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2009/2010
Brasilien

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27. November – 25. Dezember 2009

Freitag, 27.11.2009
Auf der Website vom CCB „campingclube.com.br“ findet man genaue Anfahrtspläne der einzelnen Campingplätze. Doch oft sind diese so einfach skizziert, dass man den Platz trotzdem nur schwer findet. Nachdem wir bei einer Tankstelle gefragt haben und durch die Stadt gekurvt sind sehen wir ihn auf der linken Seite am „Canal do Itajuru“. Es stellt sich heraus, dass wir eigentlich genau richtig gefahren sind, obwohl wir das Gefühl haben, ein bisschen im „Kakao“ herum gefahren zu sein.

Unsere Realtek Wifi-Antenne leistet uns hier gute Dienste, denn es gibt einige offene Netze, auf die wir zugreifen können.

Samstag, 28.11.2009
Beim Ausflug nach Arraial do Cabo wollen wir uns ein wenig mit dem Ort und den 4*-Stränden bekannt machen, an denen wir ab Montag schnorcheln möchten. Eine der Küsten ist laut dem „Prahia“-Führer ziemlich schwer zu finden und prompt landen wir auf dem Vorplatz eines Einheimischen. Glück gehabt, denn er weiss genaustens Bescheid, und das erst noch in perfektem Deutsch, welches er als Spanier in der Jugendzeit als Gastarbeiter-Sohn vor über 30 Jahren in Deutschland gelernt hatte. Gerade als wir wegfahren wollen stellen wir fest, dass der Gepäckträger am Motorrad gebrochen ist. Das können wir schweissen lassen, doch bis sich alle der seit über 10 Jahren nie gedrehten Schrauben lösen braucht es Geduld und bei der letzten – trotz einer Extra-Ration WD-40 – noch einen ziemlichen Murks.

Sonntag, 29.11.2009
Heute erkunden wir den durch Brigitte Bardot zu Ruhm gelangten Ferienort Búzios. Auch hier gibt es Strände mit glasklarem Wasser wo man beim Schnorcheln gut sehen kann. Wir fragen uns, wie das hier in der Hochsaison wohl aussehen mag, denn für unsere Verhältnisse hat es jetzt schon zu viele Menschen am Strand, dabei ist der Himmel bedeckt und manchmal tröpfelt es sogar leicht. Hotels und Pousadas gibt es zuhauf und von Idylle ist keine Spur mehr zu entdecken.

Wir erfrischen uns mit einem Zuckerrohr-Saft und essen ein würziges Empanada dazu, bevor wir über Umwege wieder nach Cabo Frio zurück finden.

Montag, 30. November 2009
Gleich als erstes wollen wir den gebrochenen Rahmen schweissen lassen. Der Campingwart hat einen Bekannten, der das machen könnte, doch bereits als er hier in seiner Freizeitkleidung auftaucht scheint uns klar, dass er heute nicht auf Arbeiten programmiert ist. Er führt uns zu einem Motorradhändler, der das zwar auch nicht machen kann, aber die richtige Adresse kennt. Wir sollen uns an V8 wenden und Angelo Antônio verlangen. Als wir mit unserem Anliegen kommen rennt sein Hilfsarbeiter wie von der Wespe gestochen nach Hinten und zwei Minuten später erscheint ein jüngerer, total verschlafener Mann. Weil er gestern ein Motocross-Rennen gefahren ist, ist er total kaputt und verspricht uns, dass er die Schweissarbeit nach dem Mittagessen ausführen werde. Wir sollen um zwei Uhr wieder kommen.

Das passt perfekt, denn das Wetter ist (einmal mehr trotz miserabler Vorhersage) gut und der Himmel strahlend blau. So machen wir uns auf den kurzen Weg nach Arraial do Cabo zum „Pontal do Atalaia“, wo wir schon am Samstag hin wollten und den Weg nicht auf Anhieb gefunden haben. Es gibt einen wunderschönen Strand, zu dem die Touristenschiffe fahren oder man fährt etwa 4 Kilometer, teilweise über Naturstrasse und steigt dann steil durch den Wald hinunter zum weissen Sandstrand mit klarem, aber leider empfindlich kaltem Wasser. Doch heute ist uns das einerlei, denn wir haben sowieso keine Zeit zum Baden und planen, morgen bei einer vierstündigen Bootstour mitzumachen. Deshalb fotografieren wir die mit jeweils vier Sternen versehenen 300 Meter langen, durch einen Stein geteilten Strände „As Prainhas“ und die auf der „Ilha de Cabo Frio“ gelegene „Praia do Farol“ schon einmal von oben.

