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2010/2011
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San Pedro de Atacama (Chile) – Caraz (Peru)

11. November – 6. Dezember 2010

Freitag, 12. November 2010
Die heutige Fahrt führt nach San Pedro de Atacama durchs „Valle de la Luna“, wo uns eine fast unwirkliche Landschaft erwartet. Die Formationen ändern von Minute zu Minute und wir können uns fast nicht satt sehen an den verschiedenen Bildern.

Den Sonnenuntergang erleben wir nicht, wie vorgeschlagen, auf der riesigen Sanddüne zusammen mit hunderten anderer Touristen, sondern an einem ruhigen Ort, nahe am Fluss in Catarpe. Ausser dem Plätschern des Wassers ist hier rein gar nichts zu hören.

Samstag, 13. November 2010 – Am Fluss, San Pedro de Atacama
Auf dem Rückweg besuchen wir „El Pukara de Quitor“, die Ruinen eines Inka-Dorfes. Beim Aufstieg zum Aussichtspunkt lernen wir Daniela und Nina, zwei Schweizerinnen kennen und unterhalten uns ganz interessant mit den beiden. Sie sind insgesamt fünf Wochen unterwegs, haben ihre Reise in Lima gestartet und inzwischen schon viel erlebt. Am nächsten Samstag müssen sie bereits wieder in Buenos Aires sein um ihren Rückflug antreten zu können. Da geht es uns doch besser, wir haben noch alle Zeit der Welt und können es gemütlich angehen.

Bei der Laguna Chaxa im Reserva Nacional „Los Flamencos“ gibt es verschiedene Arten von Flamingos und uns begeistern vor allem die eleganten, wenn auch kurzen Flüge dieses Gefieders, das seinen Schnabel sonst immer fressend durchs Wasser bewegt.

Bei der Laguna Cejas dürfen wir freundlicherweise übernachten. Hier ist es ganz ruhig, denn als der Wind abstellt gibt es nicht einmal mehr Wellen und mitten auf dem Salar de Atacama ist es richtig still.

Sonntag, 14. November 2010 – Laguna de Cejas, Salar de Atacama
Das Bad in der extrem salzhaltigen und auch ziemlich kalten Laguna ist erfrischend. Wegen des starken Auftriebs ist es praktisch unmöglich zu schwimmen, denn dann ist der Kopf sofort im Wasser. So lassen wir uns angenehmer einfach auf dem Rücken treiben.

In San Pedro de Atacama schlendern wir durch den Markt und kaufen ein paar Souvenirs. Danach laden uns Monika und Peter zu einem feinen Nachtessen im Restaurant La Estaka ein, wo wir vorher bereits einen Aperitif zu uns genommen und die appetitlichen Menus auf den Tellern am Nebentisch bestaunt haben.

Montag, 15. November 2010 – Camping Los Pernales
Heute machen wir einen Ruhe- und Einkaufstag in San Pedro de Atacama.

Dienstag, 16. November 2010
In der Nacht macht Peter H. eine etwas unangenehme Erfahrung. Jemand steigt bei seinem Mietwohnmobil auf die Treppe und versucht die Türe zu öffnen. Beim etwa dritten Mal erwacht er erst richtig und bewaffnet sich mit Bratpfanne und Messer um den nächsten „Angriff“ effizient abwehren zu können. Als ob die Störenfriede dies geahnt hätten lassen sie von ihrem Vorhaben ab.

Statt morgens um vier Uhr zum Geysir Tatio zu starten um dann in aller Frühe den Ausbruch zu bestaunen beschliessen wir, zwar die Strecke Richtung Geysir zu fahren, dann jedoch ein paar Kilometer vorher nach Calama abzubiegen. Somit reicht es bei Tagesanbruch abzureisen und nicht in der Dunkelheit über die holprige, teilweise kurvenreiche und steile Naturstrasse zu fahren. Unsere Entscheidung lohnt sich doppelt: Die Landschaft durch die Berge ist einzigartig und bei Nacht gar nicht zu sehen, die Schalterei die steilen Strassen hinauf ist für Peter sehr anstrengend und zu guter Letzt treffen wir an der Laguna Chiu Chiu auf Touristen, welche uns die Erklärung dafür liefern, weshalb man den Geysir unbedingt in aller Frühe bestaunen muss. Die Eruption ist lediglich etwa zwei Meter hoch, doch der Dampf steigt in der eisigen Kälte etwa fünf Meter, das ist das eigentliche „Spektakel“.

