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2010/2011
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Villa General Belgrano (Argentinien) – Calama (Chile)

14. Oktober – 11. November 2010

Am 20. Oktober fliegen unsere Freunde nach Santiago de Chile und verbringen ein paar Tage mit ihrer Cousine. Ab 29. Oktober reisen wir dann gemeinsam vier Wochen Richtung Norden und durch die Atacama-Wüste bis nach Arica.

14. /15. Oktober 2010 – Camping Florida, Villa General Belgrano
Wenn man einmal hier ist kommt man fast nicht mehr weg. Bettina und Ralf machen einem den Aufenthalt angenehm. Wenn dann am Abend noch ein von Ralf mit viel Liebe gekochtes Essen serviert wird, könnte man sich echt daran gewöhnen, einfach zu Tisch zu sitzen. Eva und Siegmund, die beiden Motorradfahrer, sind sehr nette Leute und wir unterhalten uns gern mit ihnen. Als Peter etwas darüber klagt, dass er noch meine Haare färben sollte stellt sich Eva für diese Arbeit zur Verfügung. Herzlichen Dank Eva, das war super von dir!

16. Oktober 2010
Am Samstag machen wir uns auf, kurz nachdem Barbara und Uli von ihrem Heimaturlaub eintreffen. So geht es auf dem Campingplatz Schlag auf Schlag.

Auf der ersten Etappe nach Mendoza machen wir einen Schlenker – wir haben dem GPS unser Zwischenziel nicht eingegeben und verpassen fast den Nationalpark „Sierra de las Quijadas“ – dafür lernen wir eine wunderschöne Strecke durch die Hügel kennen.

Im erst 1991 errichteten Nationalpark in der Provinz San Luis ist es zum Übernachten einsam und ruhig. Tiere sehen wir nicht viele und statt der erwarteten Landschildkröten überrascht uns kurz vor dem Eindunkeln ein Ameisenbär mit seinem Erscheinen.


17. Oktober 2010 – NP Sierra de las Quijadas
Mit dem Rundgang über zwei Aussichtspunkte starten wir in den sonnigen Sonntag. Das Lama, welches sich gestern Abend so wunderschön in Szene gesetzt und vom Horizont abgehoben hat ist heute früh nirgends zu sehen.

Die gelben Vögelchen sind sich Touristen gewohnt uns setzen sich auf ihrem Lieblingsbusch beim Parkplatz gleich scharenweise in Szene.

Die Sanddünen von Encón mit den gelben Büschen setzen der Landschaft einen dringend nötigen Farbtupfer auf, denn durch die Pampa Grande könnte man sonst fast den Koller bekommen. Wir wundern uns, wovon die Menschen, die in dieser Abgeschiedenheit wohnen, wohl leben – Sanddünen, Büsche, ab und zu ein paar magere Ziegen – kein Kulturland, wirklich nichts als Pampa. Nicht einmal mehr die Eisenbahn fährt durch dieses unwirtliche Gebiet. Bald erkennen wir in der Ferne auch eine Kette von Schneebergen – zuerst nur schwach, dann immer deutlicher – die bis fast 7000 Meter hohe Andenkette. Dann jedoch, etwa 80 Kilometer bevor wir Mendoza erreichen, werden die ersten Reben kultiviert, der Boden ist immer noch karg, vielleicht sind Trauben das einzige was hier überhaupt gedeiht.

18. Oktober 2010 – Camping Parque San Martín, Mendoza
Wir satteln wieder einmal das Fahrrad um etwas bequemer in die Stadt zu kommen als zu Fuss und auch die Einkäufe können wir so leichter heim schaffen, immerhin geht es leicht bergauf.

