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2010/2011
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22. September bis 13. Oktober 2010

Unser erster Reiseabschnitt ist geprägt von Begegnungen und Einladungen zum „Asado“ (Grillfest). Wir freuen uns auf das Zusammensein mit Menschen, die wir teilweise vor längerer Zeit kennen gelernt und lieb gewonnen haben und solchen, die wir auf dieser Reise das erste Mal treffen.

Mittwoch, 22. September 2010
Unsere Nachbarin Gaby fährt uns um 04.15 zum Flughafen in Zürich, wo wir bereits vor fünf Uhr ankommen. Der kurze Flug nach Frankfurt verläuft planmässig und die gute Stunde zum Umsteigen auf den Buenos Aires-Flug reicht vollkommen aus.

Die Sicht ist hervorragend und wir wundern uns über die eigenartige Flugroute nach Südamerika. Wir sehen die Ostalpen, Zürich- und Aegerisee sowie viele uns bekannte Orte wie Locarno und Ascona. Die Flugbegleiterin klärt uns auf: Wegen des Hurrikans im Atlantik fliegt LH510 von Frankfurt nach Buenos Aires über Afrika und erlaubt uns atemberaubende Blicke in die Wüste. Erst auf der Höhe von Sierra Leone dreht der Jumbo ab nach Westen.

Über dem Atlantik wird es dann ziemlich langweilig und die 13 Stunden lange Flugreise ermüdet uns ziemlich. So freuen wir uns denn auf ein gemütliches Bett im bereits gebuchten Hotel in Buenos Aires. Doch zuerst gilt es noch die Zollkontrolle „heil zu überstehen“. Die paar wenigen Ersatzteile bereiten uns keine Bedenken, der 110/220 V Transformator macht uns etwas Sorgen, die sieben Kilo Schokolade dürfte man laut Zollbestimmungen gar nicht erst einführen. Deshalb bereiten wir uns auf längere Diskussionen vor, als unser Gepäck durchleuchtet wird. Der Beamte hält dann auch prompt das Band an und erklärt, in einem der Gepäckstücke befinde sich eine rechteckige Kiste, die er nicht identifizieren könne – sicher der Transformator – und er deutet auf die Reisetasche, die wir öffnen sollen. Hierin findet er dann tatsächlich ein rechteckiges „Kistli“, welches er auch prompt öffnet. Darin hat es allerdings nur ein paar Druckerpatronen und sonstiges Kleinzeugs. Er gibt sich zufrieden und lässt uns ohne weitere Fragen einreisen. Was er vielleicht nicht bemerkt hat ist, dass er uns die falsche Tasche hat öffnen lassen – wir besitzen nämlich zwei identische grüne – und der Transformator ist in der anderen verstaut. Glück gehabt.

Ein Taxi bringt uns auf dem schnellsten Weg zum Hotel in Puerto Madero – endlich ist der lange Tag vorbei. Meinen wir. Beim Einchecken erläutert uns der Receptionist, er hätte noch eine Nachricht für uns: Mrs Bridget und Mr Edy hätten angerufen und teilen uns mit, dass sie uns um acht im Rest. Cabañas las Lilas erwarten würden. Wir sind jedoch erst um 19.15 gelandet und um 20.45 im Hotel eingetroffen. Bis wir im Restaurant sind ist es bereits halb zehn und die zwei sind schon halb verhungert. Wir haben auf dem Flug so viel gegessen, dass wir kaum mehr etwas herunterkriegen uns so leisten wir den beiden einfach gesprächige Gesellschaft zu ihrem „Bife de Ojo“ einem riesigen saftigen Rindssteak – dem vorläufig letzten, das sie in Argentinien geniessen werden. Denn schon morgen um zwölf müssen sie sich am Hafen einfinden, um ihren „Robusto“ einzuschiffen und mit ihm zusammen nach Europa zu reisen. Um Mitternacht fallen uns dann langsam die Augen zu und wir lassen uns vom erstbesten Taxi schnellstens ins Hotel zurückbringen.

