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2009/2010
Brasilien

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Chuí, Brasilien – Florianopolis

24. Oktober – 8. November 2009

Brasilien ist mit einer Fläche von 8'511'996 km2 das fünftgrösste Land der Erde und damit über 200 Mal grösser als die Schweiz. Es nimmt fast die Hälfte des Südamerikanischen Kontinents ein und ausser mit Chile und Ecuador teilt es mit allen Ländern eine Grenze, deren Länge 15'700 Kilometer beträgt. Seit 21. April 1960 ist Brasilia die Hauptstadt des ungefähr 200 Millionen Einwohner zählenden Staates.

Samstag, 24.10.2009 – (Brasilien)
Die fröhliche junge Dame beim brasilianischen Zoll weiss Bescheid und führt ihren Beruf mit viel Freude aus. Nachdem wir ihr unsere Fahrzeugpapiere überlassen haben erledigen wir die Immigration, währenddem sie die Papiere für temporäre Einfuhr von Wohnmobil und Motorrad vorbereitet. Als alles fertig ausgefüllt ist erklärt sie, jetzt müsse ihr Vorgesetzter nur noch unterschreiben und dann sei alles bereit.

Nach einer halben Stunde ist es soweit, die Papiere sind in Ordnung. Wir werden mit einem freundlichen: „ihr seid frei und könnt eure Reise fortsetzen“ sowie den besten Wünschen auf den Weg geschickt. Beim Wegfahren winken sie uns freudig nach und wir sind uns einig: Das ist für uns der bisher herzlichste Empfang in einem fremden Land.

Die Sumpfgebiete im Südosten sind ein riesiges Vogelparadies. Wir bewundern das grössere Gefieder beim Vorbeifahren und staunen über Schwärme kleinerer Vögel, welche unvermittelt aus irgendeinem Busch starten und sich im nächsten verstecken. Es gibt auch zahlreiche Capivaras (in Argentinien Carpinchos), von denen wohl nachts schon einige dem Verkehr zum Opfer gefallen sind.

Sonntag, 25.10.2009 – Camping da Laguna dos Patos de São Lourenço (Municipal)
Nachdem es gestern früh noch geregnet hatte und den ganzen Tag bedeckt war verwöhnt uns heute die Sonne wieder. Wir fahren mit dem Rad in die Stadt, beziehen am Bankomaten gleich einen grossen Betrag an Bargeld (es klappt schon beim allerersten Versuch) und suchen dann einen Supermarkt.

Antonio.
Er spaziert am Sonntagvormittag nichts ahnend durch seinen Ort. Da kommen zwei Ausländer auf dem Fahrrad daher und fragen ausgerechnet ihn nach einem Supermarkt. Ja, einen Block weiter und zwei nach links. Wir kommen an, doch heute ist geschlossen. Der nette Mann holt uns ein und bemerkt, es sei ja Sonntag und begleitet uns „schuldbewusst“ zum grossen Supermarkt, der täglich geöffnet ist. Nicht genug damit, er sorgt dafür, dass wir unsere Räder sicher im Gebäude abstellen und gemeinsam einkaufen können (weil wir unsere Schlösser nicht mitgebracht haben). Dann begleitet er uns durch den ganzen Laden und findet alles, das wir brauchen. Mehr noch, er erklärt uns wie lecker die Ananas seien und wir lernen dank ihm neuen grünen Salat kennen, der einen ganz speziellen feinen Geschmack wie Radieschen hat. Beim Abschied vereinbaren wir, dass er uns eventuell am Nachmittag besucht.

Weil das Wetter so schön ist, die Sonne scheint und ein trockener Wind weht, kann ich nicht widerstehen, noch schnell die schmutzige Wäsche zu waschen. Peter sammelt derweil (feuchtes) Holz und wir entfachen in der Grillstelle ein Feuer um ein Stück des soeben gekauften Rindsfilets zu braten. Die Kartoffeln verkommen leider zu Kohlen und wir begnügen uns mit dem grossen leckeren Salat zum Fleisch.

Wir sind soeben mit abwaschen fertig, da fährt ein Auto mit Antonio am Steuer vorbei. Auf unser Winken hin hält er an und lädt uns ein, mit ihm eine kleine Stadtrundfahrt zu unternehmen. Das ist äusserst aufmerksam und nachdem er uns noch ein paar interessante Tipps für die Reise gegeben hat fahren wir los. In der Stadt mit ca. 50'000 Einwohnern (inkl. Umgebung) gibt es einige ganz schöne Häuser, doch die Strassen sind miserabel. Die vielen gepflästerten sind voller Löcher, die wenigen geteerten ebenfalls und die Naturstrassen dürften nicht besser ausschauen. Aber im grossen und ganzen ist São Lourenço do Sul ein hübscher und scheinbar auch ruhiger Ort.

