eine schöne Stelle am Strand.

Da steht, noch ziemlich weit entfernt, bereits ein anderes Wohnmobil und Peter fährt vor lauter hinschauen beinahe in den Strassengraben. Beim näher herankommen und genauer hinsehen erkennt er den Steyr von Nicole und Renato, die wir zwar in Ushuaia kurz getroffen, aber noch gar nicht wirklich kennen gelernt hatten. Wir richten uns in der Nähe ein und quatschen bei einem feinen Tropfen Wein den ganzen Nachmittag und bis spät in die Nacht hinein. Die beiden sind auch zwei feine Menschen und wir werden noch ein paar Tage zusammen bleiben.

23. – 25.01.2009
Wir können das Fahrzeug ruhig stehen lassen und fahren mit dem Rad nach Caldera. Die Stadt ist hübsch, wir besuchen die Gruta des „Padre Negro“, das direkt am Meer gelegene Anfiteatro, den Fischmarkt, die in ein Museum und Kulturzentrum umgewandelte alte Bahnstation und die Plaza mit der alles überragenden Kirche. So kommen wir erst am späteren Nachmittag wieder zurück und werden zu unserer Überraschung gleich zu einem feinen Apéro eingeladen. Der Grund wird alsbald nachgeliefert: Dank unserer Reservation zur Besichtigung des Observatoriums Paranal am 31. Januar wurde unseren neuen Bekannten in der Zwischenzeit auch noch ein Platz zugesichert und sie freuen sich riesig.

26.01.2009 – Südlich von Caldera – Playa Refugio
Renato beschreibt uns einen Platz, wo wir südlich vom Nationalpark Pan de Azúcar wunderschön stehen können. Wir sind kaum angekommen, als die beiden eintrudeln, doch die Überraschung folgt kurze Zeit später: Bettina und Walter mit dem Zwilling unseres Wohnmobils fahren die Sandpiste herunter auf uns zu, als ob wir auch mit ihnen genau hier und heute abgemacht hätten. Welch freudiges Wiedersehen!

27./28.01.2009
Die Tage am Strand sind geprägt durch viele interessante Gespräche, Tipps und technische Debatten, (Feder)ballspiele, körperliche Ertüchtigung und Grillfeuer bis spät in die Nacht. Am Dienstagabend gesellen sich Andrea (D) und Stefan (CH), die mit dem Rucksack und zwischendurch mit dem Mietauto unterwegs sind, zu uns ans Lagerfeuer.

29.01.2009 – Playa Refugio – Nationalpark Pan de Azúcar
Der Strand in Pan de Azúcar ist nicht ganz so weiss wie derjenige gleich vor dem Parkeingang, doch unser Platz direkt am Strand/Meer ist fantastisch. Es gibt Vögel, von denen noch nicht einmal unsere Bekannten, die in dieser Beziehung doch etwas versierter sind als wir, den Namen kennen.

30.01.2009 – Nationalpark Pan de Azúcar – Nördlich von Taltal
Beim „Einparken“ am Sandstrand leisten wir ganze Sache. Zum ersten Mal seit wir unser 4x4-Wohnmobil besitzen sanden wir uns ein und, weil ein gleichwertiges Fahrzeug hier ist, lassen wir uns von ihm wieder herausziehen (Bequemlichkeit geht vor!) – sonst hätten wir Luft ablassen und unsere Sandbleche einsetzen müssen.

31.01.2009 – Taltal – Paranal – Querab der Ruta B70
Zusammen mit Nicole und Renato besuchen wir das Observatorium ESO Paranal, das von Januar bis November seine Tore jeweils an den letzten beiden Wochenenden des Monats für das Publikum öffnet – jedoch nur mit Voranmeldung!

Leider haben wir einen etwas schlechten Tag ausgewählt, denn so viele Leute scheint es selten zu haben. Es gibt zwei Gruppen und diese werden auf dem Berg nochmals getrennt, die Führer sind ein wenig überfordert und der ganze Ablauf ist ziemlich chaotisch. Der Besuch dauert denn auch dreieinhalb statt die vorgesehenen zwei Stunden.