In einer Pousada stoppen wir kurz, um auf der äusserst schön gelegenen Terrasse eine Erfrischung zu uns zu nehmen. Die Inhaberin unterhält sich mit uns in perfektem Englisch und beim Abschied fragt sie, ob wir den ganzen Weg von Suiça mit dem Motorrad gekommen seien. Sie hätte auch Zimmer für 100 Reais (Fr. 60.--) zu vermieten. Die üblichen Erklärungen folgen und sie bietet uns an, mit dem Wohnmobil auf dem Gelände zu parkieren. Auf die Frage, was das kostet sagt sie auf portugiesisch 100 Reais, die Nachfrage ergibt wieder 100 Reais. Ich kann da nur lachen, es passiert ja selten, dass einen die Brasilianer ausnehmen wollen, aber ab und zu kommt es doch vor, dass jemand Geld wittert – und dann können sie auch plötzlich kein Englisch mehr oder verschwinden einfach „schuldbewusst“ von der Bildfläche….

Das Wetter ist noch immer wunderschön, doch wir fahren zurück um pünktlich bei unserem Exklusiv-Schweisser „metalúrgicav8“ einzutreffen. Dieser ist jetzt fit und bereits in seinem Element. Er schaut sich das an insgesamt sieben resp. neun Stellen gebrochene Teil an und erklärt uns, er könne dies wohl schweissen, aber es werde bestimmt wieder brechen. Er schlägt vor, eine Verstärkung anzubringen, damit der Gepäckträger belastbarer wird. Nach kurzer Erklärung, einem Versuch das ganze mit einem „Übersetzer-Programm“ vom Portugiesische ins Deutsche zu übersetzen (was wie so oft keinen Sinn ergibt) und der Preisvereinbarung geht er fachmännisch ans Werk. Nach zwei Stunden ist es soweit und wir können unsere Teile wieder aufbauen. Peter montiert auf dem Campingplatz den Gepäckträger mit dem Koffer. Es passt alles ganz genau, obwohl im Laufe der Verstärkungs- und Schweissarbeiten ein paar Mal hin und her gebogen wurde.

Dienstag, 01.12.2009
Kurz nach neun treffen wir am Hafen in Arraial do Cabo ein um gleich mit dem ersten Schiff ausfahren zu können, denn die Wettervorhersage ist – einmal mehr – den Bildchen nach zu urteilen – „vernichtend“. Aber wie so oft in den letzten fünf Tagen scheint schon am Morgen früh die Sonne und das bleibt so, bis sie untergeht. Nicht dass es keine Wolken gäbe, doch die sind immer anderswo, zum Beispiel über den Hügeln, und die Sonne wird nicht verdeckt. Die „Super Flor“ fährt um zehn Uhr mit den ersten aus und da gehen wir gleich an Bord. Die Wahl ist gut, denn die vierköpfige Crew ist äusserst freundlich und besorgt darum, dass wir als nicht portugiesisch sprechende ja nichts verpassen. Na ja, die Schildkröte beim Schnorcheln sehe ich dann jedoch trotzdem nicht, obwohl Peter mir sehr genau zeigt wo sie in die Tiefe schwimmt. Aber mit angelaufener Brille ist es halt ein bisschen schwierig.

Der erste 40minütige Halt findet an der kalten „As Prainhas“ statt. Bereits nach kurzer Zeit verspüre ich beim Schnorcheln Ohrenschmerzen und schwimme deshalb zum Strand zurück. Ich hätte vermutlich gescheiter ein Sandboard gemietet, doch die Düne erschien mir beim Anblick nicht steil genug.

Nach der Durchfahrt zwischen Insel und Felstland besuchen wir die „Gruta Azul“ (blaue Grotte) an der Westseite der „Ilha do Farol“. Mit ihren 15 Metern Tiefe ist sie einer der besten Orte zum Tauchen – wir lassen’s trotzdem sein – müssen wir auch, denn das Schiff macht keinen längeren Halt.

