TRAVELJOY HOMEPGAE ONLINE

Home
Infos
Routenpläne
Reiseberichte
Bilder (Fotos)
Freunde
Kontakt

Reiseberichte - Januar 2005 [zurück]


15.01.2005

Neujahrstag. Bevor wir uns um 12.00 Uhr auf den Weg machen, lösen David und Peter das elektrische Problem an David’s Auto/Wohnwagen. Nach beinahe zwei Stunden checken und suchen finden sie die Ursache. Nachdem letzte Woche die Bremslichter verstärkt wurden ist die Sicherung für nun acht (vorher sechs) 21 W-Glühbirnen zu schwach. Eine 15 A-Sicherung anstelle der 10 A behebt den „Schaden“.

Lakes Enterance ist in der Ferienzeit voller Touristen, doch wir haben uns inzwischen wieder so an die Zivilisation gewöhnt, dass uns das gar nicht mehr viel ausmacht. Unsere Männer schlendern dem Hafen entlang, währenddem wir zwei Ruths in einem Souvenirladen die vielen Schmuckstücke bewundern.

Gegen fünf Uhr erreichen wir Mallacoota in der südwestlichsten Ecke Victorias, wo wir uns in Jane und John’s Garten gemütlich einrichten dürfen. Die beiden sind nette Menschen und wir freuen uns sehr auf die paar Tage hier.

02.01. Jane arbeitet von 07.00 Uhr morgens bis 06.00 Uhr abends. John zeigt uns am Vormittag die Stadt und die nähere Umgebung. Nachmittags stürzt sich Peter in die Velokleider um wieder einmal so richtig in die Pedalen zu treten. Wir (Ruth, David, John und ich) machen uns zu Fuss auf Richtung „Bottom Lake“, wo wir den Fischern beim Ausnehmen ihrer Beute zuschauen und staunen, wie Pelikane und Möwen sich über die Abfälle hermachen.

Fürs Nachtessen bereitet Ruth einen feinen Lammbraten mit Kartoffeln, Zwiebeln, Kürbis, Rüebli und Erbsen zu. Als Peter zum Wein Guetzli auftischt haben wir plötzlich die Idee, zum Dessert frische Früchte und Käse zu reichen.

Am Dienstagnachmittag laden uns Ruth & David bei wunderbarem Wetter zu einem „Fishing-Trip“ auf dem „Top Lake“ in Mallacoota ein. Ruth fängt schon nach kurzer Zeit einen stattlichen „Flathead“. Bei David und Peter, die es mit künstlichen Fischen und Krabben versuchen, beisst leider nichts an und wir müssen uns mit zwei schönen Filets zufrieden geben.

04.01. In der Nacht hat es geregnet, doch es ist bereits am morgen früh wieder trocken und angenehm warm. Wir haben vor zwei Tagen entdeckt, dass unser Toyota in der Nähe des rechten Hinterrades Oel verliert. Heute ist die Werkstatt wieder offen und wir bringen das Fahrzeug gleich zur Reparatur um einen allfälligen Folgeschaden zu verhindern. Die Überprüfung des Mechanikers zeigt: zwei lose Schrauben – dadurch loses Radlager. Wir hätten das Rad verlieren und die Hinterachse brechen können. Die Reparatur kostet $ 240.--, doch damit haben wir einen schlimmeren Schaden oder gar einen Unfall verhindert.

Weil es geregnet hat sind in John’s Garten viele Schnecken unterwegs. Vor dem ins Bett gehen hilft ihm Ruth dabei, diese zu zertreten. Doch nicht alles was im Schein der Taschenlampe wie eine Schnecke aussieht ist tatsächlich eine solche – der letzte Haufen knirscht nicht mehr, Sch…, das war Hundekot.

05.01. Wir verbringen fünf entspannte und erholsame Tage mit fischen, spazieren, herumhängen und Nichtstun.

Vom Fischen im Fluss bringen John, Ruth, David und Peter zwei schöne Fische nach Hause. Das gibt, zusammen mit frischem Salat und Reis, ein feines Nachtessen.

Do. 06.01. Wir brechen heute wieder auf. John und Peter ergreifen am frühen Morgen die letzte Gelegenheit, im Boot zusammen hinauszufahren und ihr Fischerglück zu versuchen. Bereits kurz nach acht Uhr kommen sie überglücklich mit zwei „Flatheads“ zurück.

