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2009/2010
Brasilien

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Ilhéus – São Miguel dos Milagres – Ilhéus

26. Dezember 2009 – 27. Januar 2010

Samstag, 26.12.2009
Die Pousada und das Restaurant Brisa Mar liegen nur vier Kilometer von unserem Campingplatz entfernt. Das Unternehmen gehört den Schweizer Brüdern René und Wolfgang und ihre Küche schmeckt ausgezeichnet. Das Filet Mignon Brisa Mar mit einer Knoblauch-Kräutersauce in Butter ist ganz zart, der Salat ist appetitlich angerichtet und die Pommes Frites dazu sind genau so wie wir sie lieben.

Mittwoch, 30.12.2009
Heute ist Spitaltag. Ich soll einen Gips erhalten und Gerlinde verspürt so unerträgliche Schmerzen in ihrer Hand, dass sie mich gleich begleitet.

Alfons hat versprochen, uns um 08.30 Uhr in die Klinik zu fahren, doch als wir zu ihm vorgehen ist von ihm und seiner Frau keine Spur zu sehen. Die Tochter erklärt uns, sie seien zur Grossmutter gefahren und da gäbe es keinen Telefonempfang. Um halb zehn kommen die zwei mit einem so schmutzigen Auto zurück, dass es gereinigt werden muss bevor wir in die Stadt fahren können. Auf dem Weg hält er einmal kurz an und übergibt einem an der Strasse wartenden, besorgt aussehenden Mann eine Reisetasche und einen leeren Rucksack. Danach sprechen wir ihn diskret auf die Verzögerung an, denn er ist sonst äusserst zuverlässig.

Jetzt folgt eine etwas längere Geschichte, die wir zwar bereits kannten, von der wir jedoch immer noch nicht ganz sicher sind, ob wir sie wirklich ins Internet stellen sollten. Ende November wurde Romilda und Alfons’ 17jähriger Sohn vor seiner Schule von einem Mädchen in die Falle gelockt und kaltblütig erschossen. Weshalb genau wissen seine Eltern nicht, sie wissen aber mit Sicherheit, dass er und drei seiner Freunde ihre Nase offenbar etwas zu tief in kriminelle Machenschaften gesteckt hatten. Ob sie mit Drogen zu tun hatten können seine Eltern leider nicht mit Sicherheit verneinen. Gestern Nacht nun wurde einer der Freunde, der nach dem Mord mit der Polizei kooperiert hatte, ebenfalls in eine Falle gelockt und mit mehreren Messerstichen verletzt. Daraufhin wurden Romilda und Alfons um Hilfe gebeten, den Jungen in Sicherheit zu bringen, was sie selbstverständlich ohne zu zögern gemacht haben.

Wir kommen trotzdem noch rechtzeitig, kurz nach zehn Uhr in der Klinik an und sind froh, dass nicht sehr viele Leute warten. Die Arztkonsultation kostet 100 Reais, Radiografie und Gips werden separat verrechnet. Der Arzt, Gustavo, schaut sich das Röntgenbild an und auf meine Frage, ob der Bruch ganz durch sei sagt er, der eine schon, der andere nicht. Nanu? Das Schienbein ist durchgebrochen und das Wadenbein sei offenbar angerissen. Davon hat bisher niemand gesprochen. Die Krankenschwester röntgt zuerst erneut mein Bein und erstellt dann fachmännisch den Gips, welcher den Bruch zwei Wochen stabilisieren soll. Danach könnte ich einen so genannten „Bota Profoot“ (Schiene mit Velcroverschluss) bekommen. Der Arzt schreibt bereitwillig einen Zettel mit Anweisung für den nächsten behandelnden Arzt, damit ich mich nicht so schwer tun muss mit den Erklärungen.

Die Krankenhausrechnung beläuft sich auf insgesamt 150 Reais, umgerechnet 90 Franken, und das ganze, inkl. Wartezeit, hat nur knapp eineinhalb Stunden gedauert.