Auf der Höhe des Leuchtturms drehen wir um und fahren durch die Enge wieder zurück zur Praia do Farol. Die Vegetation ist geschützt und die Regeln sind klar: Links dürfen die Schiffe zum Strand fahren und die Gäste ausladen und rechts geht’s zum Baden und Schnorcheln. Ich lege mich, mit einem flauen Gefühl im Magen, an die Sonne und Peter stürzt sich ins Gewimmel.
Dies ist ganz klar der Strand wo alle hin wollen, ganze Bootsladungen werden angeschippert und mit einem „vamos vamos“ stürmen sie dahin wo das Wasser dunkler ist. Peter hat Glück und sieht ein paar Fische, doch von Australien, Fidschi und der Karibik sind wir zu sehr verwöhnt, als dass uns die Gewässer hier wirklich begeistern könnten.

Beim letzten 40minütigen Stopp an der Praia do Forno ist es Gott sei Dank etwas wärmer und zum Schnorcheln fast schon ideal. Das Wasser ist ruhig, ziemlich klar, und schon vom Schiff aus sehe ich eine Schildkröte (und dabei wird es leider auch bleiben), doch auch die verschiedenen kleinen Fischli, ein paar Korallen und das stachelige Getier am Meeresgrund sind interessant anzusehen. Die Wasserschildkröte ist natürlich der Höhepunkt – für Peter.

Auf dem Rückweg zum Hafen nimmt die „Super Flor“ die manövrierunfähige „Pelican“ längsseits, damit deren Gäste auch wieder an Land gehen können.

Mittwoch, 02.12.2009
Als Abschluss unseres Aufenthalts in Cabo Frio fahren wir nochmals nach Búzios, denn heute ist schönes Wetter und wir wollen die „Orla Bardot“ besuchen sowie den 4*-Strand „Zé Gonçalves“ kennen lernen. Einen Wegweiser gibt es nicht, doch aufgrund des Stadtplans wissen wir den ungefähren Ort der Abzweigung und fragen zwei Einheimische nach dem Weg. Die einhellige Antwort lautet: Genau hier geradeaus, und ihr kommt an! Das schönste an der Sache ist, dass wir den ganzen Strand eine gute halbe Stunde für uns allein haben und diesen nicht, wie in der Stadt, mit hunderten von sonnenhungrigen Menschen teilen müssen.

Donnerstag, 03.12.2009
Heute fahren wir durch den „Jura und die Voralpen“. Allerdings sind die sattgrünen Pflanzen tropischer Natur. Sollten bei uns derzeit also einmal Palmen wachsen können wir euch schon einmal versichern: Es sieht traumhaft schön aus.

Unser Ziel ist der Campingplatz an der Praia Setiba in Guaraparí. Dass uns hier eine kleine geschützte Bucht erwartet hätten wir uns allerdings nicht träumen lassen. Als wir ankommen hat es nur vier fünf Leute am Strand und dank der Meeresbrise ist die Temperatur um etwa 10° C tiefer als im Landesinnern. Wir freuen uns auf eine kühle Nacht.

Die Wetteraussichten für die kommenden Tage sind nicht gerade viel versprechend und ich tue gut daran, die Fotos von der traumhaften kleinen Bucht gleich in den Kasten zu bringen...

Freitag, 04.12.2009 – Praia Setiba
… denn schon heute früh ist es trüb und die Sonne zegit sich kaum mehr. Nach einer kurzen Fahrt durch die nahe Stadt Guarapari beginnt es schon auf dem Rückweg leicht zu regnen. Kurz vor Mitternacht setzt dann der Dauerregen ein und vom Samstag gibt es nichts zu Schreiben, denn es regnet noch immer in Strömen. Die prognostizierten 58 mm sind schon längst überschritten!

Bei diesem Wetter geht kein Hund nach draussen. Deshalb gibt es auch (zum ersten Mal auf dieser Reise) für morgen einen Butterzopf und heute Abend wieder einmal eine hausgemachte Pizza.

Sonntag, 06.12.2009
Endlich fallen die letzten Tropfen und wir haben Lust, in der Kühle einen kurzen Strandspaziergang zu unternehmen – denn lang ist die gesamte Praia Setiba nicht. Heute wäre der perfekte Tag zum Einkaufen. Wir wagen es, trotz unsicherer Wetterlage, nach Vitoria zu fahren um ein neues GPS zu suchen. Bereits im ersten Einkaufszentrum in Vila Velha werden wir fündig und freuen uns riesig über diese (in der Abmessung) kleine Neuanschaffung. T-LEVO, so heisst das brasilianische Navi, wird uns morgen auf dem schnellsten Weg zu unserem nächsten Ziel, Santa Cruz, führen.

