HOME

2013/2014
Nordamerika

Reiseberichte

Las Cruces, New Mexico – Phoenix, Arizona, USA

Corpus Christi, Texas – Las Cruces, New Mexico, USA

Florida – Texas, USA

Florida, USA

Georgia (Küste) und Florida, USA

Washington D.C., Virginia, North und South Carolina, USA

Abstecher nach Churchill an der Hudson Bay, Kanada

New York State, New Jersey, Pennsylvania und Maryland, USA

Maine, New Hampshire und Vermont, USA

Nova Scotia, Prince Edward Island und New Brunswick, Kanada

Galerien

USA – New Mexico und Arizona

USA –Texas

USA – Florida bis Texas

USA – Florida

USA – Georgia und Florida

USA - Washington D.C., Virginia, North- & South Carolina

Kanada – Churchill, Manitoba

USA – New York State, New Jersey, Pennsylvania und Maryland

USA – Maine, New Hampshire, Vermont

Kanada

Freunde

Freunde

ca. 71 Website-Besucher pro Tag, 162'172 Besucher total seit Update vom 6.September 2011

Abstecher nach Churchill an der Hudson Bay, Kanada

26. Oktober 2013 - Capitol KOA Millersville
Unsere wärmsten Kleider sind gepackt und das Abenteuer zu den Eisbären kann beginnen. Von Baltimore fliegen wir über Minneapolis nach Winnipeg und dann nach Churchill an der Hudson Bay.

Um 9 Uhr abends wird im Hotel in Winnipeg das erste Treffen mit den anderen Reiseteilnehmern stattfinden. Wir sind gespannt, wer da alles an den Eisbären interessiert ist.

Der Flug nach Minneapolis/St. Paul (auch Twin Cities genannt) ist entgegen der Vorhersage ziemlich ruhig und wir landen 10 Minuten früher als geplant. Die Umsteigezeit von 1 h 40 Min. ist mehr als ausreichend. Der Flug mit der kleinen CRJ200 nach Winnipeg dauert nur 1 h 25 Minuten. Es ist wunderschön über der dünnen Wolkendecke zu schweben, sie mutet an wie Watte. Die letzten Sonnenstrahlen begleiten uns auf dem ruhigen Abendflug bevor wir in einen leichten Nebelschleier eingehüllt werden, der sich bald darauf wieder lichtet und einer ganz speziellen Stimmung am Abendhimmel Platz macht. Wir lassen uns davon gefangen nehmen bevor es langsam eindunkelt und die ersten Lichter in Kanada sichtbar werden.

I LOVE THOSE SHORT FLIGHTS; THIS ONE WAS JUST PERFECT :)

Wir landen rechtzeitig, um uns fürs Meeting um 21.00 Uhr vorbereiten zu können. Die Begrüssung im Hotel erfolgt durch Ingrid von Frontiers North Adventures. Sie erklärt uns nochmals den ganzen Ablauf der Reise, damit dann ja alles klappt, und wünscht uns, dass wir viele schöne Erlebnisse mit nach Hause nehmen können.

27. Oktober 2013
Um 06.15 muss unser Gepäck in der Lobby bereitstehen. Der Start erfolgt um sieben mit dem Bus. Dieser bringt uns direkt zur alten Propellermaschine Convair 580 auf dem Kelly Western Airport, wo wir ohne weitere Kontrollen einsteigen können. Heute erleben wir über den Wolken den Sonnenaufgang. Der Flug nach Norden dauert 2 Stunden 20 Minuten. In Churchill ist es -6°C kalt und wir sind froh über unsere 4 - 5 warmen Kleiderschichten, denn die gefühlte Temperatur ist etwa -18°C. Auf der Fahrt vom Flughafen zum Tundra Inn Hotel besuchen wir den "Bären-Knast" (eigentlich: Bear Holding Facility). Dort werden Eisbären, die der Stadt zu nah gekommen sind und auf die Versuche, sie mit Knallkörpern wegzuscheuchen, nicht reagiert haben und dadurch in die Bärenfalle getappt sind, zur Strafe für 28 Tage in Einzelkäfigen gefangen gehalten. Nach dieser Zeit, in der sie nur Schnee, kein Fressen, bekommen werden sie nach Norden ausgeflogen und wieder in die Freiheit entlassen. Seit 2005 in Churchill die Mülldeponie geschlossen wurde ist die Zahl der gefangenen Bären allerdings zurückgegangen.

