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Reiseberichte - März 2004 [zurück]


06.03.2004

Am 27. Februar um 7 Uhr abends verlassen wir die Südinsel und genau in diesem Moment beginnt der Himmel zu weinen. Der Regen hält während der ganzen Ueberfahrt an und dauert auch den ganzen Samstag. Trotzdem erkunden wir Wellington City zu Fuss und besuchen das Museum of Wellington City and Sea. Im Laufe der Nacht auf Sonntag lässt der Regen langsam nach und am Sonntag ist es nur noch stark bewölkt, mit einigen versöhnlichen Aufhellungen. Die Sicht vom Mt. Viktoria Lookout auf die Stadt, die Cook Strait und den Hafen ist wunderschön und lässt erahnen, weshalb es Leute gibt, die diese pulsierende Stadt lieben.

Wir besuchen auch das interessante Museum of New Zealand Te Papa, wo wir unter anderem in einem kleinen Haus die Geschichte des Edgecombe-Erdbebens hören und danach so geschüttelt werden, wie dies damals stattgefunden hat. Ein Modell der Erde zeigt uns, in welche Richtungen sich die 15 Hauptplatten verschieben. Neuseeland zum Beispiel wandert jährlich 15 mm Richtung Südwesten und entfernt sich so ganz langsam von Australien. Eine andere Ausstellung zeigt all die verschiedenen Tierarten, Vögel, Fische und Meresgetiere, aber auch Säugetiere wie Possums oder Ratten. Besonders interessant für uns ist die Ausstellung vom Fliegen. Wir erfahren wie und weshalb Vögel, Flugzeuge, Fliegen etc. überhaupt fliegen. Einen Grossteil davon wissen wir ja schon, aber wie sich die Fliege in der Luft hält ist doch ein ganz anderes Kapitel. Gegen Abend verlassen wir die Stadt und fahren über Porirua, Waikanae über den Akatarawa Saddle, eine kurvenreiche sehr enge Strasse, Richtung Upper Hutt. Am Montag versuchen wir dann wieder einmal dem Regen zu entfliehen, indem wir so weit wie möglich dem blauen Himmel in der Ferne entgegenfahren. Vom Rimutaka Summit (555 müM) aus sehen wir das schöne Wetter, in Featherston machen wir auf jeden Fall schon einmal Halt und geniessen den ersten Sonnenschein auf der Nordinsel.

Im Fell Locomotive Museum bestaunen wir die spezielle NZR Fell locomotive H199, welche bis am 29. Oktober 1955 zusammen mit fünf weiteren Loks der gleichen Bauart im Einsatz war und Güter sowie Personen von Cross Creek auf den Rimutaka Pass (3 Meilen) transportierte. Anstatt nur zwei Schienen gab es in der Mitte eine erhöhte Zentralschiene, auf welcher die zusätzlichen, horizontal angetriebenen Räder der Lok liefen. Auf dem Rückweg wurden jeweils spezielle Bremswagen (bis sieben Stück) benötigt, welche genau auf den ganzen Zug verteilt wurden (z. B. drei am Anfang, einer in der Mitte und einer am Ende) und manchmal auf diese 4,8 km einen ganzen Bremsklotz verbrauchten. Am 3. November 1955 wurde dann aber der 8.8 km lange Umfahrungstunnel eröffnet und die langsame und wegen des hohen Personalbedarfs zu teure Strecke zum Pass wurde stillgelegt.

In Greytown, der im Jahre1854 gegründeten Stadt mit heute 1'800 Einwohnern, besuchen wir den Papawai Marae, welcher früher als Versammlungshaus der Maori diente. Ab 1897 war dieser Ort für kurze Zeit die Hauptstadt der Maoris und die Einwohnerzahl war beinahe doppelt so hoch wie heute. Rund um den Marae stehen 18 Holzstatuen, welche Ahnen darstellen und auf dem Eingangstor befindet sich die Statue an der man erkennen kann, zu welchem der verschiedenen Stämme diese Maori gehören.

Über Masterton fahren wir direkt an die Küste nach Castlepoint, wandern zum Castlepoint Lighthouse, was gar nicht so ungefährlich ist bei diesem starken Wind, und machen es uns dann auf dem Campingplatz gemütlich. Seinen Namen erhielt dieses Dorf im Jahre 1770 von Captain Cook, dem beim Vorbeisegeln die Felsformationen wie die Verteidigungsmauer eines Schlosses erschienen.