Montag, 07.12.2009
Vor der grossen Brücke nach Vitoria rennen zwei Beamte gestikulierend auf die Strasse, doch wir sind bereits durchgefahren, als wir realisieren, dass sie uns stoppen wollten. Bei der Zahlstelle, bereits auf der anderen Seite, werden wir etwas genauer unter die Lupe genommen, bevor wir unseren Obolus entrichten dürfen. Einmal mehr ist es Lastwagen untersagt, zu bestimmten Zeiten die Brücke zu passieren und weil wir halt auf den ersten Blick wie ein Camion aussehen entsteht manchmal etwas Aufregung. Bezahlen müssen wir dann jeweils genau gleich viel wie ein normaler PW.

Dienstag, 08.12.2009 – Praia Putiri
Das Wasser an der Praia Putiri ist braun und lädt nicht gerade zum Baden ein, doch bei angenehmer Temperatur und einem frischen Wind ist der Strand bestens geeignet für einen langen Spaziergang.

Mittwoch, 09.12.2009
Um zügig und mit wenig Verkehr vorwärts zu kommen starten wir bereits um 07.15 Uhr. Doch bereits eine knappe Stunde später stehen wir in einem Stau, der angeblich durch einen schweren Unfall (welcher in der Nacht geschah) entstanden und 20 km lang sein soll. Die meisten Brasilianer sind geduldig und warten einfach stundenlang. Unser Ziel liegt ca. 400 km nördlich und wir finden auf der Karte eine grosse Umfahrung durchs Landesinnere. Die Fahrt durch die Berge ist interessant, kurven- und abwechslungsreich, aber insgesamt nehmen wir dadurch einen Umweg von gut 120 km in Kauf.

Nach über acht Stunden reiner Fahrzeit erreichen wir Prado um kurz nach fünf ziemlich geschafft, aber überglücklich hier einen so wunderschönen Platz zu finden. Wir stellen uns auf die Anhöhe direkt hinter den Strand und haben einen Blick über das weite Meer bis zum Horizont.

Donnerstag, 10.12.2009 – Praia do Farol, Prado
Unsere in Paraty erstandene Hängematte kommt zum ersten Mal in den Einsatz und wir stellen mit Erstaunen fest wie bequem diese ist. Ab sofort werden wir sie bestimmt öfter brauchen, denn vor allem zum Lesen ist sie viel komfortabler als unser zwanzigjähriger robuster Plastik-Klappstuhl (die neueren gemütlicheren sind inzwischen alle schon wieder in die Brüche gegangen).

Endlich ist auch die Meeresströmung wärmer und wir können das Baden wieder richtig geniessen.

Freitag, 11.12.2009
Emilio und Kadu gehen mit uns den Strand entlang zu einer Trinkwasser-Quelle. Wenn man dieses Wasser getrunken habe, kehre man immer wieder nach Prado zurück – mal schauen.

Samstag, 12.12.2009
Am frühen morgen fahren wir auf den wöchentlichen Früchte- und Gemüsemarkt in Prado um uns mit frischen Sachen einzudecken.

Dann machen wir uns mit dem Motorrad auf den Weg nach Cumuruxiatiba um den Ort und seinen Campingplatz kennen zu lernen. Peter zieht drei bis vier Mal in Betracht, auf der miserablen Piste umzukehren, weil wir ein paar Mal ziemlich tief im Sand versinken oder geschleudert werden. Doch nachdem wir bereits über zwanzig Kilometer gefahren sind kommen wir zum Schluss, dass es ein bisschen blöd ist mit dem Ziel kurz vor Augen wieder zurückzufahren, ohne etwas gesehen zu haben. Es lohnt sich, uns durchzukämpfen und nachdem wir uns in einem Strandbeizli erfrischt haben bewältigen wir dann die Rückfahrt etwas lockerer, da wir die Tücken der Strasse ja inzwischen kennen.

Alcobaça liegt im Süden und es führt uns eine Teerstrasse dahin. Der Strand ist zwar recht schön, doch der Ort selber erscheint uns ziemlich renovationsbedürftig

Sonntag, 13.12.2009
Cristina und Osvaldo werden morgen früh wieder nach Hause fahren. Aus diesem Anlass laden sie uns und die anderen Campinggäste zum Pizza-Essen ein.