Derzeit sind sieben unglückliche oder unbelehrbare Bären drin (einer von ihnen sage und schreibe zum 17. Mal!), die auf ihre Entlassung warten und zu diesem Zweck manchmal fürchterlich lärmen. Nach einer gemütlichen Stadtrundfahrt im warmen Bus werden wir kurz vor zwölf beim Hotel abgesetzt. Unser Zimmer ist schon bereit und wir sind froh, eine weitere Schicht anziehen zu können, denn wir sind uns die Kälte im Schneetreiben noch nicht gewohnt.

Nach einem leckeren Mittagessen in Gipsy's Bakery besuchen wir das Wapusk Nationalparkbüro und Museum in der Bahnstation. Nach der Führung durch die Rangerin sehen wir einen Film über den abgelegenen Nationalpark, den man praktisch nur mit lizenzierten Touranbietern erreichen kann.

Der kleine Ort Churchill ist auch zu Fuss schnell durchforscht. Es gibt zwar einige Souvenir-Geschäfte, doch man muss die Eingänge fast suchen. Die meisten sehen von aussen aus wie Lagerschuppen und das ist sicher nicht sehr gut fürs Geschäft.

Auf dem Weg zur Tundra Buggy Station sehen wir in der Hudson Bay das Schiffswrack Itaca. Dieses ist 1961 auf Grund gelaufen und nachdem sich die Besatzung gerettet hatte machten sich die Einwohner Churchills das geltende Seerecht zunutze in dem es heisst „derjenige, der ein aufgegebenes Schiff übernimmt, dem gehört es“ und sie bauten alle noch zu gebrauchenden Maschinen und Teile aus um sie für ihre eigenen Zwecke einzusetzen oder zu verkaufen.

Ab Juni, wenn das Eis schmilzt, sind die Polarbären ans Land gebunden und essen nunmehr sehr wenig und sind ziemlich inaktiv. Sobald sich das erste Wintereis bildet beginnen die Bären wieder nordwärts zu ziehen. Sie sind intelligente Tiere und lernen schnell das für sie lebenswichtige Verhalten. Das führte auch dazu, dass früher die Müllhalde von Churchill einen willkommenen Anziehungspunkt darstellte.

Ein paar Fakten zu den Eisbären:

Die Eisbären kommen nach Churchill, weil hier die Hudson Bay zuerst gefriert. Um Robben zu jagen, warten die Polarbären vor einem Loch im Eis, wo ihre Beute auftauchen wird um Luft zu holen.

Der Eisbär ist neben zwei anderen Bärenarten das grösste an Land lebende Raubtier der Erde. Die Männchen können eine Länge bis zu 3.40 Meter und eine Schulterhöhe bis 1.60 Meter erreichen. Ihr durchschnittliches Gewicht liegt zwischen 420 und 500 kg, das Höchstgewicht kann jedoch 800 kg betragen.
Die Weibchen sind wesentlich kleiner und leichter. Bei einer Länge von 2.10 Meter sind sie nur zwischen 150 und 300 Kilogramm schwer.
Die riesigen Gewichtsunterschiede entstehen durch den unterschiedlichen Ernährungszustand. Im Sommer, wo es nichts nahrhaftes mehr zu fressen gibt nehmen die Tiere kontinuierlich ab und gegen Ende des Winters, nachdem sie genügend Robben jagen konnten erreichen sie ihr Höchstgewicht.
Ihre Ohren sind so klein und der Schwanz so kurz, damit sie möglichst wenig Wärme verlieren.

Die Eisbären erreichen in Freiheit ein Alter von etwa 25 bis 30 Jahren, in einem Zoo können sie bis zu 45 Jahre leben.