Donnerstag, 23. September 2010 – Buenos Aires, Hotel Madero
Nach dem reichhaltigen Frühstück machen wir einen Verdauungsspaziergang in die Fussgängerzone „Florida“, wo wir in der City Bank vom Geldautomaten argentinische Pesos beziehen wollen.

Dann geht die Reise weiter nach Colonia (Uruguay). Bei der Kontrolle zur Fähre werde ich nochmals ausgerufen und zum Schalter im Erdgeschoss gebeten. Hier befragt mich die Dame vom Zoll nach einer „rechteckigen Kiste“ im Gepäck, die sie nicht hätte erkennen können. Sie hat den Trafo grössenmässig genau beschrieben und nach meinen Erläuterungen zu diesem für uns wichtigen Gerät ist auch dieses Problem freundlich und unbürokratisch gelöst. Der Buquebus (die Fähre) bringt uns um 12.30 in nur einer Stunde auf die andere Flussseite und mit dem Autobus fahren wir weiter nach Colonia Suiza. Es ist Frühling und die Blütenpracht beinahe irreal. Auf der Plaza warten wir bis das Taxi von zwei Fahrten zurück kommt und uns zum Hotel bringt, wo wir im ersten Moment einen kleinen Schreck kriegen, weil unser Wohnmobil nirgends zu sehen ist – wo wir es vor sechs Monaten hingestellt hatten ist der Platz leer.

Rolf übergibt uns die Schlüssel. Es steht jetzt hinter dem Haus, wo es nicht den Blicken aller Gäste ausgesetzt ist. Und wir finden dort nicht nur unser Action Mobil sondern auch Nicol und Renato mit ihrer Orix. Auf dieses Wiedersehen haben wir uns schon lange gefreut.

Damit wir zuerst gemütlich alles einrichten können übernachten wir nochmals im Hotel.


Freitag, 24. September 2010 – Nueva Helvecia (Uruguay), Hotel Suizo

Das verschimmelte Bad putzen, Material verstauen, Wasser füllen, eine lecke Heisswasserleitung reparieren und das Fahrzeug kontrollieren beanspruchen den ganzen Tag.

Samstag, 25. September 2010
Die Solarpaneele sind verdreckt und bringen nicht die volle Leistung, so steigen wir aufs Dach und reinigen die von den Tauben verschmutzte Fläche.

Am Mittag fahren wir mit den Fahrrädern in die Stadt um einen kleinen Einkauf zu tätigen und ein paar Fotos zu schiessen. Am Nachmittag gibt Renato Peter viele gesammelte Daten zu Übernachtungsplätzen in Ecuador und Kolumbien weiter. Jetzt sind wir so gut ausgestattet, dass wir getrost losreisen können.

Sonntag, 26. September 2010
Die erste Etappe fahren wir zusammen mit Nicol und Renato bis nahe an die argentinische Grenze bei Fray Bentos. Dort soll es nahe am Fluss einen schönen Platz geben wo man sicher übernachten kann. Und es ist schön. Wir machen sogar eine interessante Bekanntschaft. Ein Uruguayer begrüsst uns in gebrochenem Schweizerdeutsch und erzählt, seine Frau sei auch Schweizerin, sie komme aus dem Kanton Aargau, von Zofingen. Das ist interessant und wenig später bringt er sie an unseren Tisch. Da stellt sich heraus, dass die soeben 70jährig gewordene Rosa – das sieht man ihr übrigens überhaupt nicht an – in Küngoldingen aufgewachsen ist, nur etwa 2 Kilometer von Peters Elternhaus entfernt.

Montag, 27. September 2010 – Balneario Las Cañas
Der Tag beginnt gut. Die “Puente Internacional” ist heute offen und beim Zoll, Uruguay/Argentinien, läuft alles reibungslos. Ein uruguayischer Beamter fragt uns ganz freundlich, ob man einmal in das Fahrzeug hineinschauen dürfe. Wir haben kein Problem damit, kommt doch die Bitte so sympathisch daher und so finden bestimmt fünf Leute den Weg in unser kleines Heim. Heute gibt’s keine Kontrolle, nur Besichtigung.