19. Oktober 2010 Heute möchten wir ein Weingut besichtigen und verschiedene Weine degustieren. Der ACA Campingplatz liegt am Dique Cipolletti, in dessen Umgebung es verschiedene „Bodegas“ gibt und von wo wir bequem mit dem Taxi hinfahren könnten. Doch wir haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht – das Land auf dem der ehemalige Campingplatz liegt hat einen neuen Besitzer und es ist jetzt verboten, dort zu campieren. Weil wir nicht degustieren und hinterher noch fahren wollen ändern wir einmal mehr spontan unseren Plan und fahren bereits Richtung chilenische Grenze weiter. Das Wetter ist traumhaft schön und wir sind beinahe versucht, schon heute ins Nachbarland zu reisen. Was uns jedoch davon abhält sind verschiedene Aspekte: Wir haben frische Zutaten für eine feine Pizza im Kühlschrank, die uns vom chilenischen Zoll allesamt abgenommen würden, wir wollen eigentlich gar noch nicht nach Santiago – zudem ist unser Fahrzeug zu schmutzig für den bevorstehenden Grenzübertritt.

Also stoppen wir bereits kurz nach dem Mittag in Uspallata und hoffen auf ebenso schönes Wetter für morgen. Im Campingplatz dürfen wir auf Anfrage unser Fahrzeug waschen, hier gibt es ganz offensichtlich genügend Wasser. Währenddessen trifft noch ein deutsches Wohnmobil ein, welches wir jedoch, weil wir hinter den sanitären Anlagen versteckt sind, erst sehen, nachdem Peter im Dorf noch etwas einkaufen will. Gisela und Rainer essen heute im Restaurant und kommen nachher noch auf einen interessanten Schwatz bei uns vorbei. Sie sind bereits seit 2006 in Südamerika unterwegs und waren letztes Jahr auch in Brasilien.

20. Oktober 2010 – Camping Municipal, Uspallata
Es ist zwar dann nicht mehr ganz so klar wie gestern, aber schön genug zum Reisen. Einen Teil vom Aconcagua, dem höchsten Berg Südamerikas, sehen wir vom Aussichtspunkt nahe beim Besucherzentrum auf der Argentinischen Seite. Doch die kurze Wanderung sparen wir uns, denn der Himmel überdeckt immer mehr und wir befürchten, dass die Bergspitze schon bald in den Wolken verschwinden wird. Auf der chilenischen Seite ist das Wetter ein bisschen Düster, aber jetzt gilt es zuerst, den Grenzübertritt hinter uns zu bringen.

Die Zollformalitäten des Argentinischen und Chilenischen Zolls verlaufen einigermassen problemlos und bei der Revision unseres Fahrzeugs werden nur gerade die ungeschälten Leinsamen beschlagnahmt (inkl. genauer Erklärung des Weshalb). Auf der chilenischen temporären Einfuhrgenehmigung für unser Wohnmobil und das Motorrad werden allerdings sage und schreibe fünf Stempel (inkl. zwei Argentinische) verlangt, obwohl wir vorher mit lediglich zweien zur Prüfung unseres Fahrzeugs nach draussen geschickt und „entlassen“ worden sind.

Höhepunkt des heutigen Tages sind die 30 Serpentinen der Passstrasse, die sich von etwa 3000 müM elegant den Berg hinunter windet.

Donnerstag, 21. Oktober 2010 – Parkplatz bei der Guardia Vieja
Im Jumbo in Los Andes decken wir uns mit frischen Lebensmitteln ein – hier gibt es alles was das Herz begehrt. Die nächste Anlaufstelle ist dann die Firma Maco in Santiago, wo nächste Woche unser MAN gewartet und die Frontscheibe ersetzt werden soll. Nachdem VW und MAN fusioniert haben heisst die Firma zwar anders und befindet sich in neuen Gebäuden, doch viele Mitarbeiter sind noch die gleichen, so dass wir gleich von uns vertrauten Gesichtern empfangen werden. Wir vergewissern uns, ob alles Material da ist und vereinbaren dann einen Termin für Montag.

Inzwischen sollten Monika und Peter in Santiago angekommen sein und wir hoffen, dass mit dem Abholen und dem Gepäck alles geklappt hat. Als wir bei der Tankstelle anhalten um unsere Mails abzurufen entdecken wir auf dem Natel einen verpassten Anruf von Peter H. Wir fragen uns, ob sie wohl ein Problem haben und schicken eine SMS, dass wir jetzt wieder erreichbar sind. Wir bekommen die Bestätigung, dass die Abholung geklappt hat und sind beruhigt.

