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2014/2015
USA/Mexiko

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Freunde

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Mexiko – Baja California

5. Dezember 2014 - Grenzübertritt in Tecate:
An einer Staatsgrenze sind wir selten so freundlich behandelt worden. Der Zollbeamte öffnet in unserem Wohnmobil zwar alle Schubladen und den Kühlschrank, sagt aber nichts, dass wir Gemüse, Obst oder Fleisch nicht mitführen dürften, obwohl ein grosses Schild genau darauf hinweist. Der Einwanderungsoffizier hilft uns beim Ausfüllen der Formulare fürs Touristenvisum, als ob er ein Schullehrer wäre, aber sehr sympathisch.

Die Weinroute beginnt im Valle Guadeloupe und wir machen unsere Mittagsrast im Weinmuseum. Wir verwickeln einen Schreiner aus Tijuana in ein Gespräch und erfahren, dass er den Wein gleich Fassweise einkauft und dann aus den leeren Fässern Möbel wie Tischchen, Sessel oder Gestelle produziert.

In Punta Banda gibt es ein ungeplantes fröhliches Schweizer Treffen. Erika & Bert aus dem Kanton St. Gallen sind gute Bekannte von Maria und Hansjörg. Als sie auf der entgegenkommenden Seite mit Lichthupe auf sich aufmerksam machen sind wir sehr überrascht, denn wir kennen sie nicht und schnell stellt sich heraus, dass dies natürlich unseren Freunden gilt. Als wir uns vor dem Tourist Camp unterhalten kommen gerade noch Sabine und Andy an. Wir setzen uns zum Spaghettiplausch an einen grossen Tisch und tauschen Reisegeschichten aus.

Hier wurde einmal ein Pier gebaut für eine Grossstadt namens Punta Banda City, denn Ende des 18. Jahrhunderts kamen viele Chinesen an, die nach USA wollten.

6. Dezember 2014 - Punta Banda
Simon landet mit seinem Ultraleicht (motorisierter Deltasegler) am Strand. Er bietet Flüge an für 45 $, arbeitet aber im Moment nicht, denn er verdient im Sommer genügend Geld, dass er davon das ganze Jahr leben kann. Im Gespräch über die Baja und Mexiko erfahren wir, dass sich die wirtschaftliche Situation seit unserem letzten Besuch in 1992 derart drastisch zum Schlechten verändert, dass Kriminalität und Korruption noch grösser geworden sind. In der Baja jedoch sei es ganz anders, denn hier leben viele Europäer, Kanadier und auch Amerikaner, obwohl uns die meisten von einer Reise in die Baja abgeraten hatten.

Es ist schlichtweg unglaublich, wie viel Abfall rechts und links der Strasse liegt. Trotz all der Schilder keinen Abfall wegzuwerfen sind die Strassenränder übersät, das verstehen wir wirklich nicht.

7. Dezember 2014
Wir verabschieden uns von der Hälfte der Schweizer Gruppe und besuchen vor der Weiterreise auf der alten Weinroute Richtung Süden noch die Bufadoras (blowholes...) Der nächste Strassenabschnitt ist die Landwirtschaftsroute.

In San Quentin fahren zwei fast identische PWs vor uns, die den Verkehrsfluss mit ihrem langsamen Tempo ziemlich hindern. Zudem tritt der Hintere ca. alle 5 Sekunden grundlos kurz auf die Bremse. Beim Rotlicht gibt er dann nach längerem Anhalten jedoch plötzlich Gas, fährt seinem Vordermann ungebremst ins Heck und schiebt ihn von der Strasse. Dankeschön, jetzt haben wir endlich freie Fahrt.

Nach dem kurzen Spaziergang zum Strand sind wir gerade rechtzeitig vor 5 Uhr in der Bar um noch von der Hora Feliz (Drinks zum halben Preis) zu profitieren. Die Margaritas schmecken fein, haben es aber ganz schön in sich – mir scheint es fast so: Halber Preis aber doppelte Ration. Das Nachtessen mit Crevetten an einer Knoblauchsauce, respektive gegrillter Fisch schmeckt so gut, dass wir morgen grad noch einmal da essen wollen.