Nach einem währschaften Frühstück machen wir uns auf den Weg Richtung Melbourne – Geelong. Wir stoppen an einigen interessanten Stellen und marschieren nach dem Lunch durch den McKenzie Regenwald. Dort lesen wir auf Tafeln viele Erklärungen zu Pflanzen und Tieren, die hier vorkommen. Auf der Touristenstrasse gibt es in Cape Conran einen Aboriginal-Wanderweg. Auf kleinen Plättchen in den Handläufen ist beschrieben, mit welch delikaten Nahrungsmitteln die Ureinwohner vom Meer versorgt wurden, oder welche Pflanzen Leckerbissen darstellen.

Weil das Radlager heiss wird lassen wir das ganze nochmals überprüfen. Bryan von Merlin Motors ist momentan auf dem Campingplatz in Marlo „zuhause“ und er löst den festsitzenden Bremsbeleg nach dem Feierabend.

07.01. Bei unserem ersten Halt werfen wir einen Blick auf den Snowy River, welchen jeder Australier kennt, weil ein bekanntes Gedicht davon handelt. Wieder zurück in Lakes Enterance schlendern wir ein wenig durch die Strassen und setzen uns in ein hübsches Cafe.

Metung, am King Lake gelegen, eignet sich ausgezeichnet zum Segeln in etwas geschützten Gewässern. Heute ist jedoch in den gemütlichen Kaffees wesentlich mehr Betrieb als auf den Seen, denn der Wind ist stark böig und es regnet sogar leicht.

Wir buchen zwei Nächte auf dem Campingplatz in Stratford, weil uns David und Ruth am Samstag das Hinterland (High Country) von Victoria zeigen wollen. Hunderte von Kühen auf sattgrünen Wiesen zeugen davon, dass hier die Milchwirtschaft zuhause ist. Es gibt zwar genügend Wasser, doch es regnet zu wenig und deshalb müssen die Felder regelmässig bewässert werden. Ueber Heyfield, eine Holzstadt, vorbei am Glenmaggie Reservoir, einem riesigen Stausee, und Licola mit einem ausgefallenen kleinen Laden, fahren wir in den Busch. Die 4x4-Strecke zum Barclay River, wo wir unseren Lunch verzehren, ist noch nicht allzu anspruchsvoll. Sie windet sich den steilen Hang entlang zum Bach hinunter. Doch was dann folgt auf dem schmalen, steilen Black Soil Gully Track zu „The Sisters“, dem Zusammenfluss von Macallister und Caledonian River, ist vom absolut Feinsten. Ohne 4x4 mit Untersetzung, grosser Bodenfreiheit und entsprechender Offroad-Erfahrung ist dieser Weg unmöglich zu bewältigen. Was uns am Ende der wunderbar hügeligen Landschaft mit lichten Wäldern erwartet ist Natur pur, rauschende Bäche mit springenden Fischen, zwitschernde Vögel und bunte Blumen mit summenden Bienen.

09.01. Wir stoppen in Rosedale, um uns den kleinen Sonntagsmarkt anzuschauen. Es gibt viele alte Sachen, einen Haufen Ramsch, Kleider, Pflanzen und wenig Frischprodukte zu kaufen. Der Holländer, welcher gebrauchtes verrostetes Qualitätswerkzeug verkauft, ist ein teurer Krämer. Zwanzig Dollar für einen schweren rostigen Rätschenschlüssel sind nun wirklich zu viel, dafür bekommen wir bei „Super Cheap Auto“ einen ganzen Satz.

Als wir weiterfahren sage ich nur so zum Spass: „Also weiter bis zum nächsten Markt!“ Ruth und David nehmen dies wörtlich und halten tatsächlich in Yallourn wieder an, als sie den Marktplatz an der Strasse entdecken. Das Angebot ist sehr verschieden, es gibt Fleisch direkt vom Farmer, frische Früchte, Gemüse, Käse, Pflanzen, und Wein direkt vom Produzent.

Geelong empfängt uns mit 27°C und freundlich blauem Himmel, nur weiter im Nordwesten hängen hohe Wolken über den Bergen.

