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Reiseberichte - April 2004 [zurück]


04.04.2004

Am 25. März, bevor wir Rotorua wieder verlassen, machen wir es uns nochmals im malerisch angelegten Park am Seeufer gemütlich, verpflegen uns mit Lunch und lassen uns von der Sonne fast braten. Bei schönstem Wetter fahren wir an die Bay of Plenty, ins 83 km nördlich gelegene Tauranga. Im Mt. Maunganui Motorcamp finden wir am Meer einen schönen Platz, wo nur die Brandung der Wellen, ganz sicher aber kein Motorenlärm zu hören ist.

Es gefällt uns so gut, dass wir beschliessen, gleich ein paar Tage Ferien zu machen. Einmal einfach ein bisschen die Seele baumeln und das Wohnmobil stehen lassen tut uns gut. Wir liegen am Strand und lesen, am Nachmittag wandern wir in 1 ¼ Stunden auf den Mt. Maunganui und nach dem Abendessen, bevor es dunkel wird, auf die Moturiki Island.

Wir sind einhellig der Meinung, dass etwas für die Fitness getan werden muss. Ausserdem ist es beim Reisen nicht ganz einfach, das Idealgewicht zu halten. Deshalb ist es jetzt höchste Zeit, mit joggen anzufangen. Wir haben zwar Joggingschuhe dabei, diese jedoch bisher ziemlich geschont (sprich: seit ca. drei Monaten nie gebraucht – sie müssen ja schliesslich noch über ein Jahr halten). Also laufen wir am Samstag vor dem Frühstück erstmals auf dem Rundweg um den Mt. Maunganui. Nach knapp 30 Minuten haben wir es geschafft und sind zufrieden, dass wir uns schnell wieder erholen können.

Als wir am Nachmittag in die Stadt fahren hat Peter plötzlich die Idee, wir könnten uns doch nach einem Segelboot-Charter erkundigen. Gesagt – getan! Die einzige Adresse, die wir erhalten, erscheint uns nach der ersten telefonischen Kontaktaufnahme ganz gut. Der Eigner der 45 Fuss Yacht „Winterhawk II“, Doug Archer, ist auch selber Skipper und wir reservieren einen 4Tages-Trip ab Dienstag, falls das Wetter stimmt. Er hat uns gesagt, wo sich das Boot befindet und wir wollen es uns anschauen, bevor wir 100%ig zusagen. Zu unserer Überraschung ist Doug mit einer Schul-Crew soeben am Auslaufen und er hinterlässt bei uns durch seine ruhige Art einen sehr positiven Eindruck.

Am Sonntag ist es ziemlich windig und ans Sünnele nicht zu denken. Deshalb machen wir einen Abstecher nach Hamilton. Dies ist mit 130'000 Einwohnern die viertgrösste Stadt Neuseelands und die grösste, welche nicht direkt am Meer liegt. Doch bevor wir losfahren ist noch ein wenig Action angesagt. Wir wollen mit unseren Kreditkarten Bargeld beziehen, weil wir den Charter bar bezahlen müssen. Mit Peters Karte ist aber komischerweise nichts zu holen. Der Grund ist auch bald gefunden: Sie ist bereits im Februar 2004 abgelaufen. Nach ein paar Telefonanrufen in die Schweiz ist jedoch bereits am Abend eine Lösung gefunden und wir können beruhigt weiterreisen.

Der erste Eindruck von Hamilton ist ganz nett, es gibt viele Parks und uns gefällt diese Grossstadt ganz gut. Bei „Quality Shoe Repairs“, wo Charly aus Ashburton viele Jahre gearbeitet hat, lässt Ruth am Montag ihre Schuhe flicken und auch der Reissverschluss-Schlitten der bequemen Hose kann ersetzt werden. Der Chef ist ein Friesländer und findet es offensichtlich ganz abwechslungsreich, mit uns zu plaudern. Am Lake Rotoroa (Hamilton Lake), ein kleines Naturparadies mitten in der Stadt gelegen, vertrödeln wir ein wenig Zeit mit fotografieren und lesen.

Gegen Abend kommen wir wieder nach Tauranga zurück und treffen uns mit Doug, um die Vorkehrungen für den Segeltörn zu besprechen. Dieser beginnt am Dienstagvormittag um 9 Uhr und soll vier Tage dauern. Das Wetter ist wunderbar und wir haben einen schönen Südwestwind zum Segeln. Das Meer ist ziemlich ruhig und wir können es so richtig geniessen, diesmal gibt es einen richtigen Ferientörn. Die Windstärke beträgt nie mehr als 30 Knoten und Wellen von 1 m’ Höhe sind das Höchste der Gefühle. Die erste Nacht verbringen wir vor Anker liegend in der Southeast Bay von Mayor Island.