Beim Gespräch mit dem Kellner unterhalten wir uns wieder einmal über die fehlenden Sprachkenntnisse von Amerikanern, die seit 12 Jahren hier wohnen und nicht Spanisch lernen wollen. Er findet es sehr schade, dass sie sich nicht bemühen, denn sie sind doch hier die Gäste sollten zumindest ein wenig Bereitwilligkeit zeigen die Leute zu verstehen.

8. Dezember 2014 - Cielito Lindo
Der Strandspaziergang wird durch die Flut, Zäune und Privatgrundstücke behindert und fällt deshalb schon wieder ziemlich kurz aus. So verbringen wir den Nachmittag mit Lesen, Arbeiten am Laptop und Haare färben. Die kräftigen Margeritas vertragen wir heute schon etwas besser als gestern, als wir sie auf leeren Magen getrunken haben. Nach dem leckeren Fischgericht ziehen wir uns ins Wohnmobil zurück um mit neuen Karten das Spiel zu beenden, welches wir vor ein paar Tagen nach dem Verschwinden des Kreuz Ass abbrechen mussten.

9. Dezember 2014
Am Morgen ist es so nah am Meer etwas neblig, schon bald brennt aber die Sonne wieder unerbittlich und wir sind froh, dass es in der Höhe, durchs Valle de los Cirios, ein klein wenig kühler wird.

Die Cirios sind ganz eigenartige Pflanzen, die aussehen wie eine blühende Kerze. Sie gehören nicht zur Gattung der Kakteen, aber wie Bäume oder Büsche sehen sie auch nicht aus. Sie kommen nur in der Baja und an einem einzigen Ort auf dem Festland von Mexiko vor. Sie wachsen jährlich fünf Zentimeter und können weit über 100 Jahre alt werden.

Unterwegs treffen wir Sabrina & Robert aus Deutschland, die mit ihrem Tandem von Alaska bis Feuerland reisen. Die beiden sind Triathleten und scheinen ihr Abenteuer richtig zu geniessen. Max aus Canada ist mit einem etwas schnelleren Rad unterwegs, hat sich aber im Moment den beiden angeschlossen. Er ist von Quebec nach Vancouver geradelt und von da Richtung Süden unterwegs. Auch sein Ziel heisst Südamerika, er will jedoch zwischendurch immer wieder etwas arbeiten.

Auf dem Weg Richtung Süden finden wir in Cataviña den bisher schönsten Übernachtungsplatz unserer Reise inmitten riesiger Kakteen, Cirios und Felskugeln.

10. Dezember 2014 – Im Boulderfield an der MEX 1
Die Tankstelle an der Abzweigung nach Bahia de los Angeles existiert nicht mehr, aber im Ort, 66 km weiter, soll es Diesel geben und deshalb können wir den Abstecher an den Golf von Mexiko beruhigt wagen.

11. – 13. Dezember 2014 – Bahia de Los Angeles
Wir treffen Ilka und Günther, die wir in Corpus Cristi mit Gerlinde und Horst kennen lernten. Sie sind einen Tag vor uns angekommen und campen etwas nördlich vom Ort. Die eingegebenen Koordinaten bringen uns zu Ruinen am Strand anstatt zu einem annehmbaren Campingplatz. Unsere erste Nacht verbringen wir dann aber trotzdem da, nur um am Morgen reumütig gleich wieder zu Ilka und Günthers Platz zu fahren. Hier fühlen wir uns so wohl, dass wir den Aufenthalt täglich wieder verlängern.

Am nächsten Tag kommen Claudia und Martin an, die wir anfangs Jahr im Big Bend NP getroffen hatten und einen Tag später gesellen sich noch Sabine und Andy zu uns.

Wir sammeln Holz am Strand, fotografieren den Sonnenaufgang, wandern zum Leuchtturm, beobachten die Pelikane und Seevögel, tauschen Reisetipps aus, backen im Feuer knusprige Brote, grillen saftige Fleischstücke und geniessen die angenehme Gesellschaft gleichgesinnter Reisevögel.

14. Dezember 2014
Erika und Bert kommen uns gerade entgegen als wir vom Campingplatz wegfahren. Wir reisen nach Guerrero Negro um nach der Früchtekontrolle unsere Vorräte aufzufrischen, nachdem wir doppelt so lang wie geplant an der Bahia de los Angeles gestanden haben und langsam nichts mehr gescheites zum Essen haben.

