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Reiseberichte - Mai 2004 [zurück]


11.05.2004

Ein Flug in der Business Class beginnt bereits beim Einchecken. Es gibt keine Warteschlangen, es herrscht eine persönliche Atmosphäre und die Grenzkontrolle erfolgt auch ohne anstehen. In der Lounge der Air New Zealand gibt es bereits Snacks und Getränke, inkl. Wein, Champagner… Im Flugzeug hat man Platz zur Genüge, wird bereits vor dem Start mit einem Getränk verwöhnt und überhaupt richtig umsorgt. Das Essen auf dem Flug ist hervorragend und nach der Landung steht man bei der Einreise als erste am Zoll und kann auch das Gepäck sofort entgegennehmen. Komfortabel, leider jedoch normalerweise einfach über unserem Budget. Dies war ja ein Meilenflug und kostete uns lediglich je 25 Kanadische Dollar.

Unser Ziel ist es nun, Australien möglichst nah der Küste entlang zu umrunden (die Küstenlänge beträgt 36'700 km), das heisst, dass uns hunderte von Kilometern Schotter- und Sandpisten erwarten werden. Die Strecken im tropischen Norden sind zum Teil in der Trockenzeit vom Mai bis Oktober sehr schwierig zu befahren und in der Regenzeit vom Dezember bis Februar kaum oder gar nicht passierbar. Wir hoffen natürlich, dass wir weiterhin so viel Glück haben und unsere Träume erfüllt werden und nicht zu einem Albtraum werden.

In Sydney werden wir am Freitagabend mit 22°C warm empfangen und das Wetter zeigt sich auch in den nächsten Tagen von seiner besten Seite. Sydney ist eine wunderschöne Stadt und wir planen Samstag, Sonntag und Dienstag mit dem 3-Tages-Pass die Sehenswürdigkeiten abzuklappern, am Montag werden wir unseren Buschcamper übernehmen.

Doch es kommt ein bisschen anders, als wir uns das vorstellen, denn am Samstag erwarten uns mehrheitlich Probleme, weil die Vodafone Mobile Connect Card für unseren Laptop nicht mehr funktioniert. Der telefonische Kundendienst von Vodafone Neuseeland ist sehr hilfreich, nur nützt uns die Auskunft trotzdem nicht viel. Unser NZD 30.-- Vertrag für 15 MB Datenverkehr monatlich gilt nur für Neuseeland, in Australien kostet 1 MB 30.-- NZD, das wäre also 450.-- NZD monatlich.

Deshalb versuchen wir, mit Vodafone Australien einen Vertrag abzuschliessen. Aber das ist unmöglich, weil wir nicht kreditwürdig sind und auch durch Vorauszahlungen oder ein hohes Depot lässt sich der Kundenservice nicht herumkriegen.

Doch den Sonntag lassen wir uns nicht vermiesen und starten unsere Busrundfahrt mit dem „Red Explorer“ beim City Market. Bei „Mrs. Macquires Chair“ steigen wir aus und marschieren am Botanischen Garten und der Opera vorbei zurück zum Hafen. Auf der zweieinhalbstündigen Hafenrundfahrt sehen wir eine Segelregatta, die teuersten Villen an den schönsten Wohnlagen und malerische Buchten wie zum Beispiel die Sugarloaf Bay. Es werden auch einige Zwischenfälle aus früheren Jahren erwähnt, bei welchen Haie Menschen angegriffen und sogar tödlich verletzt haben.

Am Montag wollen wir noch einige bürotechnische Angelegenheiten erledigen. Das Eröffnen des Bankkontos ist denkbar einfach und wir sind angenehm überrascht. Einzig die Erstellung des Bankkärtli dauert 5 – 7 Tage, was uns länger in Sydney halten wird, als geplant.

Gegen Mittag fahren wir mit dem Taxi nach Miranda, wo wir unser Luxus-Reisemobil übernehmen. Herrje, ist dieser Buschcamper klein, da haben wir doch gar keinen Platz zu zweit. Und der ganze Gerümpel, der noch mit muss – wohin nur damit? Koffer und Reisetasche lassen wir schon einmal für ein Jahr bei "Swiss AM Motors" stehen und ansonsten werden wir uns irgendwie einrichten müssen. Es wird wohl noch ein Weilchen dauern, bis wir den ersten Schreck überwunden haben.