Stattdessen wollen wir einen weniger bekannten Geysir zwischen Iquique und Colchane besuchen, der zwar etwas näher am Weg liegt, jedoch auch nur über eine ganz schlechte Piste zu erreichen ist – wir lassen uns überraschen. Auf jeden Fall wird Puchuldiza nicht so vermarktet wie El Tatio und er soll der zweitgrösste Geysir in Südamerika sein.

Von Calama bis zu deren Ausgangspunkt Tocopilla begleiten uns auf über 150 Kilometern fast schnurgerader Strasse vier Hochspannungsleitungen. Der erste Teil der heutigen Monsteretappe von über 380 Kilometern war genau so spannend wie der zweite Teil, einfach nur monoton. Das letzte Stück der Küste entlang ist dann noch ganz interessant: Mitten in der Wüste liegt ein Golfkurs und die „Greens“ bestehen, wie alles andere, einfach nur aus Sand und Staub.

Die Idee für unseren Übernachtungsplatz stammt vom Imbiss- und Eierverkäufer in der Einöde an der Kreuzung von Ruta 5 und Ruta 24. Punta del Urcu sei ganz hübsch und so machen wir Halt vor den Sommerferienhäusern in Urco Sur, wo es noch ein bisschen ruhiger ist als im „Hauptort“ auf der anderen Seite des Hügels.

Das GPS zeigt zwar eine Meereshöhe von – 4 m, doch das macht uns keine Sorgen, denn die Häuser stehen etwa auf gleicher Höhe.

Mittwoch, 17. November 2010 – Urco Sur
Weil wir gestern so weit gefahren sind können wir uns heute wieder etwas mehr Zeit lassen und das Frühstück mit Meersicht so richtig geniessen.

Viele Menschen verdienen sich ihren Unterhalt mit dem Sammeln von Algen, was zwar Schwerarbeit bedeutet, ihnen jedoch offenbar ein sicheres Einkommen gewährt. Diese Algen werden zum Beispiel für Kosmetika verwendet.

Knapp 200 Kilometer sind es der Küste entlang bis nach Iquique, wo wir einige Tage bei Philips Flugschule verbringen wollen. Hier ist immer etwas los. Kaum angekommen begrüsst uns Annelies, die mit ihrem Mann per Velo unterwegs ist und die hier einen ganzen Monat Gleitschirm-Ferien verbringen. Wir lernen Alain (auch Schweizer) kennen, der als Gärtner und Chauffeur in der Flugschule arbeitet und sich unsterblich in die Chilenin Berni verliebt hat.

Wir nehmen gleich die Waschmaschine in Beschlag, denn so was gibt es in Chile nicht alle Tage – meistens muss man einen teuren Waschservice in Anspruch nehmen oder von Hand waschen. Hier bezahlen wir für eine 6 kg-Maschine umgerechnet ca. 6 Franken, was bei den teuren Wasserpreisen sicher angemessen ist. Zum Vergleich: In San Pedro hätten wir für nur ein kg schon Fr. 5.-- bezahlen müssen.

Donnerstag, 18. November 2010 - Flugschule Iquique
Gegen Abend fahren wir mit dem Bus ans andere Ende der Stadt ins Zofri (Zollfrei-Einkaufszenter). Wir haben eine Unterwasserkamera auf der Einkaufsliste um in Galapagos auch beim Schnorcheln einige unvergessliche Aufnahmen machen zu können. Die Auswahl ist glücklicherweise nicht riesig, so dass unser Entscheid trotz des relativ hohen Preises relativ schnell fällt. Mit einer Pentax-Kamera, die jedem Wetter gewachsen sein soll und auch einmal einen Sturz in den Sand verträgt, verabschieden wir uns zwei Stunden später aus der fast chaotisch anmassenden Shopping-mall.

Freitag, 19. November 2010
Von der Stadt möchten wir natürlich auch gern etwas sehen. So besteigen wir heute einen Bus, der mit „Centro“ angeschrieben ist und steigen da aus wo wir das Gefühl haben, es gäbe etwas zu sehen. Die Strasse führt uns gleich zur Plaza „Arturo Prat“ mit der im Jahre 1877 gebauten und zum Symbol der Stadt gewordenen Turmuhr in der Mitte.