Peter holt in der Zwischenzeit den Motorradsattel ab, den wir neu beziehen lassen mussten, weil er durch das viele Scheuern der Bügel-Halterung zerrissen war . Hätte er den weissen Überzug akzeptiert, hätte er ihn schon gestern mitnehmen können. Doch nachdem Alfons wie Peter schon bei der Auftragserteilung ausdrücklich gesagt hatten er müsse schwarz sein, weiss komme nicht in Frage, musste ihn der Polsterer nochmals neu beziehen.

Silvester 2009
Peter will mit dem Motorrad und Horst als Begleitung in Olivença ein paar Kleinigkeiten einkaufen. Nach längerer Zeit kommen die beiden mit hochroten Köpfen, verschwitzt und ausgepumpt wieder zurück – ohne Salat. Der Töff hat sie stehen lassen und sie haben ihn in der brütenden Hitze zwei Kilometer zurückgeschoben. Sie machen sich zusammen daran, den Defekt zu eruieren. Dass es am Vergaser liegt, steht schon bald fest, doch wie die vermutlich verstopfte Düse gereinigt oder repariert werden könnte ist ihnen ein Rätsel. Peter baut das ganze frustriert wieder zusammen und wir werden bei nächster Gelegenheit einen Motorradmechaniker beanspruchen müssen.

In Brasilien heisst der Silvesterball Réveillon. Alle Leute sind weiss gekleidet um rein ins neue Jahr zu treten. Wir hören die laute Musik aus gebührender Entfernung, und sehen um Mitternacht die bescheidenen Feuerwerke am Strand von weither. Auf dem Campingplatz ist zwar etwas Betrieb, doch der Lärmpegel hält sich in Grenzen.

Wir teilen mit Horst und Gerlinde ein gediegenes Silvestermenu: Zur Vorspeise bereitet Horst pikante und würzige Eier, die mit frisch gebackenem Butterzopf ganz lecker schmecken. Dann gibt es eine Picanha mit Bratkartoffeln, Zucchinigratin und Krautsalt. Als sich Sandra, Emilio und Kadu zu uns gesellen bringen sie Roastbeef mit einer feinen Kräutersauce mit und bestehen darauf, dass wir davon probieren, obwohl wir doch bereits satt sind. Das ist denn auch der Grund, dass wir die Nachspeise, Bananenkuchen mit Eiscreme, komplett vergessen. Heute war nämlich Backtag und der Grund dafür eigentlich witzig, denn Peter hat einmal statt normalen Mehls solches mit Backpulver drin gekauft – zum Brotbacken völlig ungeeignet. Das Resultat der heutigen Arbeitslust sind denn drei kleine Bananenkuchen, zwei Butterzöpfe, ein Zucchinigratin und ein Körnerbrot aus dem Campofen. Ich habe mich inzwischen so arrangiert, dass ich vieles im Sitzen mit hoch gelagertem Bein erledigen kann;)

Neujahr 2010
Währenddem wir heute an der Strandstrasse nach Ilhéus versuchen ein freies Internet anzuzapfen ist auf dem Campingplatz ziemlich etwas los. Ich bin froh, dass wir nicht da waren. Als wir zurückkommen liegen vier mit Handschellen respektive Draht verhaftete Jungen auf dem Boden und werden von zwei bewaffneten Polizisten bewacht. Was ist passiert?

Am 27. Dezember sind 18 Gefangene ausgebrochen. Sie haben dann zwei Autos gestohlen um damit auf Diebestour zu gehen. Irgendwie sind sie jedoch bereits gestern am Strand aufgefallen und deshalb von aufmerksamen Einwohnern beobachtet und der Polizei gemeldet worden. Heute kommt es dann am Nachmittag zu einer Verfolgung und zwei werden von unserem Camping-Nachbarn (er ist Polizist in Ilhéus) mit Waffengewalt wieder gefangen genommen. Dabei geht er gar nicht zimperlich um mit den Dieben, sie werden geschlagen und gekickt. Einige von ihnen müssen sich offenbar im Nachbarhaus, das auf der anderen Strassenseite liegt, aufgehalten haben. Im ersten Anlauf werden so zwölf der ausgerissenen Häftlinge wieder eingebuchtet.