Als alles irgendwie verstaut ist begleitet uns Bruno, unser Autoverkäufer, in den Vodafone Shop um uns bei der Angelegenheit mit der Mobile Connect Card beizustehen. Dank seiner spontanen Hilfsbereitschaft sind wir heute wieder in der Lage die Homepage zu einem annehmbaren Preis unabhängig zu bearbeiten.

Den grössten Teil des Dienstag verbringen wir mit einkaufen und einrichten. Ueber unserem Eifer vergessen wir ganz uns richtig zu ernähren und das Muffin vom Frühstück muss herhalten bis am späten Abend.

Mittwoch und Donnerstag verbringen wir nochmals mit Stadtbesichtigung. Diesmal steigen wir beim Fischmarkt aus und mischen uns unter Einheimische und Touristen, welche sich mit frischen Köstlichkeiten eindecken. Weil das Wetter noch immer gut und die Sicht klar ist besuchen wir den Sydney Tower. Dieser wurde zwischen 1970 und 1974 gebaut und 1981 für das Publikum geöffnet. In den untersten Etagen befinden sich ein Einkaufszentrum und Büroräume. Der Tower gilt als eines der sichersten Gebäude der Welt und durch die spezielle Konstruktion soll er Erdbeben und extremen Windverhältnissen standhalten. 56 Kabel stabilisieren ihn und wenn man die einzelnen Drähte dieser Kabel Ende an Ende zusammenlegte würden sie von Sydney bis Alice Springs oder von Sydney bis Neuseeland reichen.

Es gibt einen 162'000 l Wassertank in Donut-Form der nicht nur die Sprinkler-Anlage versorgt, sondern in erster Linie den Ausgleich bildet, sollten sich alle der 960 möglichen Besucher auf dieselbe Seite des Turmes begeben.

In Sydney leben etwa 4 Mio. Menschen, das sind mehr als ein Fünftel der insgesamt 19 Mio. Einwohner Australiens. Dieser riesige Kontinent ist mit 7'682'300 km2 Fläche 187 Mal grösser als die Schweiz.

Der „Bondi Explorer“ bringt uns am Donnerstag an einige schöne Strände im Südwesten der Stadt und wir verlassen den Bus an der Bondi Beach um bis zur nächsten Haltestelle der Küste entlang zu wandern. Genau eine halbe Stunde später besteigen wir den nächsten Bus, welcher uns wieder ins Zentrum zurückbringt. Nach dem Mittagessen im Hyde Park trennen sich für einmal unsere Wege. Peter zieht es ins Maritime Museum und ich suche das Hardrock Cafe, um noch ein Andenken zu kaufen. Heute klappt alles wie am Schnürchen, wir sind immer auf die Sekunde genau beim Bus und kommen gerade noch rechtzeitig vor vier Uhr auf die Bank. Zu unserer Erleichterung sind die Bankkarten schon angekommen was heisst, dass wir Sydney endgültig verlassen und uns auf die grosse Reise machen können.

Obwohl die Wetterprognose schlecht ist und für Samstag/Sonntag sogar Regen vorausgesagt wird ist es am Freitag lediglich etwas dunstig, ansonsten aber warm und sonnig. Die „Three Sisters“, drei bekannte Bergspitzen in den Blue Mountains, leuchten in der Abendsonne und wir bannen dieses Stimmungsbild gleich in unsere Kameras.

Die Nacht in Katoomba auf etwa 1000 müM ist eisig kalt und wir wollen nichts sehnlicher, als wieder in die Wärme. Die 174 km bis Garland Valley bringen uns über Höhenstrassen durch die Blue Mountains in wieder etwas tiefere Lagen, wo es ein bisschen milder ist. Die Abkürzung über einen 9 km langen „Track“, einen teilweise bachbettartigen Waldweg, bringt uns die erste Erfahrung auf diesen speziellen Naturstrassen in Australien. Es ist ein gutes Gefühl, ein geländegängiges Fahrzeug zu haben.