Am Abend treffen wir einander bei Doris, Monikas Cousine, und erfahren, dass die Gepäckstücke in Madrid den Anschlussflug nicht erreicht haben – sie sollen am nächsten Vormittag in Catapilco eintreffen.

Freitag, 22. Oktober 2010
Juan, Doris’ Freund, organisiert uns einen günstigen Mietwagen im Nachbarort und bringt ihn gleich vorbei. Die zwei Peter bringen Juan dann wieder zurück.

Bis kurz vor neun Uhr abends warten wir auf das Gepäck. Um 14.00 Uhr bekommt Doris auf ihre telefonische Anfrage die Auskunft: Die Reisetaschen sind unterwegs. Etwa eine Stunde später kommt ein Anruf: Das Gepäck komme zwischen vier und acht. Etwa viertel nach acht kommt der Anruf vom Chauffeur: Er komme in ca. 30 Minuten in Catapilco an – ENDLICH! Peter und Monika sind erleichtert und ihre Ferien können beginnen.

Samstag, 23. Oktober 2010
Doris zeigt uns „ihre Umgebung“ – die Sehenswürdigkeiten liegen weit ab vom Schuss und wir fahren durch einen ehemaligen Eisenbahntunnel ins angrenzende Tal. Die Teufelsleiter hängt verkehrt herum, so dass der Teufel nach seiner Verjagung bei einer Hochzeit, zu der er zwar eingeladen war, sich jedoch nicht tunlich benommen hatte und verjagt wurde, nicht mehr vom Berg heruntersteigen kann. Der „Media Luna“ von Chincolco, ist ein uralter aus Steinen gebauter Begegnungsplatz wo früher eventuell auch Rodeos veranstaltet wurden. Die heutigen, aus Holz gebauten Rodeoplätze sehen von der Form her jedenfalls sehr ähnlich aus. Wir fahren bis nach Pedernal, wo es Petroglyphen geben soll. Diese finden wir leider nicht, doch die Fahrt hat sich schon wegen der riesigen Kakteen mehr als gelohnt. Jetzt sind wir hungrig und wollen, noch vor der Besichtigung der Kirche in Petorca, etwas in den Magen kriegen. Das Restaurant ist typisch chilenisch und wir bestellen ahnungslos ein ganzes Menu und das ist viel zu viel. Es gibt warme Brötchen mit selbst gemachter Mayonnaise oder Butter, gemischten Salat mit einer halben Avocado, einen grossen Teller Suppe mit Kürbis, Suppenfleisch und Kartoffel, Hauptspeise mit Pommes-Frites und Hähnchen oder Rindsbraten, zum Dessert süsse rote Erdbeeren. Wir haben zwar nur zwei Suppen, aber für alle Hauptspeise bestellt, doch die clevere Serviertochter bringt vorerst nur zwei Suppen und drei Hauptspeisen und fragt, ob das recht sei. Wir sehen mehr als genug und sind froh, dass wir uns auch den Hauptgang teilen können. Denn die Speisen sind sehr nahrhaft und reichen vollkommen aus.

Die Kirche in Petorca soll demnächst renoviert werden. Speziell an ihr sind die Verzierungen, sie sind nicht wie in Kirchen üblich aus Gold sondern aus Silber. Weil die Vorbereitungen für die morgige Konfirmation im Gang sind können wir leider nicht alles besichtigen und geben uns mit einem Gesamteindruck zufrieden. Auf dem Rückweg nach Catapilco fahren wir über den Berg, mit Blick zurück ins fruchtbare Tal und Sicht hinunter in die Quebrada del Pobre, von wo wir nach Valle Hermoso gelangen. Dieser Ort ist bekannt für seine Stricksachen, welche zu einem grossen Teil auf Maschinen im Dorf hergestellt werden, leider aber teilweise von China importiert sind. Viele Sachen würden wir als altmodisch bezeichnen, doch es gibt einige interessante Stücke, die zu Strickideen anregen.