Am Mittwoch gibt es 20 Meilen Schwachwindsegeln und um die South Bay von Slipper Island zu erreichen manövrieren wir unter Motor zwischen zwei Riffs hindurch. Peter und Ruth stehen dabei am Bug um auf Untiefen im Wasser zu achten und Doug hält das Schiff auf dem richtigen Kurs.

Der Ankerplatz vom Donnerstag liegt wiederum nur 20 Meilen entfernt. Am Morgen gibt es gar keinen Wind und deshalb rudern wir mit dem Dingi an Land und steigen auf den Hügel von Slipper Island um von dort aus die schroffen Klippen der Küste im Osten und das klare Wasser des grünblauen Ozeans zu bewundern. Weil gegen Mittag ein schöner Wind aufkommt beschliessen wir der Coromandel-Küste entlang bis hinauf nach Whitianga zu segeln, zu wenden und dann in der Tapuaetahi Bay (Boat Harbour) zu ankern. Kurz bevor wir die Bay erreichen gibt es jedoch ein wenig Aufregung. Wir starten den Motor, schalten den Kompressor für Kühlschrank und Tiefkühler dazu, damit unsere Speisen gekühlt werden und erschrecken bald durch ein furchtbares Rumpeln. Der Kompressor scheint Schaden genommen zu haben und wir schalten ihn sofort ab. Kurz darauf überhitzt auch noch der Motor und wir müssen ihn ebenfalls abschalten. Nun ist seglerisches Können verlangt, denn in der Einfahrt zwischen den Felsen ist der Wind nicht konstant. Ohne zu Zögern setzt Doug das Vorsegel und mit Peter am Steuer manövrieren wir gekonnt zum gewünschten Ankerplatz. Für die lediglich 0.4 Seemeilen benötigen wir mit wenig Wind in Zickzack Fahrt etwa eine Halbe Stunde. Die Motor-Kühlung kann wieder geflickt werden, obwohl die Ausfallursache nicht genau geklärt ist, und so müssen wir uns für den nächsten Tag auf jeden Fall keine Sorgen machen.

Die Wettervorhersage für Freitag ist hervorragend. Ein Nordwestwind von 20 – 30 Knoten soll uns in den 50 Meilen südlich gelegenen Ausgangshafen von Tauranga zurückbringen. Wir starten bereits vor sieben Uhr, um noch bei Tageslicht in den Hafen einlaufen zu können (Es wird hier bereits um sechs Uhr dunkel!). Leider kommt es aber ganz anders: Kein Wind – obwohl sich doch alle Wetterstationen einig waren! Wir motorsegeln beinahe auf der gesamten Strecke, damit wir überhaupt vorwärts kommen. Mit 2 – 3 Knoten Geschwindigkeit würden wir unser Ziel nie erreichen. So sind wir jedoch bereits um drei Uhr Nachmittags am Pier und können in aller Ruhe unsere Sachen zusammenpacken und vor allem noch ausgiebig duschen.

Wir vereinbaren mit Doug, dass wir uns am Samstag um 10 Uhr nochmals auf dem Schiff treffen, um die Logbücher zu unterschreiben und die fehlenden Daten einzutragen. Er bringt seine Frau Lynette mit und wir unterhalten uns bei Kaffee und Guetzli. Dabei laden sie uns am Abend zum Grillieren ein und wir dürfen sogar bei ihnen übernachten. Dies ist eine weitere wertvolle Bekanntschaft mit herzlichen Leuten, die wir gerne auch bei uns zu Hause beherbergen werden.

Sie wohnen auf der Landzunge Omokoroa, die in den Tauranga Harbour hinausragt und am Sonntag nach dem Frühstück spazieren wir der Wasserlinie entlang über einen sehr schön angelegten Gehweg. Dieser Weg besteht zu einem grossen Teil aus Rasen und ist gesäumt mit farbenprächtigen Sträuchern, oder führt durch Parks wo sogar Orangen- und Zitronenbäume sowie Bananenpalmen wachsen. Wo der Garten von Privatleuten angrenzt pflegen diese den Gehweg-Rasen und die Ziersträucher oft kostenlos.