Samstag, 20. November 2010
Von Iquique fahren wir zum Gleitschirm-Startplatz am Berg oberhalb der Stadt um uns von Philip zu verabschieden. Er ist leider nicht da und so schauen wir den Piloten halt ein wenig beim Fliegen zu.

Unterwegs nach Colchane finden wir am Cerro Unita die Geoglyphe „Gigante del Atacama“. Die nächste Sehenswürdigkeit soll der zweitgrösste Geysir Südamerikas in Puchuldiza sein. Doch dieser hat leider bereits Feierabend als wir gegen vier Uhr nachmittags ankommen. Wir warten auf 4200 müM nicht länger als 30 Minuten, weil unsere Schädel schon ziemlich hämmern und wir noch bei Tag Colchane erreichen möchten. Der windgequälte Ort kann uns jedoch nichts abgewinnen und wir beschliessen, unser Nachtlager etwas weiter nördlich in einem kleinen Dorf aufzuschlagen.

Beim Herunternehmen der Treppe stellen wir fest, dass die Halterungen der kleinen schwarzen Aussenbox Risse aufweisen. Um die Haltebügel zu entlasten demontieren sie die beiden Peter, was in dieser Höhe an ihren Kräften zehrt.

Die Übernachtung auf fast 3800 müM bekommt uns allen nicht gut.

Sonntag, 21. November 2010 - Isluga
Der heutige Tag beginnt deshalb nicht sehr fröhlich. Magen- und/oder Kopfschmerzen machen uns allen zu schaffen und auch die Aussicht auf die heutige unvergessliche Strecke kann unsere Sinne nicht erheitern. Kaffee und heisse Schokolade zum Frühstück fallen aus, stattdessen trinken wir Tee. Trotzdem möchten wir gerne über den Lauca-Nationalpark nach Putre fahren. Doch der Zufall und unsere etwas getrübten Sinne helfen mit, dass wir plötzlich auf einer anderen (falschen) Piste landen und nach etwa 40 Kilometern schwierig-holpriger Fahrt beschliessen müssen, der Route nach Westen zu folgen und somit die nächste Nacht in tieferen Lagen zu verbringen.

Einmal bugsieren wir einen fetten Felsbrocken direkt vor das Auto unserer Freunde, so dass sie erst passieren können, als wir ihn mit gemeinsamen Kräften von der Strasse gerollt haben. Ein anderes Mal übersehen wir einen grossen Stein und erwischen diesen mit dem Hinterrad so. dass wir bedenklich in Schieflage geraten. Peter ist ob der schwierigen Verhältnisse so gestresst, dass er sich nicht einmal an den Viechern entlang dem Wegesrand mehr freuen kann. Richtung Camiña führen schmale Serpentinen hinunter ins Dorf, sie erinnern uns fast ein wenig an den Camino de la Muerte in Bolivien – interessant, aber nicht ganz einfach – von der Vegetation her jedoch überhaupt nicht vergleichbar, denn diese beginnt erst ganz unten im Flusstal, wo viele Gemüsegärten angelegt sind.

Nach Francia finden wir einen angenehmen Übernachtungsplatz in der Nähe eines Flusses auf ca. 2000 müM.

Montag, 22. November 2010 – Francia
Nach wenigen Kilometern folgt ein Aufstieg und dann gibt’s wieder nur Wüste – glücklicherweise waren wir gestern so geschafft von der holprigen anspruchsvollen Fahrt, dass wir rechtzeitig einen Übernachtungsplatz gesucht haben. Jetzt sind es noch 247 Kilometer bis nach Arica. Dort werden wir wieder einmal einen Schweisser beschäftigen müssen um die Haltebügel für die jetzt im Wageninnern platzierte Kiste zu reparieren.

Dienstag, 23. November 2010 – Camping Siumaka
Monika nimmt mich heute mit zum Einkaufen – die beiden Peter lassen derweil unsere Fahrzeuge auf Vordermann bringen. Die Einstiegstreppe vom Mietwohnmobil wird verstärkt und geschweisst und unsere Haltebügel werden fachmännisch repariert.