Gleich auf der Einfahrt zur Ruta 14 erfahren wir die erste der so gefürchteten Polizeikontrollen in der Provinz Entre Rios. Führerschein und Fahrzeugpapier halten dieser sogar als Kopie stand. Bei der zweiten Kontrolle werden wir erstaunlicherweise nicht einmal angehalten. Bei der dritten und letzten, gleich vor der Grossen Brücke, will es der Beamte etwas genauer wissen. Er verlangt auch noch die Versicherungspapiere und merkt, dass es sich nicht um den Original-Führerschein handelt. Als Peter ihm auch dieses vorzeigt ist er vollends zufrieden, wünscht uns eine gute Reise und entschuldigt sich sogar für die Belästigungen. Für uns sind das in Entre Rios ganz neue Töne und wir geniessen es sichtlich, so glimpflich durch diese Provinz gereist zu sein.

So kommen wir bereits um die Mittagszeit in Lobos an und vergnügen uns beim riesigen Einkauf der Esswaren für diese Woche.

Auf dem Camping in Lobos sind bereits einige Reisende angekommen. Die Franzosen-Familie mit drei Kindern wird schon morgen abreisen. Sie werden zwei Monate in New York verbringen und dann wieder zurückkommen. Das deutsche Ehepaar Elke und Heiner fährt ebenfalls morgen Richtung Brasilien. Elke und Klaus warten auf Gerlinde und Horst und werden noch ein paar Tage hier bleiben.

Dienstag, 28. September 2010 – Camping Bahia de Lobos
Es ist kalt, windig und regnerisch und wir vertreiben uns die Zeit mit Computerarbeit und unser Wohnmobil wieder gemütlich einrichten.

Donnerstag, 30. September 2010
Wir stossen mit Caipirinha auf meinen Geburtstag an. Damit dieser nicht gleich in den Kopf steigt gibt’s etwas zu knabbern dazu.

Freitag, 1. Oktober 2010
Weil José, der normalerweise die Verantwortung des Campingplatzes während Mirta und Jorges Abwesenheit trägt, plötzlich einen anormal hohen Blutdruck aufweist und im Spital abgeklärt werden muss fällt die Einladung zum Nachtessen heute aus und wird auf morgen verschoben.

Samstag, 2. Oktober 2010
Horst bereitet nochmals ein schönes Feuer und zusammen mit Elke, Klaus, Gerlinde und Horst geniessen wir das letzte gemeinsame Essen. Die beiden Paare reisen weiter, vorerst in den nahe gelegenen Ort Tomas Jofre, der für seine ausgezeichnete Küche bekannt ist, was sie natürlich am Sonntag unbedingt selber testen müssen. Wir sind jedoch heute Abend und morgen Mittag bereits zum Essen eingeladen und können uns ihnen deshalb nicht anschliessen. Es ist sechs Uhr. Auf dem Nachhausweg mit Jorge, Mirta und Lara, ihrer Enkelin, holen wir das frisch geschlachtete Lamm fürs Nachtessen ab. Zuhause angekommen bereitet Jorge als erstes ein Feuer, damit möglichst schnell eine schöne Glut entsteht. Dann wird das Lamm zweigeteilt, die eine Hälfte kommt in den Tiefkühler und die andere auf den riesigen Grill. Mirta bereitet Kartoffelwürfel mit gekochten Eiern und gemischten Salat (grüner Salat, Tomate und Zwiebeln) zu und damit wir bis um viertel nach zehn nicht verhungern, gibt’s zur Vorspeise Rohschinken, gekochten Schinken, Käse und frische Brötchen.
Im Haus von Mirta und Jorge lernen wir Mirtas 81jährige Mutter, Rodolfo und Angelika, das Ehepaar aus Cordoba, sowie deren Nichte Leticia und ihre Tochter Rocío aus Buenos Aires kennen. Wer nun alles genau die im März geplante Europareise mit dem Camper unternehmen will ist uns nicht ganz klar (ihnen vermutlich auch nicht), doch wir versuchen Rodolfo und Angelika zu überzeugen, besser etwas später im Jahr zu reisen. Weil die Wohnmobile in der Zwischensaison jedoch nur die Hälfte kosten, sind sie - der Kosten wegen - nicht von ihrem Plan abzubringen. So werden sie sich denn voraussichtlich an die Mittelmeerküste zwischen Malaga und Rom halten, wo das Klima nicht so rau ist wie in den Bergen.

