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2010/2011
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Otavalo (Ecuador) – Villa de Leyva (Kolumbien)

2. Dezember 2010 – 17. Januar 2011

Mittwoch, 29. Dezember 2010 – Camping Rincon del Viajero, Otavalo
Der Platz ist schön und der Ort gefällt uns so gut, dass wir beschliessen, hier Silvester und Neujahr zu verbringen. Sonst müssten wir nämlich bereits morgen weiterreisen weil wir über die Feiertage in Kolumbien keine Versicherung abschliessen können. Zudem würden wir einiges verpassen, das wir doch gerne kennen lernen möchten.

Auf dem Früchte- und Gemüsemarkt machen wir ein paar kleine Besorgungen und erhalten einen guten Tipp für Silvester – schauen wir mal ob das klappt…

Donnerstag, 30. Dezember 2010
Obwohl es am Morgen leicht regnet beschliessen wir, den „Parque del Cóndor“ zu besuchen. Mit dem Taxi treffen wir gerade rechtzeitig zur „Flugshow“ um 11.30 Uhr ein. Das Naturschutzzentrum wurde von der Niederländischen Regierung finanziert. Es gibt, neben den Kondoren, Eulen, Falken und Adler, die teilweise in kleinen Käfigen in Gefangenschaft gehalten worden waren oder irgendwo verletzt aufgefunden und ins Zentrum gebracht wurden. Keines dieser Tiere wird je wieder die Freiheit geniessen können. Weil sie die Nähe von Menschen gewohnt sind würden sie sich, vor allem bei Futterknappheit, immer wieder den Menschen nähern. Die flugfähigen Tiere dürfen täglich zwei Mal fliegen – mit Leckerbissen geködert kommen sie immer wieder zurück und da es hier keinen (Auf)Wind gibt sind die Flugphasen äusserst kurz.

Wieder einmal treffen „alte Bekannte“ auf dem Campingplatz ein – Gerlinde und Horst werden auch dieses Jahr mit uns Silvester feiern. Wir freuen uns, denn jetzt kommt bestimmt ein schönes Lagerfeuer zustande.

Silvester 2010
Das alte Jahr zeigt sich versöhnlich, der letzte Tag im alten Jahr ist der schönste, den wir seit über zwei Wochen erleben. Sonnenschein und Wärme erheitern unser Gemüt.

Die Silvester-Bräuche in Otavalo und Atuntaqui haben etwas gemeinsam – das alte Jahr abzuschliessen und die bösen Geister zu vertreiben.

Von Otavalo bringt uns das Taxi für 7 US$ (normalerweise nur 5 $) in 20 Minuten nach Atuntaqui. Der Umzug beginnt um vier Uhr und wir sind pünktlich da um dem bunten Treiben, das bei uns als Fasnachtsumzug bezeichnet würde, mitzuerleben. Die Zuschauer stehen reihenweise dicht am Strassenrand, wenige haben sich schon sehr früh auf den Tribünen ab der Plaza einen Sitzplatz ergattert, die Verkäufer von kleinen hausgemachten Häppchen und Süssigkeiten nutzen die Gelegenheit ihre Ware an die Leute zu bringen.

Am Umzug nehmen enorm viele als Frauen verkleidete Männer teil. Eines der wohl auffälligsten Sujets ist der FIFA-Funktionär der dieses Jahr mit Drogen erwischt und hinter Gitter gesetzt wurde. Unser „Nachbar“ soll aus einem Fotoalbum eine Frau auswählen und erhält eine Spezialofferte. „!Solo diez dolares para usted!“ (Nur 10 $ für Sie). Die Ideen sind vielfältig und wir lachen gern mit den vielen fröhlichen Menschen.

Mangels Taxi nehmen wir für die Rückkehr einen bereits überfüllten Bus zurück nach Otavalo und bei einem kleinen Bummel durch die Stadt sehen wir die mit viel Fantasie und Geschick hergestellten „Muñecos“ (Puppen), die dann um Mitternacht auf der Strasse mit Benzin übergossen und verbrannt werden. Für die Autos gibt es sanfte Strassensperren und manchmal muss alle paar Meter „Zoll“ bezahlt werden. Der Taxifahrer welcher uns von der Stadt zum Camping bringt erklärt uns, dass dieses Geld gesammelt wird um Benzin fürs Feuer kaufen zu können.