Die Stadt Geelong, 75 km südwestlich von Melbourne gelegen, wurde 1838 gegründet und hat heute etwa 200'000 Einwohner. Vom Hafen werden vor allem Wolle und Weizen verschifft. Bemerkenswert sind die verschiedenen Parks und Gärten an der Corio Bay, sie laden geradezu ein zum Entspannen. In der Westfield Bay City Plaza und im Market Square gibt es alles zu kaufen, was das Herz begehrt. Dann könnte man noch einen historischen Spaziergang durch die Stadt unternehmen, doch dazu haben wir im Moment keine Lust – wir kommen wieder …

10.01. Es ist gar nicht so einfach, eine Segeljacht mit Skipper zu chartern. Erst nach langem Herumfragen und Suchen gelingt es uns, mit dem richtigen Mann in Kontakt zu kommen. Wir wollen nach der Tasmanien-Reise, ab dem 1. März, für vier Tage in der Port Phillip Bay segeln. Weil wir nur zu zweit sind ist es schwierig, einen vernünftigen Preis auszuhandeln. Doch dank dem wir an Wochentagen (von Dienstag bis Freitag) gehen können, erhalten wir eine Preisreduktion, die es für uns erschwinglich macht.

11.01. Wir bringen das Fahrzeug heute nochmals zur Reparatur, weil das Radlager nach unserer Fahrt von Yallourn bis Geelong wieder siedend heiss war und hoffen, dass das Problem nun definitiv behoben werden kann. Zudem schlägt das Lenkrad unerklärlich. Wir lassen alle Räder auswuchten und wechseln sie wieder (von vorne nach hinten/diagonal). Jetzt ist endlich alles in Ordnung.

Es ist wieder einmal Zeit, von unseren lieben Gastgebern Abschied zu nehmen und weiterzureisen. Wir verlassen Ruth und David mit einem lachenden und einem weinenden Auge, nachdem wir achtzehn Tage zusammen unterwegs waren. Wir haben uns in ihrer Gesellschaft sehr wohl gefühlt, freuen uns aber auch auf neue Abenteuer.

Obwohl wir das Fahrzeug erst kurz nach vier Uhr wieder bekommen reisen wir heute noch nach Ballarat, wo es nicht mehr ganz so heiss ist wie in der Hafenstadt Geelong. Wir campen auf dem Mt Buninyong, hören den Wind, hunderte von Vogelstimmen und übermütige Koalas. Zu welchem Lebewesen das laute Grunzen gehört finden wir in der Dunkelheit nicht heraus.

12.01. Im Eureka-Center in Ballarat kaufen wir einen Eureka-Pass, welcher uns auch den Eintritt in die Art Galerie, ins Golddorf „Sovereign Hill“ und ins Gold-Museum erlaubt. Statt zwei Mal $ 36.-- verrechnet uns die Dame vor lauter Plaudern nur zwei Mal $ 8.--, also insgesamt $ 16.--. Weil ich mit der Plastikkarte bezahle und beim Unterschreiben den Betrag nicht kontrolliere bemerken wir das Versehen erst viel später – Glück gehabt, dass es nicht umgekehrt war.

Eureka – Die Geburtsstätte des Australischen Geists

„Wir schwören beim Kreuz des Südens zusammen zu stehen und zu kämpfen um unsere Rechte und Freiheiten zu verteidigen.“

Im Dezember 1854 führten Ballarats Goldsucher einen bewaffneten Aufstand gegen die korrupte und ungerechte Goldfeld Administration. Nach Jahren der Unterdrückung führte die darauf folgende blutige Schlacht zum Anfang der wahren Demokratie in Australien.

Diese Schlacht wurde von Soldaten und Polizei am Sonntagmorgen früh gestartet, als von den insgesamt etwa 600 Goldgräbern nur deren 150 anwesend waren. Die Angreifer waren in der Überzahl von 2:1 und siegten nach einem fünfzehnminütigen Kampf bei dem insgesamt 35 Menschen ihr Leben verloren. Der Aufstand war der bis heute einzige Bürgerkampf in der Geschichte Australiens, wenn man von den verschiedenen Aktionen der Aborigines absieht.

Die Eureka-Rebellion betraf jedoch nicht nur die Steuern, sondern sie verlangte auch ein Recht auf Mitbestimmung bei der Regierungswahl, Fairness und gerechte Behandlung für alle. Sie war die Geburtsstätte des Australischen Geists und die Wiege der demokratischen Freiheit.

Ueber zwanzig Nationen waren auf den Goldfeldern vertreten und mindestens deren sechzehn bei der Rebellion. Die Ursachen der damaligen Unzufriedenheit auf den Goldfeldern sind Themen die für die Australier von heute noch immer grossen Stellenwert haben; Streitfragen der Menschenrechte, Demokratie und nationale Identität. Und es sind diese Angelegenheiten, welche der Eureka Rebellion ihre fortwährende historische Bedeutung geben.