Am Dienstag ist der Himmel, abgesehen von einer ganz speziellen, lang gezogenen weissen Wolke über dem Meer, strahlend blau. Wir starten bei schönem Wetter zur 2 ½ stündigen Tour auf dem Deliverance Cove Track zum Castle Rock und lassen uns vom eindrücklichen Ausblick aufs Meer bezaubern. Langsam ziehen Wolken auf und wir treten den Rückweg an. Obwohl wir dafür nur eine knappe Stunde benötigen erreichen wir den Campingplatz genau in dem Augenblick, als ein starker Regen einsetzt, der die ganze Nacht hindurch anhält.

Am Mittwoch um fünf Uhr Nachmittags treffen wir uns mit Richard, einem Duathlet, den wir am Powerman in Zofingen kennengelernt haben. Er führt uns ins Haus seiner Eltern Barbara und Jan, wo wir herzlich aufgenommen werden und ein köstliches Nachtessen geniessen. Einmal mehr dürfen wir zur Abwechslung in einem bequemen Bett übernachten und einer eiskalten Nacht im Campervan entfliehen. Herzlichen Dank für diese Gastfreundschaft.

Am Morgen zeigt uns Andrew, Richard’s Bruder, die 700 ha grosse Farm. Die Familie besitzt 200 Bullen und 6’000 Schafe, was insgesamt 8'000 Vieheinheiten, resp. elf Schafe pro Hektare ergibt. Dann führt er uns durch eine teilweise immer noch überflutete Ebene und zu einer der beschädigten Brücken, die Bilder der Zerstörungen sind eindrücklich. Die bisher einzige Windkraft-Anlage in Neuseeland mit über 100 Windgeneratoren, die Strom für ca. 30'000 Häuser produzieren kann, ist ein Anziehungspunkt und Andrew fährt uns auf den 400 m’ hohen Hügel.

Weil die Wettervorhersage im Tongariro Nationalpark für die nächsten drei Tage hervorragend ist raten uns Jan und Andrew unseren Plan, nach Nelson zu reisen, ein wenig zu ändern und sofort dorthin zu fahren. An der Ostküste ist es öfter schönes Wetter und wir müssen einmal mehr die Chance nützen, so flexibel umstellen zu können. Wir nehmen es sehr gemütlich, kaufen in Palmerston North noch einige Geschenkli, und übernachten auf einem Rastplatz mit Sicht auf den Mt Ruapehu. Dort treffen wir das Fribourger Päärli Marcel und Marie und verbringen in deren grossem Wohnmobil einen gemütlichen Abend bei Wein, Guetzli und einem interessanten Schwatz in Schweizer Mundart. Schön, dass wir diese netten Menschen kennen gelernt haben, hoffentlich treffen wir sie irgendwo auf unserer Reise einmal wieder. Am Freitag, 5. März, fahren wir dann in die Nähe des Ausgangspunkts zur 17 km langen Tongariro Crossing. Vom Campingplatz aus werden wir am Samstag früh um sieben dorthin gebracht und starten auf ca. 1200 m’ Höhe. Es ist zwar noch furchtbar kalt aber über dem Nebelmeer herrscht schönstes Wetter. Die Wanderung soll zwischen sechs und acht Stunden dauern und wir werden entweder um zwei, drei oder vier Uhr auf der anderen Seite wieder abgeholt. Wir nehmen es sehr gemütlich und geniessen die einzigartigen Landschaften auf dieser Tour.

Trotzdem schnaufen wir am knapp einstündigen Aufstieg zwischen Soda Springs und South Crater ganz gehörig und machen, dort angekommen, eine erste Verpflegungsrast. Frisch gestärkt marschieren wir durch die riesige Ebene und nehmen den nächsten Aufstieg auf den 1886 m’ hohen Red Crater, der durch starken Wind noch erschwert wird, in Angriff. Der Blick auf die umliegende Bergwelt und die bizarre Vulkan-Landschaft ist einmal mehr überwältigend. Nicht einmal Bilder vermögen diese einzigartigen Eindrücke zu übermitteln. Von nun an geht es, abgesehen von zwei, drei kleinen Gegenanstiegen, vorwiegend bergab. Jetzt sind starke Beine/Knie gefragt, Puste braucht es keine mehr, trotzdem erscheint uns dieser Teil beinahe noch anstrengender. Nach sieben einviertel Stunden erreichen wir glücklich, müde und zufrieden den Parkplatz, wo wir um drei Uhr wieder abgeholt werden.