Nachdem wir gemeinsam Tee getrunken haben verabschieden wir uns und reisen weiter Richtung Coromandel. In Katikati besitzen viele Gebäude ganz schöne Wandmalereien und wir schlendern ein wenig durch das Städtchen um einige davon zu fotografieren.

Auf dem Bowentown Head soll die Aussicht grandios sein, deshalb können wir uns das natürlich nicht entgehen lassen. Wir sehen hier den Nordeingang zum Tauranga Harbour, die 40 Meilen lange Matakana Island und im Hintergrund den Mount Maunganui sowie einen Teil der Bay of Plenty, welche wir mit dem Segelschiff befahren haben.



12.04.2004

Sonntag, 4./Montag, 5. April. Der Campingplatz in Bowentown ist der gepflegteste, den wir bisher auf unserer ganzen Reise angetroffen haben. Weil aber immer noch der kalte Südwind bläst und der Himmel teilweise leicht bedeckt ist, wollen wir nicht nur herumfaulenzen sondern ein paar Kilometer weiter fahren. Wir möchten in Whiritoa campieren, doch dort gibt es keinen Campingplatz mehr und frei übernachten ist leider überall verboten. Deshalb wandern wir ein Stück dem wunderbaren Sandstrand entlang zum Pahutukawa Reserve und verzehren dort unseren Lunch. Am Nachmittag erreichen wir Whangamata und richten uns auf dem Motorcamp ein.

Das Städtchen Whangamata selbst ist nicht sehr speziell, die Wellen zum Surfen und der weisse Sandstrand aber schon. Doch leider ist es auch hier ein bisschen zu kühl zum (Sonnen)baden. Gut, immerhin 15°C sind eigentlich nicht zu verachten, ist es doch in Christchurch momentan tagsüber um 9°C und in der Nacht teilweise bereits frostige -2°C, brrr. Vom Patuhamu Point (ca. 1 km nördlich) sieht man die Stadt, zwei vorgelagerte Inseln und den Whangamata Harbour wunderbar, um diesen zu erreichen müssen wir allerdings ca. 15 km auf die Landzunge hinausfahren, ein Drittel davon ist grobe Naturstrasse. Aus dieser Perspektive haben wir einen etwas anderen Ueberblick.

Die 5 km lange Opoutere Beach ist die einzige unverbaute gut zugängliche Küste auf der Ostseite der Coromandel Halbinsel und auf dem Sandspit ist ein Naturreservat für Vögel wie z.B. Pied Stilt, Dotterels oder Oystercatcher. Mit dem Feldstecher können wir sie ganz gut betrachten, doch für Fotos bräuchten wir ein sehr sehr grosses Zoom. Die neue Kamera zeigt ein kleines Vögelchen gerade etwa in Stecknadelkopfgrösse.

Pauanui ist ein furchtbar teurer Ort, aber er erscheint uns ziemlich lieblos – wir haben auf unserer Reise wesentlich schönere Ecken angetroffen. Das allererstaunlichste ist eine Flugpiste genau mitten durch den Ort mit Häusern entlang des Rollfelds. Obwohl es hier überall auf den Parkplätzen am Strand verboten ist zu campieren, stellen wir uns für einmal einfach hin und missachten das Schild. Es stört offenbar niemanden und wir können tief und ruhig schlafen.

Am Mittwoch steigen wir auf den 387 m’ hohe Pauanui Head um von dort eine fantastische Sicht auf den Ort und die Poverty Bay mit ihren zahlreichen Inseln zu erleben.

Unser nächstes Ziel ist die Hotwater Beach – hier kann man ein Loch in den Sand buddeln und dieses füllt sich dann mit heissem Wasser. Doch es hat so viele Touristen, dass wir überhaupt keine Lust verspüren auch noch zu graben und darauf zu hoffen, dass heisses und nicht kaltes Wasser hervorsprudelt. Viel lieber baden wir unsere Füsse in einem bereits gelochten und von jemand anderem verlassenen Pool, aber hineinsetzen mögen wir uns nicht – das war’s dann.

Auch den Campingplatz in Hotwater Beach gibt es nicht mehr und so übernachten wir halt in Hahei, wo wir am Donnerstagvormittag die Gemstone Bay und die malerische Cathedral Cove mit ihrem feinen weissen Sandstrand besuchen. Diese Grotten, Höhlen und Felsformationen wurden im Laufe von Jahrtausenden durch Wellen, Wind und Wetter so geformt. Weil wir uns rechtzeitig aufgemacht haben sind wir alleine und es bleibt uns genügend Zeit zum Fotografieren und Filmen, bevor plötzlich ein ganzer Haufen Touristen dort eintrifft, obwohl doch ein gehöriger Fussmarsch gemacht werden muss. Für uns persönlich ist dies einer der eindrücklichsten und schönsten Orte unserer bisherigen Neuseeland-Reise.