„Sovereign Hill“ – eine Hauptattraktion seit 1851, als dort Gold entdeckt wurde. Dampfbetriebene Maschinen, Kutschen mit Pferdegespannen, Goldwaschen – alles live. Leute mit Kostümen aus der damaligen Zeit bevölkern die Stadt, der Wagner fertigt Räder, der Schmid Hufeisen, der Schreiner Möbel nach alter Tradition und wir dürfen zuschauen, wie drei Kilogramm geschmolzenes Gold gegossen werden.

Das Gold Museum besuchen wir lediglich, weil es im teuren Eureka-Pass inbegriffen ist. Hier werden Goldmünzen aus aller Welt ausgestellt und weltweite Goldfunde betrachtet. Gold fasziniert alle Völker, es ist kein Metall wie viele andere – es oxidiert nicht und korrodiert nicht.

13.01. Bendigo – auf Gold gebaut. 1851 wurde in Bendigo Gold entdeckt. Tausende kamen um ihr Glück zu suchen. In den 1880er Jahren war Bendigo die reichste Stadt der Welt mit Goldadern die sich über mehr als 3'600 Hektaren Untergrund erstrecken. Noch heute rangiert sie als zweitgrösster Goldproduzent Australiens und bleibt siebtgrösster weltweit.

Gegen Mittag reisen wir über Maldon, Maryborough, Avoca, Ararat und Stawell nach Halls Gap, dem Herzen des Grampians Nationalparks.

In der Zeitung lesen wir, dass im Staat Victoria gestern 174 Buschbrände ausgebrochen sind. Eine Feuer in der Nähe von Balmoral, welches bereits 9000 ha Busch/Wiese verbrannt hat, bedroht im Westen die Grampians und deshalb sind momentan von den vielen Buschcamps nur deren drei offen. Zur Sicherheit werden die Touristen angewiesen, sich mehr oder weniger nur in den östlichen Bergen aufzuhalten. Wir nehmen diese Aufforderung ernst. Weisser Rauch überzieht den Himmel und am Morgen finden wir sogar feine Asche auf unseren Stühlen. Auf der Eyre Halbinsel wüten schon seit anfangs Woche Buschfeuer. Am Dienstag wurden an verschiedenen Orten, in der Nähe von Port Lincoln, insgesamt neun Tote Menschen in Autos aufgefunden.

Freitag. Vom Wonderland Parkplatz führt ein 2,1 Kilometer langer steiler Aufstieg durch den „Grand Canyon“ und die „Silent Street“ zum Pinnacle. Bei klarer Sicht könnte man hundert Meilen weit sehen…

Vom Boroka Lookout ist die Sicht auf Halls Gap, Lake Fryans und Lake Bellfield ganz gut, das 25 km entfernte Stawell ist erkennbar. Auf dem Reid Lookout steht ein Feuerschau Turm, wir sehen zwar kein Feuer, doch dessen Rauchwolken erstrecken sich hinter den Bergen über mehrere Kilometer von Süden nach Norden.

Der 670 Meter lange Staudamm für den Lake Wartook wurde 1882 – 1886 aus feinem Sand gebaut und im Jahre 1890 erweitert. Er war das erste Reservoir im Wimmera-Mallee Reservoir System und das erste Bewässerungs-Reservoir Australiens überhaupt. Sein heutiges Fassungsvermögen beträgt 29'500 Megaliter.

Das Wimmera-Mallee Reservoir System umfasst 12 Stauseen, wovon deren drei in den Grampians liegen, und versorgt 51 Städte über ein ausgeklügeltes Netzwerk mit Wasser.

Auf der Fahrt nach Zumsteins, wo wir eigentlich Kängurus beim grasen erwarten, ist der Himmel rauch verhangen, doch glücklicherweise riechen wir nichts. Tagsüber ist es den hüpfenden Kreaturen jedoch zu heiss zum futtern und wir geben uns mit den wenigen Informationen zufrieden, die auf zwei Tafeln präsentiert werden.

Samstag. Die Sicht ist nicht ideal und deshalb verschieben wir die Wanderung zum Hollow Mountain auf morgen. Heute fahren wir nach Horsham und arbeiten ein wenig an der Homepage.