Da Horst bei uns ist brauchen wir uns um „unser“ Feuer keine Sorgen zu machen. Er braucht kein Benzin um ein Campfeuer zu starten, ihm reichen die dörren Eukalyptuszweige und ein Streichholz und schon lodert es lichterloh.

Neujahr 2011
Auch das neue Jahr beginnt mit einem wunderschönen Tag. Es ist richtiggehend heiss und auf dem bekannten Indianermarkt in Otavalo müssen wir unsere Häupter bedecken, dass uns die Sonne nicht verbrennt. Es ist interessant, dem Treiben zuzuschauen und wir bekommen richtig Lust uns auch mit ein paar Souvenirs einzudecken.

Sonntag, 2. Januar 2011
Nach nur drei Wochen in Ecuador stehen wir bereits wieder an der Grenze – diesmal bei der Internationalen Brücke „Rumichaca“ zwischen Tulcán (EC) und Ipiales (COL). Am Sonntag ist es um die Mittagszeit immer ein bisschen schwierig, die für uns wichtigen Beamten sind beim Essen und einmal mehr ist Warten angesagt. Um Punkt 14.00 werden wir dann aber freundlich empfangen und dürfen die Fahrzeugpapiere für die temporäre Einfuhr in Ecuador abgeben.

Bei der Einreise geht es, trotzdem die Papiere neu ausgefüllt werden müssen, viel schneller als in Ecuador, obwohl wir zuerst noch Kopien von Fahrzeugausweis, Führerschein und Pass organisieren müssen.

Mit gemischten Gefühlen reisen wir in Kolumbien ein. Die wenigen Informationen, die wir von anderen Reisenden erhalten haben sind zwar durchwegs positiv, doch die Einheimischen selber sehen die Situation nicht ganz so rosig und warnen uns eindringlich gewisse Gegenden unbedingt zu meiden. Das Signal auf dem Bild bedeutet allerdings: „Gefahr – einspurig“. Wegen der vielen Regenfälle gibt es überall Hangrutsche und viele Strassen sind beeinträchtigt.

Nur etwa 500 Meter nach der Grenze finden wir ein Hotel, wo wir auf dem unteren Parkplatz sicher übernachten dürfen. In den Sälen des Restaurants sind verschiedene Feste im Gang und alles ist hübsch dekoriert. Die Kinder in ihren Festtagsgewändern tummeln sich auf dem Spielplatz und die Mädchen mit ihren schneeweissen Röcken sitzen fröhlich auf der Schaukel.

Montag, 3. Januar 2011 – Beim Hotel Mayasquer, Ipialess, Kolumbien
Unser erster Tag in Kolumbien ist kühl, nass und nebelverhangen. Die obligatorische Unfallversicherung für unsere Fahrzeuge(SOAT) kaufen wir im Supermarkt Alkosto in Ipiales. Wegen der schlechten Wetterverhältnisse sehen wir leider noch nicht viel vom Land und die Fahrt durch die tiefe Schlucht mit den steil abfallenden Hängen ist etwas gruselig, denn unten liegt dichter Nebel und wir sehen über weite Strecken gar nicht bis zum Fluss hinunter.

Bei einer Tankstelle treffen wir Heidi und Thomas mit ihrem Wohnmobil, die von Cartagena nach Panama verschiffen wollen. Sie fahren gleich mit uns zum angesteuerten Übernachtungsplatz in Patia. Kurz vorher werden wir erstmals von der Polizei kontrolliert und Peter muss ihnen den Pass und das Einreisepapier fürs Wohnmobil vorweisen.

Dienstag, 4. Januar 2011 – Parador Turistico, Patia
Die Sonne scheint, der Himmel lacht – und wir auch. Grund genug, einen Faulenzertag zu verbringen und das schöne Schwimmbad zu geniessen. Peter ist allerdings wieder einmal erkältet und versucht, sich mit Halsschmerz-Tabletten zu kurieren, leider bisher nicht sehr erfolgreich.

Mittwoch, 5. Januar 2011
Heidy und Thomas senden uns eine SMS, ob wir vor Popayan auf sie warten würden, sie müssten eine Versicherung abschliessen. Kein Problem, wir helfen gern. Die Polizei hat die beiden kontrolliert und gemerkt, dass sie ohne Versicherung fahren.

Wir sitzen gemütlich im Shoppingcenter und wundern uns, dass die Klimaanlage plötzlich so laut, stark und kalt von der Decke herunter bläst. Es dauert ein Weilchen bis wir merken, dass es der Regen ist, der auf das Dach prasselt und die Abkühlung von aussen in den offenen Raum dringt.