Es ist noch Zeit, um vor dem Eindunkeln einen Ausflug an die Küste zu unternehmen. Papudo hat eine hübsche Promenade, in Zapallar wollen sie schon zum Parkieren horrende Preise und das veranlasst uns, gleich weiter zu fahren um vor Sonnenuntergang noch die Pinguine der Insel Cachagua zu beobachten.

Obwohl wir beschlossen haben heute Abend Erdbeerschnitten mit Schlagrahm zu speisen lassen wir das sein, denn das späte Mittagessen füllt noch immer unsere Mägen.

Sonntag, 24. Oktober 2010
Die Männer wollen heute die blockierte Wasserpumpe bei Doris’ Haus reparieren – und das noch vor dem Frühstück. Erst nach elf Uhr - nachdem die Pumpe zwar wieder läuft, alles Wasser jedoch aus der Welle spritzt - können wir sie überzeugen, doch endlich etwas zu essen. Denn wir wollen heute bei Giorgio, dem Pirata Suizo in Los Molles zu Mittag essen. Das wird natürlich wieder spät und das gestrige Dessert gerät schon wieder in Gefahr, nicht verzehrt zu werden.

Montag, 25. Oktober 2010
Tagwache ist um 05.30 Uhr – wir wollen unseren MAN für Servicearbeiten in die Werkstatt bringen und die Fahrt nach Santiago dauert fast zwei Stunden. Wir sollten um 08.30 Uhr bei der Firmq Maco sein sein. Dass die Arbeiten erst nach zehn Uhr in Angriff genommen werden ist nichts Neues – doch einmal am Werken schafft der freundliche Mechaniker sehr effizient.

Dienstag, 26. Oktober 2010
In Horcón kommen die Fischer mit ihrem Fang zurück und ihre Boote werden mit zwei PS aus dem Wasser gezogen. In den Netzen befinden sich Krebse, Schnecken, Muscheln und Fische. In Viña del Mar schlendern wir den ganzen Strand entlang bis hinunter zum „Castillo Wolff“, das leider vor einer halben Stunde geschlossen hat. Für die Ausstellung ist es zu spät, der freundliche Wächter lässt uns jedoch noch schnell den Aussichtspunkt besteigen und von dort ein paar Fotos schiessen.

Mittwoch, 27. Oktober 2010
Doris kennt einen Weg durch die Berge, welchen sie uns gerne zeigen will. Auf dem Weg nach San Felipe besuchen wir ihren ehemaligen Arbeitskollegen Luis mit seiner Frau Carolina und den drei Monate alten Zwillingen Valentina & Constanza. Luis ist nach dreissig Jahren in der Schweiz wieder nach Chile zurückgekehrt und fühlt sich jetzt in seiner Heimat nicht mehr zuhause.

In Putaendo erleben wir ein etwas trauriges Spektakel: Nach einem kurzen Stadtrundgang, die beiden Peter haben sogar die Feuerwehrautos bestaunt, kommen wir zum Hauptplatz zurück. Ein paar Meter von uns entfernt rollt dann plötzlich ein führerloses Feuerwehrfahrzeug über die Strasse und in ein parkiertes Auto, und dieses in das nächste …. bis ans Ende der Kolonne. Der teure Mercedes ist durch den Aufprall ein bisschen kürzer geworden. Wir schätzen uns glücklich, dass wir dort keinen Parkplatz gefunden haben und in einer Nebenstrasse parkieren mussten – sonst ständen wir jetzt so benommen da, wie der Geschäftsmann mit seinem Aktenkoffer.

Nach der Abzweigung führt eine 27 km lange Naturstrasse nach Alicahue. Sie ist zeitweise ziemlich holprig, zwei Mal entschliessen wir uns sogar auszusteigen und Doris allein weiterfahren zu lassen, damit die schwachen Stossdämpfer entlastet sind und die Bodenfreiheit des Mietsuzuki etwas erhöht wird. Über Cabildo und La Ligua geht es dann nach einem interessanten Ausflug auf Asphaltstrasse wieder zurück nach Catapilco.

Donnerstag/Freitag, 28./29. Oktober 2010
Auf dem Weg nach Santiago kaufen wir bei der Copec-Tankstelle zwei Tageskarten (je 4700 Pesos) für das Fahrzeug um ins Zentrum von Santiago fahren zu dürfen..