14.03.2004

Am Sonntag, 7. März führt die Reise weiter über die Te Ponanga Saddle Road und westlich am Lake Taupo vorbei nach Taupo, wo am Vortag ein Ironman-Triathlon stattgefunden hat.

Auf dem Hwy Nr. 1, ein bisschen nördlich von Taupo besuchen wir am Montag die Craters of the moon. Es brodelt und dampft aus den vielen Kratern und riecht teilweise auch ein bisschen eigenartig. Der Anblick dieses Gebiets erinnert wirklich an eine Mondlandschaft, mit vielen Pflanzen zwar, aber immerhin schon ein wenig sonderbar. Der Abstecher zu den verschiedenen Huka Falls Lookouts ist total lohnenswert. Noch von weitem finden wir, unsere Rheinfälle seien viel beachtenswerter, aber weit gefehlt – so etwas spektakuläres haben wir tatsächlich noch nie gesehen. Der Waikato River ist für die Stromerzeugung von grosser Bedeutung, er liefert die Wasserkraft für insgesamt acht Wasserkraftwerke und das Kühlwasser für zwei Thermalkraftwerke. Insgesamt liefert dieser Fluss Wasser für 15 % des gesamten Strombedarfs von Neuseeland.

Ueber die Desert Road (Passhöhe 1074 m’) Richtung Süden beenden wir die Rundreise um den Lake Taupo und den Tongariro Nationalpark. Auf der verkehrsarmen Verbindungsstrasse zwischen Turangarere und Napier übernachten wir direkt am Rangitikei-River und fahren erst am Dienstag weiter nach Napier.

Unterwegs wundern wir uns über ein Hinweisschild „First Aid Kit“, also heisst es umkehren und nachschauen. Ausser einem offiziellen Vermessungspunkt finden wir aber leider gar nichts.

Am Dienstagabend treffen wir Yayoi, die treuste Schulkameradin von Peter, auf dem Top 10 Holiday Park (wir haben das per SMS abgemacht). Wir verbringen zu sechst mit Tomoko, Natsuko und Naoko einen gemütlichen Abend bei Coke und Guetzli.

Am Mittwoch muss unser Campervan zum Service und wir sind ca. sechs Stunden ohne Fahrzeug. Deshalb machen wir uns auf zum Aussichtspunkt über den Hafen und, apropos Vermessungspunkte: Auf dem Bluff Hill sind wir genau 18'765 km von zuhause (in Safenwil) entfernt!

Donnerstag, 11. März: Wir wandern 10 km dem Strand entlang und 1 km den Hügel hoch zur Gannets-Kolonie auf dem Cape Kidnappers. …und wer wohl hat diesem Kap seinen Namen gegeben? Richtig: Einmal mehr James Cook. Warum? Die Maori wollten hier ein Haitianisches Crewmitglied seines Segelschiffes festnehmen, was nur durch eine Schiesserei verhindert werden konnte.