Trotzdem gibt es ein paar interessante Details, die bei uns hängen bleiben: Jedes einzelne der vier grossen Teleskope hat einen Namen in der Sprache der Mapuche und besitzt einen Durchmesser von 8.2 Meter. Ihre Namen bedeuten übersetzt: Sonne (Antu), Mond (Kusven), Kreuz des Südens (Melipal) und Venus. Zusammen mit den vier mobilen kleinen Teleskopen entsteht das derzeit grösste Teleskop der Welt mit einem Durchmesser von 200 Metern. Teleskope sind keine Vergrösserungsgläser, sie verstärken lediglich das Licht der Gestirne um ein vielfaches. Die Wissenschaftler sind der Meinung, es seien lediglich etwa 4 % des gesamten Universums erkundet.

Insgesamt 120 Wissenschaftler/Mitarbeiter aus Chile und 13 europäischen Ländern, arbeiten 24 Stunden am Tag auf dem 2365 Meter hohen Berg. In den etwa 360 klaren Nächten pro Jahr gucken sie durch das VLT (very large Telescope) über Monitore ins Weltall und machen hoch auflösende Aufnahmen. Die Auswertungen dieser Aufnahmen können dann gut und gerne zwei drei Jahre dauern und so die Wissenschafter in ihrem Heimatland für eine lange Zeit weiter beschäftigen.

Sehr beeindruckt verlassen wir den eigens für die Bauzwecke geköpften Cerro Paranal und peilen einen nahen Übernachtungsplatz an. Weil wir diesen jedoch nicht mehr finden können landen wir an einem Berg, querab der Ruta B70.

01.02.2009 – B 70 – La Portada, Antofagasta
Vor dem Abstecher zur „Mano del Desierto“ (Hand der Wüste) fahren wir noch ein Stück den Berg hoch, wo Peter von Renatos Offroad-Erfahrung profitieren kann. Das Gelände ist ideal zum Üben und wir erklimmen die Hügel sogar ohne den relativ hohen Luftdruck für Asphalt verringern zu müssen.

Fazit: Letztendlich ist der Ärger über den „plötzlich verschwundenen“ Lagerplatz der Freude gewichen, denn in den abgelegenen Hügeln können wir richtige Wüsten-Atmosphäre schnuppern.

Beim Naturdenkmal „La Portada“ finden wir trotz des grossen Besucherstroms – es ist Sonntag – einen ruhigen Übernachtungsplatz direkt über den Klippen. Ab und zu nähert sich ein Auto oder ein Motorrad um unsere Fahrzeuge aus der Nähe anzuschauen. Der Motocross-Fahrer Juan hält an und sucht ganz offensichtlich Kontakt, er scheint ein wenig einsam zu sein. Peter soll mit seiner 600er Cross-Honda aus dem Jahr 1992 eine Testfahrt durch den Sand absolvieren, was er natürlich gerne tut. Die Kupplung schleift und Peter rät ihm, diese besser nachzustellen. Obwohl er als Mechaniker arbeitet hat er keine Ahnung, wie dies zu bewerkstelligen ist.

Am Lagerfeuer, das aus herumliegendem Abfallholz zustande kommt, backen wir wieder ein feines Brot im australischen Campofen.





02.02.2009
Lilo und Martin aus der Schweiz sind fünf Monate mit einer geführten Tour mit insgesamt 18 Fahrzeugen unterwegs und bereits nach drei Monaten mehr oder weniger frustriert. Heute Abend können sie am Lagerfeuer dem Trott entweichen und freuen sich einer interessanten Unterhaltung beizuwohnen statt allein zu sein oder Quengeleien zu hören.

Heute backen Nicol und Renato ihr Brot in einem Chromstahl-Topf aus Marokko, was noch heikler ist als in unserem dicken Gusseisen-Topf, aber es gelingt ihnen hervorragend.

Um Mitternacht taucht Juan nochmals auf. Diesmal bringt er seine Fotokamera mit, er hatte gestern schon angekündigt, dass er gern ein Erinnerungsfoto aufnehmen möchte. Normalerweise sind wir um diese Zeit schon längstens am Schlafen, aber Nicol hat schon früh angekündigt, heute solange auszuharren bis auch das letzte Stück Holz verbrannt ist.

03.02.2009
Nach einem mehr oder wenigen erfolgreichen Arbeitstag fordern Nicol und ich heute Abend unsere Männer nochmals beim Jassen heraus, denn nach 14 Tagen gemeinsamen Reisens trennen sich morgen unsere Wege.




04.02.2009 – La Portada – Laguna Inca Coya
Wir nehmen Abschied von lieb gewonnenen Freunden. Ciao Team-Orix, es war schön mit euch! Wir wünschen eine schöne Reise nach Norden und setzen unsererseits Segel nach Osten. Der erste Stopp, das Eisenbahn-Museum in Baquedano ist eine kleine Enttäuschung. Es gibt zwar vier interessante alte Dampflokomotiven und viele Bahnwagen, die sich jedoch in einem erbärmlichen Zustand befinden. Wenn es schon ein Museum sein sollte, müssten sie dringend restauriert werden, aber dazu fehlt das Geld.