Als das Ganze scheinbar vorbei ist geht plötzlich wieder das camper-polizeiliche Gebrüll los und wir sehen, wie der Polizist in seiner Freizeit einmal mehr die Waffe zückt und einen weiteren Flüchtigen verhaftet. Als die Dienst habende Polizei den Verbrecher abholt hatte sie bereits zwei weitere von ihnen auf dem Pickup geladen, die Dank dem Hinweis einer aufmerksamen Frau gefangen werden konnten und es heisst, inzwischen seien alle wieder hinter Gitter.

Und das alles am ersten Tag des neuen Jahres.

Im Moment sind wir also nicht mehr ganz so sicher, ob Brasilien nicht doch etwas gefährlicher ist als die anderen Länder, welche wir bereits schon besser kennen. Auf jeden Fall werden wir weiterhin vorsichtig bleiben und wie bereits am Anfang der Reise nicht irgendwo wild stehen – man weiss ja nie…

WICHTIGE ANMERKUNG:
Die Besitzer des Campingplatzes schreiben uns in einer Mail vom 14. Juli 2014 wir hätten die Situation falsch verstanden und sie hätten durch unseren Bericht viele Kunden verloren. Sollte das so sein, täte uns dies unendlich leid, denn wir sind sicher, dass der Camping nur durch Zufall zum Schauplatz dieser unangenehmen Begebenheit geworden ist. Und wir möchten festhalten, dass wir uns auf dem "Camping Sitio Itaparica" immer sehr gut aufgehoben gefühlt haben.

Samstag, 02.01.2010
Wir laden den Töff heute auf und bringen ihn zum deutschen Motorradhändler. Dass dieser allerdings nicht Mechaniker sondern Dr. Biologe ist, erstaunt uns einigermassen. Er versichert uns jedoch, sehr zuverlässige, gute Mitarbeiter zu haben.

Montag, 04.01.2010
Emerson, der mit seiner Frau und Freunden für zwei Tage auf dem Campingplatz halt gemacht hat, nimmt Peter am Vormittag mit in die Stadt um zu schauen, wie weit die Motorrad-Reparatur vorangekommen ist. Um 16.00 Uhr kann er den Töff wieder holen. Das Benzin sei eine ziemliche Gülle mit Wasseranteil gewesen. Nachdem dieses abgepumpt, der Vergaser gereinigt und neuer Treibstoff eingefüllt wurde läuft die BMW wieder einwandfrei.

Dienstag. 05.01.2010
Wir fahren nach Ilhéus und schauen uns die Stadt schon einmal vom Motorradsattel aus an. Die Fussgängerzone heben wir uns für ein anderes Mal auf, wenn es mit meinem Bein etwas besser geht. Am Abend entfachen wir unser Abschiedsfeuer mit Gerlinde und Horst, backen nochmals leckere Brote und grillen feine „Schweizer“ Bratwürste und Cervelats.

Mittwoch, 06.01.2010
Nach fast drei Wochen auf dem Camping Sitio Itaparica in Olivença setzen wir unsere Reise nach Norden fort und übernachten wieder einmal auf einer Tankstelle. Das ist zwar jeweils einigermassen laut, aber heute haben wir den Vorteil, in der Nähe eine offene Internet-Verbindung anzapfen zu können.

Gleich am Stadtausgang von Ilhéus saugen wir den Kakaoduft in uns auf, der von der nahen Fabrik ausströmt. Den Besuch des Schokolade-Museums heben wir uns auf für die Rückreise, vielleicht bin ich bis dahin etwas ausdauernder mit meinen Krückstöcken.