Alfred ist Pater von der Bethlehem-Mission Immensee und wohnt in Popayan. Er hat von den Sicherheitsleuten die den 24Stunden-Parkplatz bewachen erfahren, dass zwei Schweizer-Wohnmobile da stehen und freut sich, dass Heidy ihn spontan zu einem Besuch bei ihnen einlädt. Padre Alfredo ist 76jährig und seit 1972 in Kolumbien. Wieder in die Schweiz zurückzukehren kann er sich nicht vorstellen.

Consuelo, seine Mitarbeiterin, hat ihn hergebracht und steht zusammen mit dem Verwalter des Parkplatzes, Luis Alberto, etwas abseits. Ich geselle mich kurz zu ihnen und bekomme ein paar interessante Informationen. Wegen der Fahrzeugversicherung sind wir ja gemeinsam mit Heidy und Thomas hier. Die Busse für das Fahren ohne Haftpflicht-Versicherung ist genau so hoch wie der diesjährige Mindest-Monatslohn: 532.500 Pesos, etwa 275 Franken.

Peter hustet und Luis Alberto macht sich mit Consuelo auf den Weg um Saúco, die kräftige weisse Blüte des Holunderbaumes, zu finden. Diese lässt man in heisser Milch zugedeckt ziehen, siebt sie ab und trinkt sie vor dem Schlafengehen.

Donnerstag, 6. Januar 2011 – Popayan - 24 h Parqueadero Santa Catalina
Das heutige Reiseziel ist Cali, nur etwa zwei Stunden von Popayan entfernt. Wir haben von der Frau von Peters Cousin die Adresse ihrer Brüder in Kolumbien erhalten und möchten diese gern besuchen.

Einer ist Arzt und arbeitet in einem Spital. Er wohnt in einer eingezäunten Einfamilienhaus-Siedlung mit Sicherheitspersonal in einem Vorort von Cali, wie das hier für den Mittelstand oft üblich ist. Obwohl alles sehr hübsch und gepflegt ist, könnten wir uns wohl kaum daran gewöhnen beim Weggehen jedes Mal dieses schwere Eisentor passieren zu müssen.

Um zwölf Uhr stehen wir bereits beim Haupteingang zur Hacienda, auf deren Grundstück bisher insgesamt zehn Siedlungen mit je über 50 Häusern erstellt wurden. Wir stellen uns kurz vor das Büro und die Musterhäuser um vom zufällig entdeckten freien Internet mit wifi zu profitieren. Alberto hat ein Mail mit den genauen Daten geschickt und eine Viertel Stunde später stehen wir bereits bei der Pforte zu ihrem Quartier. Bis unser Wohnmobil endlich am richtigen Platz steht müssen wir einige Male umparkieren – die Verwalterin, und nicht nur sie, haben sich offensichtlich von der Grösse unseres Fahrzeuges keine Vorstellung machen können. Deshalb ist ein wenig improvisieren gefordert – mit dem Unterfahrschutz in Offroadstellung können wir näher an die kleine Hecke heranfahren ohne die Pflanzen zu beschädigen.

Wir werden von unserer Gastgeberin Mireya gleich zu einem ganz typisch kolumbianischen Essen eingeladen: Sancocho, eine Suppe mit Hühnerbeinen, Kartoffeln, Yucca und grünen Kochbananen. Dazu serviert sie eine süsse Banane, Reis, eine Peperoncini-Sauce und gemischten Avocadosalat. Diese Küche schmeckt superlecker! Das Dessert besteht aus Süssigkeiten, die allesamt ganz fein munden.

Die Stadt Cali ist von der Bergkette „Farallones“ hufeisenförmig umgeben und gegen Abend fährt uns Alberto ins Zentrum zum Indianermarkt, wo viele von Hand hergestellte Kleider und Accessoires verkauft werden. Es ist schon dunkel als wir auf dem Aussichtspunkt mit dem Denkmal von Sebastián Belalcazar ankommen und die Stadt in ihrem Lichterglanz bewundern können.

Die Kirche San Antonio aus dem 16. Jahrhundert gilt als die älteste Kirche Kolumbiens. Von da geht es weiter zum Katzenpark am Río Cali, der Jung und Alt auf seine Art begeistert.

Auf dem Heimweg besuchen wir Albertos Mutter in ihrem sehr hübschen Haus. Hier werden wir mit den in Kolumbien typischen Empanadas in Triangel-Form verwöhnt. Dazu gibt es, wie scheinbar fast zu jedem Essen, eine feine, nicht allzu scharfe Sauce mit roten Peperoncini.

