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Reiseberichte - August 2004 [zurück]


14. August 2004

Die drei Wochen zwischen Darwin und Katherine sind in zwei Reiseberichte aufgeteilt: 31. Juli (1. Teil), 14. August (2. Teil).

Am 1. August verlassen wir Darwin endgültig. Auf dem Weg in den Kakadu Nationalpark gibt es bereits einiges zu sehen. Wir machen Halt beim Fogg Dam und entdecken, dass dies ein wundersames Vogelparadies ist. Daneben gibt es eine riesige verborgene Population: Tonnen von Ratten (ca. 8 Tonnen pro Quadratkilometer) und Tausende von Schlangen (Forscher schätzen die Zahl der Wasserpythons auf 2500) leben in diesem gut drei Quadratkilometer grossen Reservat.

Im Naturpark „Leaning Tree Lagoon“ gefällt es uns so gut, dass wir gleich unser Nachtlager hier aufschlagen. Auch hier gibt es die prächtigsten Vögel zu beobachten und am Abend wehren wir uns, zusammen mit unserem Nachbarn Jeff, tapfer gegen die hunderten von Moskitos.

Wir machen uns früh auf, um ein wenig voranzukommen. Als wir einen Farmer mit seinem Gewehr auf dem Traktor herumkurven sehen erachten wir dies als interessantes Fotomotiv und halten an. Doch als er direkt bei einer kranken Kuh stoppt und ich den wahren Grund seines Tuns erkenne, vergeht mir die Lust zum Fotografieren. Der Knall erreicht uns im selben Moment als die Kuh den Kopf fallen lässt und von ihrem Leiden erlöst ist.

Ubirr ist ein bekannter Fels mit alten und neuen Aboriginal Zeichnungen. Die einen sollen bis 20'000 Jahre alt sein, die jüngsten datieren aus dem Jahr 1985. Auf dem Aussichtspunkt haben wir Richtung Osten einen schönen Blick ins Arnhemland sowie auf verschiedene Feuchtgebiete und Wälder.

Endlich sehen wir unser erstes Salzwasserkrokodil. Es handelt sich um Eric, der seit vielen Jahren in den Rockholes lebt und sich im East Alligator River aufhält. Sein Alter wird auf über 50 Jahre geschätzt und seine Grösse ist über fünf Meter.

Der Merl Campingplatz verfügt über warme Duschen und liegt im Wald. Wir haben mit Mücken gerechnet, aber dass es so viele sein würden hätten wir nicht gedacht. Der Camper ist voll von grösseren und kleineren, aber stechen tun sie alle. Ich kille so viele wie möglich, den Rest halte ich mit dem Moskitonetz von mir fern. Am nächsten Tag kaufen wir vorsorglich schon einmal einen Killerspray, der wirkt Wunder.

03.08. Auf der Bardedjilidji Wanderung und dem „Sandstone and Riverbush walk“ sehen wir im Fluss zwei Krokodile. Auf der Bootsfahrt am Nachmittag zeigt uns der Bootsführer im Fluss, auf der Insel und am Ufer, wo sich die Tiere aufhalten. Meistens sehen wir sie erst, als wir schon ganz nah bei ihnen sind, sie sehen aus wie Baumstämme und verhalten sich unheimlich still. Doch in Sekundenschnelle können sie aus dieser Position eine Beute ergreifen. Wenn du zu nah bist, kann es dich packen bevor du überhaupt merkst, dass es sich bewegt. Du musst dir bewusst sein, dass Menschen von Salzwasserkrokodile als Beute angesehen werden. Vor allem sieht das Krokodil uns schon lange bevor wir überhaupt wissen, dass eines da ist.

Und wir sind sehr überrascht, wie viele Krokodile es im East Alligator River gibt. Allein auf dem 1 1/2stündigen Bootsausflug sehen wir über zehn Salzwasser- und ein einziges Süsswasser-Krokodil.

Heute Abend sind wir gegen die Mückenplage gewappnet und wir geben ihnen gar nicht erst Gelegenheit, das Wohnmobil in Beschlag zu nehmen. Als es eindunkelt haben wir alles verriegelt und liegen lesend in unserem „Luxusbett“.