Bei der Früchtekontrolle werden wir nur nach Früchten oder Pflanzen gefragt. Auf anderen Websites haben wir gelesen, dass auch schon Kartoffeln konfisziert wurden. Wir haben sowieso nichts dabei und die 20 Pesos für das Desinfizieren der Räder scheinen dem Verantwortlichen viel wichtiger zu sein als die Kontrolle selbst.

Wir kommen allmählich weiter nach Osten und müssen die Uhren eine Stunde vorstellen, die Zeitdifferenz zur Schweiz beträgt jetzt acht Stunden.

Der Supermarkt in Guerrero ist hinter dem Kasino versteckt und wir finden ihn erst beim zweiten Anlauf, als wir das allernötigste bereits in einem kleineren Laden gekauft hatten.

Das Essen im Restaurant beim Malarrimo RV Park schmeckt lecker und der Kellner ist freundlich. Der Verantwortliche für den Camping ist jedoch ziemlich schlau und wir haben das Gefühl, dass er die Touristen gerne etwas übervorteilt.

15. Dezember 2014 – Guerrero Negro
Die Fahrt zum alten Leuchtturm und zu den Dünen brechen wir nach ein paar Kilometern ab, weil die Strasse immer schlechter wird und wir meinen, dass es sich nicht wirklich lohnt, hinaus zu fahren. Die Walbeobachtungssaison beginnt offiziell am 15. Dezember, dies bestätigt mir auch ein älterer Mann, mit dem ich auf der Strasse ins Gespräch komme. Dieses Jahr sind jedoch noch keine Tiere in der Bucht angekommen und die Touren starten erst am 26. Dezember. So gesehen macht es gar keinen Sinn, wenn wir 20 Kilometer weiten Abstecher zum ‚Ojo de Liebres‘ überhaupt machen. Nach zweieinhalb Stunden erreichen wir San Ignacio und mir bleibt genügend Zeit, um wieder einmal zu waschen – mangels Waschmaschine halt kurzentschlossen von Hand.

16. Dezember 2014 – San Ignacio
Maria und Hansjörg nehmen uns mit in den Ort. Wir besichtigen die Jesuitenkirche und möchten gern das Wandmalerei-Museum besuchen. Doch dieses ist seit dem Zyklon von anfangs September, wo das ganze Dorf unter Wasser stand, wegen Feuchtigkeit geschlossen. Aus den umliegenden Bergen fliessen hier 14 Bäche zusammen und so ist es nicht verwunderlich, dass eine solche Zerstörung angerichtet wurde.

Nachdem wir für das Wort Abarrotes keine Übersetzung finden fragen wir kurzentschlossen im entsprechenden Geschäft nach der Bedeutung und verwickeln den älteren Geschäftsinhaber in eine intensive Unterhaltung über die negative Entwicklung der Wirtschaft in Mexiko, die durch den Zyklon verloren gegangene Dattelernte und die Mentalität der Argentinier, wo es von allen südamerikanischen Staaten wohl am wenigsten Indios gibt. Am meisten überrascht er uns aber mit seinem Wissen über die Schweiz – er kennt alle vier Landessprachen und die angrenzenden Länder inklusive deren Lage, einzig von der Existenz Lichtensteins hat er noch nichts gehört.
Und noch die Antwort auf unsere Frage: Abarrotes sind kleine Lebensmittelgeschäfte.

17. Dezember 2014
An der Cuesta del Infierno vor Santa Rosalía sieht es fast aus wie im Valle de la Luna in Bolivien. An der Küste hat der letzte Hurrikan auch hier wüste Schäden hinterlassen. Im französischen Viertel steht das stilvolle Hotel Frances mit heute 16 Zimmern und einer sehr freundlichen Empfangsdame. An der Calle Jean Michel Custeau wohnten früher die Ingenieure in den luxuriösen Villen.