Freitag, 7. Januar 2011 – Jaramundí
Nach dem kleinen Frühstück im Wohnmobil verwöhnt uns Mireya mit Arepas (runden getoasteten Maisfladen) und Rührei.

Peter hat einen hartnäckigen Husten und bevor Alberto ihm einen Hustensirup verabreicht misst er seinen Blutdruck. Es ist alles in Ordnung, die Behandlung kann beginnen. Er erklärt uns, dass die Gefahr einer Lungenentzündung sehr gross ist weil wir oft in die Höhe und wieder ins Tiefland fahren und sich damit der Druck auf die Bronchien verändert. Der Hustensirup erweitert die Bronchien und lässt den Sauerstoff besser zirkulieren.

Zum Mittagessen kommen noch mehr Gäste: Valerias Grosseltern und Claudia, eine Freundin des Hauses. „Frijoles“ (dunkle Bohnen) mit grünen Bananen, ebenfalls ein typisch kolumbianisches Essen, und die gut gewürzten Schweinsnuggets schmecken hervorragend. „Manjar blanco“ ist eine süsse Masse, wie Nidletäfeli, die auf den Dessertteller gehört. Auch zusammen mit der Schokoladetorte schmeckt es super.

Wird es regnen oder nicht? Wir wollen trotzdem das Schwimmbad der Siedlung geniessen und schwimmen zusammen mit Valeria ein paar Züge im kühlen Wasser, bis es dann plötzlich heftig zu regnen und gewittern beginnt. Das heisst allerdings, dass auch unser Ausflug in die nähere Umgebung ins Wasser fällt. Dies gibt uns wiederum Gelegenheit etwas mehr über Kolumbien zu erfahren.

Wegen des hohen Verkehrsaufkommens gibt es in Cali das Projekt „Pico y Placa“ (Hauptverkehrszeit und Nummernschild): Die Fahrzeuge mit den Endzahlen 1+ 2 dürfen am Montag zu den Hauptverkehrszeiten nicht in die Stadt fahren, 3 + 4 trifft es am Dienstag, 5 + 6 ….

Koka: Ein Riesenthema sind die Drogen und die Prävention beginnt bereits im Kindergartenalter unter dem Slogan „La mata que mata“ (der Strauch der tötet). Von Kokain wird nicht nur geredet, sondern den Kindern werden die Originaldrogen in den verschiedenen Verkaufsformen gezeigt. Es gibt zum Beispiel Sticker, die mit der Zunge abgeleckt und auf die Haut geklebt werden können. Drogenhändler verschenken solche Kleber, deren Leim sie vorher mit Kokain versetzt haben und erzeugen so Abhängigkeit bereits bei den Jüngsten. Deshalb wird in der Schule gelehrt, von niemandem ausser von den eigenen Eltern solche Sticker anzunehmen.

Etwas anderes ist Burundunga (Escopolamina), das oft zu kriminellen Zwecken eingesetzt wird und sofort tödliche Folgen haben kann. Scopolamin ist absolut geschmack- und geruchlos. Es verursacht temporäre Amnesie und die mit dieser Droge narkotisierte Person kann sich an absolut nichts erinnern, was sie während zwei oder drei Tagen getan hat oder was ihr widerfahren ist. Das Opfer wird ausgeraubt, gibt den zum Geldbeziehen richtigen PIN-Code an, und vor allem Frauen werden hinterher noch schädlich missbraucht. Geschädigte mit den Symptomen einer solchen Betäubung müssen vom Arzt in ein künstliches Koma versetzt werden um die Entzündung im Gehirn zu mildern und die körperlichen Beschwerden wie unter anderem Dehydration, vorübergehende Sehbehinderung, Fieber und andere Schmerzen stressfrei zu lindern. Die Patienten haben hinterher keinerlei Kenntnis davon, was mit ihnen passiert ist, es fehlen einfach ein paar Tage in ihrem Leben und so etwas kann für einen Menschen der reinste Horror sein.

Wir breiten mehrmals täglich die Landkarte aus und erfahren, dass es unverantwortlich sei, von der Hauptroute abzuweichen. Auf der einen Strecke wurde letzthin wieder ein Bus verbrannt. Im südlichen Grenzgebiet zu Peru und Ecuador sind 10’000 Militär stationiert um die Guerillas zu beeindrucken. Ob sie wirklich etwas bewirken können ist fraglich, denn immer noch sind tausende von Geiseln in der Gewalt der Farc und niemand weiss genau, wo sie versteckt gehalten werden.