Ein Abstecher nach Cooks Beach zeigt uns, wie nahe Whitianga eigentlich ist – ein paar Minuten mit der Passagierfähre, und man wäre da. Doch um das Städtchen mit dem Fahrzeug zu erreichen müssen wir 30 km um Whitianga Harbour herumfahren. Peter besucht dort die Schule, für welche er sich zuerst interessiert hatte. Sie ist viel kleiner als in Christchurch und sehr familiär. Aber drei Monate in diesem kleinen Ort wären jedoch ein bisschen lang gewesen.

Wir möchten an der Matapaua Bay ein Plätzchen zum Uebernachten suchen, doch zwischen Opito und dieser Bay wird die Strasse plötzlich dermassen steil, dass wir uns zur Umkehr entschliessen. Ein 4x4 Fahrzeug wäre hier wohl geeigneter. Auf den Campingground von Kuaotuno möchten wir eigentlich nicht. Beim Weiterfahren finden wir einen Rastplatz am Strand von Matarangi, der Mitten im Ort und doch in genügender Entfernung zu den nächsten Häusern ist. Bevor wir allerdings einschlafen können werden wir von zwei aufmüpfigen Jugendlichen gehörig durchgeschüttelt. Sie finden es offenbar lustig, uns zu stören und rütteln am Bus, dass alle Gläser klirren und sie hören erst auf, als wir sie sehr laut auffordern zu verschwinden. Peter versucht, die beiden mit der Taschenlampe zu vorfolgen, bis er allerdings vor dem Wohnmobil steht haben sie sich schon längstens aus dem Staub gemacht und in der Dunkelheit verzogen. Danach bleibt es ruhig.

Wir rechnen nicht damit, noch einmal etwas von den beiden zu hören oder zu sehen. Doch einer wagt es sogar bei Tageslicht und mit Publikum sich zu exponieren. Als Peter dabei ist unseren Frühstückstisch zu decken kommt er mit Gebrüll um die Ecke gerannt und räumt diesen sogleich wieder ab. Er verabschiedet sich mit entblösstem Hinterteil und lässt den ganz verdutzten Peter einfach stehen. Tja, nach so viel positiven Erfahrungen können wir auch einmal etwas negatives Verdauen. Ein Augenzeuge ärgert sich furchtbar und entschuldigt sich, dass so etwas passiert ist. Vielleicht sind wir schon ein wenig zu Nahe bei der Grossstadt Aukland und müssen unsere Uebernachtungsplätze künftig bedachter auswählen. Wir haben auf jeden Fall für den Moment genug und ziehen weiter um unser Karfreitags-Frühstück zu geniessen.

Das Wetter ist äusserst abwechslungsreich, über Sonne, Wolken, Regen, Wind, erleben alles gleich mehrmals. So vermitteln sich von den verschiedenen Bays ganz unterschiedliche Eindrücke. Wir lassen uns in der allerletzten mit dem Auto erreichbaren „Stony Bay“ auf der Ostseite nieder.

Am Samstag ist das Wetter geradezu ideal um eine längere Wanderung zu unternehmen. Fünf bis sechs Stunden dauert es auf einem Höhenweg der Küste entlang Richtung Flechter Bay, am nördlichen Ende von Coromandel und über den 540 m’ hohen Berg (dieser ist auf dem Foto ganz rechts zu sehen) zurück zur Stony Bay zu gelangen. Wir wechseln dabei des öfteren unsere Kleidung: Lange Hosen – kurze Hosen, T-Shirt – Faserpelz- und Regenjacke gegen den starken Wind, alles kein Problem – in Neuseeland lernt man schnell mit diesen Wetterwechseln umzugehen.



23.04.2004

An Ostern fahren wir nur bis nach Coromandel Town zurück und weil uns das Wetter nicht gerade ins Freie lockt haben wir wieder einmal Zeit für unsere Website. Das Ziel für Montag ist die Fletcher Bay mit dem nördlichsten Campingplatz, der auf der Westseite der Coromandel Halbinsel zu erreichen ist. Der über 1.5 km lange Campground in Port Jackson, direkt am Strand gelegen, ist jedoch viel schöner und wir stoppen ganz spontan bereits dort. Um am Dienstag unsere Wanderung von der Fletcher Bay aus zu unternehmen müssen wir lediglich 7 km fahren.