Die aus Eisenplatten konstruierte Eiffel Kirche wurde 1989 zusammen mit dem Eiffelturm an der Weltausstellung in Paris präsentiert, lag demontiert in Brüssel und steht seit 1897 in Santa Rosalía. Die hübsche Altstadt versprüht den typischen Charme lateinamerikanischer Lebensart. In der europäischen Bäckerei decken wir uns mit weissen Brötchen und süssen Empanadas ein. Dasjenige mit Queso ist leider ebenfalls süss. Das Wort bedeutet zwar Käse, aber Quark wird ebenso als Käse bezeichnet und wird gerne süss zubereitet.

Am Strand im Fischerdorf von San Bruno angekommen verwickelt Maria gleich einen Fischer ins Gespräch. Er hat gerade zwei Tintenfische gefangen und führt, wie als Trophäe, einen eindrücklichen Fischkopf mit sich herum. Zwei kleine Jungen bieten uns riesige Muscheln (ca. 15 cm) zum Preis von 10 Dollar pro Stück an, aber wir können diese beim besten Willen nicht brauchen.

18. Dezember 2014 – San Bruno am Fischerstrand
Weil wir nochmals Wäsche waschen und duschen wollen, bevor wir zum Strand fahren, wo es ganz sicher kein fliessendes Wasser und sanitäre Anlagen gibt, stoppen wir für eine Nacht beim Hotel/Campingplatz in Mulegé. Dort ist der Pächter mit ein oder zwei Mitarbeitern seit drei Monaten am Aufräumen und Renovieren, nachdem der Fluss während des Hurrikans innert acht Stunden alles verwüstet hat. Das Wasser stand gut einen Meter hoch, im Swimmingpool lagen Palmen und alles war nach dem Abfliessen des Wassers mit Schlamm bedeckt. Die Naturstrasse dem Fluss entlang weisst tiefe Rinnen auf und ist derzeit nicht mehr befahrbar.

19. Dezember 2014 – Mulegé
Zur Playa los Cocos, wo wir Anni und Wolfgang treffen werden, sind es nicht einmal 30 Kilometer. Als wir ankommen ist Uwe allein da und stellt sicher, dass sich kein Fremder an den von Wolfgang reservierten Platz stellt. Er erkennt uns auch gleich wieder, nachdem wir ihn und Barbara bereits vor einigen Jahren in Cusco kennen gelernt hatten. Noch vor dem Einparken bringt es der fliegenden Händler Palio fertig, mir Ohrringe zu verkaufen und seine Frau Lola lacht beim fröhlichen Feilschen mit. Wir freuen uns riesig, Anni und Wolfgang endlich einmal auf Reisen zu begegnen, denn von ihnen hatten wir 2006 an einem Treffen in Deutschland unzählige wertvolle Tipps für unsere damalige Reise bekommen. Seither hatten wir immer einen lockeren Kontakt zueinander und wir haben ihnen auf Wunsch nun von USA einige Liter Weisswein mitgebracht, die wir ihnen noch vor Weihnachten übergeben wollen. Sie laden uns im Gegenzug für morgen Abend zum Essen ein. Am Nachmittag treffen auch Maria und Hansjörg ein und gegen Abend suchen noch Sabrina und Robert, die beiden Triathleten auf dem Tandem, eine Strohhütte in der sie ihr Zelt aufschlagen dürfen. Uwe und Barbara erklären sich spontan bereit, den beiden die Ihrige zur Verfügung zu stellen. Wir stehen zwar ziemlich nah beieinander und bei Flut direkt am Wasser, doch das stört uns nicht, denn wir haben sowieso alle freie Sicht auf die Bucht.

20. Dezember 2014 – Playa los Cocos
Am frühen Morgen wandern wir auf den nahen Hügel um in den Strand von La Escondida zu spähen und Los Cocos zu fotografieren.

Unser Tisch unter der Plane scheint der Treffpunkt zu sein, hier tauschen wir Tipps und Übernachtungsplätze Richtung Süden und gegen Norden, erzählen von unseren Erlebnissen und philosophieren übers Essen. Als die Gemüsefrau ankommt stürzen wir uns alle auf ihre frischen Sachen. Die Qualität ist hoch und sie macht ein gutes Geschäft.

Peter stellt seinen Hometrainer auf und radelt im Schatten etwa 15 Kilometer, ab und zu etwas Training schadet nicht. Der langsam auffrischende Wind bringt wenigstens ein bisschen Kühlung.