Cape Kidnappers ist der grösste und spektakulärste Festland-Nistplatz der Gannets (Tölpel) auf der Welt. Die insgesamt ca. 20'000 Gannets sind Mitglieder der Bobby-Familie mit bezeichnenden schwarzen Augenmarkierungen und blassgoldener Krone. Etwa 1'500 Brutpaare nisten in der Plateau-Kolonie und wir dürfen diese mit ihren Jungen aus nächster Nähe betrachten. Sie machen zwar einen Heidenlärm, scheinen sich jedoch durch die Leute nicht stören zu lassen. Ganz junge Vögel gibt es im Moment keine, geboren werden sie nackt und grau. Im Alter von 7 Wochen sind sie ganz weiss und flaumig, mit 12 Wochen werden sie grau und beginnen Flugübungen zu machen. So alt etwa sind sie jetzt und ganz beachtlich ist auch ihr Gewicht, sie wiegen etwa 60 x ihr Geburtsgewicht von 50 Gramm. Das überflüssige Fett verlieren sie jedoch durch die kräftigen Flügelbewegungen zum Fliegenlernen, bevor sie überhaupt das erste Mal abheben. Sie schauen den Erwachsenen beim Starten und Fliegen immer wieder zu und versuchen ganz angestrengt, es ihnen gleichzutun. Doch ausser ein paar Hüpfern gelingt im Moment noch gar nichts, obwohl sie stundenlang
im Wind stehen und Flügelschläge üben. Im Alter von 15 bis 16 Wochen verlassen sie dann die Kolonie und fliegen nach Australien. 70 - 80 % sterben über die nächsten 2 - 3 Jahre, bevor sie überhaupt je wieder nach Cape Kidnappers zurückkehren. Die Flügelspannweite der ausgewachsenen, jetzt weissen Vögel beträgt beinahe zwei Meter und sie können gleiten, soaren und tauchen. Ganz interessant ist ihnen zuzuschauen, wenn sie sich ernähren: Aus der spektakulären Höhe von 30 Metern setzen sie zum Sturzflug an, tauchen mit einer Geschwindigkeit von 140 kmh ins Wasser ein und schwimmen in acht Meter Tiefe. Dort schwimmen sie neben dem Fisch und schlucken ihn an der Wasseroberfläche, dies alles geschieht innert weniger Sekunden.

Am Freitag reisen wir über Wairoa zum Lake Waikaremoana um dort die Schönheit des Bergsees zu geniessen. Dieser natürliche Stausee entstand vor etwa 2'000 Jahren nach einem gewaltigen Erdbeben. Es ist einmal heiss und sonnig, im nächsten Moment schon wieder bedeckt und kühl, doch ab Samstag soll es wieder besser werden.

Die Wanderung zum Lake Waikareiti und weiter über den Ruapani Walkway dauert 5 ¼ Stunden und ist trotz des bedeckten Himmels sehr schön. Manchmal ist der Weg nur gerade 25 cm breit und kaum sichtbar oder wir müssen sogar über umgestürzte Bäume klettern. Statt blau sind die Seen grau, doch das Grün der Wälder ist dasselbe und die vereinzelten Sonnenstrahlen lassen die feuchten Pflanzen richtig glänzen. Wir bestaunen vor allem die vielen verschiedenen Schmarotzerpflanzen, welche die Stämme alter Bäume überwachsen und sie so auf ihre Art zu neuem Leben erwecken. Ab und zu kommunizieren wir mit kleinen Vögelchen, die manchmal auf unser Pfeifen reagieren und ein wenig näher kommen.

Gegen Abend fahren wir auf dem Highway 38 wieder zurück Richtung Ostküste, wo wir direkt am Strand unser Nachtlager aufschlagen. Der Himmel über uns ist sternenklar und die Hoffnung auf einen sonnigen Sonntag ist berechtigt.

Wärmender Sonnenschein lässt uns schnell wach werden. Wir bewundern die Strände der Mahia Halbinsel und suchen einen schönen Platz, wo wir bleiben und auch übernachten dürfen. Doch leider gibt es überall riesige Verbotsschilder: „NO CAMPING“ – und so wie es aussieht scheint das sehr ernst gemeint zu sein. Also machen wir es uns halt einfach einmal am Strand gemütlich und fahren gegen Abend auf den Campingplatz in Morere (Hot Springs).



24.03.2004

Montag 15. März: Zur Mittagszeit erreichen wir Gisborne. Dies ist die östlichste Stadt der Welt auf dem 178. Längengrad und sie sagt von sich, sie sei die erste, die das Licht des neuen Tages sieht (First to see the light). Die Midway Beach “The Pipe” ist bei Surfern sehr bekannt, weil es hier so wunderschöne hohe Wellen gibt. Wir fahren auf den 135 m hohen Kaiti Hill, von wo aus wir eine prächtige Aussicht auf die Poverty Bay bis Young Nick’s Head, Gisborne und den Hafen haben. Die Felszunge Young Nick’s Head ist nach dem 12jährigen Schiffsjungen der „Endeavour“ Nicholas Young benannt, der 1769 als erster Europäer dieses Land gesichtet hat.

Am späteren Abend erreichen wir Hilton und Diane telefonisch und wir möchten für den nächsten Tag ein Treffen vereinbaren. Wir haben die beiden im November in Christchurch kennen gelernt und werden spontan eingeladen, sofort zu Ihnen zu kommen. Sie stellen uns ein Zimmer zur Verfügung und wir schätzen es sehr, wieder einmal dem engen Wohnmobil zu entfliehen und in einem anständigen Bett zu übernachten.