Das „Ex-Oficina Salitrera de Chacabuco“ ist vor allem wegen seiner Geschichte einen Besuch wert. Die meisten Gebäude sind vom vollständigen Zerfall bedroht und einzig die Fassade von Theater, Bibliothek und Konzertsaal ist 1992 unter anderem mit deutscher Unterstützung restauriert worden.

Die 1922-24 durch Lautaro Nitrate Co. konstruierte Anlage zur Nitratgewinnung war bis 1940 in Betrieb und bot Unterkunft für über 5000 Personen. 1971 wurde die Anlage zum Nationalmonument erklärt und unter historischen Denkmalschutz gestellt. Deshalb wurden denn in den Jahren 1971 bis 73 einige restaurationsorientierte Arbeiten ausgeführt.

Nachdem das Militär bereits 1972 die Anlage besetzt hatte wurde ein Teil der Gebäude nach dem Sturz der Regierung durch das Militär am 11. September 1973 als Gefängnis für 1800 politische Häftlinge genutzt. Diese blieben bis 1974 inhaftiert.

05.02.2009 – Laguna Inca Coya – San Pedro de Atacama
Wir besuchen das kleine Dorf Chiu Chiu, das vor allem von der Landwirtschaft lebt. Seine Karotten werden bis nach Antofagasta und San Pedro verkauft. Den paar kleinen Hotels nach zu urteilen scheint auch der Tourismus etwas zum Einkommen beizutragen.

06.02.2009
Der nahe beim Stadtzentrum von San Pedro gelegene Campingplatz La Peralta ist so überfüllt, dass wir keine Lust haben uns noch dazwischen zu quetschen, obwohl wir gleich den Platz der Franzosen, die wir bei den Termas de Fiambalá kennen gelernt hatten, übernehmen könnten. Wir ziehen es vor, wie beim letzten Mal, beim CONAF anzuklopfen. Dort ist man jedoch ganz erstaunt darüber, dass wir schon einmal hier gewesen sein wollen. Der Campingplatz sei schon vor längerer Zeit wegen der mangelhaften sanitären Einrichtung geschlossen worden und deshalb wäre es eigentlich nicht möglich, hier zu campieren. Wir versichern jedoch, dass wir weder WC noch Dusche brauchen sondern ganz autonom sind. Darauf hin gewähren sie uns, ein paar Tage hier zu übernachten, verrechnen würden sie jedoch dafür nichts. Aber die angebotene Schweizer Schokolade nehmen sie freudig entgegen.

07.02.2009
Mit dem Motorrad fahren wir zur Garganta del Diablo, wo man 8 km wandern könnte. Zwischen den Felsen ist es jedoch so heiss, dass wir nach einer guten halben Stunde kehrt machen und noch ein wenig weiter das Tal hinauf fahren. Als der Weg immer schlechter und die Bachdurchfahrten immer tiefer werden kehren wir wieder zurück um am Nachmittag die Lagunas Cejas zu besuchen. Diese stark salzigen Lagunen liegen mitten in der Wüste und sind nur über schlechte Wellblechpisten mit teilweise kniffligen Sandpassagen zu erreichen. Wegweiser ist ein etwa sieben Kilometer entfernter Baum, dort zweigt es ab nach Süden. Doch der Besuch ist absolut lohnenswert, das Wasser ist angenehm kühl und so salzhaltig, dass man nicht einmal schwimmen kann sondern sich einfach treiben lassen muss























08.02.2009
In der morgendlichen Kühle besuchen wir die Ruinen von Quitor sowie die Aussichtspunkte mit Blick über San Pedro de Atacama und das Valle de la Muerte (Todestal).

09.02.2009 – San Pedro de Atacama (Chile) – Cachi (Argentinien)
Peter erlebt den heutigen Tag so intensiv, dass er den Reisebericht noch am Abend gleich selber verfasst.

Bergungsaktion am Abra el Acay, dem höchsten Übergang Argentiniens. Kaum jemand weiss, wo dieser Pass liegt, denn er ist auf keiner Karte eingetragen. Er ist auf der Ruta 40 in der Region Salta. Diese legendäre Strasse hat 2300 km Schotter, Sand, Geröll und 2700 km Asphalt, ist also ca. 5000 km lang. Sie führt von La Quiaca an der bolivianischen Grenze nach Cabo Virgenes im südlichen Patagonien.

