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2009/2010
Brasilien

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Termas de Guaviyu – Chuy, Uruguay

9. - 24. Oktober 2009

Freitag, 09.10.2009 – Termas de Guaviyu In den Termas del Arapey hat uns ein Herr Hein eingeladen, die Kolonie Gartental zu besuchen. Dies ist eine der vier in Uruguay ansässigen Mennoniten-Gemeinden. Weil wir ausser seinem Namen keine Angaben besitzen und deshalb nicht vorher anrufen können, stören wir ihn bei der Siesta. Er und seine Frau Anita freuen sich über unser Erscheinen und heissen uns herzlich willkommen. Sie tun alles um Peters Wissensdurst zu befriedigen, so rufen sie Herrn Wölke, einen der Mitbegründer dieser Siedlung an, um uns von der Flucht/Ausreise aus der Danziger Bucht und den Anfängen hier in Uruguay zu erzählen. Dieser Mann ist 82 Jahre alt und kann sich noch an so viele Details aus den 40erJahren erinnern dass einer nur staunen kann.

Geschichte einer Mennoniten-Familie in der Colonia Gartental, Uruguay: Als der Vater 1946 aus amerikanischer Gefangenschaft kam fand er seine Familie in der Danzigerbucht (Polen) wieder. Da die Familien der Mennoniten sehr religiös sind und ihnen die Glaubensfreiheit wichtig war flohen sie in den Westen. Sie haben ihr Land und das Haus, welches sie in den letzten fünf Jahren aufgebaut hatten, am 8. Juli 1951 verlassen. Auf der Flucht in den Westen, kurz vor der Zonengrenze, eilten zwei Männer als Kundschafter auf Fahrrädern voraus. Stand der Russe in Bereitschaft? Es rührte sich nichts. Die Pferde wurden zur Eile angetrieben, kein Russe war in Sicht, kein Schuss fiel – sie waren in Freiheit.

Nach der Grenze wurde angehalten, denn die Pferde brauchten ein bisschen Ruhe. Das Risiko war doch gross. Vom Grossvater bis zum Enkelkind waren sie über die Grenze nach Westeuropa geflohen. Die behördlichen Eingriffe, die Vorschriften über das Ablieferungssoll, die allgemeine Bespitzelung, all dies liess sie zur Überzeugung gelangen, dass ihr Bleiben keinen Sinn mehr hat. Nach dem Verkauf von Pferden und Wagen ging es dann am 26.09.1951 mit einem Sonderzug nach Genua und am darauf folgenden Tag mit dem Auslieferungsdampfer „Surriento“ nach Uruguay. In das Land, in dem sie nun seit fast 60 Jahren leben. Und einen Teil von dem, was sie in diesen 60 Jahren fast Unglaubliches geleistet haben, dürfen wir in Gartental mit eigenen Augen sehen.

Samstag, 10.10.2009 – Colonia Gartental Vor unserer Weiterreise besuchen wir Wilfrieds Neffen Norbert und seine Frau Gerlinde, die das Anwesen des Prinzen von Auersperg gekauft haben. Sie freuen sich, uns ihr schön restauriertes Haus zu zeigen und von ihrem Vorhaben, das Schwimmbad künftig mit Sonnenkollektoren zu beheizen, zu erzählen.

Nach dem Studium der Landkarte beschliessen wir, heute bis Carmelo zu fahren, damit wir endlich ein Stück vorwärts kommen. In Fray Bentos machen wir eine kleine Stadtrundfahrt und schon in der nächsten Stadt, Mercedes, ist wieder Endstation. Denn im Hafen liegt ein Schiff mit Schweizer Flagge und da gibt es bestimmt einiges zu erzählen. Deshalb laden wir die Besatzung der SY Svenya für heute Nachmittag zum Tee/Kaffee ein. Viola und René scheinen sich über die Abwechslung zu freuen und wir finden schnell gemeinsamen Gesprächsstoff. René ist seit 2001 mit seiner selber gebauten Segelyacht unterwegs und Viola ist seit 2004 ab Spanien mit dabei. Sie liegen nun schon über 10 Monate im Hafen des Rio Uruguay, warten noch auf ein Ersatzteil und wollen dann schnellstmöglich (wenn der Wasserstand dies zulässt) auslaufen und weiter nach Argentinien.