Am Sonntag fahren wir durch die Weinregion Hunter Valley Richtung New Castle, verpassen irgendwo einen Abzweiger und sind plötzlich südlich statt nördlich der Stadt. Nach 40 km Irrfahrt finden wir den Pacific Highway und rollen gemütlich nordwärts. Auf dem Campingplatz in Seals Rocks richten wir uns ein, waschen noch eine Maschine voll Kleider und hängen diese an die Leine. Als wir gerade beim Nachtessen sitzen beginnt es leicht zu tropfen. Wir überlegen uns, das neu gekaufte Sonnen-/Regendach zu montieren, doch es ist schon zu spät, weil es im selben Moment zu giessen anfängt. Ich rette mich in den Buschcamper und Peter ist bereits nach 30 Sekunden triefend nass, weil er das Essen, die Lampe, den Kocher …. ins Trockene bringen will. Das Dach stellen wir dann doch noch auf, um es jedoch später wieder abzubrechen, weil die Oesen fürchterlich laut auf unser Dach klopfen und uns einfach nicht schlafen lassen. Als ich mitten in der Nacht Peters Jeans ans Fahrzeug „fliegen“ höre, nehme ich sicherheitshalber auch die restlichen Kleider von der Leine.

Am Montagabend erleben wir in unserem Buschcamper eine ganz heisse Situation. Der Kühlschrank tönt plötzlich eigenartig und die Störlampe beginnt zu blinken. Die Ursache ist zwar bald gefunden, aber als Peter die Kabel am 12 Volt-Stecker bewegt entsteht ein Kurzschluss mit darauf folgendem Kabelbrand. Uns fährt ein Riesenschreck in die Knochen und ich erwarte schon, dass die Batterie explodiert. Der Laptop liegt im Fach gleich daneben und ich reisse ihn geistesgegenwärtig aus der Gefahrenzone. Glücklicherweise schmilzt das Kabel jedoch nach etwa 30 Zentimetern durch. Uff, das war aufregend. Peter kann den Schaden beheben und zwischen einigen kleinen Regenschauern lüften wir den Gestank der verbrannten Kabel aus dem Wageninnern.

Am Dienstag ist es bereits wieder strahlend blau. Eine ältere Australierin erzählt uns, sie sei einmal rund um Australien gereist und es hätte innert einem Jahr lediglich zwei Tage geregnet. Den ersten Regentag haben wir jetzt bereits hinter uns…

Wir besuchen den Lighthouse Strand, Port Macquire und den Dorrigo Nationalpark, wo ein 75 m langer Skywalk gebaut wurde. Hier stehen wir über den Baumwipfeln und können den ganzen Regenwald rundherum von oben bewundern. Weil Dorrigo auf beinahe 800 müM liegt ist es auch hier ziemlich kalt und wir „flüchten“ zum Uebernachten hinunter nach Bellingen.



23.05.2004

Unser Mittwochs-Ziel ist der Red Rock Campingplatz, ein idyllischer Park, direkt hinter den Dünen gelegen. Der lange weisse Sandstrand ist menschenleer und lädt zum Baden ein. Peter kann nicht widerstehen, obwohl die Wellen unheimlich hoch sind. Als sich die Brecher aber mit Getöse überschlagen watet er sicherheitshalber wieder zurück. Im Regenwald ist ein gut angelegter Gehweg und wir sehen viele uns unbekannte Pflanzen und Tiere wie Adler, Schmetterlinge, Spinnen, Krebse und Fische. Von den einen Tierchen sehen wir lediglich Löcher im Sand und „Autobahnen“ mit Punkten auf beiden Seiten. Faszinierend, was für Kunstwerke die Natur so auf Lager hat.

Am Freitag erreichen wir Byron Bay, den östlichsten Punkt des Australischen Kontinents (S28°-38.054’/E153°-38.273’) mit dem herausstechenden schneeweissen Leuchtturm. Von der 80 m hohen Felsklippe können wir eine Gruppe Delfine beobachten, die vor den Wellen des glasklaren Wassers surfen.