28. Oktober 2013
Weit entfernt, beim Tundra Buggy Hotel, sehen wir den ersten Eisbär. Der zweite, ein Weibchen, wartet auf dem weiteren Weg auf uns. Derzeit gibt es noch ca. 930 Eisbären in dieser Region, vor 30 Jahren waren es 1200. Der Rückgang steht direkt mit dem Schmelzen des Eises, das heisst, mit der Erderwärmung in Zusammenhang.

Nach nur zwei Stunden haben wir bereits sieben Eisbären gesehen und schon der zweite steigt an unserem Buggy hoch. Noch vor dem Mittag finden wir einen Schneehasen und ein halbes Dutzend Schneehühner. Diese sind im Sommer braun gesprenkelt und gleichen in keiner Art und weise den Vögeln, die wir heute im Schnee sitzen sehen. Der eifrig am Moos leckende Schneehase posiert für unsere Fotosession und legt sich anschliessend zur Ruhe, grad ob wir nicht mehr hier wären.



























Der heutige Vormittag übertrifft schon bei weiterem unsere kühnsten Hoffnungen, wir sehen insgesamt elf, teilweise recht aktive Polarbären aus naher Distanz.

Am Nachmittag, bereits auf dem Rückweg, erspähen ein Paar gute Augen zwei Arktische Füchse, die in etwa 800 Meter Entfernung so schnell vorbei rennen, dass auf dem Foto nur gerade ein verschwommener Fleck auf dem noch ziemlich dünnen Eis zu sehen ist.
Wenn dieses Eis in den nächsten Wochen dick und auch für die Bären tragfähig wird können diese endlich hinaus um Robben zu jagen.

Der zwölfte, und für heute letzte, Polarbär ist vermutlich der grösste, den wir bisher gesehen haben. Er trottet zwischen Seeufer und Gebüsch der Strasse entlang, wo wir im Tundra-Buggy langsam vorbei fahren. 29. Oktober 2013
Es herrschen wärmere Temperaturen und zeitweilig leichter Schneefall, bedeckter Himmel und frohe Gemüter. Die Stimmung ist gut und nach dem gestrigen Tag hegen wir heute keine zu grossen Erwartungen. Alles was kommt ist Bonus. Unser Fahrer, Neil, peilt eine weit entfernte Stelle an, wo er am ehesten Eisbären erwartet, die sich einen Sparring-Kampf liefern. Wir haben leider keinen Erfolg.

Heute sehen wir einige Schneehühner und doch wieder um die 10 Eisbären. Obwohl diese nicht mehr ganz so nah sind wie gestern verfolgen wir ihre Wege mit Begeisterung. Das Licht in der Tundra ist phänomenal, es passt genau zu der kargen Umgebung und diesen einzigartigen Tieren.

Nach dem Lunch dürfen alle Gäste einmal den Tundra Buggy selber fahren. Er ist etwa drei Meter breit und die Lenkung scheint kaum zu reagieren. Um der Bitte des Chauffeurs nachzukommen, etwas mehr links zu fahren, drehe ich das Steuer etwa 5 Mal rundherum. Die dicken groben Reifen mühlen durch die seichten Stellen nur so durch und auf der flachen Piste kommt das Ding trotz „Bleifuss“ viel zu langsam voran– Fazit: Wohnmobil fahren macht mehr Spass, wir bleiben dabei.

Sara leistet Volontär-Arbeit für PBI Polar Bear International und sie erzählt einiges über ihren Einsatz zum Wohl der Eisbären und über die Polarbären selber. In der Hudson Bay beginnt sich langsam das Eis zu bilden und für die Bären wird das das Ende einer langen Hungerperiode bedeuten. Obwohl die Robben doppelt so schnell schwimmen können wie die Eisbären haben diese eine spezielle Technik mit der sie ihre Opfer überraschen, wenn diese aus einem Eisloch auftauchen um Luft zu holen.