Todesursachen: An der Spitze steht die Gewalt. In Cali entfallen 45 % der Todesfälle auf unter 18jährige, davon sind 80 % auf Gewalt-Verbrechen und Verkehrsunfälle im Zusammenhang mit Drogen zurückzuführen. Erst an zweiter Stelle kommt dann Herzversagen. Das führt dazu, dass die durchschnittliche Lebenserwartung in den Städten zwischen 65 und 70 Jahren liegt. Auf dem Land ist sie um 10 Jahre höher, 75 – 80 Jahre.

Unwetter: Das Dorf Gramalote, 400 km nördlich der Hauptstadt Bogotá an einem Hang liegend, wurde Ende letztes Jahr innert drei Tagen durch Erdrutsche vollständig ausgelöscht. Die Einwohner konnten evakuiert werden und Kolumbiens Präsident versprach, das Dorf an einem sicheren Ort wieder aufzubauen. Insgesamt sind weit über 2 Millionen Menschen von den Auswirkungen der seit über 50 Jahren schwersten Regenfälle betroffen.

Ach, und ein „cooles“ Wort lernen wir auch noch: chévere (tschéwere). Das tönt für uns zwar nicht spanisch, aber es ist cool, oder super, oder lässig, oder toll …..

Samstag. 8. Januar 2011
Alberto hat heute Sprechstunde in Palmira, einem Ort nordöstlich von Cali, und weil wir sehr früh wegfahren wollen um die Stosszeit in der Stadt zu vermeiden, schlägt er vor, dass wir gemeinsam fahren. So kommen wir in Rekordzeit und vor allem auf dem schnellsten Weg ans andere Ende der Stadt (den Abzweiger über die schmale Strasse hätten wir ohne „unseren Pilot“ nie gefunden). In Palmira gibt es so viele Radfahrer, dass im Durchschnitt jeder Einwohner ein Fahrrad besitzt. Auf der Autobahn überholen wir mehrere grosse Gruppen, die bereits am frühen Morgen in der Kühle ihr Training absolvieren.

Schon vor Mittag treffen wir auf der Hacienda Bambusa ein. Dort erwarten uns überraschenderweise Heidy und Thomas, die beschlossen haben, an diesem wunderschönen Ort einen Kurzurlaub in den Ferien zu verbringen. Denn das schnelle Reisen zehrt an der Substanz – sie sind etwa Mitte Oktober in Buenos Aires gestartet, nach Ushuaia gefahren und nach knapp drei Monaten schon hier.

Sonntag, 9. Januar 2011 – Hacienda Bambusa, Armenia
In der Nacht geht ein Tropenregen nieder und wir sind froh, dass es tagsüber wieder trocken ist. Peter spielt mit Heidy und Thomas UNO, ich erledige ein paar anstehende Arbeiten am Computer und versuche, die flinken Kolibris zu fotografieren – bevor es dann wieder zu regnen beginnt.

Unsere Idee, nach Medellin und Cartagena zu fliegen, nimmt Formen an. Wir finden im Internet Flüge und Hotels.

Montag, 10. Januar 2011
Peter erkundigt sich bei Santiago, dem Junior-Chef der Hacienda, wie wir die Avianca-Flüge online bezahlen können. Er vermittelt uns eine günstigere und bessere Möglichkeit mit der ADA, die wir auf dem Flugplatz in Armenia buchen und dort mit unserer Kreditkarte bezahlen können.

Um 12 Uhr bringt uns das Taxi zum 14 km entfernten Flughafen. Hier stellt sich aber heraus, dass die ADA nicht günstiger ist als Avianca, weil der Preis nur für eine statt für zwei Personen berechnet war. Deshalb kehren wir unverrichteter Dinge wieder zurück und versuchen, die Buchung online zu tätigen. Beim x-ten Anlauf gelingt es dann endlich und sogar die Bezahlung per Kreditkarte funktioniert schnell und einwandfrei. Das Hotel in Cartagena reservieren wir auch gleich, doch die Idee Automiete verwerfen wir für den Moment. Nach Santa Marta gibt es bestimmt einen Bus und von da können wir dann getrost mit dem Taxi eine Unterkunft suchen.