04.08. Der Kakadu Nationalpark ist mit 19'500 km2 der grösste Nationalpark Australiens. Beim Besuch des Bowali Visitor Centers in Jabiru, dem offiziellen Besucherzentrum, sehen wir einen Film über den Park in der Regenzeit. Es ist eindrücklich, wie die verschiedensten Tierarten mit den Überflutungen umgehen. Die einen Tiere, Krokodile oder Wasserschlangen, brauchen sie zum Überleben, andere, wie zum Beispiel die Kängurus, geraten in grossen Stress. Das Land sieht genial aus, es ist grün und die Wasserfälle üppig – das Problem ist jedoch das Durchkommen, denn grosse Flächen sind überflutet. Die einen Strassen sind komplett unter Wasser und werden mit dem Boot befahren, einzelne Dörfer sind für Wochen von der Umwelt abgeschnitten. Den Kakadu-Nationalpark im Februar/März planen wir deshalb auf einer unserer nächsten Reisen nach Australien zu erkunden.

Donnerstag, 5. August: Der Himmel ist bedeckt, welch eine Wohltat, die drückende Hitze weicht für kurze Zeit einem angenehmen Klima. Dies kommt uns heute sehr entgegen, denn es stehen einige kurze Wanderungen auf dem Programm. Der Iligadjarr Walk führt uns durch Flutebenen und entlang dem Burdulba Billabong. Vom Nawurlandja Lookout sehen wir auf Nourlangie (einen Felsen) und auf das Anbangbang Billabong. Auf dem Nourlangie Rock besichtigen wir einen Aboriginal Feslunterschlupf, die Anbangbang Aboriginal Kunstgallerie (die jüngsten Felszeichnungen sind etwa 1000 Jahre alt) und besteigen den Gunwarddehwardde Lookout mit einem trotz der leichten Bewölkung grandiosen Ausblick.

Vom Mordugal Campingplatz aus machen wir vor der Weiterfahrt einen kurzen Spaziergang zum Mordugal Billabong, wo sich ab und zu ein Süsswasserkrokodil bei der Piknikstelle aufhalten soll. Von Cooinda möchten wir einen Kilometer dem Wasser entlang nach Yellow Water marschieren, doch grosse Teile des Wanderweges sind noch überflutet und deshalb müssen wir auf der Hauptstrasse dorthin gelangen. Weil das zu Fuss keinen Spass macht setzen wir uns halt wieder ins Fahrzeug. Yellow Water ist ein Vogelparadies und wir ergötzen uns einmal mehr an dem grossen und kleinen Federvieh, das fröhlich zwitschert oder geduldig wartet, bis Futter vorbeischwimmt, das dann nur noch aufgepickt werden muss.

Bei 35°C wandern wir in der Mittagshitze auf den Gungurul Aussichtspunkt. Die nur gerade zwei Kilometer erscheinen uns an der brütenden Sonne ziemlich lang und wir sind froh, als uns der Wind während der Autofahrt durch die Haare zieht.

Die 37 km lange Naturstrasse nach Gunlom ist viel befahren und dementsprechend schlecht, aber die Strapazen lohnen sich. Vom Gunlom Lookout, den wir am Abend besteigen, fotografieren wir den Sonnenuntergang und kommen gerade noch bei genügend Licht wieder am Fuss des Berges an.

07.08. Heute machen wir uns früh auf, um in der „Kühle“ eine kleine Wanderung entlang dem Boulder Creek und auf den Yurmikmik Aussichtspunkt zu unternehmen. Und wir tun gut daran, bereits um 10 Uhr wieder zurück zu sein, denn es wird an der Sonne schon recht heiss. In der klaren Luft ist der Himmel tiefblau.

Pine Creek ist ein kleines Städtchen mit einem interessanten Freilicht Minen- und Eisenbahnmuseum sowie hübsch angelegten Wassergärten. Doch der kleine von Asiaten geführte Supermarkt ist furchtbar teuer, für 10 l Trinkwasser verlangen die hier $ 9.70 (etwa Fr. 9.20) – in Katherine kostet das nur $ 3.60.

Der Abstecher in die Umbrawarra Gorge über 22 km gute Schotter-/Staubstrasse ist ganz hübsch, doch nicht überwältigend. Um ganz in die Schlucht hineinzukommen klettern wir über Felsbrocken und waten durchs Wasser. Nach dem Eindunkeln nähert sich uns eine riesige Ratte, die vielleicht unser Fleisch gerochen hat und sie lässt sich nicht einmal mit der Taschenlampe von uns einschüchtern.