Sonntag, 11.10.2009 – Puerto, Mercedes In der Nacht gibt es ein Gewitter und es giesst wie aus Kübeln. Das Wasser läuft in Bächen die Strassen hinunter und weil wir wissen, dass die Natur dringend auf diesen Regen angewiesen ist freuen wir uns über den ausgiebigen Niederschlag. Über Dolores, Nueva Palmira und Carmelo fahren wir nach Colonia.

Wir wollen eigentlich in die Posada Gondwana zu Andy Hirt zum Nachtessen, doch wir treffen bereits um drei Uhr dort ein und es scheint einfach niemand da zu sein. Deshalb beschliessen wir bei der Stadtmauer, wo es sicher und ruhig ist, zu übernachten. Hier sind wir nicht die einzigen. Nicole und Bernd stehen schon seit ein paar Tagen da und werden am Mittwoch mit dem Buquebus nach Buenos Aires übersetzen.

Nicole ist in vier Jahren, anfänglich mit dem Rucksack, später mit dem Handwagen, von Ushuaja zum Aequator gelaufen. Auf ihrer 15000 Kilometer langen Reise hat sie Bernd kennen gelernt und er hat Nicole stückweise mit dem Fahrzeug begleitet. Zwischendurch haben sie auch gemeinsame Reisen mit dem Wohnmobil unternommen. Doch Nicole ist immer wieder zu dem Punkt zurückgekehrt, wo sie ihre Fussreise unterbrochen hat. Ende dieser Woche wird sie nach Belgien zurückkehren um ihre für fünf Jahre unterbrochene Arbeit als Busfahrerin in der Stadt wieder aufzunehmen. Bernd wird seine Reise vorläufig allein weiterführen und hoffen, dass die fröhliche Nicole wieder zu ihm zurückkehrt.

Montag, 12.10.2009 – Colonia del Sacramento Gegen Abend klopfen wir an Carlos und Rositas Türe. Carlos will uns seine Garagen mit je ca. 60 Parkplätzen zeigen und fährt uns zuerst der Rambla entlang spazieren. Da steht ein Wohnmobil mit deutschen Kennzeichen und Peter fragt, ob wir nicht schnell anhalten könnten um sie zu begrüssen. Diese Begrüssung endet damit, dass wir heute die Garagen nicht zu sehen bekommen und dass Welf und Christine gleich auch mit zum Asado eingeladen werden. So verbringen wir einen äusserst interessanten Abend und es wird etwa 23.00 Uhr, bis wir etwas zwischen die Zähne kriegen.

Dienstag, 13.10.2009 Nach einem kurzen Stadtbummel holt uns Carlos zur gestern versäumten Besichtigungstour ab und er bringt uns mit seinem guten Freund Walter und seiner Frau Brunhilde zusammen. Sie sind Mennoniten, sprechen Deutsch, sind pensioniert und haben immer etwas zu tun. Auf ihren weissen Flieder im Garten sind sie besonders stolz, denn so etwas ist in Uruguay eine Rarität. Walter schenkt mir eine seiner wunderschönen Blüten.

Mittwoch, 14.10.2009 In Nueva Helvecia decken wir uns mit dem besten Käse Südamerikas ein und erfahren von der gesprächigen Verkäuferin, dass der Schweizer Besitzer des „Granja Hotel Suizo“ Deutsch spricht. Wir hoffen, diesen Herrn kennen zu lernen und beschliessen im Hotel etwas zu trinken.
Herr Räber empfängt uns persönlich und so schnell haben wir noch nie von nur etwas trinken auf essen umgestellt. Bei der Frage, ob wir gerne eine Rösti oder ein Fondue speisen wollten läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Wir bestellen eine Portion Fondue und eine kleine Rösti für zwei und unterhalten uns nach dem leckeren Essen gespannt mit Rolf Räber, dem sympathischen 50jährigen Auslandschweizer-Hotelier. Heute bietet er noch 15 Zimmer mit Panoramablick im 1. Stock an.