Jetzt aber alles der Reihe nach: Gestern haben wir in San Pedro de Atacama unsere Ausreiseformalitäten erledigt, um heute morgen früh um 06.00 Uhr starten zu können. Es ist noch tiefe Nacht als wir wegfahren und in der Kühle der Morgenstunden es ist angenehm unterwegs zu sein, denn tagsüber wird es 30°C und mehr. Ohne kaum eine Kurve geht es von 2400 müM auf 4600 müM und wir wissen, dass es 450 Kilometer dauern wird, bis wir wieder eine Höhe erreichen werden – ca. 3000 müM, wo wir anständig übernachten können.

Bereits um 09.00 Uhr sind wir an der Grenzstation Paso de Jama. Sie liegt auf 4000 müM. Zwanzig Minuten später sind unsere Papiere erledigt und die für unser Fahrzeug notwendigen 8 Monate darin eingetragen. Nach 230 Kilometern fällen wir die erste Entscheidung – auf Asphalt nach Purmamarca oder über die kaum befahrene Ruta 70 nach Süden? Wir entscheiden uns für letztere, verfügen wir doch über einen 4x4 mit genügend Bodenfreiheit für allfällige Schwierigkeiten. Schöne Landschaften entschädigen für die Strasse, die sich über weite Strecken in einem fürchterlichen Zustand befindet, das Wellblech ist noch das Wenigste. Ganze Streckenabschnitte sind vom Regenwasser weggespült worden. Wir wissen jedoch, dass wir nach 63 km auf die besser unterhaltene Strasse vom Passo de Sico treffen werden. Kurz vor 14.00 Uhr kommen wir nach einer ganz kurzen Mittagspause in San Antonio de los Cobres (3770 müM) an. 230 km Asphalt und 133 km Schotter liegen hinter uns und die nächste Entscheidung steht an: Direkt nach Salta oder über den Abra de Acay?

Von anderen Reisenden wissen wir, dass die Strasse über den Pass sehr schmal und mit unsere Fahrzeug nur knapp zu bewältigen ist. Wir entscheiden uns trotzdem wieder für die schwierigere Variante, obwohl uns die dunklen Wolken in dieser Richtung den Entscheid nicht gerade leicht machen. Der erste Abschnitt ist in hervorragendem Zustand. Der Strassenhobel muss kurz vorher die Strecke geglättet haben, denn ausser den seinen sehen wir keine weiteren Reifenspuren. Das ist gut so, denn auf weite Distanzen wäre es unmöglich, überhaupt ein Fahrzeug zu kreuzen. Kurz vor der Passhöhe, gemäss GPS auf 4950 müM, leuchtet eine rote Lampe auf – EDC (Elektronische Diesel-Kontrolle). Rot ist immer gefährlich, doch wissen wir von anderen Reisen mit dem gleichen Fahrzeug, dass dies mit der EURO3-Norm zu tun hat und die Lampe beim Herunterfahren wieder erlischt. Die Passhöhe ist offiziell mit 4895 müM angegeben, gemäss unserem GPS beträgt sie jedoch 4976 müM.

Dies ist der höchste Pass, den wir mit unserem MAN je befahren haben. Wir können es jedoch nicht geniessen, denn Kopfschmerzen treten auf und – was noch viel gefährlicher ist – plötzlicher einsetzender Schneefall. Die Piste verwandelt sich in Schlamm und es hat bereits etwas Schnee darauf. Den kleinstmöglichen Gang einlegen und kaum auf die Bremse treten, so geht’s im Schritttempo langsam der Zivilisation entgegen. Aus dem Schneegestöber sehen wir weit unten ein Auto – will der denn noch über den Pass? – nein, der steht doch!