Um zwei haben wir die Märkte abgeklappert und nehmen mit unseren Männern Kontakt auf. Die SMS lautet: „Hallo, wie weit seit ihr? Wir haben alles Geld ausgegeben und sitzen verzweifelt vor dem Casino – ohne Startkapital. Sollen wir mit dem Taxi zurück oder was? MfG“ Als wir die Antwort erhalten sie seien bereits auf dem Campingplatz nehmen wir uns ein Taxi.

Heute gibt es einen feinen Apéro und dann gehen wir zum Strand um einen faszinierenden Sonnenuntergang zu beobachten.

Mittwoch, 24. November 2010
Bereits um acht Uhr starten wir unseren Ausflug nach Putre und in den Lauca Nationalpark. Peter und ich fahren mit dem Motorrad. Kurz vor Putre stoppt uns die Polizei, verlangt den Führerschein, wünscht uns eine schöne Reise und gibt uns noch den Tipp, unbedingt auch die alte Kirche von Parinacota anzuschauen.

Im hübschen Städtchen Putre ist heute die Einwohnerkontrolle mobil unterwegs. Die Leute können auf der Plaza einen Personalausweis beantragen. Dazu werden sie unter anderem von einem Arzt über ihre Gesundheit befragt. Das alles wird feierlich untermalt mit Musik und ein Fahrzeug mit Lautsprecher fährt durch den ganzen (kleinen) Ort um auf diese „Aktion“ aufmerksam zu machen. Die Gemeinde geht zum Bürger – eine aufmerksame Geste der Behörden.

Am Lago Chungara, 4566 müM, einem der höchstgelegenen Seen der Welt, machen wir mit Blick auf den über 6200 Meter hohen Vulkan Parinacota eine kurze Mittagsrast. Nur 10 km von der Bolivianischen Grenze entfernt kehren wir um. Auf dem Rückweg besuchen wir die ohne jeglichen Nagel gebaute, durch Lamawollstricke gehaltene Kirche in Parinacotta, wo ein bereits 78jähriger Mann Esswaren und „Mate de Coca“ (Kokablättertee) anbietet. Wir hoffen, dass dieser dafür bekannte Tee der Höhenkrankheit ein wenig entgegenwirkt.

Die kurze Wanderung beim Conaf ist anfänglich ein wenig ernüchternd. Wo wir letztes Mal Viscachas (Chinchillas mit Ringelschwänzen) beobachtet hatten gibt es jetzt Vicuñas (Lamas), aber solche haben wir schon zu hunderten bewundert. Fast wieder zurück auf dem Parkplatz rennen uns dann doch noch ein paar der flinken Nager, inklusive Maus, vor unsere Linse und die anfängliche Enttäuschung ist wie weggeflogen. Trotzdem müssen wir schnell weiter, denn wir haben uns überall ein bisschen Zeit gelassen und wollen auf keinen Fall erst bei Dunkelheit in Arica ankommen.

Donnerstag, 25. November 2010
Nachdem die Fahrzeuge gewaschen sind bestellen wir ein Taxi um zum „Morro de Arica“ zu gelangen. Victor, der uns bereits am Dienstag sicher vom Zentrum zurückgebracht hat, holt uns pünktlich um viertel vor fünf ab und bringt uns auf den schön über dem Hafen und der Stadt gelegenen Aussichtspunkt. Der Überblick zur Abendstunde ist wunderschön und wir lassen uns Zeit, die Stadt mitten in der Wüste auf uns einwirken zu lassen. Viele Einheimische die wir fragen, weshalb sie ausgerechnet hier wohnen, geben uns die gleiche Antwort: Sie mögen das übers ganze Jahr milde Klima – im Winter ist es nicht zu kalt und im Sommer nicht unerträglich heiss.

Uns fällt auf, dass die Fahnen auf Halbmast stehen und Peter erkundigt sich ausgerechnet beim Pinochet-freundlichen Glacéverkäufer nach dem Grund. Gestern Vormittag sei ein angesehener Kirchenmann gestorben, den er allerdings absolut nicht gemocht habe, und deshalb seien zwei Tage Staatstrauer angeordnet worden. Wir lernen innert zehn Minuten die politischen Ansichten des über 70jährigen Mannes kennen – wir hören anstandshalber zu und verabschieden uns bei der ersten Gelegenheit um nicht in eine Diskussion zu verfallen, die sowieso fruchtlos wäre, denn unsere Ansichten gehen doch in einigen Punkten extrem auseinander.