31.01.2005

Sonntag, 16.01. Gemäss Beschrieb startet der Aufstieg zum Hollow Mountain, ganz im Norden des Grampians Nationalparks, beim gleichnamigen Parkplatz. Doch diesen zu finden gestaltet sich nicht ganz einfach. Zuerst gibt es gar keinen Wegweiser mit entsprechender Bezeichnung und später bringt uns nur eine skizzierte Karte weiter. Nach der einstündigen Irrfahrt, auf der wir als Entschädigung wenigstens ein paar ganz dunkle Kängurus sehen, finden wir endlich die angegebene Stelle. Die Wanderung ist leider nur ganz kurz und das in der Broschüre so schön abgebildete Loch nicht so eindrücklich, wie wir uns das erhofft haben. Die wenigen Zeichnungen beim „Gulgurn Manja Shelter“, einer Aboriginal Kulturstätte, sind auch ein wenig enttäuschend, nachdem wir doch weiter im Norden schon einige ganz erstaunliche Malereien gesehen haben.

Peter fährt heute mit dem Velo etwa 50 Kilometer von Zumsteins über die steile Bergstrecke nach Halls Gap und weiter bis zum Lake Fyans Campingplatz. Oh, tut das gut!

17.01. Unsere heutigen Ziele sind Mt William, der höchste Berg der Grampians, und Mt Abrupt, in der Aboriginalsprache Mt Murdadjoog, ganz im Süden. Den 12 km langen Aufstieg zum Mt Williams erklimmen wir ganz leicht mit dem Auto, weil das normalerweise geschlossene Tor offen ist. Unterwegs begegnen uns ein riesiger Bus und zwei Polizeiautos, was uns sehr wundert. Auf dem Gipfel erwartet uns ein Kamerateam und wir erfahren, dass seit Samstag eine Frau vermisst wird. Ein riesiges Aufgebot an Rettungskräften inkl. Helikopter sucht nun nach ihr und an der Hauptstrasse weiter südlich wurde sogar eine mobile Kommunikationszentrale eingerichtet.

Für die sieben Kilometer zum Mt Abrupt müssen wir dann Muskelkraft einsetzen, was wir bei diesem Wetter (bedeckter Himmel und ein wenig regnerisch) sogar richtig schätzen. Wir stehen auf dem höchsten Gipfel der südlichen Grampians, haben Sicht über die Bergketten im Norden und blicken auf das Städtchen Dunkeld, wo wir heute übernachten. Auf dem Abstieg überraschen wir ein schwarzes Känguru auf dem Weg. Als Peter jedoch bei einer kleinen, etwa 20 cm langen Schlange vorbei marschiert erschrecke ich, aber sie macht sich aus dem Staub, bevor wir sie genauer betrachten können.

Wir haben uns oft gewundert, weshalb alte Kirchen als Antiquitäten-Läden, Museen oder Märkte dienten. In Dunkeld lesen wir auf einem Schild, dass sich zwei Kirchen zur „Uniting Church“ zusammengeschlossen, eine neue Kirche gebaut und die alten Gebäude zum Verkauf angeboten haben.

18.01. Meredith Park liegt am nördlichen Ende des Lake Colac. Hier dürfen wir gratis campieren und sogar noch ein Feuer machen – was will man mehr? Wir backen seit langem wieder einmal ein richtig feines Brot im Campofen. Dies ist der bisher wohl schönste freie Campingplatz – erst noch mit erstaunlich sauberer Toilette.

19.01. In Melbourne werden wir bereits von Louise und Alain, mit seinem charmanten französischen Akzent, erwartet. Wie einige andere, inzwischen gute Freunde, haben wir die beiden im Norden von Australien kennen gelernt. Sie verwöhnen uns geradezu. Am Nachmittag dürfen wir in ihrem Schwimmbad schwimmen und jeden Abend gibt’s echt französische Küche vom „Chef“ (gelernter Koch).

Louise und Alain werden ab Mitte August für zwei Monate Europa bereisen und wir rechnen fest damit, dass sie uns dann besuchen werden.

20.01. Im Stadtteil Springvale gibt es viele Asiaten und Alain lädt uns zum heutigen Lunch zu einer Vietnamesischen „Chicken-Soup“ ein. Nachher treffen wir uns beim Middle Brighton Pier mit David, dem Skipper der Segeljacht „Ingénue“. Mit ihm werden wir vom 1. – 4. März unsere letzten Seemeilen segeln um danach in den Besitz des Skipper-Ausweises zu gelangen.