Donnerstag, 07.01.2010 – Posto „Rede Flecha“, Feira de Santana
Heute fällt uns auf, dass die Landschaft ziemlich trocken ist. Bereits vor Salvador sind die Gräser nicht mehr so saftig grün wie weiter im Süden. Trotz mehrerer Baustellen kommen wir zügig voran, denn es hat sich so etwas wie eine grüne Welle eingerichtet.

Bereits um zwei kommen wir auf dem Campingplatz in Aracaju an. Wir finden diesen zwar auf Anhieb, die Einfahrt bleibt uns jedoch vorerst verborgen, denn diese liegt auf der dem Meer abgewandten Seite mitten im Quartier. Die Strandstrasse ist viel befahren und wir beschliessen, lediglich eine Nacht zu bleiben um am nächsten Tag gleich nach São Miguel dos Milagres weiterzureisen, wo wir eine Woche verweilen möchten.

Laut Reiseführer ist Aracaju, die Hauptstadt des Bundesstaates Sergipe ein ruhiger Ort, welcher jedoch wenig bietet, und vielmehr als guter Ausgangspunkt zu schönen Atlantikstränden dient.

Freitag, 08.01.2010 – Aracaju
Von der Hauptstrasse BR 101 führt die seit langem schlechteste Strasse Richtung Küste. Die Regenfälle haben das Erdreich von den Hängen gespült und dort wo es keine Löcher hat wurde der Teer mit Dreck gepflastert. Nach 30 Kilometer ist der Spuck vorbei und wir treffen auf die Strecke, welche von Maceió mehr oder weniger der Küste entlang nach Norden führt.

Der Campingplatz direkt am Strand von São Miguel dos Milagres ist genau so schön, wie uns Sandra und Emilio vorgeschwärmt haben. Das Meer ist hier flach und die Wellen überschlagen sich etwa 1.5 Kilometer weit draussen, so dass zum ersten Mal seit langem die Brandung nur leise zu hören ist. Ausser uns sind nur gerade zwei Zeltcamper hier.

Samstag, 09.01.2010 – São Miguel dos Milagres
Peter macht sich auf, die Nachbarn kennen zu lernen und erfährt schon in kurzer Zeit einiges von ihnen. Das brasilianische Ehepaar mit den zwei Kindern gleich neben uns verbringt einen Grossteil des Tages am und im Wasser. José ist Immobilienmakler und seine Frau Veterinärin. Das andere Paar kommt aus Buenos Aires und spannt hier zwei Wochen aus. Alejandra ist Journalistin und ihr Mann Alejandro pendelt als Umnwelttechnologe zwischen Buenos Aires und Barcelona. Für sein aktuelles Projekt muss er bereits am 20. Januar wieder nach Barcelona fliegen.

Mit dem Velo erkundet Peter die nähere Umgebung, so weiss er bereits wo die Supermärkte und Fruchtläden zu finden sind. Er bringt auch gleich zwei Ananas und einen Bund Bananen mit und weil die Frau auf 3 Reais (Fr. 1.80) kein Rückgeld geben kann packt sie ihm noch drei Orangen in den Sack.

Meine Beschäftigung beschränkt sich derweil auf Computer-Tätigkeit, lesen, Essen zubereiten – einfach alles was sich in der Nähe des Wohnmobils abspielt und wobei ich möglichst mein Bein hoch lagern kann (was nicht immer ganz einfach ist).

Sonntag/Montag, 10./11.01.2010
Wie kann man sich nur bei Temperaturen zwischen 27 und 30°C erkälten? Peter klagt über Halsschmerzen und niest eins ums andere Mal. Jetzt wo er endlich einmal ausgiebig Zeit hätte zum Radfahren – bei Ebbe dem Strand und bei Flut der Küstenstrasse entlang.