Es lohnt sich in verschiedener Hinsicht, dass wir bereits hier gestoppt haben. Wir sehen am Morgen früh viele Delfine, welche ihr Futter, unzählige „kleine“ Fische zum Flussdelta jagen um sie dort einfacher fangen und zu verspeisen können. Damit wir schneller am Schauplatz sind bringt uns der bärtige Ranger mit seinem Quad dorthin. Hier sehen wir, dass die „kleinen“ Fische immerhin bis einen halben Meter lang sind und die Delfine freuen sich so richtig über dieses Festessen. Sie springen und überschlagen sich vor lauter Uebermut und schwimmen nach einem Weilchen wieder ins Meer hinaus. Es ist wahnsinnig faszinierend, diesen eleganten Tieren zuzuschauen und wir machen uns erst auf, als sie schon lange nicht mehr sehen können.

Die ersten dreissig Minuten unserer Wanderung sind ganz angenehm zu bewältigen, nachher kommen wir jedoch wieder an den steilen Berg, den wir bereits am Samstag bezwungen haben. Wir hoffen auf besseres Wetter, doch leider wird es auch heute wieder dunstig und wir beschliessen, uns nicht länger abzumühen. Deshalb sind wir bereits nach zwei Stunden wieder beim Auto und lesen noch für den Rest des Nachmittags.

Der Mittwoch beginnt ziemlich trüb und es fängt sogar an zu regnen. Coromandel ist zwar ein hübsches Städtchen, doch wir haben keine Lust unsere Kameras der Nässe auszusetzen. So ist unsere Besichtigungstour zu Fuss nur ganz kurz und das einzige Foto klicken wir durch die Windschutzscheibe.

Im Campingplatz von Miranda Springs gibt es ein kleines Thermalbad nur für die Gäste. Nach dem nasskalten Wetter geniessen wir es sehr, uns dort so richtig aufzuwärmen und als wir endlich wieder herauskommen sind wir schon ganz aufgeweicht – aber gut hat es getan!

Am Donnerstag fahren wir dem Hauraki-Golf entlang und dann westwärts nach Pukekohe, zu unserem Schweizer Campervan-Vermieter, wo wir über Nacht auf dem Vorplatz stehen dürfen. Wir verbringen einen gemütlichen Nachmittag und Abend mit Kurt + Yvonne und den beiden Buben Nathaniel und Rafael.

Dann geht es weiter in die Grossstadt Auckland, wo der Verkehr chaotisch sein soll. Wir finden, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist, auf jeden Fall ist es in Zürich auch nicht besser. Am Freitag wollen wir uns nur einmal kurz einen Ueberblick verschaffen und machen uns auf zum Hafen. Von dort bringt uns die Fähre nach Devenport, wo wir vom Mount Victoria eine wunderschöne Aussicht nach Auckland und zu den vielen Inseln haben. Am Samstag holen wir Lorraine und Paul, unsere Homestay-Family aus Christchurch, vom Flughafen ab, welche extra für das Musical Mama Mia nach Auckland geflogen sind. Wir bringen sie zum Hotel, wo uns gleich auch Conny, eine Studentin, begegnet und nach dem Nachtessen besuchen wir gemeinsam das „hinreissendste Musical aller Zeiten“. Wir sind uns einig, dies ist die faszinierendste Darbietung, die wir je gesehen haben. Die erstklassigen Sänger/Schauspieler und die bekannten ABBA-Songs lassen uns in die 70er Jahre zurückkehren und wir fühlen uns plötzlich um einiges jünger ….

Am Sonntag unternehmen wir trotz des bedeckten Himmels eine Hafen-Rundfahrt, lassen uns auf den Skytower bringen und geniessen eine prächtige Rundumsicht auf beide Meere, die verschiedenen Häfen mit riesigen teuren Yachten und die ganze Stadt Auckland. Auf dem Flughafen verabschieden wir uns um sechs Uhr endgültig von Lorraine und Paul, mit denen wir eine wirklich supertolle Zeit verbracht haben.

In „Kelly Tarlton’s Underwater World“ leben Königspinguine bei konstanten Temperaturen von 0 bis – 2°C in richtigem Schnee und Eis. Ganz eindrücklich sind im 110 m’ langen durchsichtigen Unterwassertunnel die Haie, Schwertrochen, riesigen Aale, gigantischen Krebse und die vielen anderen verschiedenen Fischarten.