Das im Voraus reservierte Bed & Breakfast „El Patio Suizo“ ist hübsch, zentral gelegen und sehr freundlich. Auf dem Weg zur Plaza de Armas besteigen wir den kleinen Aussichtspunkt „Cerro Santa Lucía“ und stellen bekümmert fest, dass uns die Stadt vom Boden aus bedeutend besser gefällt als von oben. Auch während der zweistündigen Busfahrt begeistern uns einige der alten und modernen Gebäude.

Die an der Avenida Condell 1308 gelegene Pizzeria ist von aussen unscheinbar und wir sind überrascht, dass uns ein heimeliges Ambiente und zuvorkommende Bedienung erwartet. Ein einziger Salat reicht für alle vier zur Vorspeise und zusammen mit zwei grossen Pizzas ist die Portion genau richtig für uns hungrige Mäuler.

Es ist kalt und in der Nacht schneit es bis weit hinunter und sogar der Cerro Manquehue, Santiagos Hausberg wo Kondore beobachtet werden können, ist schneebedeckt – das ist eine Seltenheit und kommt nur etwa alle fünf bis zehn Jahre einmal vor.

Zum Frühstück sitzen wir an einem grossen Tisch im Esszimmer und bereiten uns mental auf Peter und Monikas neues Wohnmobil vor. Wir werden um halb elf abgeholt und zur Vermietstation gebracht, wo die beiden kompetent betreut werden. Um halb zwei fahren wir aus dem Gelände und gleich hinein in den grossen Verkehr von Santiago. Nachdem wir über Schleichwege (GPS sei Dank) mit nur einem kleinen Verkehrsvergehen – wir fahren über die Busparkplätze – auf die Umfahrungsstrasse gelangen erreichen wir schon bald die Ruta 5, welche uns wieder in den Norden bringt.

Samstag, 30.10.2010
Wir nehmen Abschied von Doris und beginnen unsere vierwöchige Reise mit Monika und Peter. Doris versorgt uns vor der Abfahrt mit Zitronen, Avocados, Mandarinen und Chirimoya aus Juans Plantage und gibt uns noch den schönsten Broccoli, den ich je gesehen habe sowie Stangensellerie und Salat mit auf den Weg.

In Pichicuy machen wir einen Mittagshalt und verspeisen die ersten süssen Mandarinen. In Los Molles machen wir einen Strandspaziergang mit vielen Fotos und kommen nach gut zwei Stunden hungrig zurück.

Das Nachtessen bei Giorgo, dem Pirata Suizo, ist phänomenal – nicht typisch schweizerisch – sondern delikat fantasiereich zubereitet und präsentiert. Nach einem unterhaltsamen Abend schlafen wir direkt zwischen Restaurant und Strand auf einem ruhigen Parkplatz.


Sonntag, 31. Oktober 2010 – Los Molles
Wir kaufen einen frisch gebackenen Zopf zum Frühstück und Apfelstrudel als „Reiseproviant“. Anstatt wie ursprünglich geplant den 150 km nördlich gelegenen Nationalbark Fray Jorge zu besuchen ändern wir auf Giorgios anraten die Route, weil der NP zur Hälfte von Bränden zerstört sei. Die Strecke durch die Berge über die Naturstrasse D-37-E und die Nebenstrassen D-81, D-71, D-55 bis Ovalle sei viel interessanter. Und tatsächlich, denn wir bekommen sogar noch die Gelegenheit, in El Llano einem Chilenischen Rodeo beizuwohnen. Die Austragung der zwanzig Besten mögen wir jedoch nicht mehr abwarten, denn nach einer Stunde haben wir von der gleich bleibenden Wettkampfaufgabe bereits genug gesehen.