Um sieben Uhr warten wir vor dem Casino wieder auf „unseren“ Taxichauffeur Victor. Er kommt in einen 4x4-Fahrzeug an und berichtet, sein Taxi hätte ihn stehen lassen, der Alternator habe sich verabschiedet. Aber so wie er von uns erwartete, dass wir ihn nicht versetzten, genau so fühlte er sich uns gegenüber verpflichtet und hat extra ein Ersatz-Fahrzeug organisiert.

Freitag, 26. November 2010
Monika bringt den Camper innen noch auf Hochglanz, so dass bei der Abnahme nichts beanstandet werden kann. Pablo, der extra von Santiago nach Arica geflogen ist checkt das Fahrzeug erst aussen und bemerkt dann sofort beim Betreten: „very clean“ – das beruhigt uns alle enorm.

Jetzt kommt der Abschied, der uns nicht gerade leicht fällt. Wir essen noch gemeinsam Mittag und lassen Monika und Peter dann nach Hause fliegen. Die vier Wochen Reise von Santiago bis Arica waren für uns alle speziell – obwohl Peter und ich schon einmal hier waren, war doch vieles wieder ganz anders. Die gemeinsame Zeit mit unseren Freunden hat uns sehr gut getan und wir vermissen schon jetzt die gemütlichen Abende zusammen.










Samstag, 27. November 2010 – Camping des Militärs in Villa Frontera
Statt bereits heute über die Grenze nach Peru zu reisen habe ich einen Extra-Tag für Computerarbeit beantragt um Fotos und Tagebuch wieder ein wenig zu aktualisieren

Sonntag, 28. November 2010
Grenzübertritt Chile/Peru. Der chilenische Zoll ist schnell erledigt, nachdem wir von einem peruanischen Taxichauffeur das zur Ausreise benötigte Formular „Listado de pasajeros“ erhalten und ausgefüllt haben. Doch die Peruaner lassen sich Zeit. Wegen der Zeitverschiebung von zwei Stunden sind wir bereits um viertel vor sieben beim Zoll – dieser öffnet jedoch erst um sieben. Es ist natürlich auch noch Schichtwechsel um diese Zeit und das macht die Sache nun etwas kompliziert, denn ausgerechnet unser Beamte fehlt und wir warten eine weitere halbe Stunde bis Peter jemanden findet, der sich bereit erklärt, unsere Formulare zu erstellen. Anfänglich ist der Zöllner etwas mürrisch, bis er dann aber die Papiere kopiert und auf dem PC die Formulare fertig ausgefüllt hat, was eine geschlagene Stunde dauert, ist er etwas aufgetaut und sehr viel freundlicher und wünscht uns eine gute Reise.

Bei der Zollstelle nach Tacna müssen wir die soeben erhaltenen Papiere nochmals vorweisen und nach dem Eintrag ins Register kommt ein weiterer Stempel drauf. „buen viaje“ und tschüss!

Wir sind in Peru und reisen weiter durchs „Nichts“, wie Monika und Peter bei der Fahrt durch die Atacama-Wüste oft zu sagen pflegten. Dieses ist zwar (wegen des Dunsts) nicht klar und deutlich, aber genauso unübersehbar wie in Chile zu erkennen.

Wir kommen bereits um drei Uhr in Arequipa an und finden den Stellplatz bei Victoria auf Anhieb. Dort treffen wir wieder auf unsere holländischen Bekannten Ronald und Rini, die uns erzählen, dass letzte Nacht vier Fahrzeuge hier gestanden hätten.

Montag/Dienstag, 29./30. November 2010
Mit Rini und Ronald tafeln wir superlecker im Restaurant ZigZag, das uns von mehreren Leuten empfohlen wurde – dahin werden wir bestimmt zurückkehren und uns noch einmal mit einem hervorragend zubereiteten Menu verwöhnen lassen.

Das Kloster Santa Catalina sollte man unbedingt gesehen haben. So lassen wir uns denn von dem relativ hohen Eintrittspreis von 35 Soles (ca. 13 Fr.) nicht zurückschrecken und leisten uns auch noch den Luxus einer deutsch sprechenden Führerin. Innert einer Stunde lernen wir so einen Teil der Geschichte des riesigen im Jahre 1579 erbauten Klosters kennen. Es ist sozusagen eine Stadt in der Stadt auf einer Fläche von über 20'000 m2. Wir schlendern ein wenig durch die Stadt und nehmen dann einen Drink mit Blick auf die Plaza de Armas, von wo uns wenig später unsere Stellplatz-Nachbarn erspähen und sich zu uns gesellen.