Montag, 14.12.2009
Auch wir brechen heute früh auf, um bereits am frühen Nachmittag in Porto Seguro einzutreffen. Unterwegs kommt uns ein deutsches Wohnmobil entgegen und wir erkennen sofort, dass es Margot und Volker sind, die wir 2007 in Belgrano schon getroffen hatten. Sie kommen gerade von dem Campingplatz, wo wir heute hinwollen. Peter ist es nicht so wohl, am verkehrsreichen Strassenrand zu plaudern und deshalb verabschieden wir uns nach einer kurzen Unterhaltung.

Dienstag, 15.12.2009 – Porto Seguro
Das Wetter ist ein wenig zweifelhaft, weshalb wir unseren Ausflug an einen der schönsten Strände Brasiliens auf morgen verschieben. Nach der kurzen Ausfahrt bis zur Fähre von Santa Cruz Cabrália im Norden schlendern wir durch Porto Seguro. Vom Meer her kommen schwarze Wolken und es gehen ab und zu kleinere Regenschauer hernieder, bevor am späteren Nachmittag die Sonne wieder scheint.

Mittwoch, 16.12.2009
Unser Ausflug an die *****Praia do Espelho beginnt bei schönsten Wetter – und endet im Spital. Aber mal schön alles der Reihe nach. Bereits um acht bringt uns die Fähre über den Rio Buranhém, damit wir nicht den grossen Umweg über die Brücke fahren müssen. Nach einem guten Stück Teerstrasse gibt es bis zum Strand noch etwa 20 km Naturstrasse, teilweise mit kniffligen Sandpassagen, die wir aber alle mehr oder weniger problemlos meistern. Wir erreichen den populären Strand, baden im Meer und erfrischen uns mit einem Softdrink. Auf dem Rückweg geraten wir auf fester Piste in ein Sandloch und stürzen mit geringer Geschwindigkeit, aber so unvorbereitet, dass mein Fuss unter dem Motorrad eingeklemmt wird.

Ich steige ab, befreie dann meinen verdrehten Fuss und humple an den Strassenrand. Ich ziehe meinen Helm und die „Sturmhaube“ aus und Frage Peter ob es okay sei, wenn ich mich schnell hinlege. Dabei habe ich ja gar keine Wahl, denn im Moment ist mir speiübel vor Schmerz.

Das erste Auto, das vorbeikommt verlangsamt ein wenig und fährt dann weiter, weil ich inzwischen wieder auf den Beinen bin. Doch das dauert nur Sekunden, denn ich liege schnell wieder ab, bevor ich umfalle. Das zweite Auto hält dann an und fragt, ob wir Hilfe benötigen. Ja, es geht leider wirklich nicht mehr anders und die hilfsbereiten Brasilianer laden mich gleich in ihr Auto ein um mich zum nächsten Erste Hilfe Posten in einem kleinen Örtchen zu fahren. Die Frau gibt mir genaue Anweisungen, was ich zu tun und zu lassen habe und ich wundere mich schon, mit welcher Kompetenz sie das tut. Als sie mir dann in Itaporanga das Bein mit einem stabilen Karton gleich selber stabilisiert erklärt sie ganz bescheiden, sie sei Krankenschwester. Dann heisst es, ich würde von einer Ambulanz abgeholt, die mich ins Spital von Porto Seguro fährt und der Fahrer kenne alle Löcher dieser Piste. Als ein paar Minuten später besagte Ambulanz schon bereit steht staunen wir nicht schlecht, denn wir haben das Gefühl, uns in diesem 400 Seelen-Ort weit weg von der Zivilisation zu befinden.

Die Fahrt in der Ambulanz scheint nicht enden zu wollen. Von Itaporanga sind es 20 km Naturstrasse und mehr als 50 km Teerstrasse bis ins Krankenhaus. Der Fahrer meistert die Strecke mit den anfänglich vielen Schlaglöchern in horrendem Tempo und nicht etwa zimperlich. Peter hat grösste Mühe, ihm mit dem Töff zu folgen, fährt er doch in der 80er Beschränkung mit satten 120 kmh.