Dienstag, 12.01.2010
Aus dem Ausflug zum 40 km entfernten Maragogi, bekannt für seine Naturpools, genannt „Galés de Maragogi“, wird leider nichts, denn mein Bein verträgt eine so lange Reise leider noch nicht. Das etwas näher liegende Projekt zur Rehabilitation der Seelöwen wird schlecht beschrieben und ausser ein paar Plakaten in der Nähe des Tatuamunha-Flusses mit einer Telefonnummer drauf sehen wir nichts davon. Wir hätten gern mit einem Fischer den im Strandführer empfohlenen 40minütigen Bootsausflug unternommen.

Mittwoch, 13.01.2010
Obwohl das Wetter ein bisschen durchzogen ist geniessen wir den heutigen Tag am Meer noch einmal, denn ab Morgen geht es wieder Richtung Süden, ganz langsam zurück nach Buenos Aires.

So ist denn São Miguel dos Milagres der nördlichste Punkt unserer Reise: S09°16.500/W035°23.060. Hier geht die Sonne im Sommer um 17.45 unter und um 18.00 Uhr ist es bereits stockfinster.

Donnerstag, 14.01.2010
Der Gips muss weg! Aus diesem Grund fahren wir einen Tag früher als ursprünglich vorgesehen vom paradiesisch schönen Strand weg. Und als ob sogar der Himmel mit uns Erbarmen hätte beginnt es genau in dem Moment als Peter den Motor startet noch zu regnen, nur leicht zwar, aber immerhin.

Bereits kurz vor Mittag treffen wir in Maceió ein und machen uns um eins auf den Weg, eine geeignete Klinik zu finden. Ein freundlicher Taxifahrer erkundigt sich per Handy irgendwo und will uns zur „Clinica de Fracturas“ fahren. Wir verpassen sie um hundert Meter und landen um 13.30 im Rehabilitationszentrum, wo uns die Empfangsdame auf die Verwechslung aufmerksam macht. Um zwei sollte die vorerwähnte Klinik eigentlich öffnen, doch weil der (offenbar einzige) Arzt in den Ferien weilt, kann mich niemand behandeln. Ich solle doch am Dienstagvormittag wieder kommen. Wir wollen aber nicht so lang warten und deshalb gibt uns die Sekretärin Adressen von drei anderen Kliniken, wo ich behandelt werden könnte. Die hätten jedoch nur am Vormittag Sprechstunde, am Nachmittag müsse man bezahlen. Ob wir allerdings den gewünschten Velcroschuh in Maceió bekämen sei ungewiss. Deshalb gehen wir nochmals zurück zum Rehazentrum und fragen die nette Empfangsdame, ob sie vielleicht etwas mehr wisse.

Sie nimmt sich unseres Problems gleich vollumfänglich an und beginnt zu telefonieren: Der erste Anruf gilt dem orthopädischen Zubehör, wo sie gleich auf Anhieb eine positive Antwort erhält. Der „Bota Profoot“, wie ihn der Arzt in Ilhéus beschrieben hatte, sei am Lager und koste 55 Reais. Der zweite Anruf geht an eine der Kliniken, wo sie auch gleich die Preise erfragt und als letztes bestellt sie uns ein Taxi, das „behinderten“ Personen einen 20 % Rabatt gewährt und gibt dem Fahrer, als er ankommt, genaue Instruktionen wohin er uns bringen soll.

So gelangen wir etwa um drei Uhr in die Orthopädische Klinik, wo der Gips aufgetrennt und entfernt wird. Der Arzt schaut sich den vom vielen „gehen“ geschwollenen Fuss an und empfiehlt mir, drei Mal täglich Eis aufzulegen.