Im „Maritime Museum“ ist unter anderem die ganze Geschichte des America’s Cup bis ins Jahr 2000 dargestellt, da hört sie jedoch plötzlich auf. Immerhin hängen ganz kommentarlos noch ein paar Schweizerfahnen…

Luzia und Hansruedi, ein Schweizer Pärchen, das schon sehr lange unterwegs ist, lädt uns am Abend zum Kaffee ein und wir können fast nicht aufhören zu schwatzen. Sie geben uns noch ein paar ganz feine Tipps, welche unsere Weiterreise in den Norden unmittelbar beeinflussen.

Die Fahrt durch den Regenwald, mit einem Besuch im Arataki Visitor Center, lohnt sich in verschiedener Hinsicht. Es gibt wenig Verkehr und die Gegend ist wirklich sehr schön. Nach einem Abstecher zur Muriwal Beach, wo es auch wieder eine Tölpel-Kolonie gibt, legen wir noch einige Kilometer zurück und nächtigen erst an der Baylys Beach.

Am Mittwoch besuchen wir die Kaiiwi Lakes, doch weil es regnerisch ist beschliessen wir, bei unserem nächsten Neuseeland-Urlaub hier einen längeren Halt einzuplanen. An unserem Weg liegt der Waipoua-Forest, wo die grösste Kauri-Fichte Neuseelands oder sogar der ganzen Welt steht. Der mächtige Baum trägt den Namen „Tane Mahuta – Herr des Waldes“ und ist schätzungsweise 1'500 Jahre alt. Die Angaben variieren jedoch zwischen 1'200 und 2'000 Jahren. Die Höhe des Stammes ist 17.7 m’, der Umfang 13.8 m’; die Gesamthöhe 51.5 m’ und das Volumen wird auf 244.5 m3 geschätzt.

In Rawere fahren wir auf die Fähre, welche uns innert 15 Minuten nach Rawene bringt und uns somit 80 km Fahrt auf der Strasse erspart.

Der 90 Mile Beach Campingplatz ist an der Waipapakauri Beach. Von hier aus könnte man einiges unternehmen, doch wir haben schon so viele schöne Strände gesehen, dass wir darauf verzichten, auf diesem wirklich langen Stück weissem Sandstrand hinauf und wieder hinunter zu blochen. Zudem ist das Wetter nicht wirklich einladend um sich im Sand herumzutollen. Also fahren wir am Donnerstag gleich weiter Richtung Cape Reinga und schnurstracks zum DOC-Campingplatz an der Tapotupotu Bay. Von dort gibt es nämlich einen wunderschönen aber furchtbar anstrengenden „Wanderweg“ zum Cape Reinga. Die 4.5 km führen über einen schmalen, steilen und stacheligen Track der Küste entlang, hinunter zur Sandy Bay und wieder hinauf auf das Kap und zum Leuchtturm, dem nördlichsten Punkt unserer Neuseeland-Reise. Seit wir auf dem südlichsten Punkt der Südinsel waren sind 82 Tage vergangen und wir haben in dieser Zeit 8'094 km zurückgelegt. Am 30. Januar war zwar noch Sommer, doch wir hatten furchtbar kalt, jetzt ist bereits Herbst, aber wir geniessen noch sommerliche Wärme.

Das Cape Reinga hat bei den Maoris einen mythologischen Stellenwert. Hier verlassen die Seelen der Verstorbenen das Land und kehren in ihre Urheimat Hawaiki zurück. Auf den Three Kings Islands werfen sie einen letzten Blick zurück und verabschieden sich von Neuseeland.

… Das machen wir auch bald, aber hoffentlich noch quietsch lebendig…

Nordwestlich vor dem Cape treffen die beiden Meere „Tasman Sea“ und Südpazifik aufeinander und es ist gewaltig, wie sich diese Wassermassen hier entgegenstehen. Vom Kap aus Richtung Osten sehen wir auch die Surville Cliffs, den nördlichsten Teil Neuseelands, doch dahin führt nur eine so genannte Trockenwetter-Strasse, die vermutlich für Campervans nicht sehr geeignet ist.

Auf dem Rückweg machen wir Halt auf der Karikari Halbinsel und campieren an der „weltschönsten“ Matai Bay. So wird sie zumindest von einigen Einheimischen beschrieben … und weit daneben liegen sie nicht, sie ist wirklich malerisch schön!



