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Reiseberichte - Februar 2004 [zurück]


08.02.2004

Sonntage scheinen Regentage zu sein, am 1. Februar regnet es von morgens früh bis abends spät. Trotzdem buchen wir im Visitorcenter von Dunedin die 1 ½ stündige Tour bei welcher wir die sehr raren Gelbaugen-Pinguine sehen sollen. Ihr Name stammt von der gelben Iris und dem charakteristischen gelben Streifen um den Kopf. Sie wurden von den Maori Hoiho genannt, was der laute Schreier bedeutet. Diese Pinguine werden etwa 65 – 70 cm gross, wiegen im Durchschnitt normalerweise 5 – 6 kg und werden bis maximal 32 Jahre alt. Das Durchschnittsalter beträgt jedoch nur zwischen 12 und 15 Jahren.

Die Gelbaugen-Pinguine sind die drittgrössten Pinguine und sehr rar. Es gibt davon lediglich ca. 5000 - 6000 Exemplare, wovon ¼ auf der Südinsel und der Stewart Island von Neuseeland und der Rest auf den zwei Inselgruppen Campbell und Auckland Inseln (ca. 600 km südlich von der Otago-Halbinsel) leben. Im Naturreservat für Gelbaugen-Pinguine, welches im Jahre 1985 mit 8 Brutpaaren gegründet wurde, gibt es inzwischen 18 Paare. Wir können diese herzigen Tiere aus getarnten Gräben und Hütten beobachten und fotografieren.

Die Pinguine suchen sich Ihre Nahrung in 5 bis 25 km Entfernung von der Küste, meist beginnen sie damit bereits kurz nach Sonnenaufgang und kommen bei Sonnenuntergang wieder zurück. Der Gelbaugen-Pinguin kann bis zu 123 m’ tief tauchen, die Durchschnittstiefen liegen jedoch bei etwa 50 m’. Die einzelnen Tauchgänge sind kurz, 2 bis 5 Minuten, aber kontinuierlich und häufig mit Unterbrüchen von einigen Sekunden an der Wasseroberfläche. Ihre Hauptnahrung sind Sardinen und Dorsche, manchmal auch Tintenfische, die Kopf voran verspeist und für die Küken wieder hervorgewürgt werden.

Am Montag ist es wieder trocken und das Wetter bessert von Stunde zu Stunde. Um 14 Uhr beginnt die einstündige Albatross-Tour auf dem Taiaroa Head. Diese Vögel besitzen eine Spannweite von beinahe drei Metern und gleiten oft stundenlang ohne einen einzigen Flügelschlag. Die Kolonie der Königsalbatrosse, welche seit 1920 dort nisten, ist bis heute auf ca. 90 – 100 Vögel angewachsen. Es werden grosse Anstrengungen unternommen, die Albatrosse vor eingeführten Räubern, wie Katzen, Hunden, Frettchen, Wieseln oder Possums zu schützen.

Die Brutvögel treffen im September in Taiaroa Head ein und anfang November wird das Nest gebaut. In den ersten drei Novemberwochen wird ein weisses Ei gelegt, welches bis zu 500 Gramm wiegt. Die Altvögel teilen sich über einen Zeitraum von 11 Wochen die Arbeit des Brütens in Schichten von zwei bis acht Tagen. Wenn der Jungvogel geschlüpft ist, wechseln sich die Altvögel während der ersten 30 bis 40 Tage bei der Sorge für das Küken und seiner Fütterung ab. Nach ca. 300 Tagen der Sorge für Ei und Küken verlassen die Altvögel die Kolonie um ein Jahr auf See zu verbringen, bevor sie zum Brüten zurückkehren.