Sonntag, 3. Oktober 2010
Im März dieses Jahres haben wir an unserem letzten Tag in Lobos noch einen jungen Mann kennen gelernt, dessen Vorfahren Schweizer sind. Heute nun sind wir bei seinem Onkel Gustavo (Gusti), den er uns damals vorgestellt hat, zum „Asado“ eingeladen! Wir essen, einmal mehr, ziemlich viel von den gut gewürzten Schweinsbratwürsten und dem fein zubereiteten Lamm. Zum Dessert gibt’s viel leckeres Konfekt. Susi, Gustis Schwester, hat einen selbstgemachten Kuchen mitgebracht und wir steuern einen Rüeblicake bei. Gustavo scheint dieser toll zu munden – er greift eins ums andere Mal zu und es scheint, nicht nur um mir eine Freude zu bereiten.
Dann dürfen wir uns hunderte von Fotos anschauen, die Amilcar (der oben erwähnte junge Mann) und seine Verlobte Mariana auf ihren beiden Schweizer Reisen geknipst haben. Er kann sich noch an beinahe alle Orte mit Namen erinnern. Nicht schlecht schauen wir jedoch, als nach etwa 350 Bildern plötzlich zwei uns bekannte Gesichter auftauchen. Der Name Katy Frey sagt uns zwar gar nichts, doch als ich nach dem Namen ihres Ehemannes frage, wird das Staunen immer grösser. Das sei Andreas, wir kennen die beiden seit bald dreissig Jahren als Käthy und Res. Käthy ist Gusti und Susis Kusine und da Gustavo noch nie in der Schweiz war vermuten wir, dass sie einander nicht persönlich kennen.

Montag, 4. Oktober 2010 – Camping Bahia de Lobos
Der Termin zum Reifenwechsel in Carhué ist auf Donnerstag/Freitag abgemacht, weil der Chef noch zwei Tage in Buenos Aires weilt. So haben wir noch etwas mehr Zeit als geplant und beschliessen kurzfristig, einen Abstecher nach Chacabuco einzufügen, nachdem wir am Freitag via Skype mit Hugo, dem Besitzer des Fitnessstudios, Kontakt aufgenommen haben. Wir treffen am späteren Nachmittag dort ein und lernen auch seinen Bruder Javier kennen. Hugo und seine Frau Karina sind extrem stark beschäftigt und der Montag ist der verrückteste der ganzen Woche. Sie sind sicher froh, dass Hugos Eltern für eine kurze Zeit zu sich einladen und uns unterhalten. So dürfen wir Fotos von Spanien und Italien sowie einen Diafilm der goldenen Hochzeit des immer noch glücklichen Ehepaars anschauen. Als ihre Kinder und Enkel davon erfahren, dass wir diesen Film gesehen haben sind sie empört, dass Mutter uns das angetan hat. Doch wir haben der siebzigjährigen bereits unsere Komplimente gemacht – und das zu recht. Sie hat die Präsentation auf dem Computer selber zusammengestellt, vertont und beinahe professionell bearbeitet. Für uns hat es so ausgesehen, als ob sie das von einem Fachmann hätte machen lassen.

Bei Javier treffen wir uns dann zum Nachtessen – er hat vorgeschlagen, uns alle zu seinen selber hergestellten Empanadas (Fleisch-/Spinat- und Schinken/Käsetaschen) einzuladen. Sie sind so appetitlich, dass man fast vergisst, die vollen Bäuche endlich ruhen zu lassen. Seine Frau Maria Rosa lässt ihn nur zu gerne am Herd stehen und geht lieber ihrer Arbeit als Schulvorsteherin nach. Er unterrichtet jeweils nur am Nachmittag und hat dadurch genügend Zeit, seine vielseitigen Kochkünste auszuüben.