Im Mt. Warning Nationalpark gibt es viele bedrohte Planzenarten, die hier geschützt sind. Die Vögel zwitschern, dass es eine wahre Freude ist. Wir besteigen am Samstag den 1157 Meter hohen Vulkanberg Mt. Warning (Wollumbin). Die letzten gut 100 Meter sind so steil, dass als Hilfe eine Kette angebracht wurde um auch weniger geübten Berggängern den Aufstieg zu ermöglichen. Die Rundsicht vom Gipfel ist atemberaubend, Richtung Osten sehen wir das Meer und im Westen gibt es Hügel und Wälder so weit das Auge reicht. Peter und ich bekommen einen fürchterlichen Muskelkater – offensichtlich haben wir schon zu lange keine anspruchsvollen Wanderungen mehr unternommen.

Am Sonntagvormittag überqueren wir die Grenze von New South Wales zu Queensland und auf unserem Weg nach Brisbane fahren wir der Gold Coast entlang über Surfers Paradise. Dies mag vielleicht für Surfer (und Nachtschwärmer) ein Paradies sein, für uns aber nicht wirklich. Die Hotelhochhäuser lassen bei uns jedoch keine Ferienstimmung aufkommen, und wir stoppen lediglich um das „Betonghetto“ fotografisch festzuhalten.

An den Ueberlandstrassen gibt es Früchte- und Gemüsestände, die vor allem einheimische Produkte zu günstigen Preisen verkaufen. Es ist erstaunlich, was hier alles wächst: Bananen, Orangen, Mandarinen, Zitronen, Grapefruits, Ananas, Avocados und einige Früchte von denen wir vorher noch nie etwas gehört haben, zum Beispiel den „Custard Apple“. Wir dürfen ihn versuchen und finden den Geschmack ganz köstlich, aber doch ziemlich süss.

Brisbane ist eine sehr grüne Stadt mit über 1000 Parks und sogar zwei botanischen Gärten. Am Montag sind wir so richtige Touristen: Wir kaufen für 20 Dollar eine Tourkarte, fahren mit dem „City Kat“ zwei Stunden auf dem Brisbane Fluss und machen nachher noch die ganze Stadtrundfahrt im „City Sights“ Bus. So erfahren wir doch einiges über die Stadt mit 1,4 Mio. Einwohnern und sehen auch wunderschöne Ecken, wo es sich bestimmt ganz gut leben lässt.

Die Fraser Island soll etwas vom Schönsten sein im südöstlichen Queensland. Sie ist mit 123 km Länge und 172'000 ha Fläche die grösste Sandinsel der Welt. Es gibt bis 240 m’ hohe Wanderdünen und 70 m’ hohe schlanke Satinay Bäume, die ausschliesslich auf der Fraser Insel wachsen. Seit 1991 dürfen keine Bäume mehr gefällt werden. Es hat Dingos, unzählige Arten von Vögeln und sogar wildlebende Pferde. Also beschaffen wir uns in Brisbane gleich eine Bewilligung um mit dem eigenen Fahrzeug dahin reisen zu dürfen und bezahlen auch gleich für drei Uebernachtungen in Nationalpark Campingplätzen. Am Dienstagabend erreichen wir „Rainbow Beach“ und fahren am Mittwoch zum Inskip Point, um mit der Fähre auf die Insel zu übersetzen.

Bereits auf der Fähre lernen wir Monika und Fred, ein ganz aufgestelltes Pärchen aus dem Berner Oberland, kennen als Peter sie nach dem Reifendruck fragt. Wir finden einander interessanterweise am Abend immer wieder an unseren Uebernachtungsplätzen. Die beiden sind soeben den Gulf-Savannah Track von Katherine nach Cairns gefahren und geben uns nützliche Tipps, weil wir diesen ebenfalls fahren wollen.