Wieder wird uns ein Taxi bestellt und dem Fahrer der Weg zum Orthopädie-Bedarf erklärt. Dort lassen wir den quirligen Typen gleich fünf Minuten warten, damit er uns zum Campingplatz zurückbringen kann. Und das Allerbeste kommt ganz zuletzt, als sich der redselige Taxichauffeur tatsächlich noch dafür entschuldigt, dass er leider nicht alles verstanden hat, was wir erzählt haben. Toll!!!

Kostenpunkt des heutigen Nachmittags, inkl. Café-Besuch und Trinkgelder: Knappe 100 Franken.

Freitag, 15.01.2010 – Maceió
Ein Taxi bringt uns zum nahen Shopping-Center, wo es zu kaufen gibt, was das Herz begehrt. Da wir eigentlich nur Eisbeutel brauchen (schwer zu finden), begnügen wir uns nach deren Erwerb mit „Window-Shopping“ – auch das kann Spass machen.

Samstag, 16.01.2010
Kurzer Reisetag: Macéio – Aracaju mit einem Besuch des Projeto Tamar in Pirambu, das sich den Schutz der Riesenschildkröten zur Aufgabe gemacht hat. Der Strand von Sergipe ist der wichtigste Nistplatz der kleinsten Art der Meeresschildkröten die in Brasilien vorkommen, der „Tartaruga oliva“.

Sonntag, 17.01.2010 – Aracaju
Ausnahmsweise fahren wir am Sonntag, denn wir wollen möglichst schnell nach Praia do Forte kommen und auch für Salvador de Bahia genügend Zeit einplanen.

Der Campingplatz in Praia do Forte liegt in einem Wald und nach etwa 500 Metern auf der schmalen Zufahrt beschliessen wir lieber zu wenden, als das Fahrzeug noch ganz zu zerkratzen. Denn die Äste der Bäume hängen tief und der Blick nach vorn zeigt uns ein noch düstereres Bild. Kratz, kratz, rückwärts fahren, wenden, kratz, kratz und nach 500 Metern befinden wir uns wieder auf der Hauptstrasse – ausser Spesen nix gewesen.

Es ist erst früher Nachmittag und wir beschliessen, bis zum Camping Ecologico an der Praia Flamengo weiter zu fahren, obwohl wir wissen, dass dieser nicht sehr schön sein soll. Es hat auch sehr viele Leute am Strand, aber unsere Camping-Nachbarn sind freundlich und was gibt es schon wichtigeres, als ein gutes Gespräch zwischen Gleichgesinnten?

Montag, 18.01.2010 – Praia Flamengo (resp. Praia Stella Maris)
Wir fahren in die Stadt und versuchen beim Jachtclub “Bahia Marina” zwei Tage zu übernachten. Wir haben aber leider kein Glück. Der Gerant erklärt uns, sie hätten beschlossen, dass ab 2010 nur noch kleine Autos da parkieren dürften, sie wollten keine Wohnwagen oder Motorhomes mehr auf dem Parkplatz. Ich versuche ihn mit meinem gebrochenen Fuss umzustimmen und bitte, eine Ausnahme zu bewilligen. Doch er will nicht. Schade, dass die da so unflexibel sind, aber vermutlich wäre so etwas halt irgendwie mit Arbeit verbunden ?.

Wir beschliessen, nochmals zur Praia Flamengo zurückzufahren und den heutigen Ausflug nach Salvador als Stadtrundfahrt der besonderen Art abzubuchen.

Salvador ist die Hauptstadt des Bundesstaates Bahia, und hat ca. 2.8 Millionen Einwohner. Sie ist die „schwärzeste“ Stadt des Landes, denn etwa 75 % der Menschen sind Afro-Brasilianer. Der Hafen von Salvador ist einer der wichtigsten des Landes. Die Stadt wurde 1549 von Portugiesen gegründet und vom Hafen aus wurden bereits 1550 Sklaven von Guinea, Nigeria und Benim von den Schiffen auf die Zuckerplantagen getrieben. Im 18. Jahrhundert war Salvador die grösste Zuckermetropole der Welt. Mit dem „Elevador Lacerda“ kommt man innert kürzester Zeit vom Hafen in die höher gelegene Altstadt. Der Stadtteil Pelourinho ist der grösste zusammenhängende barocke Stadtbezirk Lateinamerikas. Auf dem mit Kopfstein gepflasterten Stadtteil stand bis 1888 ein Pranger wo straffällig gewordene Sklaven ausgepeitscht wurden. In Salvador findet Jahr für Jahr mit 25 Kilometer Länge und 200 Karnevalsgruppen der grösste Strassen-Karneval der Welt statt.