Im Spital werde ich sofort per Rollstuhl in die Notaufnahme gefahren und der behandelnde Arzt kümmert sich bereits nach wenigen Minuten um meinen dick geschwollenen Knöchel. Er fragt mich, weshalb ich denke es sei etwas gebrochen und ordnet nach einer kurzen Untersuchung eine Röntgenaufnahme an. Eine halbe Stunde später kommt er mit dem entwickelten Bild wieder ins Besprechungszimmer und bringt uns eine relativ gute Nachricht. Das Wadenbein sei zwar gebrochen, aber es sei keine Operation notwendig. Weil ich keine Brille dabei habe kann ich die Bruchstelle nicht einmal sehen. Die Besprechung gestaltet sich etwas schwierig, weil wir ja kein Portugiesisch sprechen. Ich spreche Spanisch, Peter Englisch und der Arzt Portugiesisch und wenig Englisch. Aber das wesentliche wird klar: Ich erhalte vorerst für zwei Wochen eine Gipsschiene und wenn das Bein abgeschwollen ist kann mit ein Gips verpasst werden. Nach weiteren sechs Wochen kann dieser dann entfernt werden und es soll eine Therapie folgen, um das Sprunggelenk wieder fit zu machen.

Weil ich mich jetzt schlecht wieder aufs Motorrad setzen kann bitten wir beim Empfang, ob mich eventuell eine Ambulanz zum Campingplatz zurückfahren könnte. Kein Problem, doch wir müssten uns etwas gedulden, denn es stehe hier derzeit nur ein Krankenwagen zur Verfügung und der müsste für Notfälle bereit sein. Wir haben Zeit, doch bereits fünf Minuten später kommt „mein“ Fahrer und lädt mich ein. Auf dem Rückweg fahren wir noch bei der Verkaufsstelle von Hilfsmaterial vorbei um für umgerechnet Fr. 50.-- ein Paar Krücken zu kaufen, damit ich wieder mobil bin.

Donnerstag, 17.12.2009
Wir verbringen den Tag auf dem Campingplatz. Am Pool gibt es ein wenig Schatten und angenehme Stühle, in denen wir bequem lesen könnten – wären da nicht die gesprächigen Brasilianer. Ein, zwei, drei kommen und wollen sich mit uns unterhalten. Nach einer Viertelstunde, ohne auch nur dazugekommen zu sein eine einzige Zeile zu lesen, werden wir eingeladen, beim „Nachbarn“ etwas zu trinken und von verschiedenen Grill- und anderen Spezialitäten zu versuchen. Die Leute sind sehr gesellig und äusserst liebenswürdig, doch es scheint für sie sehr schwer verständlich, dass man auch einfach einmal seine Ruhe haben möchte. Es ist ja äusserst nett, also verschieben wir die Ruhe halt auf ein anderes Mal.

Freitag, 18.12.2009
Unser Schutzengel hat heute schon wieder alle Hände voll zu tun.
Weil wir mit meinem lädierten Bein momentan nicht so viel unternehmen können fahren wir bereits heute nach Olivença statt nur bis Canavieiras, wo wir ursprünglich noch ein paar Tage hätten verweilen wollen. Ich richte mich für die 300 km-Fahrt mit dem hoch gelagerten Bein bequem für die lange Fahrt ein.

Kurz nach Eunápolis bricht unser Fahrzeug in einer Linkskurve bergab plötzlich hinten aus und wir stehen quer auf der Hauptsrasse. Peter korrigiert ganz fein und wir fragen uns, was das soll – haben wir einen platten Reifen? Ein Blick in den rechten Seitenspiegel vermittelt mit ein bizarres Bild und es ist mir nicht ganz klar, was ich da genau sehe – ist es Rauch oder was? Endlich stehen wir still und Peter steigt sofort aus um die Ursache für diesen „Ausrutscher“ zu suchen. Erst auf den zweiten Blick realisiere ich, dass da mit hohem Druck Diesel aus dem Tank spritzt. Der Tank kann doch nicht kaputt sein. Immer noch fassungslos entdecke ich die ROT leuchtende Lampe neben meinem Fuss. Jetzt ist alles klar: Ich habe mit dem Gips irgendwann die Dieselpumpe in Betrieb gesetzt und damit den hinteren Tank zum Überlaufen gebracht. Dabei ist der Diesel über die Hinterachse und die Hinterreifen gespritzt. Das hätte bös ins Auge gehen können und wir sind äusserst dankbar, nur mit einem Riesenschreck davongekommen zu sein.

In Olivença freuen wir uns, Gerlinde und Horst, mit denen wir meinen Geburtstag gefeiert hatten, wieder zu treffen. Sie sind schon ein paar Tage hier und wir wollen zusammen Weihnachten und Silvester feiern. Der Campingplatz ist voller Palmen und liegt direkt am Strand. Es geht immer ein angenehmer Wind und deshalb ist es nicht so unerträglich heiss.