Die Jungvögel schlüpfen Ende Januar/Anfangs Februar. Nach dem ersten Loch in der Schale brauchen sie runde drei Tage um sich ganz aus dem Ei zu befreien. Während der ersten 20 Tage wird der Jungvogel immer dann gefüttert, wenn er bettelt, danach nimmt die Häufigkeit der Mahlzeit ab auf drei bis viermal pro Tag. Nach 100 Tagen haben die Flaumfedern des Jungvogels bereits die Höchstlänge von 12 Zentimetern erreicht. In diesem Alter wird der Jungvogel mit grösseren, festeren Brocken gefüttert, bis zu 2 kg pro Mahlzeit. Anfang August beginnen die Altvögel mit der Fütterung kleinerer, leichterer Mahlzeiten und im September verlässt der flügge gewordene Jungvogel das Nest, zunächst nur, um seine Flügel auszustrecken und dann schliesslich um mit einem kräftigen Windstoss davonzusegeln. Der junge Albatross verbringt die nächsten drei bis sechs Jahre auf hoher See und kehrt dann vielleicht zu seinem Geburtsort zurück, um für eine neue Generation der Könige von Taiaroa zu sorgen.

Vom Observatorium aus können wir auch die Nester der Shags überblicken, der Taiaroa Head ist ein richtiges Vogelparadies.

Am Abend, vor dem Eindunkeln, machen wir uns am Strand bereit, um das an Land kommen der Blauen Pinguine, der kleinsten Pinguin-Art (ca. 25 – 30 cm), mitzuerleben. Die kleinen Kerle lassen sich Zeit und kommen wirklich erst, als man sie schon beinahe nicht mehr sieht. Fotografieren oder filmen ist bei dieser Dunkelheit nur mit Spezialkameras noch möglich. Aber das eindrückliche Schauspiel wird immer in unserer Erinnerung bleiben. Diese niedlichen Tiere sind sehr scheu und wirken trotzdem unheimlich selbstbewusst. Das erste Pärchen watschelt den Weg hinauf, ohne sich gross um die Leute zu kümmern und die nächsten Paare sind so ängstlich, dass sie aufeinander warten und sich erst als starke Gruppe (14 – 16 Stück) auf den Heimweg machen. Sie bleiben immer zwischendurch Mal wieder stehen um sich umzuschauen oder auszuruhen? und gehen dann zielstrebig wieder weiter. Wir verfolgen sie mit unseren Augen bis wirklich nichts mehr zu sehen ist.

Auf dem Nachhauseweg begegnen wir endlich einmal einem lebendigen Possum und einem Hasen, beide sind jedoch hier in Neuseeland eine Plage und Bedrohung.

In Dunedin schauen wir uns eigentlich nur die Baldwin Street, die steilste Strasse der Welt mit 35 % Gefälle sowie das wirklich schöne Bahnhofgebäude an und machen noch ein paar Fotos von anderen schönen Gebäuden.

Am Dienstag geht es weiter Richtung Oamaru und Mt. Cook. An der Küste besuchen wir die Moeraki Boulders, runde Steine von bis 2 m’ Durchmesser, welche wie riesige Murmeln am Strand liegen und uns staunen lassen. Die wissenschaftliche Erklärung zur Entstehung dieser tonnenschweren Kugeln vor über 4 Mio. Jahren ist umstritten und deshalb ersparen wir uns diese komplizierten Ausführungen.

Die Strasse nach Duntroon über Ngakata führt uns vorbei an den Elefanten-Felsen und durch ein Tal gesäumt von Felsen, welches aussieht als ob vor Urzeiten einmal ein Erdbeben stattgefunden hätte. Im Waikiki Valley finden wir Maori-Zeichnungen in den Felsen.

Ruedi und Peter unternehmen am Mittwoch die dreistündige Wanderung zum Hooker Lake und sind begeistert von der fantastischen Bergwelt. Der Mount Cook zeigt sich wieder von seiner schönsten Seite.