21.01. Melbourne Stadtbesichtigung: Erste Anlaufstelle ist das Besucherzentrum, wo wir mit einem Stadtplan versorgt werden und das wichtigste erfahren. Das „City Circle Tram“ ist gratis und fährt rund um die Stadt. Es zirkuliert nicht sehr häufig und ist deshalb ziemlich überfüllt. Irgendwie gelangen wir dann doch zum berühmten Victoria Markt, nordwestlich des Zentrums, wo es günstige Kleider, Souvenirs, Obst, Gemüse und Fleischwaren zu kaufen gibt.

Melbourne kommt einer Europäischen Stadt näher als jede andere Australische Stadt. So ist ihr das bekannte „easy going“ fremd und das geschäftige Treiben erinnert eher an London oder New York. Es gibt viele Griechen, Italiener, Chinesen, Vietnamesen und Malteser die seinerzeit hierher ausgewandert sind und selbstverständlich fehlen auch die Deutschen, Österreicher und Franzosen nicht. Melbourne besitzt heute etwa 3.2 Millionen Einwohner. Zwei, drei alte viktorianische Gebäude mit modernsten Bauten gleich dahinter finden wir ganz witzig kontrastierend, ansonsten beeindruckt uns die Stadt nicht besonders, es fehlt ihr einfach an Charme.

22.01. Mornington Halbinsel. Wir unternehmen einen kurzen Ausflug via Frankston, über die Hügel nach Hastings, Flinders und Sorrento, der ältesten Ansiedlung der Halbinsel, und der Port Philip Bay entlang zurück nach Parkdale.

Sorrento wurde 1803 „Collins settlement“ genannt. Von den 460 mit Schiffen angereisten Briten waren 50 Soldaten, 290 Gefangene, 43 Frauen und 33 Kinder (sechs der Gefangenen waren 12jährig und jünger). Die restlichen waren Siedler und sie alle wurden mit ausserordentlichen Schwierigkeiten konfrontiert: Kein Frischwasser, unfruchtbarer Boden und unbrauchbares Holz, gefährliche Passage beim Eingang zu Port Philip, Angst vor unfreundlichen Aborigines sowie undisziplinierte Soldaten und viele Ausbrüche von Gefangenen. Aus diesen Gründen beschloss Leutnant-Gouverneur Collins im Jahre 1804 nach Van Diemen’s Land (dem heutigen Tasmanien) zu übersiedeln, wo er Hobart Town, jetzt nur noch Hobart genannt, gründete.

23.01. Wir verlassen Melbourne mit der Fähre um 09.00 Uhr bei strahlend blauem Himmel und treffen nach einer sehr ruhigen Überfahrt abends um 06.30 Uhr in Devenport (Tasmanien) ein. Tassie empfängt uns sehr freundlich (obwohl wir alles Gemüse und die Früchte wegwerfen müssen) und im Lebkuchenhaus werden wir von Sven erwartet, der am Dienstag bereits wieder aufs Festland zurückfahren wird. Wir haben ihn seit dem Ningaloo-Riff (ca. Mitte September) nicht mehr gesehen und tauschen einige Reiseerlebnisse aus.

Tasmanien liegt 240 Kilometer südlich des Australischen Festlandes, ist 68300 qkm gross und hat knapp 500'000 Einwohner. Vor rund 13'000 Jahren war der heutige Inselstaat noch mit dem Festland verbunden. Die ersten Siedler (ab 1804) gingen mit den Ureinwohnern ganz brutal um. Die ursprünglich etwa 6000 Aborigines wurden gejagt und erschossen, Frauen manchmal als Sklavinnen missbraucht. Nach 30 Jahren britischer Besiedlung blieben gerade noch 150 Aborigines übrig, die den Massakern und Hetzjagden entgangen waren. Seit 1876, als der letzte Ureinwohner starb, gibt es in Tasmanien keine schwarzen Aborigines mehr sondern nur noch Mischlinge, denen man ihre Herkunft heute nicht mehr ansieht. Bis 1853 galt Tasmanien als reine Sträflingskolonie. Die Australier selber sprechen nicht gerne über diese tragischen Tatsachen.

24.01. Nachdem wir uns wieder mit frischem Obst und Gemüse eingedeckt haben machen wir uns auf, die von allen Leuten gelobte Insel zu erkunden. Vom Mersey Bluff werfen wir einen Blick auf das erstaunlich ruhige Meer hinaus. Wir befinden uns inmitten eines Hochdruckgebiets und geniessen ein mildes Klima.