30.04.2004

Am Samstag, 24. April, machen wir gleich bei der nächsten schönen Bay halt. Ihr Name ist ganz ähnlich, Matauri Bay. Sie ist auch bekannt, weil hier das Denkmal für die „Rainbow Warrior“ steht, das Greenpeace Schiff, welches am 10. Juli 1985 von zwei französischen Agenten mit Sprengstoff attackiert und schwer beschädigt wurde, wobei auch das Crew-Mitglied Fernando Pereira ums Leben kam. Es war geplant, mit der „Rainbow Warrior“ gegen die Atom-Versuche der Franzosen in Polynesien zu demonstrieren. Das Schiff konnte jedoch nicht mehr repariert werden und man hat es auf Ersuchen der Ngati-Kura Leute der Matauri Bay (Maori) zwei Jahre später vor die Cavalli Inseln geschleppt und dort würdig begraben, resp. versenkt. Heute ist dies vor allem eine Attraktion für Taucher und Touristen.

ANZAC-Day, 25. April ist nationaler Gedenktag für die 8'600 am 25. April 1915 bei einem Landungsversuch im türkisch gehaltenen Gallipoli umgekommenen australischen und neuseeländischen Soldaten. Und für uns ist heute zufälligerweise eine Art Kulturtag. In Kerikeri besichtigen wir das älteste Steinhaus Neuseelands aus dem Jahre 1835 und das älteste Holzhaus von 1822 sowie die Stätte eines Pa (Maori-Dorfes) aus dem 18. Jahrhundert. Zudem wurde hier in den 1970er Jahren das Rewa’s Village originalgetreu nachgebaut um mitzuhelfen, die Maori-Kultur aufrecht zu erhalten.

Waitangi gilt als die Geburtsstätte Neuseelands. Hier wurde am 6. Februar 1840 der Vertrag von Waitangi zwischen den Engländern und den Maori unterzeichnet, welcher unter anderem die Königin von England als Oberhaupt anerkennt. Häuptling Hone Heke konnte unter den uneinigen Maoris die Kehrtwende erreichen und war auch der erste, welcher den Vertrag unterschrieb. Als Gegenleistung wurde den Maoris der Erhalt von Land, Wald, Fischgrund und weiterer Besitz garantiert. Die Häuptlinge sicherten der Königin das alleinige Recht zu, ihr Land zu kaufen. Ihnen wurden die Rechte und Privilegien britischer Bürger garantiert. Wir besuchen das Treaty-House (Vertragshaus), wohnen einer kulturellen Darbietung bei (leider sind wir zwei die einzigen Zuschauer) und sehen einen Film an, welcher das Zustandekommen des Vertrages erklärt. Dieser Vertrag von Waitangi hat noch heute Gültigkeit, gibt jedoch momentan grossen Anlass zu Kontroversen, weil die Maoris sämtliche Küsten für sich allein beanspruchen. Neuseelands Geschichte ist ziemlich kompliziert, doch nach sieben Monaten und einigen Filmvorführungen in Visitor-Centers sowie dem Besuch von Museen beginnen wir sie langsam zu verstehen. Eines ist uns auf jeden Fall ganz deutlich geworden: Die Maori-Stämme haben sich seit jeher aufs Bitterste bekämpft und es ist nicht so, dass die Aggressionen sich nur gegen die Pakehas (Europäer) gerichtet haben. Erst nach der Unterzeichnung des Vertrages von Waitangi ist den Maoris klar geworden, dass sie zusammenstehen müssen und heute leben die verschiedenen Stämme friedlich miteinander.

Am Montag, 26. April, nehmen wir die Fähre um von Opua nach Russell zu gelangen. Dieser hübsche kleine Ort in der Bay of Islands hat einiges zu bieten und blickt auf die wohl ereignisreichste Geschichte zurück. Walfänger und Händler liefen gerne den geschützten Hafen an und es wurden jährlich etwa 150 Schiffsanläufe registriert. Das heutige Russell, ehemals Kororareka, wurde in den Jahren 1820 bis 1845 wegen der rauen Sitten und gesetzlosen Zustände mit 30 Spelunken, Kneipen und Bordellen als „Hölle des Pazifik“ bezeichnet.