Der private Kelly Western Airport, von wo wir am Sonntagmorgen gestartet sind ist mit dem Hauptflughafen von Winnipeg, wo wir heute landen, direkt verbunden. Der Bus braucht 15 Minuten bis zum Hotel, weil wir rundherum fahren müssen.

Im Arrangement ist die Übernachtung in Winnipeg enthalten und morgen fliegen alle Teilnehmer individuell weiter, nach Hause oder so wie wir, auf zu neuen Abenteuern.

In der Bar setzen wir uns mit Margret und Dave an einen Tisch. Jetzt sind nicht mehr die Eisbäre Thema Nummer eins, sondern eher das Private und das Reisen.

30. Oktober 2013
Beim Frühstück gesellen sich Monica und ihre Freundin sowie Jane und Maureen zu uns und wir lernen sie jetzt besser kennen als während der Exkursion, wo wir uns ausserhalb des Tundra Buggy nie getroffen haben. So vergeht die Zeit sehr schnell und wir checken erst kurz vor Mittag aus dem Hotel aus und bald darauf auf dem Flughafen ein. Weil das selber einchecken auf dem Flughafen für uns noch etwas neu ist – wir müssen den Pass scannen, den Reisepartner identifizieren, Aufgabegepäck hinzufügen etc. – bekommen wir, wie schon in Baltimore, ganz unaufgefordert Hilfe. Diesmal von einem Mann, der in den frühen 1980er Jahren in Churchill als Dachdecker gearbeitet hat. Damals wurden die Eisbären im Dorf noch toleriert, als sie sich auf der Müllhalde nach Essbarem umsahen und die Kinder haben mit ihnen Katz und Maus gespielt. Sobald ein Eisbär aufgetaucht ist sind ist eines von ihnen losgelaufen, hat auf der anderen Seite die Hand ins Wasser der Hudson Bay getaucht und sich anschliessend ins nächstliegende Haus zurückgezogen um sich vor dem herannahenden Bären in Sicherheit zu bringen. Der heutige Delta Airlines Mitarbeiter hatte einmal, als sein mit Kollegen voll besetztes Auto von Eisbären umgeben war, das Fenster ein wenig herunter gelassen und einen Bär an der Nase berührt. Das geschah damals in jugendlichem Übermut und vielleicht in mehr als nur etwas angeheitertem Zustand. Wie dem auch sei, ein solches Verhalten wäre heutzutage vermutlich tödlich, denn die Müllhalde, wo die Bären immer irgendetwas Verwertbares fanden, gibt es nicht mehr und ein Haufen Betrunkener wäre noch immer besser als gar nichts. Es ist auch so, dass der letzte in Churchill von einem Bär getötete Mensch (in den 1970er Jahren) ein stadtbekannter Trunkenbold war. Noch heute ist es so, dass Häuser und Autos unverschlossen bleiben, damit man sich bei drohender Gefahr durch einen Eisbären schnell in ein Gebäude oder Fahrzeug retten kann.

Der Grenzübertritt in die USA erfolgt bereits auf dem Flughafen in Winnipeg und der Zöllner will von uns unheimlich viel wissen, obwohl wir nur für vier Tage in Kanada waren, die „wirkliche“ Einreise in die USA problemlos gemeistert haben und bereits ein Visum für sechs Monate besitzen. Irgendwie will uns der Mann seine Position demonstrieren und bittet uns sogar unsere Heimflug-Tickets vorzuweisen.

Nachdem der Flug von Winnipeg nach Minneapolis ereignislos verläuft ist derjenige nach Baltimore sehr ruppig, obschon die Piloten angeblich den schlimmsten Turbulenzen auszuweichen versuchen. Wir kommen trotzdem pünktlich an und sind entgegen unseren Befürchtungen, dass es nach Mitternacht werden könnte, bereits um 23.20 Uhr in unserem Wohnmobil.

Morgen – und im nächsten Reisebericht – geht es weiter nach Washington D.C.

© by Peter und Ruth Zaugg | Das Kopieren und/oder Weiterverwenden von Inhalten ist untersagt. | Website © 2017 by x1024.ch