Mittwoch, 1. Dezember 2010
Die Landschaft ist immer noch wüstenartig und nicht wahnsinnig interessant, so schenken wir den Verkehrsschilder manchmal etwas genauere Beachtung: Dass auf der Fahrbahn keine Reifen verbrannt werden dürfen versteht sich von selbst – oder doch nicht? Auch darauf dass keine Steine oder sonstigen Hindernisse auf der Fahrbahn belassen werden sollen wird des Öfteren hingewiesen. „No bote basura“ - keinen Abfall wegwerfen, aber wohin damit? Wir legen ihn immer in Abfalleimer und wundern uns manchmal was hinterher damit geschieht. Einmal wird er jedenfalls an die Strasse gestellt, wo er von Hunden oder Vögeln auseinander gerissen wird, bevor die Kehrichtabfuhr die noch „intakten“ Reste einsammelt.

Die Strassensteigungen werden manchmal auf den Tafeln so steil angezeigt, dass die Autos eher Raketen gleichen, die in den Himmel geschossen werden; die Neigung abwärts andererseits so, dass das Fahrzeug glatt im Boden stecken bleiben würde.

Sogar bei doppelter Sicherheitslinie fordert ein Schild auf: Bleiben sie bitte rechts – als ob das nicht selbstverständlich wäre? – In Peru ist halt alles ein bisschen anders… Manchmal wird zum Überholen rechts geblinkt und zum Einbiegen dann links – verstanden? Peter meint zwar, es sei schön dass man in Peru die Leute wieder verstehe – stimmt, sie sprechen Spanisch – aber sonst verstehen wir einiges (noch?) nicht.

Überholverbote gibt es, aufgehoben werden sie jedoch nie. Desgleichen hat es Geschwindigkeitsbegrenzungen (35 kmh) durch bewohnte Gebiete und es ist oft schwierig abzuschätzen, ab wann man wieder schneller fahren darf.

Innerhalb weniger 100 Meter stehen die drei Schilder Gefahr von Sand auf der Fahrbahn, Gefahr von Geröll auf der Fahrbahn und Nebelzone. Wir haben heute Glück und werden wenigstens vom Nebel verschont.

Nach der knapp 10stündigen Monsteretappe kommen wir gegen vier Uhr in Nazca an. Peter ist geschafft und geht bereits vor acht ins Bett. Na dann, gute Nachtruhe!

Donnerstag, 2. Dezember 2010 – Maison Suisse, Nazca
Beim Hotel Maison Suisse scheint heute früh der Strom ausgefallen zu sein, so öffnet sich denn für uns das elektrische Tor nicht wie von magischer Hand. Im Gegenteil, es braucht drei Mann, rohe Gewalt – und etwas Geduld – um den Riegel zu lösen und das schwere Tor aus dem Weg zu schieben.

Vor drei Jahren haben wir die Linien von Nazca aus dem Flugzeug bestaunt. Einmal im Leben diese Tortur zu überstehen ist mehr als genug, zudem hat es dieses Jahr bereits zwei tödliche Flugunfälle mit insgesamt 12 Toten gegeben. Es ist für uns also ganz klar, dass wir uns von niemandem zu einer neuerlichen Tour überreden lassen werden. Vom Turm aus, der an der Panamericana gebaut wurde, sieht man auch zwei Bilder: das Lama und den Baum.

Und dann beobachten wir noch etwas: Ein Flugzeug. Ganz anders als noch vor kurzem wird jetzt viel sicherer geflogen – leiser, feiner und nicht mehr so brüsk, dass sich die Passagiere bereits nach ein paar wenigen Steilkurven übergeben müssen. Heute könnte es sich also tatsächlich lohnen, die Scharrbilder nochmals in aller Ruhe zu überfliegen und zu betrachten. Wir erfahren, dass nur noch drei der bisher zwölf Fluggesellschaften die Nasca-Linien überfliegen dürfen und die Sicherheitsstandards erheblich verbessert worden seien.

Manchmal haben wir die trostlose Gegend ein bisschen satt und freuen uns schon daran, wenn die Berge, wie hier im Norden von Nasca, etwas „farbiger“ werden. So lockern rot und grünlich getönte Höhenzüge das monotone Grau ein wenig auf bevor es dann wieder ins gewöhnliche braun/grau übergeht.