Viel besser gefällt uns der Copperfield Recreation Dam, ein kleiner Campingplatz bei einem kleinen Stausee, der lediglich 2.5 km vom Stewart Highway weg ist. Aber wir wollen weiter zu den Edith Falls und begnügen uns deshalb mit einem Foto und entsprechendem Vermerk in unserer Landkarte.

Die Edith Falls im Nitmiluk Nationalpark sind wunderschön und das grosse Becken lädt zum Baden ein. Die etwa 300 Meter zum Wasserfall schwimmen wir mit Leichtigkeit, es ist eine wahre Freude. Am frühen Montagmorgen beobachten wir Wallabies, die ganz nah beim Campingplatz fressen, weil es da sattes grünes Gras gibt. Und auf unserer Wanderung „Leliyn Walk“ zu den oberen Wasserfällen und Felsbecken trillert und zwitschert es nur so um uns herum. Bunte Papageien sausen durch die Lüfte und entschwinden bald unseren gespannten Blicken.

Für die nächsten paar Tage ist „faulenzen“ in Katherine angesagt. Wir müssen Kleider und Schuhe flicken, neu gekaufte Hosen kürzen, Wäsche waschen und die Homepage aktualisieren. Und dann versuchen wir noch Flavia und Marcel zu treffen, die jetzt von Kunanarra nach Darwin reisen.

Juppii, es klappt, Flavia ruft uns am Dienstagnachmittag an. Sie sind jetzt auf der Argyle Station und werden am Mittwochnachmittag in Katherine eintreffen. Wir verbringen kurzweilige Stunden mit dem sympathischen Weltenbummler-Pärchen und lassen uns gerne einige Erlebnisse der letzten drei Jahre erzählen. Sie haben die Reise 2001 mit dem Motorrad von der Schweiz aus gestartet und sind über Asien nach Australien gekommen. Nun sind sie, nach einem glimpflich abgelaufenen Sturz mit dem Triumph Tiger, mit einem Auto unterwegs. Bereits am Donnerstag geht ihre Reise weiter nach Darwin um dort ein anderes Schweizer Pärchen zu verabschieden, welches mit dem Tandem von Adelaide über Alice Springs nach Darwin geradelt ist. Wir hätten noch tagelang mit ihnen schwatzen können…

Wir fahren in den südlichen Teil des Nitmiluk National Parks und unternehmen dort, trotz furchtbarer Übermüdung, eine anspruchsvolle 12 km lange Wanderung durch die schattige Butterfly Gorge hinein in die bekannte Katherine Gorge. Der Weg führt über lose gebrochene Steine, Felsbrocken oder durch Sand was sehr anstrengend, aber total lohnenswert ist. Wir werden auf dem letzten Stück durch die Schlucht von vielen Schmetterlingen begleitet. Dann entdecken wir auch noch eine ganz dünne, aber sicher etwa einen Meter fünfzig lange Schlange. Sie schlängelt sich fast senkrecht einer Felswand und Baumwurzeln entlang in die Höhe bis wir sie aus den Augen verlieren.

Am Freitagvormittag wandern wir auf dem 8.4 km langen Windolf Track nochmals zur Katherine Gorge. Vom Pat’s Lookout haben wir eine wunderschöne Aussicht in die leider sehr touristische Schlucht. Wir lassen es uns aber trotzdem nicht nehmen zum „Southern Rockhole“ hinunter zu kraxeln um dort ein wenig zu schwimmen. Unser Ziel ist der Sandstrand auf der gegenüberliegenden Seite. Als wir jedoch näher kommen können wir folgendes Schild lesen: „CROCODILE NESTING AREA – Please keep out“ (Krokodil Brutplatz – Bitte fernbleiben). Peter schlägt sofort vor wieder zurück zu schwimmen, und trotzdem es hier nur „Freshies“ (Süsswasserkrokodile) gibt finde auch ich das eine ganz gute Idee. Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher über den Barrawei Lookout, von wo die Aussicht zum Katherine River grandios ist. Weil uns unterwegs jemand erzählt, dass es hier auch am Abend ganz schön ist beschliessen wir gleich noch einmal eine Nacht hier zu bleiben. Im Bistro beim Visitor Center gibt es Live Musik : Das Duo „Protected Species“ spielt vorwiegend Australische Country Musik.