Heute beim Einnachten ist Flugtag der braunen Käfer (ca. 1 cm lang, ziemlich dick und hässlich). Gut ein Dutzend schafft es trotz Insektenspray, unter den Mückenschutzgittern hindurch in unsere gute Stube einzudringen. Weitere zwei Dutzend liegen, inzwischen tot, auf dem kleinen Mückengitter im WC. Vor zwei Tagen haben uns die Flugameisen überrascht, gestern haben wir dann rechtzeitig vorübergehend das Licht gelöscht und die Fenster geschlossen, denn nach etwa einer Stunde ist der ganze Spuck jeweils vorbei.

Dienstag, 11.01.2011
Und das mit der Kreditkarte war dann doch nichts. Um Mitternacht erhalten wir eine E-Mail der Avianca, dass die Bank die Zahlung verweigert habe. Deshalb müssen wir die angegebene Gratisnummer anrufen und die Kreditkarten-Belastung telefonisch veranlassen, was dann innert nur fünf Minuten ohne weitere Komplikationen erledigt ist.

So per Zufall erfahren wir noch, weshalb der Senior-Chef der Hacienda die Schweiz gut kennt und Peter Sauber als einen persönlichen Freund nennt. Motorsportinteressierten könnte der Name Diego Montoya ein Begriff sein. Er ist unter anderem 24Stunden-Rennen gefahren und hat in Le Mans den Sauber C7 pilotiert. Wir werden uns sicher später noch einmal über dieses Thema unterhalten.

Die heutige Fahrt Richtung Bogotá ist äusserst mühsam. Für die ersten 100 Kilometer benötigen wir über drei Stunden. Es gibt viele Baustellen, eine Unmenge langsamer Lastwagen die mit 10 kmh den Berg hinauf oder hinunter schleichen und zwei Polizisten, die uns in eben einem solchen Fall bei doppelter Sicherheitslinie überholen sehen. Alle anderen vor und hinter uns ignorieren sie einfach. Bei 40 km doppelter Sicherheitslinie können auch wir die Regeln nicht einhalten, denn sie scheinen uns nicht wirklich eindeutig. Es gibt ab und zu vor einer Kurve ein Überholverbot – aufgehoben wird hier prinzipiell gar nichts – und wenn die doppelte Sicherheitslinie sowieso „überholen verboten“ bedeutet, wären diese Schilder ja eigentlich überflüssig. Die meisten Kolumbianer beachten allerdings weder das eine noch das andere.

Wenn die Polizei die Gesetze wirklich durchbringen will sollte sie nicht bei den paar Touristen mit ihrer Belehrung beginnen. Peter einigt sich offenbar mit dem Ordnungshüter, dass das Ganze sehr schwierig sei, so dass er uns beim Abschied lachend eine schöne Reise wünscht.

Wir fahren keine zweihundert Kilometer und finden in Melgar einen Campingplatz mit hübschem Schwimmbad direkt an der Autobahn. Hier stehen wir zwar nicht ruhig aber mit dem guten Gefühl von Sicherheit – und das Schwimmbad kommt uns auch sehr entgegen, denn es ist auf nur 375 müM feucht und sehr heiss.

Die sanitären Anlagen laden nicht unbedingt zur Benutzung ein und wir sind, wie so oft froh, dass wir unsere eigene Toilette dabei haben.

Mittwoch, 12. Januar 2011 – Camping Melgar
Eigentlich wollten wir heute nach Bogotá fahren um Claudias zweiten Bruder und seine Familie zu besuchen. Doch nach dem allerersten Mail am Sonntag haben wir das zweite, angekündigte vom Montag, noch nicht erhalten, obwohl mir Alejandro telefonisch versichert hat, es abgeschickt zu haben. Naja, irgendwo liegt der Wurm drin – so fahren wir halt erst über Mosquera Richtung Norden nach Zipaquirá um nicht ohne sicheren Stellplatz für unser Wohnmobil in der Hauptstadt herumzuirren.

Und auf dieser Strecke erleben wir dann gleich eine Riesenüberraschung: Nachdem uns anfänglich immer die Strassengebühren für Kategorie 1 (Automóviles, Camperos, Camionetas) verlangt wurden haben wir uns später jeweils erfolgreich gegen höhere Maut gewehrt. Hier jedoch mutieren wir urplötzlich und ohne jegliche Vorwarnung zu einem „Camion grande“ (grosser Lastwagen) und niemand lässt mehr mit sich reden. Wir stellen uns vor, zwei Nächte am Neusa-Stausee zu bleiben und eventuell mit dem Motorrad ins 25 km entfernte Zipaquirá zu fahren. Doch der Campingplatz, drei Kilometer vom Eingang entfernt, scheint uns zu unsicher um das Wohnmobil einen Tag unbewacht da stehen zu lassen.