Dienstag, 19.01.2010
Unsere deutsch sprechenden Nachbarn, Liani und Wilson mit ihren zwei Jungen, der Freundin des einen und einer Austausch-Studentin, planen eine Stadtrundfahrt mit dem Doppeldeckerbus. Wir fragen, ob wir uns anschliessen dürften, damit es uns etwas einfacher geht. Also starten wir zusammen das Unternehmen „warten ist angesagt“ zuerst fast eine Stunde auf den Bus zum Shoppingcenter, wo die Tour starten soll. Dort wieder eine Stunde, weil wir den letzten Doppeldecker um fünf Minuten verpasst hatten. Deshalb verpflegen wir uns schon ein bisschen. Um Viertel vor Eins geht die Stadtrundfahrt dann endlich los, doch wir werden gleich zu Beginn darauf aufmerksam gemacht, dass es in einer halben Stunde eine 45 minütige Pause gebe, in der wir Einkaufen oder Mittagessen könnten. Also schon wieder warten. Die wenigen nächsten Stopps zwischen den langen Fahrten sind dann mit jeweils nur 10 Minuten allerdings zu knapp bemessen.
Beim Leuchtturm präsentieren verschiedene Musiker kleine Einlagen und posieren für Fotos, die „Igreja do Bomfim“ besichtigen wir nur gerade von Aussen und um bei der „Sorveteria“, der Eisdiele, das Glacé mit dem speziellen Geschmack, den es nur hier geben soll, zu erstehen, reicht die Zeit nie und nimmer für alle Besucher.

Wir steigen beim Mercado Modelo aus und fahren mit dem Lift, der inzwischen 15 Centavos kostet (bis Mitte November 2009 waren es noch 5), in die Oberstadt. Gleich um die Ecke soll der direkte Bus an die Praia Flamengo fahren. Der kommt und kommt nicht, so lernen wir ein Argentinisches Ehepaar aus Buenos Aires kennen. Wir schwatzen und schwatzen und unvermittelt lädt Sofia uns zum Nachtessen in ihrem Hotel, das lediglich 100 Meter vom Campingplatz entfernt liegt ein.

Nach einer guten Stunde, es beginnt schon langsam einzudunkeln, kommt der Bus endlich. Als wir aussteigen bleibt uns gerade noch eine Dreiviertelstunde Zeit, um zum mit Sofia und Hugo vereinbarten Termin im Hotel zu erscheinen.

Zum Apéro genehmigen wir uns einen Caipirinha – den haben wir uns nach dem anstrengenden Tag wohl verdient. Sofia ist sehr gesprächig und Hugo ist der ruhige Pool der Familie, doch er ist sehr belesen und weiss bestens Bescheid über Argentiniens Politik. Auch seine Tätigkeit ist äusserst interessant: Er ist ein gefragter Grafologe, der nicht nur für Private sondern auch für das Gericht arbeitet. Das Studium zu diesem Beruf hatte er erst als 45jähriger angefangen, nachdem er vorher für die Sicherheit der Gefängnisse in ganz Argentinien zuständig war. Sofia ist bereits pensioniert und auch sie ist immer wieder erstaunt, was ihr Mann spannendes zu berichten weiss.