Montag, 26.10.2009
Nach einem kurzen „Internet-Halt“ bei einem grösseren Posto fahren wir durch eine von Reisfeldern geprägte Gegend praktisch ohne Stopp bis Esteio, etwas nördlich von Porto Allegre, wo wir bei der Firma Rodabem einige kleine Arbeiten machen lassen möchten. Der deutsch sprechende Chef erklärt uns, gerade diese Woche hätten sie sehr viel Arbeit und könnten kaum noch etwas dazwischen bringen. Wir vereinbaren, in einer Woche wieder zu kommen. In der Zwischenzeit wollen wir in die Berge fahren und zwei drei Nationalparks besuchen.

Die Strecke nach Gramado ist kurvenreich und bergig, an zügiges Fahren ist nicht zu denken. Als wir unterwegs ein Campingschild sehen fahren wir drei Kilometer über eine zuletzt unheimlich steile Naturstrasse zu einem ganz hübschen Campingplatz mit Schwimmbad. Doch leider ist das Tor verschlossen und ausser bellenden Hunden und ein paar Pferden keine Seele zugegen. Wir möchten kein Risiko eingehen und fahren deshalb den ganzen mühsamen Weg wieder zurück. So kommen wir für unsere Verhältnisse schon spät, um halb sechs, in Gramado an.

Dienstag, 27.10.2009 – Gramado Camping
Wir brauchen das Motorrad wieder einmal. Wie so oft springt der Motor nicht gleich an und Peter bittet den Nachbar mit dem Riesenwohnmobil, beim Überbrücken zu helfen. Weil er sich gerne mit den Leuten unterhält sagt er, wir hätten in Termas del Arapey schon solche Wohnmobile gesehen. Darauf stellt sich heraus, dass sein Bekannter Vânio ihn von da angerufen hat, um die Adresse des Campingplatzes südlich von Rio zu erfragen, die er dann an uns weitergegeben hat. Die Welt ist ein Dorf.

Beim CCB-Camping in Canela beantragen wir für Peter die Mitgliedschaft beim „Camping Clube do Brasil“ und bezahlen für 6 Monate den Betrag von 210 Reais (ca. Fr. 126.--). Dies scheint auf den ersten Blick ziemlich viel, doch einerseits kosten die Übernachtungen mehr wie 50 % weniger und wir riskieren nicht, in der Hochsaison abgewiesen zu werden.

Wir unternehmen eine kurze Stadtrundfahrt durch Canela und bummeln später zu Fuss durch das deutsch anmutende Städtchen Gramado.

Mittwoch, 28.10.2009
Die Fahrt nach Nova Petropolis ist mit dem Motorrad eine schöne Abwechslung. Wir besuchen den Park „Aldeia do Imigrante“, wo unter anderem das erste von deutschen erbaute Schulhaus und die älteste Schmiede stehen. Es ist so eine Art „Mini-Ballenberg“ der deutschen Einwanderer in der Region. Etwa 80 % der Einwohner von Nova Petropolis sprechen noch ein altes, aber gut verständliches Deutsch.

In Gramado unternehmen wir eine einstündige Turistenbus-Rundfahrt durch das „Bayern-Viertel“ und zum Lago Negro. Gramado liegt auf 850 müM und es herrscht ein äusserst ausgeglichenes Klima. Im Sommer wird es kaum über 30°C, die Tiefstwerte im Winter liegen bei -6°C. Im „St. Moritz Brasiliens“ leben 33'000 Einwohner und die Grundstücks- und Liegenschafts-Preise dürften zu den höchsten in Südamerika gehören.

Ach ja, und mit meinem Portugiesisch ist es noch nicht weit her – ich bin zwar inzwischen stolze Besitzerin zweier Wörterbücher und verstehe die Leute immer besser, doch auch nur ein „bom dia“, guten Tag oder „obrigada“, dankeschön hervorzubringen fällt mir äusserst schwer. Es quillt automatisch alles in Spanisch aus mir heraus. Mehr als „Portuñol“, einen Mix der beiden Sprachen, werde ich vermutlich auch in Zukunft kaum zustande bringen.