Der weiche Sand am Hook Point im Süden der Fraser Insel lässt Peter gleich zwei Mal leer schlucken, denn er ist sehr tief. Aber wir müssen durch und siehe da, unser Landcruiser schafft das ja ganz ohne Schwierigkeiten. Weil wir ein bisschen zu früh sind und der Strand im Südosten lediglich ca. 2 – 3 Stunden vor Ebbe befahren werden kann, müssen wir den holprigen Weg über die Flut-Zufahrtsstrasse nehmen. Nach 25 km fahren wir dann zum Strand herunter und hier geht es vorwärts wie auf der Autobahn.

Ab Eurong fahren wir kreuz und quer über teilweise tiefe Sand“strassen“ bis zum Lake Mc Kenzie, wo wir nächtigen möchten. Kristallklares Wasser und schneeweisser Sand lassen uns staunen und wir sind sehr enttäuscht, dass es nur den Buschwanderern gestattet ist, hier ihre Zelte aufzuschlagen. Wir müssen leider weiter bis zum Satinay Campingplatz in der Nähe der Central Station. Hier gibt es ganz moderne Hybrid-WC’s und sogar heisse Duschen stehen zur Verfügung. Monika und Fred schaffen es auch noch vor Einbruch der Dunkelheit und wir genehmigen uns nach dem Nachtessen bei einem gemütlichen Schwatz ein Tröpfchen Wein. Gemeinsame Interessen wie Velofahren, Deltafliegen und Reisen geben Gesprächsstoff für viele kurzweilige Stunden.

In der Woche vom 22. – 29. Mai findet auf der Insel ein Fischer-Wettbewerb statt, an welchem ungefähr 1'500 Leute teilnehmen. Viele sind bereits früher angereist und dadurch gibt es mehr Verkehr als üblich. Wir treffen überall Fischer, die Köder (z.B. Muscheln) für diesen Wettbewerb suchen.

Am Donnerstag, 20. Mai, fahren wir zurück an den Strand und weiter nordwärts. Auf der kurzen Wanderung zum Lake Wabby kommen wir einmal mehr ins Staunen, denn der See ist ziemlich klein, die Fische drin ziemlich gross und die Sanddünen rundherum riesig. Die Umfahrung des Indian Head, einer Felsklippe durchs Landesinnere, ist sehr trickreich und vor allem für Fahrzeuge mit grossen Bootsanhängern fast unmöglich, weil der Sand weich ist und das Gelände ziemlich ansteigt. Es gibt viele Schaulustige und einige haben sich gemütlich eingerichtet und mit Bier eingedeckt um das Spektakel so richtig auszukosten. Teilweise werden zwei Abschleppfahrzeuge mit Spezialgurten eingesetzt, um die viel zu schweren Gefährte die Rampe hochzuziehen. Nach jedem erfolgreichen Versuch gibt es Gejohle und Applaus. Wir vertagen die Durchfahrt und campieren an einem traumhaften Plätzchen direkt an der Corroboree Beach.

Freitag, 21. Mai. Heute machen wir einen Ausflug von der Ostküste nach Whatumba an der Westküste. Mit unserem Buschcamper ist die Indian Head Umfahrung mit der Getriebe-Untersetzung absolut kein Problem und wir sind glücklich zu wissen, dass dieses Fahrzeug auch tückische Stellen mit Leichtigkeit schafft. Es warten noch zwei drei schwierigere Aufgaben auf uns, doch inzwischen meistert Peter auch diese Klippen gekonnt. In Whatumba gibt es ausser einem kleinen Campingplatz und einer schönen Bucht nicht viel zu sehen, deshalb fahren wir bald zurück zum gestrigen Lagerplatz, wo nach einem Weilchen auch Monika und Fred wieder zu uns stossen.

Monika & Fred gratulieren Peter mit einer Sandinschrift zum Geburtstag – härzleche Dank!
Wir verabschieden uns von dem sympathischen Pärchen und fahren, diesmal 100 km dem Strand entlang, nach Hook Point und wieder zurück aufs Festland.

Fraser Island hat uns sehr viel Erfahrung gebracht im weichen Untergrund und hat uns vertraut gemacht mit unserem Allrad-Fahrzeug. Wir können künftigen Herausforderungen getrost entgegensehen.