Ganz Stolz ist er auf den Umstand, dass auf dem Hotelareal das erste Schiessgelände Uruguays erstellt wurde, dessen historischer Wert das Interesse der heutigen Besucher auf sich zieht.

Weil der auf der Karte eingezeichnete Campingplatz in der Nähe von Santiago Vasquez offenbar nicht existiert übernachten wir im kleinen Hafen des Orts.

Donnerstag, 15.10.2009 – Santiago Vasquez beim Ruderclub des Club Aleman Der im Reiseführer verzeichnete Campingplatz im Parque Roosevelt existiert in dem Sinne nicht. Man dürfte zwar überall in Park stehen, doch es gibt keine Aufsicht und die Leute, die wir konsultieren, raten uns ab dort zu nächtigen. Im Club Aleman stossen wir auf offene Ohren. Der Tennislehrer mit österreichischer Frau erlaubt uns das Fahrzeug tagsüber auf dem Gelände stehen zu lassen, damit wir beruhigt die Hauptstadt Motevideo besichtigen können. Für die Bewilligung über Nacht zu bleiben ruft er bereitwillig die Präsidentin des Klubs an.

So nehmen wir den nächsten Bus und erkunden dann die Altstadt zu Fuss. Auf der Plaza Independencia steht ein Riesendenkmal des wohl grössten Staatsmanns Uruguays, Artigas, und darunter befindet sich das Mausoleum.

Unser „kurzer“ Besuch in der Touristeninformation zieht sich ziemlich in die Länge. Nachdem die ältere Dame, sie ist bestimmt schon siebzig, uns in einem Bildband etwa hundert Monumente gezeigt und deren Standort auf dem Stadtplan markiert hat müssen wir nicht mehr fragen, was es interessantes zu besichtigen gibt – wir wissens: DENKMÄLER! Ach ja, den Ausschlag für diese Fülle hat einzig und allein unsere Nationalität gegeben, denn einer der Eisenplastiker, José Belloni, Auslandschweizer in Uruguay, war ein angesehener Künstler.

Im Mercado del Puerto, wo wir einen riesigen Markt erwarten, finden wir viele kleine Restaurants, in denen man hervorragend essen kann. So lassen wir uns denn zu Pouletspiessli mit Salatgarnitur verführen.

Wir besuchen das Gaucho- und Geld-Museum, wo nicht einmal Eintritt verlangt wird. Es werden grosse Sammlungen bedeutender Männer ausgestellt und das Silber für Zaumzeug und Sporen, Säbel und mehr stammt vom Bergwerk in Potosi (Bolivien), das wir vor zwei Jahren besucht hatten. Bereits 1923 wurde beschlossen, ein so genanntes „Bank-Museum“ zu eröffnen, dieses kam jedoch erst 1960 zustande, nachdem bedeutende Noten- und Münzen-Sammlungen zusammengetragen worden waren. Seit 1985 befinden sich die beiden Museen unter einem Dach im dreistöckigen 1896-97 erbauten und neu renovierten Haus mit viel Holzwerk und wunderschön verzierten Decken.

Die Nacht beginnt ruhig. Um drei Uhr in der Früh wundere ich mich über einen rhythmischen Singsang und Peter fragt mich, wo denn diese laute Musik herkomme. Wie soll ich das wissen? Auf jeden Fall bin auch ich jetzt hellwach und finde für die nächste halbe Stunde keinen Schlaf mehr. Dann ist wieder Stille – der Spuk vorbei.

Freitag, 16.10.2009 – Club Aleman Montevideo Beim KM 77.5 östlich von Montevideo biegen wir ab ins Paraiso Suizo. Beim Restaurant Pueblo Suizo machen wir einen Halt um uns mit den Schweizer Besitzern zu unterhalten. Die Speisekarte bietet eine derart leckere Auswahl an Schweizer, Deutschen und Uruguayischen Spezialitäten, dass wir der Versuchung einmal mehr nicht widerstehen können: Spätzlepfanne, Holzfällersteak und Saisonsalat verhindern, dass wir heute selber kochen müssen.

Samstag, 17.10.2009 – Camping Internacional, westlich von Maldonado Wir haben uns den Campingplatz aufgrund von Beschreibungen eigentlich schöner vorgestellt, doch um die Wäsche zu waschen ist er ganz praktisch.