Wir sind zum Nachtessen eingeladen bei unseren Freunden Anni und Wolfgang. Es gibt ein leckeres Gulasch mit Serviettenknödel und Salat. Zum Abschluss backen wir in der Glut des Lagerfeuers, wie so oft, ein knuspriges Brot.

An den Stränden der Bahia de Conception ist die Versorgung phänomenal: Schon kurz nach Sonnenaufgang kommen die ersten Händler mit Trinkwasser – ein 200 l Fass kostet 100 Pesos (ca. sieben Franken), Gemüse und Früchten, Luli bietet gerätefreien Fisch, Crevetten und Muscheln an, typisch mexikanische Spezialitäten wie Empanadas, Tamales, Chile rellenos, Bananenbroten, Ananastörtchen. Auch die Souvenirhändler fehlen nicht, sie verkaufen Teppiche, Kissenbezüge, Tunikas, Ohrringe, Taschen, Hängematten, Rosenkränze, Ketten, Armbänder …

21. Dezember 2014
Die Wanderung auf den Hausberg erweist sich als eine etwas knifflige Angelegenheit. Zuerst verpassen wir, trotz Steinmännchen und Karte den Einstieg, weil auf dieser Höhe die kargen und teilweise stacheligen Büsche nahe beieinander stehen. So erreichen wir das Bachbett über einen kleinen Umweg. Von da geht es dann gerade den Berg hinauf über Geröll und Felsbrocken bis wir auf den Sattel kommen. Kurz vorher hätten wir nach links abzweigen müssen um den nur wenig höher liegenden Gipfel zu erreichen. Aber das merken wir zu spät und deshalb finden wir schnell ein neues Ziel und beschliessen auf die unter uns liegende Nase zu steigen. Von weitem haben wir das Gefühl einen Wanderweg zu sehen, aber auch hier ist nicht alles so wie es scheint und auch das ist beschwerlicher als gedacht. Immerhin haben wir nochmals eine wunderschöne Aussicht über die Bahia Concepcion obwohl uns die Playa los Cocos verborgen bleibt.

Zum Nachtessen haben wir eigentlich Sabrina und Robert eingeladen, doch Sabrina geht es schon den ganzen Tag so schlecht, dass sie flach liegt und absolut nichts essen mag. Weil die zwei noch so viel Salat haben bereitet Robert diesen zu und wir können richtig schlemmen.

22. Dezember 2014
Anni hat ihrem Bergfreund Franz von Sabrina erzählt, der ein Weisheitszahn schmerzhafte Probleme bereitet. Franz bietet an, heute mit ihr zum Zahnarzt nach Loreto zu fahren (110 km). Peter ist gestern ein Zahn abgebrochen und Robert verzichtet zu seinen Gunsten mitzufahren. Sabrina bekommt Antibiotika und Schmerztabletten, Peter eine provisorische Krone, die leider bereits vier Tage später wieder herausfällt.

Am Abend beim Feuer bereiten wir das Schrottwichteln für die Weihnachtsfeier vor: Robert und Sabrina haben kleine Zettelchen zugeschnitten und diese mit je einem unserer Namen versehen. Jetzt werden diese verteilt, so dass jeder weiss, wem er zu Weihnachten etwas Witziges, Passendes oder Unnützes schenken kann. Die Geschenke werden anonym eingepackt, mit dem entsprechenden Namen versehen in eine grosse Tasche gegeben und an Weihnachten unter den ‚Weihnachtsbaum‘ gestellt.

23. Dezember 2014
Mit dem Motorrad fahren wir zum Einkauf in Mulege. Peter hat sich zu Weihnachten gewünscht, dass ich einen Zopf backe und es ist kein Problem, hier die benötigten Zutaten zu bekommen. Das spezielle Brot riecht gut und wir freuen uns aufs morgige Frühstück.