Mittwoch, 20.01.2010
In São Felix besuchen wir die einzige Daneman-Zigarrenfabrik Brasiliens. Täglich werden in Handarbeit 150 bis 200 der teuren Zigarren hergestellt und Besucher scheinen in der kleinen Fabrik willkommen zu sein. Geraucht wird hier nur am Bildschirm und den feinen Tabakduft riecht man nur, wenn man sich ganz fest anstrengt.

Donnerstag, 21.01.2010 – Camping Sesi, Valença
Auf diesem Campingplatz bezahlen wir zusammen 40 Reais pro Tag (Fr. 24.--) – und das inklusive Frühstück, ein Novum auf unserer Reise. Es gibt ein Buffet, nicht riesig, aber reichhaltig und mit allem was es braucht um in den Tag starten zu können.

Unsere Nachbarn aus Recife, Carlos und Gláucia mit Sohn und Tochter, haben heute die Insel Moro de Sao Paulo besucht. Weil diese jedoch „Autofrei“ und sehr hügelig ist, ist das im Moment für uns keine Option – ob aufgehoben oder nur aufgeschoben wird die Zukunft zeigen. Die beiden sind sehr gesprächig und wir erfahren, dass Carlos Militärpilot ist. Bei der Suche nach der im Sommer 2009 verschwundenen AirFrance-Maschine war er massgeblich beteiligt. Er hat die Suche koordiniert und die Schiffe zur Absturzstelle beordert.

Freitag, 22.01.2010
Trotz GPS, aber wegen unklarer Signalisation, fahren wir in Camamu eine falsche Strasse. Statt südwestlich zur BR 101 erwischen aus Versehen die BA 001, welche über eine Fähre nach Ilhéus führen soll. Wir sind überrascht, dass die Strasse so gut ausgebaut ist und beschliessen weiterzufahren und dann halt die Fähre zu nehmen. Peter meint, die sei sicher teuer, da sie auf der Karte ziemlich lang zu sein scheint. Als wir plötzlich beim Abzweiger Itacaré anlangen bemerken wir, dass es gar keine Fähre (mehr) gibt und somit haben wir etwa 50 Fahrkilometer eingespart.

Auf dem Campingplatz in Olivença angelangt werden wir von Romilda und den Campingbesuchern herzlich empfangen. Hier erfahren wir von Emilio, dass die neue BA 001 gerade eben seit zwei Monaten offen ist.

Ilhéus zählt 250'000 Einwohner. Die alte Kolonialstadt ist der grösste Kakaoproduzent Brasiliens. Kakao gedeiht am besten im Schatten grösserer Bäume und benötigt viel Wasser und Wärme zur Ausbildung seiner 15- 25 cm langen gelben Früchte. Die einzelnen Früchte haben etwa 40 – 50 Kakaobohnen von ca. 2 cm Länge. Diese verlieren jedoch erst durch die Röstung ihren bitteren Geschmack. Etwa um 1820 begann in der Schweiz die industrielle Fertigung der Schokolade. Südlich und nördlich von Ilhéus hat es wunderschöne Sandstrände und vor allem die stadtnahen Meeresufer sind in den Ferien zwischen 25. Dezember und Mitte Januar sowie an den Wochenenden richtig voll.

Montag, 25.01.2010
Wie uns in der Schokoladefabrik versichert wird, gibt es in Ilhéus kein Schokolade-Museum, auch wenn das in unserem Reiseführer so beschrieben ist. Deshalb begnügen wir uns mit den zwei „Schaufenstern“ und den beiden Verkaufsläden, wo wir zu unserem Erstaunen in einer Vitrine die Erotik-Linie entdecken. Weil wir uns wundern, was da wohl dahinter steckt, stellt die Verkäuferin erklärenderweise sämtliche zur Demonstration verfügbaren Produkte vor uns auf die Theke. Wir staunen nicht schlecht, denn so etwas würde bei uns nur im Sex-Shop verkauft und sicher nicht im Laden der Schokoladefabrik.

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