Die Überraschung ist gross, als uns Gerlinde und Horst zum Chinesisch essen einladen, das schmeckt absolut lecker – herzlichen Dank ihr zwei!

Samstag, 19.12.2009 – Camping Sitio Itaparica, Olivença
Meine Hängematte hängt mit Blick aufs Meer im Schatten des Unterstandes – mir geht’s gut!

Gerlinde, die 42 Jahre als Arzthelferin tätig war, darf heute wieder einmal in alte Zeiten zurückkehren. Bei uns liegt nämlich noch eine Spritze mit Impfstoff im Kühlschrank, die darauf wartet in Peters Oberarm injiziert zu werden. Die Einstichstelle soll vorgängig desinfiziert werden und ich erkläre Peter, der Alkohol sei in einer durchsichtigen Flasche im Toilettenschränkli. Er kommt zurück und erst nachdem Gerlinde fragt, ob sie denn hier noch etwas öffnen müsse stellen wir fest, dass er statt den Alkohol den Alleskleber mitgebracht hat. Das hätte vielleicht eine Sauerei gegeben;) Nach Peters Zeckenimpfung nimmt Gerlinde noch meine Röntgenbilder unter die Lupe, denn damit kann man die Bruchstelle einwandfrei erkennen. Endlich ist auch Peter beruhigt und überzeugt, dass mit meinem Bein alles wieder in Ordnung kommt.

Sonntag, 20. Dezember 2009
Der Sandstrand ist hart und Peter muss sich zum Joggen die Turnschuhe anziehen. Doch er kommt bald zurück und entscheidet sich, später mit dem Rad den Strand entlang zum (Schweizer) Restaurant Brisa Mar zu fahren.

Dienstag, 22. Dezember 2009
Wir wollen heute unser Visum und die Fahrzeugpapiere für den Aufenthalt in Brasilien verlängern. Mit Campingplatzbesitzern Alfons und Romilda und deren Tochter Karena fahren wir in die Stadt. Bei der Polícia Federal beantragen wir zuerst unsere Visumsverlängerung. Wir müssen ein Formular ausfüllen und erhalten ein kleines Zettelchen mit der Anweisung, bei der Lotterie einzuzahlen. Weil wir annehmen, dass Romilda die Vorgehensweise bestens kennt gehen Peter und Alfons mit diesem Zettelchen zur Lottostelle. Dort wollen sie jedoch kein Geld und schicken die beiden weiter, bei der nächsten Lottostelle werden sie ebenfalls abgewimmelt. Deshalb versuchen sie es nun bei der Bank – mit dem gleichen Ergebnis, diesmal jedoch mit dem Hinweis, sie müssten erst vom Internet die Rechnung ausdrucken und dann bei der Lottostelle bezahlen. Auf der Strasse trifft Alfons die Chefin des Reisebüros und fragt sie, ob sie das für uns machen könnte. Endlich geht es wieder einen Schritt weiter, denn nachdem die Mitarbeiterin im Reisebüro die zwei Rechnungen ausgedruckt hat kann Peter auch die je 67 Reais in der Lottostelle bezahlen. Doch leider kommen sie erst kurz nach zwölf zurück zur Polícia Federal, die offiziell nur bis 11 Uhr geöffnet hat, wo der Mitarbeiter jedoch extra bis um Viertel vor zwölf gewartet hat. Das heisst, wir müssen morgen zwischen acht und elf nochmals hin. Immerhin haben wir das Visum endlich bezahlt.

Karena hat um 16.00 Uhr auf dem gleichen Amt einen Termin, weil sie einen neuen Pass braucht. Also verbringen wir einen grossen Teil des heutigen Tages (insgesamt etwa vier Stunden) im „Wartesaal“ der Polícia Federal. Karena hat heute auch Pech, denn der Beamte akzeptiert Alfons’ Pass nicht und will stattdessen seinen Personalausweis sehen. Das heisst, auch sie müssen morgen nochmals hin.

Über Mittag verpflegen wir uns im Selbstbedienungsrestaurant „Sabor do Sul“, wo wir uns an einem Buffet bedienen und die leckeren Speisen pro Kilogramm bezahlen können.