Wir kommen gut voran und campieren nahe der wenig befahrenen Hauptstrasse. Um das Fleisch zu braten entfachen unsere Männer ein schönes Feuer, was die Aufmerksamkeit zweier Autofahrer erregt, die wie wild hupen. Erst am nächsten Tag beachten wir etwas weiter nördlich in der staubtrockenen Gegend zwei Schilder mit dem Hinweis „Prohibido encender Fogatas“, was soviel heisst wie „Feuer entfachen verboten“. Nun, es ist gut gegangen und wir werden künftig noch vorsichtiger sein, wo wir unsere Feuerstellen platzieren.

Montag, 1. November 2010 – nördlich von Illapel
Es geht weiter durch hunderte von Kilometern durch ödes Land, nur selten unterbrochen durch kleinere Plantagen, die von weiss wo auch immer bewässert werden können. Es gibt Städte, Dörfer, Ansiedlungen – manchmal mit Friedhöfen, die weit grösser sind als der eigentliche Dorfkern.

Erst dreissig Kilometer vor Monte Patria wird es überraschend grün und der Grund ist ein Wasser führender Fluss. Auch in der Embalse La Paloma, einem Stausee, gibt es Wasser. Das ist absolut nicht selbstverständlich, denn viele Bachbette stauben, wenn man sie durchfährt.

Von Ovalle fahren wir über die Ruta 43 und eine 16 km lange Naturstrasse zur Ruta 5 um die Insel Totaralillo zu besuchen.

Dienstag, 2. November 2010 – Camping Sole di Mare, La Serena/Coquimbo
Dem Strand entlang wandern wir zum Kreuz des dritten Jahrtausend in Coquimbo, das in der kurzen Zeit von nur 10 Monaten errichtet wurde.

Auf dem Rückweg hinunter zum Hafen wählen wir eine offenbar gefährliche Route, denn unterwegs weist uns ein älterer Herr darauf hin, dass wir die Strasse rechts zum Zentrum nehmen sollten, gerade herunter sei es gefährlich. Kurz darauf überholen uns drei Jungs, die sagen: „Geht nicht da runter – die bringen euch um“, untermalt durch die entsprechenden Handzeichen. So biegen wir denn lieber rechts ab und nehmen den sicheren Weg, denn schon ist ein weiterer Junge im Anmarsch, der uns unmissverständlich denselben Rat erteilt. Beinahe wären wir ahnungslos mitten in Coquimbos Drogenumschlagplatz geraten.

Mittwoch, 3. November 2010
In Vicuña können wir für heute Abend 21.00 Uhr eine zweistündige Tour im Observatorium Mamalluca buchen, doch vorerst haben wir anderes im Sinn:

Um 14.00 Uhr beginnt die Tour durch die Pisco-Brennerei in Pisco Elqui. Wir haben diese bereits einmal mitgemacht und sind froh, dass diesmal nicht so viele Leute daran teilnehmen. Weil lediglich das brasilianische Paar den Ausführungen der jungen Dame folgen kann geht es ziemlich rassig voran und um drei Uhr dürfen wir bereits vom Schnaps degustieren. Zum Abschluss gibt’s noch einen ziemlich süssen Pisco Sour und weil wir kaum etwas im Magen haben steigt dieser bei der Hitze fast ein wenig in den Kopf, gut dass sich die Männer an den (von mir bestellten) Fruchtsaft halten, denn so können sie uns sicher wieder zum Tal hinaus chauffieren.

Obwohl der Himmel heute ausnahmsweise nicht wolkenlos ist bekommen wir die Möglichkeit, einige Sterne durch das 12 Zoll Teleskop zu betrachten. Die Nebula Tarantula ist sehr eindrücklich zu sehen und der Jupiter ist mit seinen Monden ganz deutlich zu erkennen. Von den vielen Millionen von Sternen haben nur deren 420 einen Namen.

Wegen des „schlechten“ Wetters bekommen wir noch etwas andere Informationen, so zum Beispiel den Hinweis auf das Gratis-Programm „Stellarum“. Hier kann man den Sternenhimmel virtuell betrachten und diesen für ein bestimmtes Datum und einen gewissen Ort abrufen.

In Südamerika werden die Himmelsrichtungen nach dem Kreuz des Südens bestimmt – in Australien hingegen braucht man noch die zwei „Pointers“ zur genauen Bestimmung des südlichen Pols. Auf der Nordhalbkugel haben wir es ja einfacher, da gibt es den Polarstern und der ist immer am selben Ort.