21. August 2004

Fast hätte ich’s vergessen: So viele Wallabies wie auf dem Campingplatz der Katherine Gorge haben wir noch nie erlebt. Als wir von unserer Wanderung zurückkommen grasen über zwanzig Tiere auf einem nahen Rastplatz und am Abend müssen wir aufpassen, dass wir im Dunkeln nicht über die zahmen Wallabies hinwegstolpern. Bei uns sagt man auch zu diesen kleinen Tieren Känguru, aber in Australien wird natürlich unterschieden: Die kleine Art heisst Wallaby und davon gibt es auch wieder Unterarten wie Rock Wallaby oder Tree Wallaby, dann gibt es Wallaroos, diese haben viel kräftigere Vorderbeine und zu guter letzt die ganz grossen, die richtigen Kängurus. Davon haben wir allerdings noch nicht viele gesehen, diese kommen vor allem im Süden Australiens vor.

15.08. Weil wir einige E-Mails versenden wollen hängen wir in Katherine noch einen Tag an und das erweist sich als hervorragende Entscheidung, denn unsere Campingplatz-Nachbarn Alain und Louise laden uns zum Dessert ein. Alain bereitet uns das leckerste „Schoggimousse“, welches wir seit langem gegessen haben und das ohne selbst nur ein bisschen davon zu probieren. Die nächsten Nachbarn, David und Beverley, sind ebenfalls mit von der Partie und wir verbringen einen äusserst lustigen Abend, obwohl Alain sehr krank ist. Er hat seit 10 Tagen nichts mehr essen können und hat vier Tage davon am Tropf im Spital verbracht. Wir hoffen sehr, dass es ihm bald wieder besser geht, denn wir möchten uns eigentlich beim Ningaloo Riff zwischen Broome und Perth nochmals treffen.

Montag, 16. August. Rote, weisse, braune und und gelbe Steinbrocken; rotes, gelbes und grünes Gras; Termitenhügel, nicht mehr ganz so gross, aber in den verschiedensten Farben und Formen – der Australische Busch im Northern Territory ist für uns trotz seiner angeblichen Eintönigkeit etwas Spezielles. Er mutet an wie ein lichter Laubwald, die Baumstämme schwarz verrusst von den regelmässigen Buschfeuern, der Boden bedeckt mit trockenem Gras. Gebüsch fehlt vielerorts ganz, weil zu häufige oder zu heisse Feuer kleinere und junge Pflanzen zerstören.

Auf dem einsamen Campingplatz vom Flora River Naturpark sind wir die einzigen Gäste - haben wir gemeint! Ziemlich spät, allerdings noch lange vor dem Eindunkeln, treffen Rob und Marrilyn ein. Sie sind froh, nicht allein auf dem weit abgelegenen Campingplatz übernachten zu müssen und am gemeinsamen Lagerfeuer haben wir einander einiges zu erzählen. Am Morgen, bevor wir weiterfahren, versuchen wir noch die beiden Köder, welche Rob und Mary in einen Baum geworfen haben, herunterzuholen. Doch weil niemand weiss wo sie genau sind und wir sie nirgends sehen können, ist das Unterfangen von Vornherein zum Scheitern verurteilt.

Rote, gelbe und braune Erde – die Fahrten auf Naturstrassen hinterlassen den entsprechend farbigen Staub im Fahrzeug – er ist schnell drin, lässt sich jedoch nur mühsam entfernen.

Heute übernachten wir auf einem Rastplatz. Das kostet nichts, wir müssen uns jedoch auch die Toilette selber graben … und das ist gar nicht so einfach in dieser ausgetrockneten Erde. Dafür treffen wir hier auch allerhand Leute: Die einen laden uns ein, ihre Dusche hinter dem Wohnwagen zu benutzen und können kaum verstehen, dass wir ihr so gut gemeintes Angebot ablehnen. Mit den anderen sitzen wir am Campfeuer und Peter lernt von Jerry ein bisschen Ozzi-Slang. Ich lasse mir derweil von Jerry Geschichten erzählen, denen ich kaum folgen kann weil er ununterbrochen und in einem unheimlichen Tempo schwatzt. Alles in allem verbringen wir einen sehr lustigen und lehrreichen Abend.