Gewundene steile Strassen, Berge und Stauseen erinnern uns sehr an die Schweiz und mit einem Motorrad wäre die Reise bei diesem Wetter noch viel schöner als mit unserem doch recht schwerfälligen Buschcamper.

Gleich am ersten Abend im Busch sehen wir kleine Wallabies, Wombats und einen jungen Tasmanischen Teufel (eine Art ziemlich unansehnlicher Hund). Die Tasmanischen Teufel waren noch vor kurzer Zeit so zahlreich, dass die Farmer sie abgeschossen haben. Heute sind sie jedoch plötzlich vom Aussterben bedroht, weil ein unerklärliches Krebsgeschwür im Gesicht tödliche Folgen hat und die Tiere oft bereits schon im Alter von zwei Jahren sterben.

25.01. Cradle Mtn Summit. Die Cradle Valley/Mountain-Region ist das beliebteste Touristengebiet in Tasmanien. Der Cradle Mountain ragt kantig über die Seen und wir besteigen ihn, als starker Wind Nebelschwaden über den Grat bläst. Die Aussicht vom Gipfel ist gerade im Moment als wir ankommen phänomenal – für genau eine Sekunde! Ungefähr alle zwei Minuten klart es schnell auf und um ein Foto zu erhaschen gilt es die Kamera schussbereit zu haben, denn sonst ist es bereits wieder zu spät und die Landschaft ist unter der dichten Nebeldecke verschwunden. Beim Abstieg klart es dann langsam auf und als wir von der „Kitchen Hut“ via Hansons Peak mit Sicht auf den Dove Lake zurückmarschieren ist der Himmel strahlend blau.

Weil wir gestern für den Campingplatz ohne Strom satte 30 Dollar bezahlen mussten genehmigen wir uns dort nach der harten Wanderung eine warme Dusche, übernachten jedoch auf dem Parkplatz eines der zahlreichen Besucherzentren vor dem Nationalpark.

Am Abend sitzen wir mit Wolfgang, Birgit und Louisa zusammen. Die Männer unterhalten sich über technische Details am Auto und überprüfen die Klimaanlage des aus Deutschland überschifften „Bremach“-4x4 Wohnmobils, das ähnlich aussieht wie ein Unimog. (Hier noch ein Gratistipp für alle, die jemals ein Fahrzeug nach NZ oder Australien verschiffen möchten: Nicht Aukland wählen sondern Nelson oder Christchurch. Sydney missen und Fremantle (Perth), Darwin oder Melbourne bevorzugen.)

26.01. Australia Day (Nationalfeiertag). Wir fahren Richtung Burnie, besuchen die Guide Falls und versuchen auf dem Latrobe Platypus Trail diese eigenartigen Tiere zu sichten. Doch obwohl es heisst, in Tassie seien sie auch tagaktiv, haben wir heute kein Glück. Auch auf dem Round Hill Lookout, von wo man eine gute Rundumsicht haben sollte, haben wir ein wenig Pech, denn es ist sehr trüb. Wir reisen auf dem Bass Highway gegen Westen, übernachten an der Sisters Beach und beobachten beim Eindunkeln eine ganze Gruppe Fischer, die mit einem Netz fische fangen. Die Ausbeute ist nicht allzu gross, vermutlich ist die See zu rau.

27.01. Trotzdem die berühmte Nuss “The Nut” in Stanley zeitweise in dichtem Nebel liegt beschliessen wir, den kurzen steilen Anstieg in Angriff zu nehmen und unser Glück zu versuchen. Den halben Rundweg auf dem oben ziemlich flachen Berg wandern wir denn auch noch im Sonnenschein, Minuten später jedoch hüllt uns kühler Nebel ein und wir können nicht einmal mehr das Meer gegen Norden erkennen geschweige denn die auf einer Informationstafel so ausgezeichnet beschriebenen Inseln im Nordwesten.

Der Übernachtungsplatz „Green Point“ in Marrawah ist schön gelegen, mit WC’s ausgerüstet und erst noch gratis. Der Abend ist mild und unsere Sonnenkollektoren versorgen uns mit genügend Strom. In der Nacht gibt es kleine Gewitter und nur wenig Regen.