In der Region Ica werden Früchte und Gemüse kultiviert. Im Flachen ist es deshalb wunderbar grün, die Hügel und Berge hingegen sind genau wie weiter südlich kahl und öd. Es gibt Melonen, Trauben, Avocados, Tomaten, Obst und viele Tropische Früchte deren Bezeichnung wir nicht kennen.

Dem Meer entlang wird es zum ersten Mal leicht neblig und auch kühler. Die 20°C empfinden wir jedoch recht angenehm, zum Baden ist uns das Wasser sowieso zu kalt.

Freitag, 3. Dezember 2010 – Santa Maria, 40 km südlich von Lima
In Lima ist der Verkehr enorm und uns erscheint das Chaos fast noch grösser als damals in El Alto (La Paz, Bolivien), was bisher unsere extremste Erfahrung an Rücksichtslosigkeit darstellte. Als wir schon das Gefühl haben langsam aus der Stadt herauszukommen zeichnet sich eine zusätzliche Erschwernis ab: Der Schwerverkehr wird von der Panamericana weg auf eine Umfahrung geleitet, die anfänglich sehr gut und dann plötzlich nicht mehr so klar markiert ist. So passiert es, dass wir auf einmal fast leere Strassen in einem extrem ruhigen Viertel antreffen und darob ziemlich nervös werden. Peter meint, wir hätten uns zu sehr von der Route entfernt. So stopp0en wir für einmal freiwillig bei einer Polizeikontrolle um nach dem Weg zur Panamericana Norte zu fragen. Dabei haben wir gleich dreifaches Glück: Der Polizist begrüsst uns sehr freundlich und zeigt auf die nahe Autobahn ein paar hundert Meter voraus, zudem werden wir von einer Kontrolle verschont.

In der Metzgerei Otto Kunz werden Wurstwaren nach Schweizer Tradition hergestellt, Cervelats sehen wir jedoch keine. Trotzdem kaufen wir ein paar Sachen ein, nach denen uns gerade gelüstet.

Unseren angepeilten Schlafplatz 105 km nördlich von Lima im „Reserva Nacional de Lachay“ erreichen wir schon zur Mittagszeit. Dieses Naturreservat ist zwar nichts wirklich Spezielles für uns, aber nach der unendlichen Wüste in letzter Zeit eine wunderbare Abwechslung. Zudem ist es ganz offiziell erlaubt ein Feuer zu machen, so können wir unser Fleisch wieder einmal grillen und leckeres Brot backen. Leider gibt es im Moment Hochnebel, doch das hält uns nicht davon ab, eine kleine Wanderung zu unternehmen.

Samstag, 4. Dezember 2010 – Reserva Nacional de Lachay
Bis nach Caraz sind es über 350 km teilweise kurvenreiche Strasse, deshalb starten wir bereits um 06.45 – hinab ins Nebelmeer – damit wir unser angestrebtes Ziel bereits am frühen Nachmittag erreichen werden.

Die Natels sind schon ein Segen für uns, denn oftmals schenken die Polizisten diesen Geräten weit mehr Beachtung als dem vorbeifahrenden Verkehr.

Doch es kommt natürlich alles ein bisschen anders. Die ersten etwa 200 Kilometer laufen wie am Schnürchen, bis auf über 3700 müM dichtester Nebel einsetzt, die Sichtweite beträgt noch ca. 10 Meter. 12 Kilometer etwa dauert dieser Spuck und als wir in Conococha die Passhöhe von 4100 müM erreichen ist die Sicht plötzlich wieder klar. Das Wetter ist zwar nach wie vor schlecht, aber wir sind sehr erleichtert, dass es wieder zügig weiter gehen kann. Es kommen dann noch ein paar Baustellen mit teilweise langen Wartezeiten sowie eine neue tadellose Naturstrasse, die jedoch wegen des Regens unser Fahrzeug so verdreckt, dass man seine ursprüngliche Farbe kaum mehr erkennen kann.

Peter freut sich schon, wenn endlich wieder Teer kommt – doch zwischen Huaraz und Caraz erwartet uns die in Peru bisher miserabelste Strasse. Sie ist voller Löcher und allen auszuweichen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Statt wie geplant vor zwei Uhr kommen wir deshalb erst etwa um vier auf dem Camping in Caraz an.