18.08.2004 Zwischendurch sieht der Busch wieder anders aus. Die nur drei bis vier Meter hohen Bäume stehen teilweise dichter zusammen, aber das Laub ist so spärlich, dass immer noch genügend Licht auf den Boden fällt, um kleinere Pflanzen und Gras wachsen zu lassen. Vermehrt sehen wir nun auch die Boab Bäume, deren dicke Stämme mit den dünnen Ästen wie Vasen anmuten. Manchmal ist das dürre gelbe Gras drei Meter hoch.

Der Keep River Nationalpark liegt direkt an der Grenze zum Staat Western Australia. Er bietet einige kurze Wanderungen zu einem Aussichtspunkt, zu Aboriginal Malereien und zur Keep River Schlucht. Weil es tagsüber viel zu heiss ist wandern wir nur gegen Abend oder am frühen morgen. Dieser Nationalpark ist nicht sehr bekannt, aber überwältigend schön. Die Sandsteinfelsen muten an wie ein kleiner Bungle Bungle, das ist einer der vielbesuchten Nationalpärke in Australien. Wir machen den zweistündigen Jarrnarm Loop Walk und können unsere Blicke von den im Sonnenlicht rot leuchtenden Felsformationen kaum mehr los reissen. Auf dem ersten und letzten Teilstück, wo wir die Ebene und ein kleines Sumpfgebiet durchqueren müssen, lärmen die schwarzen Kakadus mit ihren knallroten Schwanzfedern, die jedoch nur im Flug zu sehen sind (Red tailed black Cockatoo). Sie kommen mir leider nie nah genug vor die Linse.

Am Donnerstagmorgen früh besuchen wir die Nganalam Art Site, wunderschöne etwa 5000 Jahre alte Aboriginal Zeichnungen in einem Felsloch. Die Wanderung durch die Keep River Schlucht ist nicht sehr attraktiv, weshalb wir in der Hälfte bereits wieder umkehren um noch etwas Interessanteres zu unternehmen. Doch als wir im Campingplatz ankommen ist es bereits wieder zu heiss für eine körperliche Betätigung, weshalb wir uns mit lesen und schwatzen begnügen.

Am Abend wohnen wir dem „Campfire Talk“ bei. Ein Ranger erzählt uns einiges über den im Jahre 1983 ins Leben gerufenen Keep River Nationalpark. Es gibt 400 registrierte Pflanzenarten, die Hälfte davon sind Bäume und er ist vor allem bekannt für seine Vielfältigkeit an Fröschen. Neunundzwanzig Arten konnten aufgrund von digitalen Stimmaufnahmen zugeordnet werden und vier weitere sollen von Forschern während der nächsten Brutsaison noch herausgefunden werden. 33 verschiedene Froscharten, von denen die kleinste gerade so gross wie der Fingernagel des kleinen Fingers ist, lassen uns das Gequake bei den Teichen oder Sümpfen nur erahnen. Des Weiteren gibt es 190 verschiedene Vögel im 700 km2 grossen Park. Ein manngrosses Känguru und verschiedene Wallabies haben sich dieses schöne Gebiet als Lebensraum ausgesucht. Das kleine „Short-eared Rock Wallaby“ (kurzohriges Felskänguru) sonnt sich jeweils in der frühen Mogensonne auf den Felsen, bevor es sich in einem schattigen Plätzchen wieder schlafen legt.

Im zweiten Teil des Abends singt ein Aboriginal Lieder und begleitet sie mit seiner Gitarre und ein älterer Ureinwohner erzählt Geschichten von seinen Vorfahren.

20.08.2004 Bereits vor dem Frühstück wandern wir etwa zwei Kilometer durch die in der Morgensonne zu glänzen beginnende Felslandschaft direkt beim Campingplatz. Leider sind die Tiere ziemlich scheu, vielleicht hätten wir mit dem Feldstecher das eine oder andere sehen können. Aber ohne Kaffee im Magen bin ich leider nicht sehr geduldig.

Um 10.30 Uhr Northern Territory-Zeit/09.00 Uhr Western Australia-Zeit überqueren wir die Grenze. Es ist verboten Früchte, Gemüse und Honig sowie ein paar weitere Sachen wie Erde oder Erdnüsse zu importieren. Ein kurzer Blick des Beamten in unseren leeren Kühlschrank überzeugt ihn, dass wir nichts Verbotenes mitbringen.