Der Donnerstagmorgen ist noch ziemlich kühl und neblig. Trotzdem nehmen wir um 10.15 die sechsstündige Wanderung zum Ball Shelter in Angriff. Wir erreichen diese Hütte jedoch nicht, weil am 8. Januar nach Ueberflutungen grosse Teile des Weges einfach weggespült wurden und wir über unwegsame Geröllhalden hätten steigen müssen. Da wir aber nicht weit von der Hütte entfernt sind können wir die grandiose Aussicht auf den Tasman Glacier und den Ball Glacier sowie einige schneebedeckte Dreitausender genauso geniessen.

Unsere Reise geht weiter über Lake Tekapo und Fairlie nach Ashburton, wo wir Charly, einen Schweizer mit seiner Neuseeländer Frau Cathy und deren drei Kindern, auf der Farm besuchen und Grüsse von Peters ehemaligen Nachbarn in Oftringen überbringen. Er freut sich sehr, dass wir uns für das Farmleben interessieren und zeigt uns den topmodernen Melkstand, wo 50 Kühe aufs Mal gemolken werden können. Die 740 Kühe werden je nach Jahreszeit täglich ein bis zwei Mal gemolken, was bis zu 28'000 l Milch einbringt. Diese Milch wird in zwei Arbeitsgängen auf 5 Grad abgekühlt und jede Nacht mit dem Milch-Tankwagen abgeholt. Charly ist zurzeit noch Farmmanager und lebt ganz für diesen Job, den er jedoch wegen Umstrukturierungen nur noch für kurze Zeit ausführen wird. Die ehemals sehr grosse Farm wurde zweigeteilt, verkauft und die jetzige Grösse umfasst ca. 210 ha Weideland.


15.02.2004

Sonntag, 08.02: In Ashburton fährt Ruedi die 1999 aus einem Flussbett geborgene und erst vor kurzem fertig restaurierte Amerikanische Dampflokomotive Washington Rodgers K 88, Jahrgang 1876. Er legt einen Schnellstart ein und gerät damit gleich ins Schleudern. Die Räder der Lok drehen durch und es entsteht einiger Rauch, der Heizer und Lokführer gehörig einnebelt. Doch schon bald ist der Zug unter Kontrolle und die halbstündige Reise in die Prärie kann losgehen. Die Fahrgäste sind mit der Fahrt zufrieden und auch Ruedi hat das Abenteuer glücklich überstanden.

Auf dem künstlich erstellten Lake Hood ist bei schönem Wetter einiges Los: Motorboote und Jetboote die Wasserskis oder Wakeboards ziehen sowie Wassertöffs gibt es hier zuhauf. Heute ist es ziemlich ruhig, weil das Wetter nicht alle Leute ins Freie zieht. Unsere Reise geht weiter via Methven zum Lake Colridge und auf einen innoffiziellen Campingplatz der Fischer an der Rakaia Gorge.

Montag, 08.02: Die heutige Reiseplanung ist nicht unbedingt gewollt, aber es gibt immer einen zwingenden Grund nach Christchurch zurückzukehren. Diesmal ist es leider wieder einmal die noch immer defekte Fotokamera. Trotz unzähliger telefonischer Erkundigungen haben wir bis heute keine Auskunft erhalten, was die Reparatur unserer Kamera kostet. Deshalb müssen wir persönlich in den Kamerashop gehen und uns dort erkundigen. Wir erhalten nun immerhin die Auskunft, die Kamera sei bei Canon in Auckland und werde von Technikern angeschaut. Wir würden innert der nächsten zwei Tage einen Kostenvoranschlag erhalten. Also: wieder warten.

Ausserdem fahren wir heute ziemlich weit und sind froh, in Kaikoura einen netten Campingplatz zu finden, wo wir kochen, backen und auch schön duschen können. Das Städtchen ist zwar voller Touristen aber ziemlich hübsch. Weil einige Läden noch offen sind, müssen wir uns einmal nicht mit „Window shopping“ begnügen und finden ein paar unvergessliche Souvenirs.