In Tin Can Bay kommen die Delfine sehr oft in den Hafen hinein, was uns natürlich magisch anzieht. Deshalb ist dies unsere nächste Station. Weil wir viel schmutzige Wäsche haben und die Waschmaschinen frei sind beschliessen wir jedoch, noch schnell zu waschen. Obwohl die Wetterprognosen sonst eigentlich zu unserer Lektüre gehören, haben wir für einmal keine Ahnung, wie es in den nächsten paar Tagen aussehen soll. Deshalb passiert uns doch schon wieder das Missgeschick mit den nächtlichen Regenschauern und am Morgen ist die sorgfältig gehängte Wäsche triefend nass. Also Wäsche nochmals schleudern und in den Trockner geben. Vor lauter Aufregung vergessen wir ganz, weshalb wir eigentlich an die Tin Can Bay gefahren sind und fahren weiter. Die Delfine kommen uns erst viel zu spät wieder in den Sinn und wir trösten uns damit, gestern Abend wenigstens ein gemütliches Restaurant zum Feiern von Peters Geburtstag und unserem Hochzeitstag gefunden zu haben.



04.06.2004

Ruedi, Peters Bruder, hat uns ein Paket nach Bundaberg gesandt, welches wir am Montag, 24. Mai, auf dem Postamt abholen. Mmmh, es hat sogar noch Schweizer Schöggeli dabei und wir können nicht widerstehen, diese gleich zu verdrücken.

Auf dem Weg nach Agnes Water und Town of 1770 (nach der Landung von Cook im Jahre 1770 so benannt), hüpft uns am heiterhellen Nachmittag ein Känguru über den Weg, obwohl wir uns doch gerade darüber geeinigt hatten, dass diese hier von der Zivilisation vertrieben worden seien. Vom Round Hill Head aus beobachten wir ein paar Wasserschildkröten, welche gerade am füttern sind und deshalb jeweils nur ganz kurz an der Wasseroberfläche verweilen.

Die Strecke zwischen Agnes Water und Airlie Beach legen wir sehr schnell, in zwei Etappen zurück und verlassen den Bruce Highway nach einer Tagesfahrt von 555 km in Mackay lediglich zum Uebernachten. Auf dem Campingplatz schwatzen wir ausgiebig mit unserem Nachbarn Colin, der 200 km nördlich von Cairns lebt, und uns äusserst vielfältige Tipps für unseren Trip nach Cape York gibt. Ich kann mir das Abenteuer, welches auf uns wartet, gar noch nicht recht vorstellen. Doch Peter ist sehr gut vorbereitet und zuversichtlich, dass wir die uns bevorstehenden Schwierigkeiten meistern werden.

Am Donnerstag um 12.00 beginnt unser Charter in den Whitsunday Islands. Sieben Tage und sieben Nächte werden wir auf dem Segelboot Bénéteau Océanis 281 – „Serenity“ verbringen. Die ersten zwei Stunden werden wir von Chris mit dem Gebiet, dem Kartenmaterial, den Gezeitentabellen und dem ganz wichtigen Handbuch „100 Magic Miles of the Great Barrier Reef – the Whitsunday Islands“ vertraut gemacht. In diesem Handbuch finden wir alles, was es zum sicheren Segeln braucht: Ankerplätze, Bojen, Riffe, Untiefen, schwierige Passagen, spezielle Bedingungen durch Strömungen oder Winde, Sehenswürdigkeiten, Marineparks, gute Schnorchelplätze, wie die Fische aussehen und deren Namen und vieles mehr. Um 14.00 dürfen wir aufs Boot und nach genauen Instruktionen fahren wir um 15.00 kurz hinaus, hissen das Grosssegel, holen es wieder ein und motoren in den Hafen zurück. Unsere Yacht ist ziemlich klein, aber gerade richtig für uns zwei. Täglich um 08.00 Uhr und 16.00 Uhr hören wir auf dem Kanal 66 die Wettervorhersage mit Windstärke, Windrichtung und Wellengang für die kommenden vier Tage sowie die Gezeiten. Danach werden jeweils alle Yachten einzeln aufgerufen: Am Morgen um den vorgesehenen Uebernachtungsplatz bekanntzugeben, um 16.00 Uhr um die aktuelle Position zu bestätigen.