Donnerstag, 29.10.2009
Der Besuch des „Parque do Caracol“ ist zugleich der Höhepunkt des heutigen Tages. Um eine eindrückliche Sicht auf den Wasserfall zu erhalten müssen wir nicht mit dem Lift ins Observatorium fahren – aber die über 750 Treppentritte hinunter steigen empfinden wir als absolut lohnenswert (hinauf müssen wir natürlich wieder – und ich spüre Tage später noch meine untrainierten Waden).

Der Eintrittspreis für das „Vale da Ferradura“ hingegen lohnt sich nicht. Die etwa sieben Kilometer lange Zufahrtspiste zum so genannten Park ist in schlechtem Zustand und die drei Aussichtspunkte sind höchstens 10 Minuten vom Parkplatz entfernt. Wir sehen in eine Schlucht hinunter und weit weg erkennt man einen kleinen Wasserfall. Das Licht ist schlecht und die Temperatur ist hoch. Nach einer halben Stunde sind wir wieder weg. Zum „Parque do Pinheiro Grosso“, Brasiliens ältester Araukarie, ist der Zutritt leider vorübergehend verboten.

Vor der Rückkehr auf den Camping besorgen wir uns noch eine neue Batterie fürs Motorrad. Zwar sind + und –Pol vertauscht, doch der findige Mechaniker überzeugt uns, dass er das Kabel verlängern und die Batterie so problemlos einbauen könne. Es klappt und wir müssen uns nicht mehr Sorgen, ob die BMW anspringt oder nicht.

Freitag, 30.10.2009 – CCB Camping Canela
In der morgendlichen Kühle machen wir uns mit dem wieder fitten Motorrad auf unsere erste zweitägige Tour über São Francisco de Paula, Tainhas nach Cambará do Sul. Der „Cânion da Fortaleza“ liegt im „Parque Nacional da Serra Geral“ und ist über eine miserable 23 km lange Naturstrasse zu erreichen. Wir kommen in der grössten Mittagshitze an und schleppen uns mit Mühe bis zum Rand der Schlucht. Das Licht ist diffus und unser Fazit lautet: die mühsame Fahrt war es nicht wert – leider.

Wieder zurück in der Stadt suchen wir uns zuerst ein Zimmer um uns zu erfrischen und etwas leichter einzukleiden. Die Lebensgeister in uns erwachen wieder und wir fahren zum zweiten der beiden Parks, zum 18 km entfernten „Parque Nacional dos Aparados da Serra“ um auch den „Cânion do Itaimbezinho“ zu besuchen. Die 45minütige Wanderung ist ein Genuss und der Wasserfall „Cachoeira Véu da Noiva“ ein ganz erfreulicher Anblick. Die glänzend grünen Kolibris schwirren kurz über die Büsche und sind schon wieder weg ehe ich auch nur meine Kamera in den Händen habe. Auf dem Rückweg läuft uns noch ein Nasenbär über den Weg und verschwindet schnell in den Büschen als wir innehalten um zu fotografieren. Als ob wir den Viechern etwas antun wollten ….

Die Auswahl an geöffneten Restaurants ist derzeit noch nicht sehr gross, doch das von der Hotelfachfrau empfohlene „O Casarão“ ist ein Volltreffer. Obwohl sie eigentlich erst um 19.00 Uhr öffnen wollten, dürfen wir bereits eine halbe Stunde früher eintreten, da wir vermutlich einen ziemlich hungrigen Eindruck machen. Die Auswahl an biologischen Salaten, die im eigenen Garten gezogen werden, ist unübertroffen. Von den mindestens zehn grünen Sorten kenne ich kaum eine und muss deshalb von jeder mindestens ein Blatt versuchen. Die meisten schmecken köstlich und mir würde dieses reiche Grünzeug-Buffet schon fast ausreichen. Doch es gibt noch andere Speisen: Suppe, Ravioli und Spaghetti mit Bolognese- oder Carbonara-Sauce, dann Fleisch vom Grill: Rinds, Schweins und Poulet mit Polenta. Zu guter Letzt hat es auch leckere Nachspeisen: Vanillecreme, in Rotwein gekochte Manniok-Kügelchen, süsser geraspelter Kürbis und „Dulce de Leche“-Crème (eine extrem dicke und süsse Caramelcrème).

Samstag, 31.10.2009 – Hotel “Flat Cambará”, Cambará do Sul
Nachdem wir uns vom reichhaltigen Frühstücks-Buffet sämtliche Leckerbissen zu Leibe geführt haben nehmen wir bereits den Rückweg unter die Räder. Die auf der Gegenfahrbahn liegende Schlange ist (leider schon) tot, doch gerade aus diesem Grund können wir sie etwas näher betrachten.