28.01. Arthur River „Edge of the World“ – das Ende der Welt. Der Wind peitsch die Wellen gegen die Felsen und soweit das Auge reicht, und noch viel weiter, gibt es nichts als Meer – bis dann irgendeinmal Südamerika (Patagonien) kommt…

29.01. Mit der Führung durch Creative Paper in Burnie beginnt ein weiterer erlebnisreicher Tag. Creative Paper ist der Australienweit grösste Hersteller von handgefertigtem Papier und nachdem uns Charlie alles genau erklärt hat dürfen wir selber ein A4-Blatt herstellen. Weil es jedoch zuerst gepresst und getrocknet werden muss nehmen wir als Andenken ein Ersatz-Blatt mit.

An dieser Tour beteiligen sich auch drei elegante Damen, mit welchen wir uns nachher noch ein wenig unterhalten. Kathleen und Jennifer sind Zwillinge, Faye ist deren Schwester. Kathleen ist mit einem Österreicher verheiratet und sie lädt uns ganz spontan zu einem Nachtessen in Hobart ein, wenn wir dann in der Nähe sind. Herzlichen Dank, wir werden uns gerne melden!

In der Lactos Cheese Factory gibt es gratis Käse zu degustieren – der ist so fein, dass wir uns gerade wie zuhause fühlen und uns mit Vorrat eindecken.

Gegen Abend machen wir uns dann ein weiteres Mal auf, einen Platypus zu erspähen. Wir treffen auf einen Mitarbeiter des Forstamtes, der uns sogleich zweierlei verrät: Erstens seien wir etwa zwei Stunden zu früh und zweitens hätte er vor ein paar Tagen einige Platypusse beim Stauwehr bei den farbigen Gebäuden vor der Brücke gesichtet. Wir wandern trotzdem kurz dem Fluss entlang auf dem „touristischen“ Platypus-Trail und beschliessen, uns mit einem Buch bewaffnet beim Stauwehr auf die Lauer zu legen und zu warten. Doch kaum sind wir da, ruft Peter ganz erstaunt: Hier! Tatsächlich ist soeben ein etwa 40 cm langer Platypus untergetaucht als Peter ans Ufer tritt und das Tier uns kommen sah. Bald schon gesellen sich zwei drei weitere Exemplare dazu und wir freuen uns sehr, sie ungestört beobachten zu können.

Was wir an wilden Tieren in Tasmanien schon gesehen haben übertrifft alles Bisherige. Die Pinguine, welche wir eigentlich beim Eindunkeln erwarten, kommen vermutlich ziemlich spät, denn wir sehen lediglich einen der momentan 48 Jungen, der auf Futter seiner Eltern wartet. In der Nacht sehen wir noch drei Possums und einen Bandicoot, eine Art Ratte.

30.01. Weil das Wetter so prachtvoll ist verschieben wir die Büroarbeit auf einen Regentag. Auf der kurzen Wanderung zu den Alum Cliffs begleiten uns eine angenehme Brise und ein bezaubernder Duft. Die Aussicht hoch über dem Mersey River ist zwar nicht spektakulär, doch immerhin haben wir uns wieder ein wenig die Beine vertreten.

Der höchste Punkt des bis heute nur teilweise geteerten Lake Highway liegt beim Pine Lake auf 1210 Metern über Meer. Wir übernachten auf einem Nationalpark Campingplatz beim Arthurs Lake auf etwa 950 müM und bezahlen dafür 3.30 $ pro Person, inkl. heisser Dusche!

31.01. Eine richtige Passstrasse durch Wälder bringt uns wieder in tiefere Lagen, über Felder und durch einige kleinere Orte wie Cressy oder Perth nach Launceston mit etwa 90'000 Einwohnern. Im Wetter-Büro erfahren wir die aktuellste Vorhersage, welche aufgrund von Sattelitenbildern und einem entsprechenden Computerprogramm erstellt wird.

Wir nutzen den schönen Tag und wandern durch die Cataract Gorge zur „Duck Reach Powerstation“, einem historisches Kraftwerk.

Weiter im Norden befindet sich Grindelwald in Tasmanien. Das Schweizer Dorf wurde von einem Holländer gebaut und der Ferien- und Einkaufsort wurde 1989 vom Tasmanischen Premier Gray offiziell eröffnet. Der Marktplatz mit Souvenir-Läden, Cafes und Restaurant erinnert uns tatsächlich ein wenig an den gleichnamigen Ort in der Schweiz.

copyright © by Ruth & Peter Zaugg | all rights reserved | designed & programmed 2005 by stiviluescher [more]