In Gisborne gibt es noch einige sehr alte Gebäude, sehr alt in Neuseeland bedeutet jedoch nur ca. 100 - 150jährig. Die einen sind schön restauriert und gut erhalten, andere aber sind am zerfallen und wenn nicht bald etwas unternommen wird abbruchreif.

Am Dienstag dürfen wir waschen und zum Lunch besuchen wir mit Hilton und Diane das Clubhaus/Restaurant des „Tatapouri Sport fishing Club“. An den Wänden des riesigen schön restaurierten Lokals, das früher die Werft von Gisborne war, hängen wunderschöne Exemplare von in der Poverty Bay gefangenen verschiedenen Fischen wie Marlyn, Thunfisch oder Haie. Der grösste je in Neuseeland gefangene „Blue Marlyn“ wiegt 473 kg und ist gut 4 m’ lang – ein Prachtsexemplar. Zwei Stunden haben wir für die Besichtigung des Museums geplant. Es ist wirklich interessant und wir lernen dabei unter anderem, dass Maoris freiwillig im zweiten Weltkrieg gekämpft haben um sich damit das Recht zu erwerben, als vollwertige Bürger Neuseelands anerkannt zu werden.

Zum Nachtessen ist auch Steven, Diane und Hilton’s Sohn eingeladen und es gibt ein tolles Barbeque. Noch einmal geniessen wir das warme und bequeme Bett, bevor wir am Mittwoch wieder auf Achse gehen. Einmal mehr bedanken wir uns bei einer sehr netten Kiwi-Familie für deren Gastfreundschaft.

Unsere Reise geht nun auf dem Highway 35 entlang der Küste über Te Araroa nach Opotiki. Wir lassen uns Zeit und machen Abstecher zu vielen der einsamen Strände. An der Wainui Beach besuchen wir das Grab von 59 im Jahre 1970 gestrandeten Walen. Die 47 Weibchen und 12 Männchen hatten ein Gesamtgewicht von 1'800 Tonnen. Wer weiss, warum diese riesigen Säugetiere überhaupt gestrandet sind?

Der 660 m’ lange Pier der Tolaga Bay Werft wurde 1998 als Hafen still gelegt, weil er für den Verkehr als zu gefährlich erachtet wurde. Er wird aber von den lokalen Anglern und von Touristen zu Fuss noch rege besucht.

Peter hat im Reiseführer gelesen, die Waihau Beach sei sehr schön und deshalb fahren wir zurück und über 6 km auf einer Naturstrasse zum Meer. Dort darf man ganz offiziell campieren, sollte jedoch in Gisborne vorher eine Bewilligung einholen (ist jetzt natürlich schon zu spät) und es wird auch ein chemisches WC verlangt (haben wir auch nicht), obwohl es da stinkende Plumpsklos gibt. Wir bleiben trotzdem über Nacht weil es uns sehr gut gefällt und der nette Nachbar Jens sofort auf ein Schwätzchen vorbei kommt. Er erklärt Peter denn auch genau, wie man die Leine zum Fischen auswirft und dann laden er und seine Frau Karen (vor 40 Jahren ausgewanderte Dänen) uns auf ein Gläschen Wein ein. Er spielt sogar noch ein kleines Ständchen auf seiner Handharmonika .

Am Donnerstag fahren wir los, gerade bis zur übernächsten Bucht, Kaiaua Bay, wo wir einfach nur das bisschen Sonne und die glänzenden Wellen auf uns einwirken lassen, bevor uns die immer dichter werdenden Wolken vertreiben. In Tokomaru Bay finden wir dann wieder so einen Platz, wo man übernachten darf, hier hat es jedoch eine Toilette mit Wasser, die in der Nacht sogar beleuchtet ist.