Die Vogelspinne auf dem Campingplatz ist allerdings noch sehr lebendig, wie uns aber die Brasilianer versichern, völlig harmlos. Es ist bereits über 30°C – im Frühling – sogar im Sommer soll es hier nicht wärmer werden

Sonntag, 01.11.2009 – CCB Camping Canela
Eigentlich wollten wir nochmals zurück auf den Campingplatz in Gramado, doch dieser ist, wie schon vor Tagen angekündigt, sehr voll. Da ist es uns wohler im CCB etwa 6 km ausserhalb von Canela, in einem schönen Waldstück gelegen und mit den Riesenwohnmobilen (Cars von 10 – 12 Meter Länge und 2.5 Meter Breite kaum zu erreichen. Deshalb ist hier ausser uns auch nur ein Ehepaar mit zwei Kindern in einem Zelt auf dem Platz.

Montag, 02.11.2009 – Esteio
Das „Castelinho Caracol“ ist ein Museum deutscherer Einwanderer mit Teehaus. Hier gibt es laut unserem Reiseführer auch den besten Apfelstrudel Brasiliens – das ist absolut möglich, denn er schmeckt uns äusserst gut. Das „Schlösschen“ wurde im Jahre 1913 eigenhändig von der Familie Franzen erbaut. Die dafür benutzten eigenen Araukarien (Tannen) wurden 6 Monate im Caracol-Bach gewässert und dann 6 Monate getrocknet, bevor das Haus mit den 12 cm dicken Wänden ohne einen einzigen Nagel sondern nur mit langen Schrauben erstellt wurde. Die Bauzeit dauerte zwei Jahre und neun Monate.

Die Zimmer der Wohnung erlauben einen Blick in die Vergangenheit. So sind Porzellan, Werkzeug und sonstige Gegenstände der Einwanderer ausgestellt, die uns ein wenig erahnen lassen, wie es dazumal gewesen sein könnte. Zudem erklärt die ebenfalls deutschsprachige Frau eines inzwischen 66jährigen Enkels der Familie Franzen, Erna Bethge C., ganz gesprächig ein paar Einzelheiten.

Möge die Überlieferung des Apfelstrudel-Rezeptes noch mancher Generation erhalten bleiben!

Heute ist Feiertag. Bereits um drei Uhr nachmittags treffen wir bei Rodabem in Esteio ein und werden vom freundlichen Pförtner eingelassen. Er zeigt uns gleich die Sanitären Einrichtungen, die Kantine mit Fernseher und sogar noch den Betrieb. Wir sollten es uns gemütlich machen und von den Annehmlichkeiten profitieren. Bei Temperaturen von 35 – 40° C setzen wir uns vorerst einmal einfach in den Schatten.

Dienstag - Donnerstag, 3. – 5. November 2009
Arbeitsbeginn bei Rodabem ist um 07.30 Uhr. Einige der Mitarbeiter sind schon vor sieben Uhr auf dem Hof und die Arbeit beginnt pünktlich. Wir haben vor einer Woche mit dem 72jährigen Chef, Dieter Krey, unsere Anliegen ganz kurz besprochen. Heute hat er den richtigen Mann für uns und wir gehen ins Detail. Wir wollen zwei zusätzliche Regenrinnen anbringen um zu verhindern, dass bei starken Regenfällen Wasser entlang der Dichtungen ins Wageninnere gelangen kann. Der Betterie- Hauptschalter ist offen sichtbar und könnte im Extremfall einfach gedreht, herausgezogen und mitgenommen werden. Um das zu verhindern haben wir ihn bereits mit einem dünnen Draht gesichert und lassen nun eine Abdeckung darüber anbringen. Wir lassen zwei wetterfeste Alukeile anfertigen, da wir unsere beiden Plastik-Keile schon im ersten Jahr kaputt gefahren haben. Der eine bröckelt nur langsam ab, während der andere längst auseinander gebrochen ist und die Hälfte seiner ursprünglichen Länge eingebüsst hat. Der Tiefkühler ist viel zu gross (140 Liter) und muss verkleinert werden, dies ist die grösste Herausforderung. Der initiative Mitarbeiter nimmt sie jedoch mit Freuden an. Er setzt von oben einen neuen Boden ein und schneidet eine Öffnung in die Seitenwand. So erhalten wir zusätzlichen Stauraum unter dem Tiefkühler. Wir setzen ihn sogleich in Betrieb und stellen am morgen früh fest, dass der Boden kaum isoliert und unser „Stauraum“ eine abgegrenzte Kühlzelle ist. Das muss nochmals geändert werden. Der Arbeiter hatte lediglich zwei MDF-Platten mit einem Alu-Boden und einer Kunststoffabdeckung darüber eingebaut, was leider gar nicht isoliert. Als er die Bescherung sieht holt er schnurstracks eine 5.5 cm dicke Isolationsplatte und wir entscheiden uns, diese gleich doppelt zu verbauen. Somit haben wir nun einen 11 cm dicken Tiefkühler-Boden und der Stauraum ist entsprechend geschrumpft. Unser neuer 80 Liter Tiefkühler ist zwar immer noch zu gross, doch bedeutend (sinn)voller als vorher.