Das Pompallier-Haus gilt als sehenswert, doch wir erachten die NZD 7.50 Eintrittspreis als eindeutig zu hoch. Nur des interessanten Mauerwerks (in der so genannten pise-de-terre-Technik erstellt), einer alten Druckpresse (Gaveau) und eines schönen Gartens wegen wollen wir nicht so viel Geld ausgeben. Ins Museum mögen wir heute auch nicht, dort gibt es in einem bunten Durcheinander allerlei Erinnerungsstücke an James Cook zu sehen.

Vor dem Russel Town House steht eine der beiden Kanonen, die 1844 den Flaggenmast der Briten schützen sollten. Dem sich inzwischen durch den Vertrag getäuscht vorgekommenen Häuptling Hone Heke ist es jedoch im selben Jahr trotzdem vier Mal gelungen, diesen umzulegen.

Die 1835 erbaute Christ Church ist die älteste erhaltene Kirche des Landes und hier ist auch der Eintritt frei.

Jetzt aber genug der Geschichte und wieder hinaus in die Natur. Wir freuen uns noch immer jedes Mal wieder, wenn wir nach einer Fahrt durchs Landesinnere an eine Bucht kommen und das Meer erblicken. Die fantastischen Farben des glasklaren Wassers sind einfach atemberaubend. Auf viele Neuseeländer übt der Anblick von schneebedeckten Bergen und Gletschern eine ähnliche Faszination aus.

Der abgelegenen Campingplatz Whangaruru South scheint ziemlich verlassen und wir sind, abgesehen von einem älteren Fischer, zuerst ganz allein. Gegen Abend fährt aber doch noch ein Campervan zu und Peter spricht die Leute gleich an, weil die Campground-Manager noch mit dem Motorboot am Fischen sind. Es ist ein Schweizer Pärchen aus dem Berner Oberland und Peter lädt sie zu einem Gläschen Wein ein. Es gibt, trotz strömendem Regen, einen geselligen Abend bei einem süssen Weissen, den Doris und Andy bei einer ihrer Degustationstouren gekauft haben, und feinem Roten aus der „Kartonschachtel“ vom Supermarkt. Auf dem Weg nach Auckland besuchen wir Theo, der seit über 30 Jahren in Neuseeland lebt und zusammen mit seinem Partner ein erfolgreiches Wärmepumpen-Unternehmen mit 18 Angestellten betreibt.

Am Donnerstag fahren wir zurück zu Kurt und Yvonne in Pukekohe, wo wir unseren Campervan wieder zurückgeben und unseren ganzen Haushalt sortieren können.

Am 30. April bringt uns Kurt zum Flughafen und wir verlassen Auckland bei strömendem Regen. Neuseeland lässt uns ziehen, wie es uns empfangen hat – nass und kalt.


Nach knapp 14'000 unfallfreien Kilometern und 209 Tagen verabschieden wir uns von den Kiwis. Auf unserer siebenmonatigen Neuseeland-Reise haben wir von den beiden Inseln mehr gesehen, als die meisten Kiwis je sehen werden. Wir sind im Schnee gestanden (snöben) und auf Eis, sind in der Hitze gewandert, haben den Regen „genossen“ und vor allem den Wind gespürt. Der Wind ist eines der beeindruckendsten Elemente in Neuseeland, den Inseln inmitten des Südpazifik. Auf dem Fahrrad in der Umgebung von Christchurch war er natürlich ganz extrem zu spüren, vor allem Gegenwind! Beim Segeln war er einmal zu stark, das nächste Mal zu schwach. Im Campervan hat es uns manchmal fürchterlich durchgeschüttelt, wenn wir ihn nicht genau in den Wind abgestellt haben.

Wir haben eine wirklich wunderbare und erlebnisreiche Zeit verbracht. In den drei Monaten in Christchurch hatten wir ein gemütliches Zuhause und wann immer wir unterwegs waren sagten wir, wir fahren nach Hause. Eines Tages werden wir wieder nach Neuseeland zurückkehren, davon sind wir überzeugt.


Unser Ziel ist es nun, Australien möglichst nah der Küste entlang zu umrunden (die Küstenlänge beträgt 36'700 km), das heisst, dass uns hunderte von Kilometern Schotter- und Sandpisten erwarten werden. Die Strecken im tropischen Norden sind zum Teil in der Trockenzeit vom Mai bis Oktober sehr schwierig zu befahren und in der Regenzeit vom Dezember bis Februar kaum oder gar nicht passierbar. Wir hoffen natürlich, dass wir weiterhin so viel Glück haben und alle unsere Träume erfüllt werden und nicht zu einem Albtraum werden.

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