Auch in der Tokomaru Bay hat es einen alten Pier, beeindruckend, was anfangs des 19. Jahrhunderts schon alles gebaut wurde. Die Werft wurde allerdings wegen der schlechten Wirtschaftslage bereits 1953 geschlossen und seither zerfallen die Bauten. Weiter nordwärts kommen wir am Kleinstädtchen Ruatoria vorbei, wo es unter den Maoris Gang-Probleme gibt. Davon merken wir jedoch nichts, doch prompt kommen wir hier erstmals in eine Polizeikontrolle, können aber weiter fahren ohne auch nur den Führerschein zu zeigen. Die Region von Gisborne bis Opotiki ist Maori-Land, aber die meisten Jungen ziehen weg, weil es hier zu wenig Arbeit gibt.

In Te Araroa liegt unheimlich viel Holz am Strand und Peter erkundigt sich nach der Ursache. Vor zwei Wochen hat ein grosser Sturm mit bis 10 m hohen Flutwellen alles angeschwemmt, was die Flüsse ins Meer hinuntergebracht haben. Inzwischen wurde aufgeräumt und die Holzmassen sind enorm. In Te Araroa finden wir auch den weltgrössten Pohotukawa-Baum, der Gott sei Dank von diesem Unwetter verschont blieb. Er blüht im Sommer wunderschön rot, ist schätzungsweise 350 Jahre alt, 21.2 m hoch und an seiner breitesten Stelle 40 Meter.

Wir fahren zum East Cape und steigen die 700 Treppentritte hoch zum östlichsten Leuchtturm der Welt (S 37°-41.5’/E 178°-32,9’). Die Sicht von dort oben ist fantastisch. Wieder unten angekommen treffen wir Peter und Beatrice, ein Schweizer Pärchen, welches Neuseeland mit dem Velo bereist. Wir beschliessen am Meer ein Plätzchen zu suchen, wo wir gemeinsam campieren und am Abend noch ein bisschen zusammen sitzen und plaudern können. Der Himmel ist sternenklar und die Luft direkt am Meer ziemlich feucht, aber von der Temperatur her recht angenehm und wir geniessen die Abwechslung mit diesen fröhlichen Menschen.

Am Samstag nach dem Frühstück machen wir zusammen ein paar witzige Fotos und gehen dann wieder unserer eigenen Wege. In der Hicks Bay gibt es wieder eine alte Werft und der Weg dahin lohnt sich schon deswegen, weil wir auf der Rückfahrt einen Possum sehen und auch fotografieren können. Er scheint zwar krank oder verwundet zu sein, sonst hätte er sich schon längstens aus dem Staub gemacht, doch wir sind zu begeistert endlich einmal ein (noch) lebendes Exemplar zu sehen, als dass uns dies gross beeindrucken würde. Tot und teilweise plattgewalzt haben wir sie nämlich schon haufenweise auf den Strassen gesehen.

Die heutige Etappe führt einer wilden Küste entlang und die Farben des Meeres lassen uns einmal mehr einfach nur staunen (… und fotografieren). Wir stoppen bereits auf dem Campingplatz in Te Kaha um endlich wieder einmal eine warme Dusche geniessen zu können. Zudem müssen wir die Batterie der Fotokamera laden, die ist einfach immer zu schnell wieder leer, weil wir zu viele Bilder knipsen.

Am Abend auf dem Campground treffen wir schon den nächsten Schweizer Velofahrer, Bernhard. Wir verbringen einen gemütlichen Plauderabend im Wohnmobil und erfahren dabei, dass er Beatrice und Peter auf der Südinsel kennen gelernt und mit ihnen Silvester gefeiert hat. Die Zeit wird ihm jedoch vermutlich nicht reichen, sie auf dem Fahrrad noch einzuholen.

In der Nacht auf Sonntag stellen wir die Uhren um eine Stunde zurück. Wir haben jetzt bereits Winterzeit und es wird bereits um halb sieben dunkel. Die Zeitverschiebung zur Schweiz beträgt nun 11 Stunden, wenn dann in Europa auf die Sommerzeit umgestellt wird, werden es wieder 12 Stunden sein.