Beim Näher kommen bemerken wir, dass er mit seinem Werkzeug die Piste blockiert hat, so dass keiner vorbeikommt. Unser Höhenmesser zeigt 4780 müM. Nach einem kurzen Gespräch erfahren wir, dass sie bereits seit über zwei Stunden dastehen und der Motor streikt. Eine Familie mit ihrer weinenden 7jährigen Tochter. Es gibt nur eines: Möglichst schnell runter, nicht nur wegen des Sauerstoffmangels, auch der starke Schneefall wird ein Problem. Jeder weiss, was er zu tun hat und innert zwei Minuten hängt der Suzuki 4x4 am Haken und Gabriela sitzt mit ihrer Tochter Briana bei uns im MAN. Weiter geht es im Schritttempo, in einer der Kurven wo ich zurücksetzen muss ruft Javier, ich solle noch langsamer fahren, denn er habe nur noch seine Handbremse zur Verfügung. Das kann ja heiter werden auf der glitschigen Strasse. Es geht steil bergab ohne Leitplanken, links geht es fast 500 Meter senkrecht in ein Tal hinunter. Mit nur noch 10 kmh geht es tiefer. Auf 4500 müM geht der Schnee in Regen über. Nach bangen Minuten oder Stunden erreichen wir auf 4000 müM einen Ausstellplatz. Die Bremsen des Pannenfahrzeugs sind total überhitzt und wir beschliessen, dieses dort stehen zu lassen. Der Besitzer will mit Decken, Proviant und Zelt bei seinem Wagen bleiben, obwohl ich versuche ihn zu überreden, mit uns zu kommen. Doch er zieht es vor beim Fahrzeug zu bleiben in der Hoffnung, am anderen Tag Hilfe zu bekommen. Wir lassen ihn also auf 4000 Meter Höhe, 85 Kilometer von Cachi entfernt zurück und fahren mit seiner Frau und der Tochter weiter. Eigentlich wollten wir auf ca. 3000 Metern und nach 10 Stunden Fahrt übernachten, doch wir wissen, dass Javier dringend Hilfe benötigt und wir mit den beiden nach Cachi weiterfahren müssen. Durch die Regen- und Schneefälle in den Bergen ist die Strasse im Tal kaum befahrbar und wir müssen oft den 4x4 einschalten um durch den in kurzer Zeit entstandenen Schlamm zu gelangen. Nach 12 Stunden Fahrt über 230 km Asphaltstrasse und 260 km Schlamm- und Schotterpiste erreichen wir todmüde Cachi. Wir verabschieden uns beim Polizeiposten herzlich von Gabriela und Briana und suchen schnellstmöglich einen Übernachtungsplatz.

Für mich war dies der aufregendste Tag unserer ganzen bisherigen Reise.

10.02.2009
Auf dem Weg zur Plaza sehen wir am Vormittag zu unserer grossen Überraschung den Suzuki, den wir gestern abgeschleppt haben. Wie ist der so schnell hierher gekommen? Wir erkundigen uns bei den zahlreich herumstehenden Einheimischen, wo wohl dessen Besitzer sein möge. Die einen schicken uns um die Ecke, die anderen sagen „da unten“ und einer weiss, dass er im Hostal del Inkañan abgestiegen ist. Dort treffen wir denn die ganze Familie wieder glücklich vereint. Sie erzählen kurz, dass der Abschleppwagen noch gestern Abend losgefahren und Javier in der Nacht um elf abgeholt habe. Dann laden sie uns zum Mittagessen ein und wir erfahren, dass Gabriela sich gleich nach unserer Ankunft um Hilfe bemüht hat. Die Polizei hat sie zum Wirt geschickt, der zugleich auch einen Bergungswagen besitzt und dieser hat sich sogleich auf den Weg gemacht. Die ganze Aktion dauerte von 19.30 – 03.00 Uhr, also geschlagene siebeneinhalb Stunden – und heute ist der Wirt bereits um neun wieder auf seiner normalen Arbeit. Die Bergungs-Kosten belaufen sich für die insgesamt gut 160 km auf 640 Pesos, umgerechnet ca. Fr. 200.-- und das bei Nacht und äusserst kritischen Pistenverhältnissen.

Übrigens: Javier erwähnt, dass ausser uns den ganzen Tag kein einziges Auto mehr vorbeigekommen sei.

Mit dem gemeinsamen Mittagessen schliessen wir unsererseits dieses Kapitel ab und widmen uns wieder den Schönheiten von Natur und Architektur. Denn leider haben wir das wunderbare Tal Richtung Cachi wegen des Wetters und den nervenaufreibenden Umständen gar nicht richtig wahrnehmen können.

11. – 12.02.2009
Seit wir in Cachi angekommen sind ist es mehrheitlich bedeckt, über den Bergen teilweise richtig schwarz und es schaut aus als ob es jederzeit zu regnen beginnen würde. In der Nacht fallen ein paar wenige Tropfen, doch das ist dann auch schon alles. Hier ruhen wir uns aus von den erlebten Strapazen und bereiten uns auf neue Schandtaten vor.

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