Bis tief in die Nacht wird geplaudert und schnabuliert und erst nach ein Uhr früh verlassen wir mit einer Tasche voller meist selber hergestellter Geschenke das Haus der liebenswerten Familie.
Die talentierte Ana-Bélen lädt uns ein, ihrem Klavierspiel beizuwohnen – sie spielt nach nur gut einem Jahr Unterricht schon hervorragend. Zum Andenken an sie bekommen wir von ihr einen Stofffuchs und, falls es einmal kalt werden sollte, noch ein Halstuch – wir haben’s dem Maskottchen umgewickelt und dieses vorerst einmal in die Führerkabine gesetzt. Knoblauchsauce, süsses Kürbis-Topping und die würzige Wurst werden in den nächsten Wochen und sogar Monaten unseren Speiseplan verfeinern. Und ab und zu werden wir uns einen cremigen Schokolade-Likör genehmigen können. Dulce de Leche wird ab morgen reichlich aufs Brot geschmiert und so ist schon einmal gesichert, dass wir auf dieser Reise ganz bestimmt nicht zu viele Kilos an Gewicht verlieren werden.

Dienstag, 5. Oktober 2010 – Chacabuco
Alcira hat uns beim Abschied gebeten unsere Abfahrt solange zu verschieben, bis sie uns noch etwas vorbeigebracht hat, das sie heute bei der Gemeinde abholen will. So vereinbaren wir denn, um neun Uhr nochmals vorbeizuschauen. Sie überrascht uns mit einem speziellen Kalender, den die Gemeinde zur Feier der 200jährigen Unabhängigkeit von Argentinien mit Fotos von geschichtlich relevanten Bauten zusammengestellt hat.

Nachdem wir nochmals mit Kakao und feinen „Facturas“ (süsse Stückchen vom Bäcker) verwöhnt worden sind, machen wir uns wieder auf den Weg.

Die fast fünfhundert Kilometer nach Carhué verteilen wir auf zwei Tage, ich könnte mich heute nicht nochmals bis spät in die Nacht auf Spanisch unterhalten und brauche einen „Ruhetag“.

So reicht es denn vollkommen, dass wir uns nach fast 300 Kilometern im Industriepark von Henderson, wo wir gerne übernachten wollen, mit einem Handwerker und seinen „Angestellten“ (Ehefrau, Sohn und Tochter) etwa eine Viertelstunde unterhalten. Interessanterweise haben auch sie noch ein ganz klein wenig Schweizer Blut in den Adern. Die Grossmutter mütterlicherseits, Frau Tobler, sei eine Deutschschweizerin und sie hätte sich hier in Argentinien mit einem Italiener verheiratet.

Wir sind zwar der Meinung unser Barometer würde sich mit der Ankündigung von Regen irren, doch am Abend fallen tatsächlich einige Tropfen – und wenn es so weiter geht passiert sicher nichts. Doch es bleibt nicht dabei und als ein richtiger Gewitterregen niedergeht mache mir anfänglich etwas Sorgen, dass sich unser Parkplatz in ein Schlammfeld verwandeln könnte. Nach einer Stunde ist der Spuk jedoch vorbei und am Morgen das meiste Wasser bereits versickert. Peter hat dank seinen Ohropax gar nichts vom schlechten Wetter mitbekommen.

Mitwoch, 6. Oktober 2010 – Henderson
Bereits kurz vor Mittag treffen wir in Carhué ein und wollen gleich unsere schmutzige Wäsche in die Wäscherei bringen. Auf dem Weg dahin meine ich, Carlos bei seinem sich im Umbau befindlichen Haus gesehen zu haben, bin mir aber nicht ganz sicher. Wir wollen dann später zurückfahren und schauen, ob er es wirklich war. Doch dazu kommt es nicht, denn er hat uns in genau dem Augenblick auch erspäht, lässt sein Grillfeuer im Stich und sucht uns in der Stadt. Das ist eine einfache Sache, denn die Stadt ist klein und unser Fahrzeug gross – und Carlos ist überrascht, dass wir die Wäscherei auf Anhieb wieder gefunden haben. Er lädt uns zum Mittagessen ein und kauft noch ein riesiges Stück Fleisch zu seinem dazu. Ausnahmsweise muss er das Fleisch bei extrem niedriger Temperatur garen lassen, denn weil er ja gemeint hat wir würden ihn suchen, ist das Feuer zu klein geraten und der Ofen nicht heiss genug geworden.