Sonntag, 21. März: Es geht weiter der Küste der Bay of Plenty entlang und wir stoppen bei jeder Gelegenheit, um die Bilder so richtig in uns aufnehmen zu können. In Ohope fahren wir Richtung Campingplatz, weil wir Nahe der Stadt Whakatane keine Möglichkeit erwarten um frei zu übernachten. An einem schönen Strand sehen wir jedoch ein Wohnmobil und Peter fragt die Besitzer, ob sie hier übernachten. Sie lachen und sagen nein, sie wohnen gleich auf der anderen Seite der Strasse. Peter denkt sich, das seien doch sehr komische Leute, verbringen den Sonntagnachmittag dreissig Meter von ihrem eigenen Haus entfernt im Wohnmobil am Strand. Aber die Erklärung folgt natürlich sofort: Die beiden, Beryl und Colin, wollen durch einen Makler ihr Haus verkaufen und deshalb steht es von 2 - 4 Uhr zur Besichtigung offen. Um dem Rummel zu entfliehen und den Vorplatz frei zu halten haben sie ihr Wohnmobil weggefahren und es sich darin gemütlich gemacht. Sie erklären uns dann auch, dass hier eigentlich nicht campiert werden sollte und wir dürfen auf ihrem Hausplatz übernachten, mit ihnen Tee trinken und sogar Dusche und Toilette benutzen.

Am Montag wollen die beiden um 09.15 wegfahren und an einer Seniorenwanderung teilnehmen. Ganz spontan haben sie die Idee, wir könnten doch mitkommen, weil es auf diesem Waldspaziergang Vögel zu hören und zu sehen gebe. Bei der Einladung wurde speziell darauf hingewiesen, ja die Hörgeräte nicht zu vergessen… ha, ha, we’re slowly getting older. Wir finden diese Einladung ganz nett und spazieren mit der Gruppe Pensionierter durch den schönen Wald in Whakatane. Die Vögel lassen bei diesem schönen Wetter auch von sich hören: Den Tui, der so schön singt, sehen wir leider nicht, doch ein paar „Fantails“ kommen ganz nahe, weil wir durch unsere Bewegungen Insekten aufscheuchen, welche ihnen als Nahrung dienen. Auf dem Rückweg mit dem Auto zeigen uns Beryl und Colin einige Aussichtspunkte, welche für Touristen fast nicht zu finden sind. Dann laden sie uns zum Lunch und auch gleich noch zum Nachtessen ein. Deshalb hängen wir gleich noch eine Nacht in Ohope an und verabschieden uns erst am Dienstagvormittag wieder von ihnen.

Nach einer kurzen Besichtigung des Hafens von Whakatane reisen wir weiter nach Rotorua. In und um Rotorua dampft, brodelt und blubbert es aus allen Löchern. Es ist faszinierend zuzuschauen, wie sich in den Schlammtümpeln immer neue kleine Löcher auftun wo es ein bisschen blubbert oder auch richtig herausspritzt. Kinder wie Erwachsene können sich von diesem Naturphänomen kaum losreissen.

Am Donnerstag, 24. März, besuchen wir das Maori Kunst- und Kulturcenter und Te Whakarewarewa Thermal Valley, wo es täglich um 12.15 Uhr eine zirka halbstündige Darbietung mit Maori-Tänzen gibt und auch der traditionelle Haka vorgeführt wird. Die freundschaftliche Begrüssung der Gäste ist ein Ritual und endet mit zweimal Nase an Nase berühren. Dann werden verschiedene Tänze vorgeführt und wir wundern uns vor allem über das Verdrehen der Augen und den unheimlichen Zungenschlag der „Krieger“.

Der weltberühmte Pohutu Geysir kann täglich 10 bis 20 Mal beobachtet werden und das heisse Wasser schiesst manchmal bis zu 30 Meter hoch. Heute ist er ein wenig bescheidener und wir finden es trotzdem sehr spannend. Auch hier sind die „Mud Pools“ witzig, Tümpel mit kleinen „Schlammhaufen“, die ständig ihre Form verändern und zaghaft oder ganz frech in die Höhe spuken. Um den Nachmittag abzuschliessen fahren wir zu den Green- und Blue Lakes und zum Lake Tarawera. Doch wir sind überrascht, denn hier sieht es fast aus wie in der Schweiz. Es hat unheimlich viele Häuser direkt am See und wir können kaum irgendwo an dessen Ufer fahren. Rund um Rotorua ist frei Campieren sehr schwierig und so nächtigen wir wieder einmal auf einem Campingplatz.


Im letzten Reisebericht ist uns ein Fehler unterlaufen: Die Zeitverschiebung beträgt, nachdem ihr auf Sommerzeit umgestellt habt, nur noch 10 Stunden, nicht 12!

... und: Der neuste Reisebericht ab 25. März ist unter April zu lesen!

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