Am Freitag gilt es ernst: Um 08.00 Uhr werden wir per Funk nach unseren heutigen Plänen gefragt und dürfen dann los. Vor dem Wind segeln wir ganz schnell Richtung Norden, und erreichen in Windeseile unser Tagesziel, weil der Wind aus Südosten bläst und uns auch die Strömung Richtung Norden versetzt. Bereits um ein Uhr Nachmittags machen wir an einer Boje in der Butterfly Bay, im Norden von Hook Island, fest.

Unser Ziel für Samstag wäre die Sawmill Bay im Westen der Whitsunday Island. Doch diese liegt im Süden und wir müssen gegen Wind und Strömung ankämpfen. Unsere Yacht ist ziemlich klein, relativ unstabil und für 2.5 m’ hohe Wellen total ungeeignet, sie verhält sich wie eine Nusschale. Wir haben keine Chance, diesen langen Weg ohne Motor zu schaffen und entscheiden uns deshalb, bereits in der Hälfte halt zu machen. In der Refuge Bay, im Süden der Hook Island, gibt es einen für Südostwinde geeigneten sicheren und ruhigen Ankerplatz. Unser Anker hält! Doch …..

am Sonntag, 30. Mai, beginnt unser Tag sehr früh. Kurz nach 05.00 morgens, als Peter aus dem Kojeluk schaut, hat er einen halben Schock: Das Ankerlicht des grossen Katamaran, welcher etwa 200 m' vor uns geankert hatte, "gleitet" plötzlich an uns vorbei weil sich dessen Anker gelöst hat. Peter steht sofort auf und pfeift laut, denn nach weiteren etwa 200 m' kommt ein Korallenriff. Die Mannschaft des Katamarans erwacht und kann sich aus der üblen Situation retten, bevor Schlimmeres passiert.

Wir nehmen nochmals einen Anlauf um zur Sawmill Bay zu gelangen, doch Peter hat im Moment kein grosses Vertrauen mehr ins Ankern. Deshalb verbringen wir die Nacht vom Sonntag auf den Montag an einer Mooring im sicheren Hafen „Shute Harbour“, damit er wieder ruhig schlafen kann und wir morgen fit für weitere Abenteuer sind.

Am Montag haben wir ein ganz hoch gestecktes Ziel – wir wollen durch die Hook Island Passage, wo es ziemlich starke Strömungen und Wirbel hat, hinaus ins offene Meer und nördlich der Border Island ankern. Als wir diese Pläne am Funk bekannt geben werden wir auf die verschiedenen Schwierigkeiten aufmerksam gemacht, doch wir könnten es versuchen und dann ja immer wieder zurückkehren. Schon vor dem Eingang zur Hook Passage vergeht uns jedoch die Lust dazu, weil wir das Segelboot nur mit grösster Anstrengung unter Kontrolle bringen. Es ist so rau, dass wir es vorziehen im Nara Inlet zu Ankern und uns die Höhlen mit den Aboriginal Zeichnungen anzuschauen. Beim Aufstieg zu den Höhlen stelle ich fest, dass es mit meiner Fitness im Moment gar nicht zum Besten steht. Ich bin schon nach ein paar Treppentritten recht ausser Atem und beinahe schwindlig. Ein bisschen Seekrankheit und wenig Bewegung in letzter Zeit haben zu diesem schlechten Zustand beigetragen und wir werden uns nach dem Segeltörn etwas einfallen lassen müssen um unsere Muskulatur aufzubauen.

Unser Anker hält gut, doch bereits kurz nach dem Eindunkeln treibt uns der Wind eine riesige Motorjacht entgegen. Die Leute sind noch fleissig am Bier trinken und Fischer-Geschichten erzählen, als Peter schon längstens am Bug steht und mit der Taschenlampe unseren Anker kontrolliert. Als er fragt, ob sie sich verschoben hätten, schauen sie ganz erstaunt um sich und bemerken endlich, dass sie inzwischen etwa 300 – 400 Meter von ihrem ursprünglichen Ankerplatz weggetrieben worden sind.