Die Strecke nach Picton haben wir schon einmal gefahren und wir halten nur noch kurz um mit Ruedi die spezielle Aussicht an der Küste zu geniessen. In Picton fahren wir gleich zur Waikawa Marina und besichtigen das Segelboot „Sail-la-vie“, welches wir ab 15. Februar gechartert hatten.

Weil wir jedoch auch einen Skipper brauchen kommt alles ein bisschen anders: Graeme von der Charterfirma teilt uns ganz ohne nähere Erklärung mit, wo das Boot unseres Skippers Bruce’s „Raison de vivre“ liegt. Er denkt, dass wir ihn da vielleicht treffen werden. Wir bestaunen dieses prächtige Boot ganz ehrfürchtig und wünschen uns, dass wir damit hinaussegeln könnten. Als wir den Steg verlassen kommt uns ein sehr sympathischer Typ entgegen und spricht uns an, ob wir am Sonntag mit ihm Segeln kommen. Er bittet uns gleich auf eine Besichtigung seines Segelschiffes und erläutert ganz nebenbei, dass wir unseren Törn damit unternehmen werden. Er verspricht uns eine Dokumentation über das Schiff zusammenzustellen, damit wir diese noch anschauen können. Wir freuen uns riesig auf diesen Segeltörn und studieren vor dem ins Bett gehen die uns übergebenen Unterlagen.

Am nächsten Tag geht es weiter, einmal mehr über den Queen Charlotte Drive nach Havelock, Nelson, Motueka, den Takaka-Hill nach Takaka und Totaranui. In Tasman machen wir einen kurzen Abstecher zu Murray und Noeline, die uns anfangs Januar beherbergt haben, und bereiten ihnen damit eine riesige Freude. Die Nacht auf dem DOC-Campingplatz in Totaranui ist ziemlich stürmisch und es regnet stark, doch Ruedi bleibt diesmal in seinem Zelt erstaunlicherweise ganz trocken. Wir im Campervan hingegen müssen auf die trockene Seite rutschen, weil das dem Wind zugekehrte Schiebefenster nicht ganz dicht ist. Am Morgen ist das Wetter wieder ganz freundlich und bei Sonnenschein unternehmen wir eine zweieinhalbstündige Wanderung durch den nördlichsten Teil des Abel Tasman Nationalparks über den Headlands Track zur Anapai Beach und zurück nach Totaranui. Auf dem Rückweg besuchen wir nochmals ganz kurz die Pupu Springs und machen einen Abstecher bei Judy & Peter, um auch hier nochmals auf Wiedersehen und Dankeschön zu sagen. Und natürlich auch ein bisschen, um Ruedi dieses wunderschöne Plätzchen direkt am Strand der Golden Bay zu zeigen.

Die Etappe bis Kaiteriteri ist nicht sehr lang und deshalb bleibt uns genügend Zeit um für Freitag die richtige Kanutour auszusuchen. Weil Ruth befürchtet, keinen ganzen Tag im Kanu durchzuhalten und auch Ruedi nicht so sicher ist, schlägt Peter vor, für vier Stunden ein 1er- und ein 2er-Kanu zu mieten und eine unbegleitete Tour zum „Split Apple Rock“ zu unternehmen.

Es stellt sich heraus, dass dies genau die richtige Idee ist, weil es gar nicht so einfach ist, ohne Training über längere Zeit zu paddeln ohne hundemüde zu werden. Wir geniessen das lautlose Vorwärtskommen in den leichten Wellen, machen ein paar Fotos und genehmigen den verdienten Lunch am einsamen Strand. Als wir wieder in die Kanus steigen wählt Ruedi den falschen Moment und kippt schon bevor er drin sitzt. Er ist nun zwar ein bisschen nass, aber immer noch guten Mutes und beim nächsten Versuch klappt es problemlos.