Sonntag, 18.10.2009 Obwohl wir nochmals ein Stück zurückfahren müssen beschliessen wir, den Pan de Azúcar, den mit 493 müM drittgrössten Berg Uruguays zu besteigen. Peter besteigt dann noch das Gipfelkreuz, kommt aber schnell wieder herunter, weil es da oben zugig und kalt ist.

Auf der Suche nach einem schönen Übernachtungsplatz am Strand fahren wir weiter nordöstlich – und sehen da plötzlich unseren “Zwilling” stehen. Scheinkönigs haben sich ebenfalls diesen Küstenabschnitt ausgesucht und stehen schon seit gestern in La Paloma.

Montag, 19.10.2009 – La Paloma Mit Bettina, Walter und Marlon (dem Hund) unternehmen wir einen ausgedehnten Strandspaziergang und kundschaften aus, wo wir die nächste Nacht stehen wollen. Wir haben die beiden seit dem Heiligenstadt-Treffen im Juli dieses Jahres nicht mehr gesprochen und deshalb ist es schön, dass wir hier etwas mehr Zeit füreinander haben.

Dienstag, 20.10.2009 – Costa Azul Wir freuen uns auf das gemeinsame Nachtessen mit Bettina und Walter – wir wollen ganz fein und bescheiden im kleinen Restaurant „El viejo y el mar“ (der Alte und das Meer) in Punta del Diablo zu speisen.

Doch es kommt anders als geplant. Eigentlich aus Witz versuchen wir im kleinen Ort „Aguas Dulces“ das Glück eine Internetverbindung zu erwischen – und es klappt. Wir entdecken, dass Bettina und Walter ebenfalls online sind uns senden ihnen eine kurze Notiz. Darauf rufen sie uns sofort an und teilen uns mit, dass die Nacht in Punta del Diablo ein ziemlicher Horror gewesen sei und das angepeilte Restaurant im Moment einen Umzug vorbereite. Der Koch könne uns nichts zubereiten. Doch sie hätten im Nationalpark de Santa Teresa, etwa 5 km weiter nördlich, bereits ein anderes Restaurant gefunden, wo wir herzlich willkommen seien.

Mittwoch-Freitag, 21.-23.10.2009 – N.P. de Santa Teresa Wir treffen einander, wie vereinbart und verleben, bis Bettina und Walter am Donnerstagnachmittag weiterreisen, einige angenehme und gemütliche Stunden miteinander.

Nach zwei Tagen Arbeit am Laptop geniessen wir den Freitag mit Lesen, Radfahren, dem Besuch der Festung Santa Teresa und einem Spaziergang durch den Botanischen Garten. Zwischendurch färbt mir Peter die Haare. Zum Nachtessen bereiten wir eine leckere Pizza und fürs morgige Frühstück backen wir feines Brot.

Fortaleza de Santa Teresa: 1762 sehen die Portugiesen einen neuerlichen Krieg mit Spanien voraus und beschliessen, Castillos Chicos zu verstärken. Bereits im darauf folgenden Jahr werden die Arbeiten durch den Vorstoss des Gouverneurs von Buenos Aires, Cevallos, unterbrochen. Die Spanier fahren nun mit den Arbeiten fort.

1927 wird die Festung zum historischen Nationalmonument erklärt und 1928 wird mit deren Restauration begonnen.

1982 kommt das historische Museum dazu. Dessen Ausstellung vermittelt den Aspekt einer Festung aus dem 18. Jahrhundert und die militärische Entwicklung der spanischen Herrschaft.

Samstag, 24.10.2009 Die Ausreise aus Uruguay verläuft, wie immer, ganz ohne Fragen oder Kontrollen. Chuy, der Grenzort, liegt zwischen den beiden Grenzstationen und so lassen wir die Dieseltanks auffüllen, das Fahrzeug waschen und suchen eine Geldwechsel-Station bevor wir zum brasilianischen Zoll gelangen.

Im sicheren Uruguay haben wir uns sehr wohl gefühlt. Die heissen Quellen, die netten Menschen und die fast leeren Strassen haben uns gut gefallen.

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