Am Nachmittag unternehmen wir auf Carlos’ Anregung hin eine Velotour zur „Chacra Don Carlos“ und in Peters Windschatten schaffe ich den Rückweg mit Gegenwind einigermassen problemlos.

Zum Nachtessen mache ich zwei Pizzas, das sollte für uns drei reichen – doch als wir diese schon zum Backen in die Küche unseres Gastgebers tragen teilt er uns mit, dass seine Tochter Valéria und die beiden Enkelinnen Pilar und Victoria noch zum Essen kommen würden. Davon, dass die eine noch ihren Freund mitbringt weiss er vielleicht auch nichts. So müssen die zwei Pizzas für sieben Leute herhalten, doch das ist ein bisschen zu wenig. Zusammen mit den Resten vom Mittagessen und etwas Süssem zum Dessert werden trotzdem alle satt.

Valéria unterrichtet Informatik. Sie hat pro zwei bis drei Erwachsene lediglich einen Computer zur Verfügung und so gestaltet sich der Unterricht ziemlich schwierig. Zudem besitzen die meisten zuhause gar keinen Computer. Deshalb ist sie natürlich von der derzeitigen Entwicklung im Schulwesen sehr begeistert: Alle 13 bis 18jährigen Schüler der staatlichen Schulen erhalten dieses Jahr ein Notebook. Finanziert werden diese aus den Überschüssen der staatlichen Altersvorsorge – und in der Schweiz diskutiert man derweilen über die Sanierung der AHV. Damit die gratis abgegebenen Notebooks nicht verkauft werden können müssen sie ca. alle drei bis vier Tage mit dem Server der entsprechenden Schulen verbunden werden, weil sie sonst nicht mehr funktionieren.

Donnerstag, 7. Oktober 2010 – Carhué
grupo/ milla – die einzige Firma für Bridgestone-Reifen der Dimension 385/65/22.5. Wir haben in den Jahren 2007 und 2008 in etwa zwanzig Reifengeschäften (Conti, Michelin und unbekanntere) nachgefragt und keine oder nur abschlägige Antworten erhalten. Im September 2008 haben wir dann in Carhué einen Bekannten besucht und sind zufällig auf das Reifenproblem zu sprechen gekommen. Er hat uns dann mit dem Inhaber der Grupo Milla zusammengebracht und dieser hat genau den von uns gefahrenen Reifen in einer seiner 16 Filialen an Lager. Wenn man frühzeitig Bescheid gibt, können die Reifen dann an die gewünschte Milla-Filiale geliefert werden. Für einige Reisende könnte dies eine grosse Hilfe sein. Die Pneus sind zwar fast doppelt so teuer wie in der Schweiz, doch ein Direktimport nach Argentinien ist nicht möglich und wenn man die Kosten und Umtriebe für die Lieferung nach Chile rechnet könnte das auch ziemlich teuer zu stehen kommen.

Entgegen anders lautenden Aussagen hat uns der Firmeninhaber, Héctor Milla, persönlich bestätigt, dass die Reifen auch künftig regelmässig importiert werden. So etwa jedem Monat kommen 20 Stück aus Japan für seine Firmen in Argentinien an, weil er einige Kunden im Bereich Oelförderung, Bergbau und Minen damit beliefert.

Freitag, 8. Oktober 2010
Am Morgen bringt uns Carlos mit seinem Auto zum Matadero (dem ehemaligen Schlachthof), der mit dem Untergang von Epecuen im 1985 ebenfalls zerstört wurde, um ein paar schöne Aufnahmen zu machen. Noch vor zwei Jahren stand die Zufahrt unter Wasser. Der Wasserstand der Lagune ist erst um 5 Meter gesunken, es fehlen noch 2.5 Meter bis die ursprüngliche Höhe von 1979 (als das Drama seinen Anfang nahm) wieder erreicht ist. Entstanden ist die Tragödie durch die Geldgier von Militärs, welche in Sierra de la Ventana ein grosses Sumpfgebiet trockengelegt hatten und dadurch teures Bauland verkaufen konnten. Das Wasser wurde in den Fluss geleitet, welcher in die Laguna Alsina fliesst. Als diese dann voll war floss das Wasser in die tiefer liegenden Lagunen ab und weil die Laguna Epecuen keinen Abfluss besitzt wurde stieg der Pegel bis 1985 um 7.5 Meter und setzte das Dorf unter Wasser. Erst als es schon viel zu spät war wurde das Wasser dem richtigen Abfluss der Laguna Alsina zugeführt, von wo es im weiten Flussbett nach Süden ins Meer fliessen kann.