Am Samstag geht es wieder zurück von Kaiteriteri über Nelson nach Picton. In Nelson besuchen wir nochmals den Vodafone Shop – ein am 24. Dezember gekauftes Kabel hat Wackelkontakt und es wird uns Gott sei Dank in Garantie ersetzt. In Havelock machen wir im Pub halt und Ruedi lädt uns zu einem feinen Nachtessen ein. Ruth wählt einmal mehr die Scallops, Ruedi und Peter genehmigen sich ein zünftiges Stück Rindfleisch und wir geniessen es, alles so schön serviert zu bekommen. Frisch gestärkt nehmen wir das letzte Wegstück nach Picton unter die Räder, um am Sonntag für unseren 4tägigen Segeltörn bereit zu sein.


27.02.2004

Sonntag, 15. Februar. Die Nacht ist stürmisch und auch am Vormittag ist es noch windig und regnerisch. Um 12.00 Uhr sollen wir unsere Segeljacht übernehmen, doch wir finden niemanden auf dem Büro der Charter-Company und wundern uns eigentlich ziemlich darüber. Auch unser Skipper lässt auf sich warten. Gut eine halbe Stunde später wissen wir dann warum: Es ist zu stürmisch um auszulaufen und Christel von Compass-Charter macht uns den Vorschlag, den Segeltörn um einen Tag zu verschieben. Das heisst nun also von Montag, acht Uhr morgens, bis Freitagvormittag. Wir dürfen jedoch das Boot bereits übernehmen und in der Nacht auf Montag an Bord schlafen. So können wir uns ganz ohne Hast mit unserem neuen Zuhause vertraut machen.

Unser Skipper und Eigner des Bootes, Bruce Chapman-Cohen, kommt heute pünktlich an Bord. Er erklärt uns ganz ruhig das Wichtigste, startet den Dieselmotor und verlässt mit uns den Hafen von Waikawa, hinaus in die Marlborough Sounds. Wir setzen schon bald das Grosssegel (2. Reff), denn damit werden wir besser gesehen und spüren trotz laufendem Motor und teilweise ungünstiger Segelstellung die gewaltigen Kräfte des Windes. Am Mittag laufen wir den Steg in Ship Cove an und besichtigen das Monument von Captain Cook, der diese Bay mit seinen Segelschiffen „Endeavour“ und „Discovery“ insgesamt fünf Mal besuchte. Drei Mal benutzte er diese Gelegenheit um sein Schiff zu reinigen und den Unterboden zu kontrollieren, indem er dieses jeweils auf den Strand fuhr und auf die Seite legte.

Weil der Wind immer mehr auffrischt und schon bald sturmartige Ausmasse erreicht, suchen wir für den Abend eine von Wellen und Wind geschützte Bay, damit wir eine ruhige Nacht geniessen können. Die erste von uns anvisierte Bucht erweist sich als zu exponiert und deshalb segeln wir gleich um die Ecke zur Warrick Bay. Naja, der Wind verschont uns zwar auch hier nicht, aber es könnte schlimmer sein.

Der Dienstag beginnt in etwa, wie der Vortag aufgehört hat, nur dass es jetzt noch kräftig regnet. Doch auch dieser Regen bringt es nicht fertig, unsere Freude am Segeln zu verderben. Ersten Anzeichen von Seekrankheit treten wir vehement mit Navy Caps entgegen und wir fühlen uns alle ganz gut. Bruce kocht immer Mal wieder Tee oder Kaffee, was uns warm und bei guter Laune hält. Die Mittagspause in der Homestead Bay nutzen wir, um uns mit einem kräftigen Lunch für die weiteren Abenteuer zu stärken.