Donnerstag, 4. November 2010 – Observatorium Mamalluca, Vicuña
Heute ist ein Fahrtag. Nachdem in Vicuña noch die Sonne scheint ist es in La Serena wieder bewölkt. Bei der Tankstelle sagt man uns jedoch, bereits 30 Kilometer weiter nördlich würden wir in die Berge kommen und dort sei es schön – und so ist es denn auch.

Ein Seitenfenster bei Monika und Peters Miet-Wohnmobil klemmt ein bisschen und als er versucht, es ganz zu schliessen geht das dünne Glas gleich in die Brüche. Mit Kalenderblättern und Klebband wird es notdürftig geflickt und morgen werden sie es (hoffentlich) in Copiapó reparieren lassen können.

Freitag, 5. November 2010 – 50 km nördlich von Vallenar beim Asphaltwerk
Frau Henschel von Holiday rent vermittelt eine Firma – die allerdings kein so dünnes Glas verarbeitet. Dort werden wir aber sofort an den richtigen Fachmann weitergeleitet. Dieser besitzt allerdings weder Werkzeug noch Fachwissen um den Rahmen zu demontieren und so beschliessen wir, dies selber zu machen. Für umgerechnet sechs Franken passt „José“ in knapp einer halben Stunde eine neue Scheibe in den Rahmen. Diesen Rahmen dann allerdings wieder zu montieren ist ein anderes Thema – wir bringen es mit vereinten Kräften gerade notdürftig zustande.

Von Copiapó, wo wir bei 30°C noch schwitzen fahren wir an die zirka 50 Kilometer entfernte Pazifikküste, wo tiefe Wolken und Temperaturen von 16°C das Bild etwas trüben. Nach einer langen Fahrt durchs „Nichts“ halten wir auf dem Aussichtspunkt oberhalb von Puerto Viejo. Wir kennen es bereits, doch Monika und Peter staunen ob der Farbenpracht, die sich ihnen unvermittelt bietet – da liegt ihnen wahrhaftig ein malerischer Ort zu Füssen.

Samstag, 6. November 2010 – Camping Bahia Inglesa
Bei Monika und Peter läuft immer etwas – heute früh läuft die Butter zum Kühlschrank heraus. Bei Mietwohnmobilen gibt es öfters Überraschungen, zum Beispiel wenn bei der Übergabe wichtige Erklärungen vergessen werden. So hat der Kühlschrank denn letzte Nacht geheizt und den Inhalt beinahe schon gekocht. Aber nachdem alles überprüft und richtig eingestellt ist funktioniert das Gerät wieder tadellos.

Waschtag – wir benutzen die günstige Gelegenheit und lassen die Wäsche bei bedecktem Himmel in der frischen Meeresbrise trocknen.

In Caldera scheint die Sonne und wir geniessen den Bummel am Fischerhafen und durch das Städtchen. Immer wieder lesen wir auf Plakaten die neue Liegenschaften zum Verkauf anbieten die uns unbekannte „Währungseinheit“ UF. Wir erkundigen uns bei einem Chilenen, der uns aufklärt: 1 UF ist eine Einheit, die im Moment 21000 Chilenische Pesos gilt. Diese erhöhe sich täglich um zirka einen Peso. In Caldera kostet ein kleines Haus auf ca. 300 m2 heute ungefähr 120'000 Franken. Bei einem Angestellten-Lohn von 1'100 bis 1'500 Franken in dieser Region ist das für einen einfachen Bau in Chile extrem teuer.

Es gibt so viel Holz auf dem Platz dass bereits nach kurzer Zeit eine schöne Glut entsteht auf der wir feine Würste braten und leckere Brote backen können. Und zu guter letzt geniessen wir selbst am späten Abend die Wärme des Feuers.

Sonntag, 7. November 2010
Beim nachmittäglichen Strandspaziergang im Nationalpark Pan de Azucar erwischen wir unseren ersten kleinen Sonnenbrand.