Die Sawmill Bay ist immer noch unser „Wunschziel“ und wir geben diese beim Check am Dienstag als Ankerort an. Doch es sollte wieder anders kommen. Wir hissen das Grosssegel und freuen uns über den ziemlich konstanten Wind. Doch das Genua (Vorsegel) müssen wir leider gleich nach dem setzen wieder einrollen, weil wir darin Risse entdecken. Statt eines erfolgreichen Segeltages müssen wir einen weniger erfolgreichen Motorsegeltag in unser Logbuch eintragen. …und anstatt in die lang ersehnte Sawmill Bay begeben wir uns in den Hafen zurück, damit die Reparatur einfacher vonstatten gehen kann. Als Entschädigung bleiben uns eine ausgiebige Dusche (während es draussen in Strömen regnet) und die Antworten eines sehr erfahrenen Skippers auf einige Navigations-Fragen, die uns wirklich unter den Nägeln brannten.

Unsere allerletzte Chance Sawmill Bay doch noch anzulaufen ist am Mittwoch, denn bereits am Donnerstag um Punkt 12.00 Uhr endet unser Charter. Also nichts wie los. Um 10.00 Uhr ist unsere Genua endlich wieder montiert und wir machen uns auf den Weg gegen Osten. Auf der Höhe von Cid Island können wir in den Cid Harbour und die Sawmill Bay hineinsehen – endlich – schiessen einige Fotos, drehen nach Süden ab und segeln mit einem konstanten Südostwind gegen Westen zurück. Unsere letzte Nacht verbringen wir vor Anker in der Happy Bay vor Long Island. Weil alle anderen Boote an privaten Bojen liegen ($ 55.00 pro Nacht) befürchten wir keine Zwischenfälle und können friedlich schlafen.

Am Morgen nach dem Packen geht unser grosser Wunsch in Erfüllung. Wir können mit dem richtigen (allerdings ziemlich schwachen) Wind bis vor die Hafeneinfahrt segeln, ohne den Motor brauchen zu müssen und treffen, wie angekündigt, um 11.00 Uhr am Jetty ein.

Fazit des ersten Segeltörns mit Peter als Skipper: Wir sind durch die bisherigen grossen und stabilen Yachten schon sehr verwöhnt. Dieses kleine Bénéteau Boot ist ungeeignet für grossen Seegang und starke Winde. Aber es machte trotzdem Spass und wir haben enorm viel gelernt in diesen sieben Tagen. Denn nie wurde uns eine Route vorgeschlagen, ein Kompasskurs angegeben oder die Segelstellung diktiert und kein einziges Mal wurde uns eine Entscheidung abgenommen. Wir haben alles ganz allein und erfolgreich gemeistert. Jetzt sind wir glücklich, zufrieden und ziemlich kaputt.

Freitag, 4. Juni – strahlend blauer Himmel. Wir bedauern sehr, dass wir es beim Segeln nicht geschafft haben durch die Hook Passage bis zur Whitehaven Beach auf der Ostseite der Whitsunday Island zu gelangen. Doch wir finden bald eine hervorragende Lösung, das verpasste nachzuholen. Gleich neben unserem Campingplatz liegt der Flugplatz. Ein Helikopter bringt uns auf einem halbstündigen Flug auf 400 m’ Höhe über die uns bereits von der See her bekannten Inseln zu dem berühmten Strand mit dem strahlend weissen Sand. Das Meer ist glasklar und die verschiedensten Blautöne des heute ruhigen Wassers sind unbeschreiblich schön. Die Riffe vom Boot aus zu entdecken war ziemlich schwierig, aus der Vogelperspektive jedoch ein Kinderspiel und wir staunen darüber, dass wir mit unserem Schiff die Einfahrt zur Butterfly Bay so problemlos gemeistert haben. Dieser fantastische Helikopterflug ist der krönende Abschluss unseres einmaligen Abenteuers in den Whitsunday Islands.

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