Donnerstag, 13. Januar 2011 – Camping im Nationalpark an der „Embalse de Neusa“
Nachdem der Himmel am Morgen früh noch freundlich ausschaut zieht von Süden her plötzlich eine dunkle Wolkendecke auf. Sollte es zu regnen beginnen hätten wir beim Herausfahren bestimmt Probleme, denn der Boden ist schon jetzt ziemlich weich und das Gewicht unseres Wohnmobils ist in solchen Situationen eher hinderlich. Deshalb begeben wir uns lieber rechtzeitig in Sicherheit und „fliehen“.

Wir fahren die 25 Kilometer zurück nach Zipaquirá, wo ein paar von uns missachtete Lastwagenfahrverbote dafür sorgen, dass wir hoffen, endlich wieder aus der „Gefahrenzone“ heraus zu kommen. Wir sollen dies jedoch erst nach dem Besuch der Salzkathedrale wieder schaffen – glücklich nicht erwischt worden zu sein.

Die „Catedral de Sal“ ist Kolumbiens Touristenattraktion Nummer 1 und wir können bestätigen, dass dieses eigentlich durch die Idee des Salzabbaus entstandene Bauwerk ein absolutes Kunstwerk ist.

Die erste 1954 eröffnete Salzkathedrale musste 1992 wegen Einsturzgefahr für Besucher geschlossen werden. Die neue Salzkathedrale wurde 1995 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und sie gehört mit 8500 m2 Fläche zu den grössten religiösen Bauwerken der Welt. Neben der dreischiffigen in das salzhaltige Gestein gesprengten Hauptkathedrale befinden sich kleine Kapellen und ein Kreuzweg mit 14 Stationen, jede mit einem Kreuz aus Salz (oder der entsprechenden Leere dafür), die durch Tunnel miteinander verbunden sind. Die wie Marmor anmutenden Böden sind ebenfalls aus Salz gefertigt.

Ein 15minütiger 3D-Film erklärt anschaulich wie das Salz vor Millionen von Jahren in den Berg kam, wie der Salzabbau begann und wie später die Höhlenkirchen entstanden. Tief beeindruckt verlassen wir das Wunderwerk.

Bis Villa de Leyva ist es eigentlich nicht sehr weit, doch die Fahrt zieht sich hin. Die letzten 44 Kilometer ab Chiquinquirá führen nochmals durch die Berge und neben den vielen Kurven hat es auch unzählige Schlaglöcher, denen man ausweichen muss.

Endlich angekommen zeigt uns dann das GPS den direktesten Weg zum Campingplatz – mitten durch die Altstadt – wo wir natürlich nicht durchfahren dürfen. Peter versucht es trotzdem. Doch genau bei der letzten Möglichkeit, wo wir noch abdrehen können, steht ein rettender Engel vor unserem Fahrzeug und hält uns auf. Michèle und Reto, die wir 2009 in Brasilien kennen gelernt haben, kommen uns genau im richtigen Moment zu Fuss aus der Altstadt entgegen. Sie sind bereits gestern angekommen und haben uns, weil wir für sie Material mitgebracht haben, heute ein E-Mail geschickt, sie würden hier auf uns warten. Das erfahren wir jedoch direkt von ihnen persönlich, und die Überraschung ist für uns alle perfekt.

Villa de Leyva liegt auf 2150 müM und das Klima ist sehr angenehm. Kein Wunder also, dass es zu Kolonialzeiten vor allem spanischen Vizekönigen und Kolonialherren als Erholungsort diente. Es hat 12000 Einwohner und unter Touristen in- und ausländischer Herkunft gilt das 1572 gegründete und restaurierte Städtchen als beliebtes Reiseziel. Weil es schon früh zum nationalen Denkmal erklärt wurde blieb es von modernen Bauten verschont. Die 14000 m2 grosse „Plaza Mayor“ mit dem jahrhundertealten groben Kopfsteinpflaster ist die grösste Plaza Kolumbiens und sie wird demnächst wieder einmal als Kulisse für einen Film dienen müssen. „Action“ sehen wir zwar noch keine, aber die Vorbereitungen der Filmcrew sind in vollem Gang als wir die Kirche mit Sonnenschein fotografieren möchten.