Wir fahren unter Motor mit der Strömung durch den French Pass und hören uns den Wetterbericht an um die Weiterreise zu planen. Während wir in der Bay treiben sehen wir eine ganze Anzahl Delfine, die in den Wellen eines Motorbootes surfen – immer wieder ein faszinierendes Schauspiel. Die Prognose für die Umsegelung der Insel D’Urville Island ist so schlecht (60 Kn Wind, 7 m’ Wellen), dass wir uns entschliessen umzukehren. Das heisst, zurück durch den French Pass und der dem Wind abgekehrten Seite der Insel entlang zu segeln. Dieser Entscheid hat sich dann später als vollkommen richtig erwiesen, der neue Wetterbericht bestätigte die Vorhersage. Am Abend legen wir an der Mooring in Catherine Cove an und wir verbringen die bisher ruhigste Nacht.

Am Mittwoch segeln wir den ganzen Weg mit Rückenwind zurück und ums „Cape Horn“. Windgeschwindigkeiten in den Böen bis 50 Kn und der Seegang mit bis zu 4 m hohen Wellen sind für uns ungewohnt. Wir erreichen ohne Grosssegel und mit nur 30 % gesetzter Genua eine Spitzengeschwindigkeit von 8.9 Knoten. Wir lernen die Cook Strait mit ihren speziellen Bedingungen ein wenig kennen. Bruce, der erfahrene Skipper, bezeichnet unseren Törn ganz spontan als „Heavy Weather Sailing Course“. Wir wollen auf der windgeschützten Seite der Motuara Island an der Mooring anlegen. Die Mooring ist jedoch nicht mehr hier und zudem ist es viel zu wellig und windig, deshalb begeben wir uns ein bisschen weiter, einmal mehr nach Ship Cove, um uns mit einer Suppe und Lunch von dieser ungewohnten Anstrengung zu erholen.

Wir segeln vom Queen Charlotte Sound in den Tory Channel, welcher von den Fähr- und Transportschiffen benutzt wird, und ankern am Abend in der Hiteau Bay. Die Mooring ist bereits belegt und deshalb setzen wir den Anker und sichern uns mit einer Leine zum Ufer.

Am Donnerstag segeln wir den ganzen Tory Channel, hinaus zur Cook Strait. Es ist sehr speziell, in diesem Kanal zu segeln, weil er viele Richtungsänderungen birgt und alle grossen Schiffe, die nach Picton kommen, hier durch müssen. Zudem spielen die Gezeiten eine sehr grosse Rolle, entweder fliesst der Strom in die Cook Strait hinaus oder in die Sounds hinein. Wir segeln in windeseile hinaus, weil der Strom Richtung Osten fliesst und unsere Fahrt damit begünstigt. Draussen ist es dann ziemlich rau und böig, was uns veranlasst nach kurzer Zeit eine Halse zu machen und wieder in ruhigere Gewässer zurückzuselgeln. Nun haben wir jedoch die Strömung gegen uns und wir kommen nur mit voller Motorunterstützung weiter voran. Die Rückfahrt durch den Tory Channel dauert etwa vier Mal so lang wie das Hinaussegeln.

Am Abend legen wir an der Clubeigenen Boje in der Flipper Bay an und die Segeljacht „Welcome home“ kommt längsseits.

Am Freitag nach dem Frühstück erklimmt Ruth den 18 m hohen Mast der „Raison de vivre“. Sie lässt vor Aufregung beinahe die Kamera fallen und bringt es dann doch noch fertig einige Fotos zu schiessen. Wir kreuzen auf, umrunden die Allports Island und segeln zurück in den Hafen von Waikawa.

Wir haben bei diesem Segeltörn unheimlich viel gelernt. Einerseits war es eine spezielle Herausforderung mit all den englischen Ausdrücken, andererseits waren auch die Wetterbedingungen mit denjenigen auf Mallorca nicht zu vergleichen. Das Klima hier ist viel rauer als im Mittelmeerraum. Der Skipper ist sturmerprobt und hat schon viele Törns zu Inseln wie Tonga, Fidji und Samoa unternommen. Er hat uns sehr viele Tipps gegeben und von seinen Erfahrungen in verschiedenen Situationen erzählt. Wir konnten ihm am Abend jeweils Stundenlang zuhören. Bruce, thanks a lot for your lovely company – we had a very good time with you.