31. August 2004

22.08. Mit 180 Liter Diesel im Tank, vollem Kühlschrank und gefüllten Wasserkanistern (insgesamt 54 Liter) verlassen wir Kununurra um auf der unbefestigten „Gibb River Road“ mitten durch die Kimberleys nach Derby zu gelangen.

„The Kimberley“ umfasst ein Gebiet von 320'000 km2, ist also fast acht Mal so gross wie die Schweiz, und hat nur 15'000 Einwohner.

Schon in den frühen Siedlerzeiten wurde Vieh zum Verschiffen ins Ausland auf drei verschiedenen Routen durch die Kimberleys nach Derby getrieben, später wurde die Gibb River Road ausgebaut um das Vieh auf Rädern durch dieses Gebiet zu transportieren. Heute werden die Tiere mit zweistöckigen, etwa 50 Meter langen Roadtrains in den Süden gebracht. Auf dem Mitchell Plateau im Nördlichen Teil der Kimberleys gibt es grosse Zink- und Blei-Minen und das Rohmaterial wird ebenfalls mit Roadtrains abtransportiert.

Bevor wir Kununurra verlassen fahren zum Knob’s Lookout um die Stadt noch von oben zu betrachten und nachher sofort weiter via Wyndham, wo uns nur der „Five Rivers Lookout“ lockt, über Naturstrassen zur Gibb River Road. Der Aussichtspunkt über die fünf Flüsse bietet eine grossartige Sicht auf ein riesiges Gebiet, das in der Regenzeit (im Sommer) mehrheitlich überflutet ist und in der Ferne sehen wir die einzelnen Flussläufe. Das südliche Ende des 50 km langen 4WD-Track Richtung ELQ (El Questro) führt dem Pentecost River entlang und als wir nach zwei Stunden Fahrzeit auf die Gibb River Road treffen, gilt es gleich die Furt dieses Flusses zu überqueren. Neun Kilometer weiter möchten wir im Home Valley Homestead übernachten, doch weil das zu teuer ist machen wir gleich wieder kehrt und campieren direkt am Pentecost River. Krokodile sehen wir keine und gegen die Fliegenplage sind wir auch schon gewappnet!

Montag. Flussläufe sind oft schon von weit her sichtbar. Die Bäume entlang des Wassers heben sich mit ihren saftig grünen Blättern von der trockeneren Umgebung ab. Jeden Tag fasziniert uns der tiefblaue Himmel aufs Neue. Wenn wir über Naturstrassen fahren empfinden wir die Natur als irgendwie unberührt, sobald die Strassen geteert sind ändert sich dieses Bild abrupt und man wähnt sich wieder in der Zivilisation.

Obwohl uns viele Leute den ersten Teil der Gibb River Road als sehr rau beschrieben haben erscheint uns die relativ viel befahrene Strasse als gar nicht sehr schlecht. Zwischen Abschnitten mit Wellblech oder groben Steinen gibt es auch ganz sanfte, leise Stücke und die Szenerie entschädigt für alle Unannehmlichkeiten.

Es ist gar nicht so einfach, die Barnett River Gorge zu finden, doch dank dem genauen Beschrieb im „Reise Know How – Australien Outback-Handbuch“ schaffen wir es auf Anhieb. Auf dem etwa zwei Kilometer langen Fussmarsch zur einsamen Schlucht werden wir durch einen leichten Wind begleitet und am Ende wartet ein erfrischendes Bad auf uns. Da wir ganz alleine sind haben wir die verschieden tiefen Felsbecken ganz für uns.

Dienstag. Beim Lilienteich der Adcock Gorge beobachten wir einen Kookaburra beim Futtern. Er stürzt sich plötzlich von seinem Ausguck auf einem etwa vier Meter hohen Ast ins Gras hinunter, landet dort furchtbar hart und kehrt mit einer appetitlich aussehenden Schlange zurück.

Wir verbringen zwei Nächte im malerischen Bell Creek. Nur dreissig Meter von unserem Platz entfernt ist der Bach etwas tiefer und wir können im von Palmen umgebenen Becken 300 Meter weit schwimmen – kein Mensch ist da, nur wir allein. Am Mittwochmorgen früh marschieren wir zur Bell Gorge. Es ist beeindruckend was im Laufe der Jahrmillionen alles entsteht. Wir sind nicht die einzigen, die diese Wunder der Natur entdecken wollen und wundern uns, woher all die Leute kommen, die plötzlich die Ufer des klaren Wassers säumen. Deshalb wandern wir schon bald wieder zurück und kühlen uns nach dem Marsch in der Hitze in unserem „privaten Swimming Pool“ im Bell Creek ab.