Heiligabend 2014
Als doppeltes Weihnachtsgeschenk kaufe ich der Textilhändlerin eine hübsche Kissenhülle zum Preis von 300 Pesos ab. Sie ist überglücklich, dass ich sie nicht noch weiter heruntergehandelt habe und ich habe künftig ein angenehmes hübsches Polster im Rücken. In der Palapa (Strohhütte) bei Anni und Wolfgang feiern wir zu zehnt Weihnachten mit Barbara Uwe Maria Hansjörg Sabrina Robert. Zum Anfangen gibt’s Glühwein, dazu ganz leckeren von Barbara gebackenen Dresdner Christstollen. Das Essen ist vielfältig und reichhaltig: Guacamole mit Crackers, Schweinefilet mit Champignons, Schweins-/Rindsragout, Pouletgeschnetztes an Currysauce, Reis, gemischter Salat und zum Dessert gibt es einen bunten Fruchtsalat. Einige freuen sich riesig aufs Schrottwichteln und können kaum warten, dass die Geschenke endlich verteilt werden. Der Damenslip und das kleine Ketteli aus einer brasilianischen Sexboutique lösen das grösste Gelächter aus, denn der Empfänger dieses Geschenks ist nicht etwa eine junge Dame sondern ein etwas älterer Herr mit einem ganz gesunden Humor…

Am Lagerfeuer hören wir leise die traditionellen Weihnachtslieder unserer Heimat und lassen die stimmungsvolle Weihnachtsfeier ausklingen.

Weihnachten 2014
Unterwegs treffen wir ein Pärchen aus Spanien mit einer 1200er GS BMW, die sie vor sieben Jahren in Florida gekauft haben. Seither bereisen sie jährlich etwa zwei Monate die USA und stellen das Motorrad irgendwo bei Bekannten der grossen BMW Community ab.

26. Dezember 2014
Anni und ihr Bergfreund Franz organisieren die Wanderung auf den Hausberg und wir sind insgesamt 17 fröhliche Wanderer. Wir treffen uns um 08.00 Uhr an der Abzweigung und benötigen für die gut fünf Kilometer und 480 Höhenmeter mit einigen Pausen zweieinhalb Stunden bis zum Restaurant, das ein paar amerikanische Gäste als ‚the best kept Secret in the Baja‘ (Geheimtipp) bezeichnen. Nachdem Peter gerade noch davon geschwärmt hat, wie glücklich er sei, dass Franz ihn am Montag zum Zahnarzt nach Loreto gefahren hat fällt ihm beim Mittagessen der provisorisch geklebte Kunstzahn bereits wieder herunter.

27. Dezember 2014
Nach vier Wochen gemeinsamen Reisens ziehen Maria und Hansjörg heute weiter. Sie wollen im neuen Jahr aufs Festland übersetzen und möchten wenn möglich noch Guatemala besuchen. Schon bevor sie abfahren treffen bereits die nächsten Bekannten, Jutta und Lothar ein, die sich schnell wohl fühlen und auch hier Silvester feiern mögen.

Robert zimmert aus dem Holz von zusammengebrochenen Strohhütten eine selbst entworfene Sitzbank, weil Maria und Hansjörgs Stühle nun nicht mehr verfügbar sind. Peter stellt ihm Schrauben zu Verfügung und nachdem Robert bei der ersten zaghaften Sitzprobe gleich im Sand landet verstärkt er die Bank so, dass sie gleich drei stattliche Männer zu tragen vermag.

An der Bahia de Conception gibt es viele Buchten wo man so stehen kann wie hier in Playa los Cocos und wir fahren mit dem Motorrad ein Stück nach Süden um diese auszukundschaften und zu fotografieren. An der Playa Requesion ist es extrem windig, der schöne Strand von Playa Coyote hat leider noch weniger Sonne als Playa Cocos und wir schätzen uns einmal mehr glücklich, diesen schönen Ort gefunden zu haben.

Etwa jeden zweiten Tag gibt es an Wolfgang und Annis Platz ein schönes Lagerfeuer und wer will gesellt sich dazu. Ich benutze dann jeweils die Gelegenheit, Brote zu backen. Diese halten allerdings nie sehr lang, denn sie sind äusserst begehrt und jeder möchte gern eine Scheibe davon kriegen. Bei zehn Leuten ist da schnell alles aufgegessen.