Freitag, 14. Januar 2011 – Camping San Jorge, Villa de Leyva
Am frühen Morgen bekommen Peter und Reto, die beide an ihrem Fahrzeug arbeiten möchten, Besuch von John (oder wie er mit spanischem Namen auch immer heissen mag) aus Bogotá. Er gibt unzählige von Tipps, was wir in der näheren und weiteren Umgebung unbedingt besuchen müssen und wir werden den armen Kerl, der uns auch noch unbedingt seine Musik auf die Laptops kopieren will, kaum mehr los. Als er dann sagt, er würde am Nachmittag nochmals kommen um Fotos vom Innern unseres Fahrzeugs zu machen, die er dann seinen Freunden zeigen könne, müssen wir ihn enttäuschen. Das führt uns dann doch zu weit und wir sagen ihm geradeaus, dass wir diese Idee nicht mögen.

Villa de Leyva ist mit dem Wohnmobil der nördlichste Punkt unserer Südamerika-Reise und zusammen mit Michèle und Reto stossen wir auf diese Begebnis mit einem Gläschen Wein an.

Das Kolonialstädtchen mit seinen vorherrschend dunkelgrün gemalten Balustraden und Dachsparren mutet sehr charmant an. Die „Plaza Mayor“ ist der grösste Hauptplatz ganz Kolumbiens. Es ist ein riesiger leerer grober steiniger Platz – eindrücklich, aber wir fragen uns, ob er zumindest ab und zu für Feste genutzt wird. Denn der samstägliche Markt findet auf dem Marktplatz statt und nicht hier.

Samstag, 15. Januar 2011
Zusammen mit Michèle und Reto gehen wir bereits um acht Uhr zum Markt, gemäss Reiseführer sollte man ihn in den frühen Morgenstunden besuchen. Die Stände sind prallvoll mit frischen Früchten und Gemüse, und es werden Säcke voller Kartoffeln, Karotten, Hülsenfrüchte, Maiskolben, Körner und Reis angeboten.

Ein frischer Guanábana-Saft nach der Einkaufstour ist superfein. Die delikate Tropenfrucht schmeckt leicht säuerlich und ihr Saft wird leider in den Restaurants mit Zucker nachgesüsst, was allerdings das Aroma keineswegs beeinträchtigt.

Sonntag, 16. Januar 2011
Villa de Leyva wird von seinen Einwohnern als gemütlich und gastfreundlich beschrieben. Genau so empfinden wir es auch und so mag es niemanden erstaunen, dass wir uns sehr wohl fühlen und ein paar Tage hier bleiben.

Auf dem Camping in der Stadt sehen wir ein Wohnmobil mit deutschen Kennzeichen und erkundigen uns nach den momentan abwesenden Inhabern. Auf der Plaza wird Peter dann von einem Ehepaar mit Hund angesprochen, ob wir die Besitzer eines der Wohnmobile auf den anderen Campingplatz seien – er trägt wieder einmal ein Schweizer T-Shirt und ebenfalls einen Rucksack mit Schweizer Sujet drauf. Die beiden haben ihre Reise vor 20 Monaten in Alaska gestartet und haben vor kurzem von Colon (Panama) nach Cartagena (Kolumbien) verschifft.

Michèle und Peter haben heute abgemacht, zum Abendessen einen Wähenplausch zu veranstalten. Die Zutaten müssen wir allerdings zuerst besorgen, denn es fehlt an allem: Butter für den Teig, Aepfel für den Belag und Eier für den Guss. Wir backen je einen feinen Fruchtkuchen und essen dann gemeinsam bei Michèle und Reto im Wohnmobil die süssen Erzeugnisse.

Montag, 17. Januar 2011
Sogar Arbeit kann plötzlich ansteckend wirken: Michèle wäscht, Reto macht den Service an seinem Fahrzeug mit Oel-/Filterwechsel, schmieren, kontrollieren und was alles dazugehört.

Wir haben zwar keine grosse Wäsche, finden aber doch noch das eine oder andere, und ich bin mit den wenigen schmuddeligen Sachen schnell fertig. Die Sonne und ein leichter Wind trocken alles bevor die Wolken überhand nehmen und ein Regenschauer droht.

Um vier Uhr kommen die deutschen „Wohnmobilisten“ Petra und Bernd um mit uns Reiseerlebnisse und vor allem Übernachtungsplätze Richtung Süden auszutauschen. Vielleicht treffen wir sie irgendwo wieder einmal an.

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