Peter und ich wissen nicht, wie die Kakaobohne wächst. Bei einer Annahmestelle dürfen wir schon einmal die trockenen Bohnen kosten, doch diese schmecken bitter und sind ungeniessbar. Wir wundern uns, wie die Schweizer daraus so leckere Schokolade herstellen können;) Im Norden der Stadt gibt es Kakaobäume und wir halten am Strassenrand, um diese näher zu betrachten. Der Besitzer fährt mit seinem Motorrad an und sagt, dass wir gerne eintreten dürfen. Zu unserer Überraschung bricht er eine Kakaobohne auf und bietet uns an, das weisse rundherum zu degustieren. Die Bohne selbst ist dann der Kern, welchen wir in diesem Fall einfach wegwerfen. Mir schmeckt das säuerliche Fruchtfleisch und weil sich niemand darum reisst, darf ich alle Bohnen allein ablecken, denn viel geben sie nicht her. Die Einheimischen machen daraus einen Brotaufstrich, „Geléia de Cacau“. Der nette Besitzer schenkt uns gleich noch vier Kakaofrüchte zum mitnehmen. Ich darf sie alle alleine essen, denn sie schmecken sonst niemandem. Lecker!!!

Mittwoch, 23.12.2009
Heute geht alles reibungslos. Bei der Polícia Federal bekommen wir innert etwa 20 Minuten unsere Visaverlängerung. Karena wird ein neuer Pass ausgestellt, welchen sie am 31. Dezember wird abholen können (Alfons hat jetzt seinen Personalausweis dabei, dieser ist jedoch heute nicht mehr von Interesse). Bereits vor zehn Uhr können wir zur Receita Federal, um unsere Fahrzeugpapiere verlängern zu lassen. Der Beamte (diesmal gleich auch der Chef) ist äusserst freundlich und zuvorkommend. Er fragt Romilda, die uns begleitet, nach der Telefonnummer und wird anrufen, sobald die Papiere ausgestellt sind. Bereits am Nachmittag werden wir informiert, dass die Unterlagen am Donnerstag früh bereits seien.

Donnerstag, 24.12.2009
Die drei Männer, Alfons, Horst und Peter fahren gemeinsam in die Stadt um noch einzukaufen. Der erste Gang ist jedoch wieder aufs Amt, damit unsere Papiere vollständig sind. Peter geht alleine hin und innert zehn Minuten ist alles erledigt – beinahe jedenfalls, denn der interessierte Beamte will von ihm noch einiges über unser Heimatland wissen und so müssen die anderen beiden denn etwa eine halbe Stunde auf Peter warten.

Am Abend feiern wir gemeinsam mit Gerlinde und Horst sowie mit Sandra, Emilio und Kadu Weihnachten. Gerlinde und ich backen jeweils ein Brot, bevor Horst sein Rindsfilet auf dem Rost grillt. Dazu gibt es eine Rösti und Salat. Der Apéro von Gerlinde und Horst, Avocado mit Krabben und Wachteleiern schmeckt ganz delikat, Peter bekommt einen schönen Trockenfleischteller. Die Brasilianer mögen Avocados nur als Nachspeise, denn hier werden diese Früchte ausschliesslich süss zubereitet.

Heiligabend am Meer unter Palmen bei lauen Temperaturen und einer frischen Brise ist anders als zuhause, aber auch sehr schön.

Weihnachten, 25.12.2009
Das Internetkaffee ist geöffnet und so setze ich mich heute zum ersten Mal seit dem Unfall wieder aufs Motorrad. Mit Hilfe der Krücken hieve ich mich bequem im Damensitz auf den Sattel. Es sind nur sechs Kilometer bis in den Ort und für diese kurze Strecke geht es ganz gut. Die über zwanzig Kilometer nach Ilhéus möchte ich jedoch nicht so zurücklegen müssen und wir sind froh, dass Alfons uns jeweils mit in die Stadt nimmt.

Statt des weihnächtlichen Frosts geniessen wir heute Nacht ein Wärmegewitter, das mit einem Stromausfall verbunden ist. SCHÖN, denn so ist es unseren Nachbarn (auf der anderen Strassenseite) nicht möglich, ihre laute Musik wieder bis morgens früh um fünf laufen zu lassen und wir können ungestört schlafen, nachdem wir die eigenen Lärmquellen ausgeschaltet haben. Der starke Wind hatte nämlich einen Haken gelöst, der in der Folge ans Fahrzeug geschlagen und uns hat aufwachen lassen.

Wir werden bis nach dem Jahreswechsel in Olivença bleiben und dann noch ein Stück nach Norden reisen.

WIR WÜNSCHEN FÜRS 2010 ZUFRIEDENHEIT, GUTE GESUNDHEIT UND VIELE SCHÖNE REISEERLEBNISSE!

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