Noch am Freitag müssen wir zurück nach Christchurch, weil Ruedi am Samstag, 21. Februar, wieder in die Schweiz zurückreisen muss. Wir haben die fünf Wochen miteinander sehr genossen und verabschieden uns mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Abends machten wir des öfteren einen Dreibieter (Jass) und hatten grossen Spass dabei.

Es ist 27° C heiss, doch der starke Wind macht die ungewohnte Wärme erträglich. Das Wetter ist gerade richtig für „Starry Nights“, einer Show mit Darbietungen aus verschiedenen Musicals, im Hagley Park.

Am Sonntag verabschieden wir uns noch von Helene, die extra 80 km von Methven nach Christchurch fährt um uns nochmals zu treffen. Zu unserem Abschiedsessen mit Lorraine und Paul kommen auch Gay und Bruce, welche öfters auch mit uns etwas unternommen haben, sowie die beiden Studenten Anne aus Schweden und Conny aus der Schweiz. Wir schlemmen zum letzten Mal vom feinen Buffet im Garden Restaurant.

Für Montagabend sind wir bei Benita und Roland in der Governors Bay eingeladen. Hier lernen wir auch Benitas Tochter Tanja und ihren Gatten Waldemar kennen, welche in den letzten 5 Wochen auf der Südinsel über 2'500 km auf dem Fahrrad zurückgelegt haben und dabei einige unvergesslich steile Passagen zu bewältigen hatten. Benita und Roland: Herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft!

Am Dienstag fahren wir zum bereits dritten Mal von Christchurch nach Picton. Wir wollen um ca. 16.00 Uhr da sein um mit Bruce an der Regatta teilzunehmen, welche allwöchentlich am Dienstag stattfindet. Unterwegs helfen wir jedoch einem jungen Holländer Pärchen mit Kleinkind, die einen platten Reifen und ein ebenso plattes Reserverad haben. Deshalb wird es ein bisschen später. Doch gleichzeitig trifft auch Bruce ein, der heute sehr beschäftigt war und deshalb keine Zeit hatte, sein Boot auf die Regatta vorzubereiten und eine Crew zusammenzustellen. Wir wollen nichts erzwingen und verzichten auf die Regatta, vereinbaren jedoch, am Mittwoch noch einen gemeinsamen Segeltag zu unternehmen.

Um neun Uhr treffen wir den wie immer gutgelaunten Bruce. Es ist traumhaftes Wetter und der Wind bläst zwar nicht stark, dafür einmal ziemlich regelmässig. Wir setzen schon bald einmal den Spinacker und geniessen für kurze Zeit dieses immer wieder spezielle Segelerlebnis. Nach dem Lunch in der Spenser Bay segeln wir um die Blumine Island und kommen ein bisschen später als geplant wieder zurück in den Hafen von Waikawa.

Am Donnerstag ist wieder einmal das Wandern dran. In letzter Zeit war unser Bewegungsraum doch ziemlich begrenzt; einerseits auf dem Schiff, andererseits mit den langen Fahretappen im Wohnmobil. Wir geniessen den schön angelegten Queen Charlotte Track auf den ersten 8 km von Anakiwa bis hoch (200 m) über der Flipper Bay und gehen denselben Weg wieder zurück.

Am Freitag, 27. Februar 2004, nehmen wir endgültig Abschied von der Südinsel. Die Schnellfähre „The Lynx“ bringt uns von Picton nach Wellington, der Hauptstadt von Neuseeland.


Wir waren jetzt fast fünf Monate auf der Südinsel unterwegs und haben 8'233 km zurückgelegt. Die einsamen Strände, die schönen Buchten, die malerischen Südalpen, die leeren Strassen und vor allem die netten Leute werden wir so schnell nicht vergessen. Geblieben sind viele Freundschaften und gute Erinnerungen.

See you, South Island – wir kommen sicher wieder einmal zurück!

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