Der schön angelegte Platz zum Campieren gehört uns fast allein. Wir hören die Grillen zirpen, die Vögel zwitschern, den Bach plätschern und erwidern den starren Blick der neugierigen Eule, die uns beinahe ein wenig erschreckt, als sie beim Eindunkeln nur etwa zwei Meter über unsere Köpfe hinweg fliegt.

26.08. Einmal mehr sind wir auch heute früh unterwegs und aus Versehen essen wir unseren Lunch bereits um elf Uhr.

Jede der Schluchten in den Kimberleys ist einzigartig. So auch die Windjana Gorge, welche vor allem dafür bekannt ist, dass man Süsswasser Krokodile sieht. Wow, dass es gerade so viele sein würden, hätten wir nicht erwartet. Sicher zwanzig Stück schwimmen im Wasser oder liegen im Sand herum. Peter getraut sich sogar bis auf drei, vier Meter heran – mutig von ihm – ich fahre lieber das 10fach Zoom aus!

Freitag. Die dreistündige Wanderung durch die Windjana Gorge führt über 3.5 Kilometer durch Busch und dem Wasser entlang. Bereits auf dem Weg an das östliche Ende der Schlucht schätzen wir in einem Wasserloch gut zwanzig Krokodile. Auf dem Rückweg wollen wir es dann genau Wissen und zählen jedes einzelne: Es sind insgesamt 56 Stück, kleinere und grosse. Der Ranger weiss, dass es in der Windjana Gorge momentan etwas über 100 Süsswasserkrokodile gibt und weil es so viele sind ist das Fischen absolut verboten, damit genügend Futter für die Tiere bleibt.

In der Mittagshitze besuchen wir den Tunnel Creek Nationalpark. Dieser hat seinen Namen vom 750 Meter langen Tunnel, den das Wasser durch das Kalkgestein heraus gewaschen hat. Mit Badeschuhen und Taschenlampe machen wir uns auf, den dunklen, kühlen Teil dieses speziellen Nationalparks zu erkunden. Dabei gilt es einige Male, durch fast hüfttiefes Wasser weiter zu kommen. In der Mitte, wo der Tunnel eingestürzt ist, beobachten wir stinkende Fledermäuse. Die einen lärmen von den Bäumen und andere schlafen in der Kühle der Felsen. Wir sind sehr überrascht, dass es hier keine geführten Touren gibt und geniessen das unbeschwerte Herumstolpern.

Am Samstagmorgen ist der Himmel bewölkt und vermittelt uns ein ganz neues Bild von Western Australia. Aber auch das ist schön, denn es ist nicht etwa trüb oder düster, sondern hell und nicht mehr ganz so heiss wie am Vortag. Derby statten wir nur einen kurzen Besuch ab, am meisten interessiert uns hier der Gezeitenunterschied zwischen Ebbe und Flut; mit 11.80 Metern ist es der grösste in ganz Australien. Die Hauptstrasse von Derby ist durch einen Grünstreifen mit Baobabs getrennt und dies ist einzigartig in Australien. Denn nur in den Kimberleys gibt es diese eigenartigen Bäume, die aussehen als ob sie verkehrt in den Boden gesteckt worden wären und ihre Wurzeln dem Himmel entgegen streckten. Der Baobab wird hier Boab genannt und stammt ursprünglich aus Madagaskar, wo es sechs verschiedene Arten gibt, sonst kommen Baobabs nur noch in Afrika vor. Wie sie in die Kimberleys gelangt sind, ob als Samen oder als ganze Bäume, bleibt ein Rätsel. Das Alter der Bäume kann auch nur geschätzt werden, weil die älteren Bäume hohl sind und keine Jahrringe aufweisen. Sie sollen jedoch leicht über 1000 Jahre alt werden.

Unterwegs nach Broome übernachten wir, zusammen mit acht weiteren Campern auf einem grossen Rastplatz, von wo wir sehr früh aufbrechen um bereits am Sonntagmorgen im belebten Städtchen einzutreffen, damit wir sicher noch einen Platz finden. Mehr über Broome in unserem nächsten Update.

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