Trotz dieses Zwischenfalls sind die Arbeiten bereits nach zweieinhalb Tagen erledigt und wir fahren, wie vorgesehen bis Arroio Teixeira, wo es wieder einen CCB-Campingplatz gibt. Er liegt ganz am Dorfrand und so unternehmen wir einen kurzen Bummel bis zum Strand, dem Meer entlang und durchs Dorfzentrum zurück ins trockene Häuschen, denn soeben beginnt ein kurzer Regenschauer.

Freitag, 6. November 2009 – Arroio Teixeira
Die heutige Etappe ist etwas länger und die Autobahn bis Florianopolis ist noch im Bau. Kurze zweispurige Etappen wechseln sich ab mit einspurigen Umfahrungen den Dörfern entlang. Die in diesen Bereichen signalisierte Höchstgeschwindigkeit von 40 kmh wird gottlob nicht beachtet, denn so wären wir für die über 300 Kilometer den ganzen Tag unterwegs. Vor Florianopolis beginnt es zu stauen und wir kommen nur noch langsam voran. Kurz vor unserer Abreise aus der Schweiz haben wir uns noch ein routentaugliches GPS-Programm von Brasilien gekauft. Es heisst „City Navigator“ - und das ist es auch. In den Städten leitet es uns (bisher) perfekt – ausserhalb ist es absolut unbrauchbar. Wir fahren ständig in der Prärie oder sogar durchs Wasser und die Stimme bittet unablässig: Bitte fahren sie zur markierten Route! Doch in Florianopolis sind wir dankbar, dass wir rechtzeitig angewiesen werden, auf die linke Spur zu wechseln oder rechts abzufahren. So gelangen wir auf dem direkten Weg Richtung eingegebenes Ziel: Lagoa. Zu unserer Überraschung finden wir auch gleich einen Campingplatz, wo wir sogleich unsere BMW abschnallen und uns auf die Suche machen nach einem Bekannten, den wir vor zwei Jahren in Salta kennen gelernt hatten. Roberto hat uns damals seine Adresse und Telefonnummer von Campeche übergeben und uns zu sich eingeladen. Weil wir auf das erst kürzlich geschickte Mail noch keine Antwort erhalten haben beschliessen wir, auf gut Glück bei ihm anzuklopfen.

Es ist allerdings unmöglich, die Strasse zu finden, denn niemand kennt sie. Ein Barbesitzer macht nicht lange Federlesens und ruft kurzerhand die auf unserem Zettel notierte Telefonnummer an. Die Person am anderen Ende gibt bereitwillig die Wegbeschreibung bekannt und der nette Anrufer führt uns gleich hin, eine Erklärung in Portugiesisch hätte uns überall hingebracht, aber bestimmt nicht in diese Strasse um sieben Ecken. Als wir ankommen ist niemand zuhause. Wir finden das zwar eigenartig, beschliessen jedoch eine Viertelstunde zu warten. Eine junge Frau nähert sich mit dem Fahrrad der Gartentür, die wir so selbstverständlich einfach versperren. Schnell stellt sich heraus, dass zwar sie hier wohnt, der von uns gesuchte Roberto jedoch von seiner Frau getrennt lebt und jetzt in Florianopolis lebt. Die junge Dame spricht perfekt englisch und lässt uns bei sich die Mails nochmals abrufen. Als wir bereits unverrichteter Dinge wieder abziehen wollen, kommt Robertos Ex-Schwägerin, die jetzt ebenfalls hier wohnt, nach Hause. Sie erzählt uns, er wohne auf dem Camping in Lagoa und sie würde ihn sofort anrufen.