Montag, 8. November 2010 – NP Pan Azucar
Trotz Nebelschwaden hoffen wir, dass sich die Wanderung zum Aussichtspunkt lohnt. Viele Eidechsen kreuzen unseren Weg, ein Lama stellt sich in Pose und drei weitere verschwinden plötzlich im Nebel. Von oben eröffnet sich uns der Blick auf unseren letzten Übernachtungsplatz.

In Taltal gibt es anstatt der erwarteten Pelikane riesige Wellen und wir sind ein bisschen enttäuscht, dass unsere Freunde das Spektakel von sich um das Fressen streitender Vögel nicht erleben können.

Übernachtung am Strand – Wolkenverhangen – wir finden ein kleines Stück, wo es noch sonnig ist und wir sogar den Sonnenuntergang erleben können.

Dienstag, 9. November 2010 – nördlich von Taltal
Über die Hochebene, vorbei am Abzweiger zum Observatorium Paranal fahren wir bis zur „Mano del Desierto“, der riesigen Hand mitten in der Atacama Wüste. Wir sind so früh dran, dass wir enscheiden – statt wie vorgesehen an einem Berg irgendwo im Nichts – beim Felsbogen nördlich von Antofagasta zu übernachten.

Mittwoch, 10. November 2010 – La Portada, Antofagasta
Die Fahrt nach Calama auf 2'200 müM verläuft ereignislos und in der Kupferstadt mit 150'000 Einwohnern übernachten wir auf dem Campingplatz. Wir melden uns gleich zur Besichtigungstour in die Kupfermine von Chuquicamata für morgen Nachmittag an.

Wir lernen die beiden Franzosen-Paare Eliane & Jean-Michel sowie Martine & Jean kennen. Den zwei ersteren wurde am 10. Oktober in Viña del Mar das Wohnmobil gestohlen. Vierzehn Tage später wurde es von der Gendarmerie in der Nähe vom Geysir Tatio, 40 Minuten von der Bolivianischen Grenze entfernt, in jämmerlichem Zustand wieder aufgefunden. Es war vollkommen leer und viele Teile wie Alternator, Anlasser, Armaturenbrett fehlten. Jetzt sind sie dabei, die notwendigen Ersatzteile, viele direkt von Frankreich, zu beschaffen und hoffen, innert einem Monat wieder reisefertig zu sein. Martine und Jean haben ihnen sehr viel geholfen, werden übermorgen jedoch weiterreisen.

Donnerstag, 11. November 2010 – Calama
Der Besuch der Kupfermine Chuquicamata ist auch diesmal ein Erlebnis. Die Aussichtsplattform steht nicht mehr am Minenrand, sondern richtig drin – und die Riesenlaster von bis zu 400 Tonnen fahren hautnah an uns vorbei. Die Kupferausbeute liegt heute bei einem Prozent und die Reserven sind für weitere 50 Jahre gesichert. Allerdings soll in Zukunft unter Tag mit Förderbändern abgebaut werden, weil die Transportwege von 10 Kilometern aus der 5 km langen, 3 km breiten und 1 km tiefen Mine zu lang und zu teuer sind.

Einer der insgesamt 100 Riesenlaster kostet immerhin rund 5 Millionen US$ und ist 10 Jahre in Betrieb. Ein einziger Reifen, der bei einer täglichen Transportmenge von 700 Tonnen etwa ein Jahr hält, kostet 40'000 US$. Der Dieselverbrauch beträgt 3 Liter pro Minute und unter den 900 Chauffeuren auf diesen Schwersttransportern gibt es zwei Frauen. Insgesamt arbeiten 20'000 Mitarbeiter in drei Schichten rund um die Uhr.

In Chuquicamata wird das Kupfer extrahiert und zu Kupferplatten verarbeitet, welche per Bahn bis zum Pazifikhafen Mejillones transportiert werden, wo sie auf Schiffe verladen werden und nach Asien (45 %), Europa (30 %) oder USA (15%) gehen. Der Rest wird für den Inlandmarkt gebraucht. Die Produktion beläuft sich auf 1'500 Tonnen Kupfer täglich. www.codelco.cl

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