Wir essen heute einmal peruanisch: Einheimisch gemischten Salat, Quinoa-Crèmesuppe mit Champignons, Yucca-Tortilla mit Schafkäse und Milanesa de Pollo mit Pommes-Frites (na ja, das ist vielleicht nicht ganz so typisch, aber fein ist es alleweil).

Sonntag, 5. Dezember 2010 – Los Pinos Lodge und Camping, Caraz
Morgens in aller Frühe hören wir bereits Schüsse. Es ist Sonntag, haben die denn keine Kirchenglocken? Auf der Plaza erfahren wir dann, dass eine Parade der Polizei stattfindet. Wir schauen dem Geschehen eine Zeitlang zu und nehmen, wie alle anderen unsere Hüte bei der Nationalhymne ab.

Im mit Touristinfo angeschriebenen Reisebüro PONY’S Expeditions erhalten wir von Alberto recht genaue Auskunft über die Entenschlucht, den „Cañon del Pato“, wo es zwar einiges zu sehen gibt, aber ganz sicher keine Enten. Er ist so freundlich und widmet uns seine Zeit, dass wir versprechen, ihm eine Schokolade vorbeizubringen. Seine Adresse geben wir dann auch gleich an das mallorquinische Paar Eva und Sergio weiter, welches in Caraz verschiedenes unternehmen möchte. Zu guter Letzt entschliessen wir uns für morgen einen gemeinsamen Ausflug zu buchen.

Cordillera Blanca
Auf einer Breite von nur 20 km türmen sich hier über 50 Schnee- und Eisgipfen, die höher sind als 5700 m. Der Huascaran ist mit 6768 m der höchste Berg Perus. Das Hochtal hier heisst Callejon de Huaylas und der Hauptort ist Huaraz. Der Rio Santa fliesst durch dieses Tal und es wachsen Palmen und Eukalyptusbäume – und das auf über 3000 müM. Das Tal wurde mehrmals von Erdbeben und Naturkatastrophen heimgesucht. Die Erdbeben verursachten Bergstürze und brechende Gipfelgletscher, die dann in Gletscherseen stürzten. Als 1982 eine gigantische Lawine aus Geröll, Wasser, Eis und Schlamm ins Tal herunterstürzte begrub sie grosse Teile der Dörfer Huaray, Recuay und Yungay mit etwa 70’000 Menschen unter sich.

Auf der Pazifikseite befindet sich die Cordillera Negra, deren höchste Gipfel nur um die 5000 m sind und die kaum je mit Schnee bedeckt werden.

Montag, 6. Dezember 2010
Ausflug zur Laguna Parón
Pünktlich um sieben Uhr werden wir von Jorge mit seiner bequemen 4x4 Camionetta „made in China“ beim Hotel abgeholt. Total 100 Soles (ca. Fr. 35.--) für einen sechsstündigen Trip mit vier Personen erscheinen uns im Gegensatz zu einer Mountainbike-Miete von 50 Soles pro Tag regelrecht günstig. Unser Fahrer führt uns sicher über die 31 Kilometer lange Schotterpiste auf 4200 müM, wo wir zwei Stunden mit wandern und fotografieren verbringen können. Der steile Aufstieg auf den nahen Hügel um zumindest einen kurzen Blick auf den einzigen heute sichtbaren etwa 6000 Meter hohen Gipfel einzufangen ist es wert, die Strapazen auf uns zu nehmen. Wir sind gerade noch rechtzeitig vor den aufziehenden Wolken da, denn auch heute wird es, wie in den vergangenen Tagen schon, am Nachmittag stark bewölkt sein und gegen Abend zu regnen beginnen. Der heutige Ausflug hat sich wirklich gelohnt, so dass wir fast etwas bedauern, nicht noch die Exkursion in die Cordillera Negra zu machen, auf der wir eine der seltensten Pflanzen der Welt, die bis zu zehn Meter hohe Puya Raimondii, ein Bromeliengewächs das zwischen 3500 und 4500 müM gedeiht, bestaunen könnten. Doch unsere Reise nach Norden soll weitergehen…

© by Peter und Ruth Zaugg | Das Kopieren und/oder Weiterverwenden von Inhalten ist untersagt. | Website © 2017 by x1024.ch