Die Überraschung ist gross, denn auch wir sind auf demselben Campingplatz und haben über einen dreissig Kilometer langen Umweg drei Stunden gebraucht um Roberto zu treffen, was der Wiedersehensfreude allerdings keinen Abbruch tut.

Er will uns Samstag und Sonntag den südlichen und den nördlichen Teil der Insel zeigen und bedauert, dass wir bereits am Montagvormittag wieder abreisen wollen.

In der Nacht regnet es kräftig. Macht nichts wenn es morgen wieder trocken ist.

Samstag/Sonntag 7./8.11.2009 – Camping Lagoa
Etwa um neun soll es losgehen, damit wir auch etwas haben vom Tag. Um halb elf ist es dann so weit. Wir fahren Richtung Süden, der Strandstrasse entlang nochmals durch Campeche, an Robertos Haus vorbei, machen einen Halt und degustieren Zuckerrohrsaft „ Caldo de Cana“, weiter an die weissen Strände, hoch zu einer Art Kloster von wo wir eine phänomenale Ausblick in den Süden und auf die ausserhalb liegenden kleineren Inseln geniessen können. Allein hätten wir uns da nie hinaufgetraut, denn das Tor und die gepflegte Auffahrt lassen auf ein privates Anwesen schliessen in das man nicht einfach hinein fährt.

Zum südlichsten Ort gibt es keine Strasse, nur noch einen (betonierten) Saumpfad. Die Einwohner transportieren die grösseren Einkäufe mit dem Pferd. Wir gehen so weit hoch, bis wir aufs Dörfchen hinunterschauen können und kehren dann wieder zurück. Bei der Hitze und in unseren Crocs ist das mehr wie genug, aber die Aussicht war es wert, diese Anstrengung auf uns zu nehmen. Unsere Begleiterin Telma kommt gar nicht erst mit, denn sie hat sich vor einem Monat einer Schönheitsoperation unterzogen – Fett absaugen am Bauch – und darf drei Monate lang nicht schnell gehen. Das wäre dann auch schon das „Geheimnis“ vieler attraktiver Brasilianerinnen: Die Schönheitsoperation.

Roberto kennt in Pântano do Sul ein Fischerbeizchen, wo wir frische Meeresfrüchte und Fische essen können. Gleich beim Eintreten bedienen wir uns am Fässli mit Cachaça, einem Zuckerrohr-Schnaps. Der würde dann auch allfälligem Unwohlsein vorbeugen. Das Buffet schaut so lecker aus, dass wir nicht widerstehen können und ich beschliesse, unbedingt von allem etwas zu versuchen. – Keine Chance, die Auswahl ist viel zu gross und ich muss bereits nach der Hälfte resigniert aufgeben, dabei habe ich doch extra auf den Salat verzichtet.

Der Sonntag ist kühl und verregnet. So hat es keinen Sinn, die geplante Tour in den Norden zu unternehmen, denn die Sicht ist trüb. Gegen Abend fährt uns Roberto trotzdem noch bis Barra Lagoa, das ist der Ort wo der Durchgang von der Lagune zum Meer liegt. Unterwegs gibt es ein paar eindrückliche Aussichtspunkte, doch die grauen Bilder können das leider nicht widerspiegeln.

Beim Anblick der Brasilianischen Flagge bekommen wir freundlicherweise deren Bedeutung vermittelt. Grün steht für Amazonien respektive die Natur, Gelb für das Gold (welches die Portugiesen abtransportiert haben), Die blaue Kugel ist der südliche Himmel mit je einem Stern für jeden Staat. Der Stern für die Hauptstadt Brasilia steht im oberen Teil der Kugel, welche durch ein Band mit dem Schriftzug „Ordem e Progresso“ (Ordnung und Fortschritt) getrennt ist.

Am Abend folgt dann eine Art Höhepunkt unseres Aufenthalts auf der Insel Santa Catarina: Roberto nimmt uns mit zur Musikprobe. Er warnt zwar, sie seien nicht so gut, erwähnt aber im gleichen Atemzug, dass sie am nächsten Freitag in der Universität aufspielen würden. Soviel dazu. Die achtköpfige Band (3 Saxophone, Klarinette, Querflöte, Cello, Piano, Schlagzeug) spielt vorwiegend brasilianische Rhythmen sowie Jazz und Blues und die Zeit vergeht viel zu schnell. Wir hätten noch lange zuhören mögen. Mit einem Snack, Wein und guten Gesprächen beschliessen wir den kurzweiligen Sonntagabend.

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