28. Dezember 2014
Sabrina und Robert laden uns heute zum Frühstück ein. Sie kochen zwei nahrhafte Porridges aus groben Haferflocken mit Früchten und aus feinen Haferflocken mit Schokolade. Wer noch nicht genug hat, isst eines der schmackhaften halb hart gekochten Eier. Wir geniessen diese kulinarische Abwechslung und die interessante Gesellschaft der beiden abenteuerlustigen Radler. Die beiden möchten heute auf den Berg steigen und suchen einen Führer, der den Weg kennt. Weil ich endlich die Website aktualisieren möchte und keine Lust habe, schon wieder da hoch zu klettern geht Peter alleine mit. Das scheinbar sportliche junge Amerikaner Pärchen schliesst sich ihnen an, doch schon bald stellt sich heraus, dass sich die gelenkige junge Frau im rauen Gelände sehr unsicher fühlt und es für sie eine riesige Herausforderung, aber auch eine unvergessliche Erfahrung ist. Robert beschliesst, direkt über die Flanke abzusteigen und kommt so bereits eine Stunde vor allen anderen wieder zurück.

29. Dezember 2014
Die junge hübsche Zahnärztin in Loreto klebt Peters Zahn wieder an – er sollte zwischen drei Monaten und einem Jahr halten – oder hat sie gemeint drei Stunden? Denn genau so kurz dauert es nämlich, bis dieser beim ersten Bissen in ein Stück weiches Brot bereits wieder heraus kommt… 200 Pesos war ihre Arbeit definitiv nicht Wert.

Derweil hackt Robert mit unserer Axt nochmals Holz, damit wir bis Silvester feuern können. Es wird erzählt, die Späne seien nur so geflogen und wir hätten da wirklich eine Demonstration dieses Energiebündels verpasst.

Heute backen wir ein helles Brot mit Leinsamen und der exotischen Gewürzmischung Panch Puren. Das schmeckt mir zwar gut, passt aber eher zu salzigem Aufstrich als zu Marmelade, und Peter ist davon nicht sehr begeistert.

30. Dezember 2014
Robert fährt mit meinem Mountainbike in die Stadt und Peter begleitet ihn mit dem Rennrad um nochmals bei der Zahnärztin vorstellig zu werden. Sie wählt diesmal einen anderen Leim und meint, der sollte nun wirklich halten.

Gestern haben wir im kleinen Restaurant in der nächsten Bucht fürs heutige Mittagessen ein Dutzend Austern Rockefeller bestellt. Diese werden am Vormittag geerntet und dann mit Käse überbacken, noch halb roh serviert. Peter mag lieber einen der berühmten Hamburger und überlässt mir die ganze Portion der zarten Muscheln. Sein Menu ist heute nicht ganz so reichhaltig und die beiden ‚Austern-Verschmäher‘ sind von ihrer Wahl etwas enttäuscht.

Silvester 2014
PROSIT NEUJAHR - pünktlich um vier Uhr stossen wir gegen Osten auf das europäische Neujahr an und freuen uns, dass wir in der Baja California mit guten Freunden Silvester feiern dürfen. Wolfgang hat ein schönes Feuer aufgeschichtet und mit dem kräftigen Südwind lodern die Flammen innert kürze. Auf der heissen Glut braten wir saftige Rindsentrecotes, Ribeye Steaks und schmackhafte Fische bevor wir zwei Brote backen und später zum Dessert Schokolade-Bananen grillen, die mit Cointreau verfeinert werden. Um zehn Uhr wird Baja Neujahr gefeiert, worauf sich das junge Amerikaner Paar verabschiedet und kurz darauf bemerken wir, dass auch die jungen Österreicher Radfahrer und Tramper fehlen. Die drei haben definitiv zu früh zu festen begonnen und wir halten überraschenderweise problemlos bis Mitternacht und weit darüber hinaus durch. Barbara und Robert überraschen uns mit einem kleinen Feuerwerk und zum Abschluss lassen wir die Wunderkerzen funkeln.

Weihnachten und Silvester mit so vielen lieben Freunden zu verbringen war für uns ganz speziell und wir werden uns noch lange an diese besinnlichen, lustigen und spannenden Tage erinnern.

WIR WÜNSCHEN ALLEN EIN WUNDERSCHÖNES 2015
MIT VIELEN TOLLEN (REISE)ERLEBNISSEN

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