Es ist wieder einmal Abschied angesagt. Vermutlich werden wir nicht mehr nach Carhué zurückkehren und das tut doch ein bisschen weh. Wir haben unsere Bekannten doch ziemlich ins Herz geschlossen und werden einige von ihnen vielleicht nie wieder sehen.

Samstag, 09. Oktober 2010 – Camping Winifreda (La Pampa)
Wir kommen gut voran und erreichen nachmittags um vier den Campingplatz Florida in Villa General Belgrano. Hier ist schön was los – denn es ist Oktoberfest und viele Besucher sind schon ganz schön angeheitert.

Sonntag, 10. Oktober 2010 – Camping Florida, Villa General Belgrano
Um 13.00 Uhr beginnt der Oktoberfest-Umzug in der Stadt. Wir sind pünktlich da und warten geduldig – wir sind ja in Argentinien und da sind die Zeitangaben nicht ganz so verlässlich wie in der Schweiz. Irgendwann geht es dann los und wir geniessen das fröhliche Treiben. Von der grossen Schweizer-Club-Delegation aus Santa Fé spreche noch ein einziger (schweizer)deutsch. Die Trachten sind auch nicht alle ganz traditionsgemäss, aber dennoch ist es schön, dass die Wurzeln der Menschen, die hier leben, sichtbar werden und die Traditionen gepflegt werden.

Montag, 11. Oktober 2010
Dank Eva und Siegmund, den zwei Motorrad-Reisenden aus der nähe von Köln gibt es zum Frühstück feine Gipfeli frisch vom Beck. Anja und Wolf, die ebenfalls am Samstag hier eingetroffen sind, verabschieden sich bereits wieder und reisen weiter nach Mendoza und Santiago.

In Argentinien ist heute Feiertag, doch das hindert uns nicht daran, einige anstehende Reparaturen auszuführen. Ein Fensterhebel lässt sich nicht mehr bewegen, glücklicherweise in geöffnetem Zustand. So bauen wir ihn aus, schmieren und jetzt läuft er wieder ohne Widerstand.

Unsere Dieselpumpe, die dazu dient den Treibstoff des Reservetanks (3) in den Tank Nr. 2 zu pumpen hatte einen Kurzschluss, den wir durch Reinigen und Trocknen selber beheben können. Das ist wesentlich einfacher und billiger als ein entsprechendes Ersatzteil beschaffen zu müssen.

Zum Nachtessen gehen wir gemeinsam mit den beiden Motorradfahrern ins La Posta del Arroyo, wo ich ein etwas zu grosses „Bife de Chorizo“ bestelle. Es mundet aber so lecker, dass ich die ca. 450 Gramm Rindfleisch bis auf den letzten Bissen esse – wohlweislich mit nur ein wenig Salat dazu.

Dienstag, 12. Oktober 2010
Den kurzen Ausflug zum im Süden gelegenen Stausee „Embalse Rio Tercero“, wo wir noch ein paar Fotos aufnehmen möchten, unternehmen wir heute, weil es morgen regnen soll – dann können wir diesen ersten Update unserer Homepage in Angriff nehmen.

Mittwoch, 13. Oktober 2010
Und auch Regentage haben ihre Vorteile – so gibt es am Nachmittag einen feinen, natürlich selbstgebackenen Apfelkuchen – und dann wird wieder fleissig am Computer gearbeitet.

© by Peter und Ruth Zaugg | Das Kopieren und/oder Weiterverwenden von Inhalten ist untersagt. | Website © 2017 by x1024.ch