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Reiseberichte - März 2005 [zurück]


16.03.2005

Am Sonntagabend (27.2.) verlassen wir die um 1 ½ Stunden verspätete Fähre, warten noch eine Ewigkeit auf unsere separat transportierten Gasflaschen und kommen erst kurz vor zehn Uhr abends bei David und Ruth in Geelong an. Sie haben sich in der Zwischenzeit entschieden, im Herbst Deutschland, die Schweiz und Italien zu bereisen. Wir freuen uns, ihre Gastfreundschaft zu erwidern und ihnen hoffentlich ein paar schöne Ecken in der Schweiz zeigen zu können.

01.-04.03. Nach einem stressigen Montag (beim Zahnarzt dauert es über eine Stunde statt kurze fünf Minuten – und das ist nur der Anfang), beginnt der Dienstag mit einer etwa halbstündigen Verspätung des Skippers. Ab neun Uhr läuft dann aber alles rund und wir können den Segeltörn auf der „Ingénue“ im Port Phillip richtig geniessen. Dies ist ein ganz spezielles Erlebnis, haben wir doch den riesigen Hafen bereits mit dem Auto „umrundet“ und mit der Fähre befahren. Jetzt gilt es den Fährschiffen und riesigen Cargoschiffen, die aus aller Welt durch den Kanal hereinkommen, genügend Beachtung zu schenken und ihnen auszuweichen. Obwohl sie oft träge und langsam erscheinen, sind sie doch erstaunlich schnell unterwegs und wir wollen ihnen auf keinen Fall in die Quere kommen.

Das Wetter könnte nicht besser sein und wir schaffen es spielend, die anvisierten 170 Seemeilen zu absolvieren. Am Freitag um die Mittagszeit segeln wir unsere insgesamt 1000ste Seemeile und können damit nun unser Logbuch einreichen, um die Skipperlizenz zu beantragen.

David, Besitzer und Skipper der 40 Fuss Jacht Ingénue, ist ehemaliger Apotheker und hat ausser dem Segeln ein weiteres interessantes Hobby. Er stellt Sonnenuhren her und hat unter anderem das Design und die Berechnungen für die Sonnenuhr geliefert, welche die Stadt Melbourne im Jahre 1991 der Schweiz zur 800 Jahr Feier geschenkt hat. Sie steht auf dem Gelände des ehemaligen SMH Hauptsitzes in Biel.

Am Freitagabend sind wir bei Alain und Louise eingeladen. Sie haben bereits Gäste, die sie in der Nähe von Darwin kennen gelernt haben. Es ist ein Franzosen-Pärchen, welches auch für ein Jahr unterwegs ist und im Moment drei Wochen mit ihren Eltern umherreist. Die Unterhaltung, inkl. Witze, findet in Englisch und Französisch statt, wobei sehr viel gelacht wird. Wir schlemmen einmal mehr bei einem exklusiven Nachtessen in einer angenehmen Umgebung.

Am Samstag schreiben wir unser Logbuch ins reine und suchen noch die genauen Koordinaten auf der Seekarte heraus, nachdem wir unterwegs jeweils lediglich die Positionen mittels Peilung bestimmt hatten.

06.03. Der Formel 1 GP im Albertpark in Melbourne feiert heute sein 10jähriges Jubiläum. Wir sind so Nahe, dass es beinahe ein Muss ist, dieses Rennen zu besuchen. Das Wetter ist auch gerade richtig für diesen Anlass: Himmel bedeckt, leichter Wind, nicht zu warm und nicht zu kalt. Wir finden einen ganz guten Platz mit Sicht auf einen kurzen Streckenabschnitt und, sehr wichtig, einen grossen Bildschirm.

Vor dem Formel 1 finden noch einige kleinere interessante Rennen statt. So messen sich etwa die Holden V8 untereinander oder schöne strassentaugliche BMWs. Es gibt als äusserst interessanten Vergleich ein Handicap Rennen zwischen einem solchen BMW, einem Holden V8 (42 Sek. späterer Start) und einem Formel 1 (1 Min. 15 Sek. späterer Start). Es gilt, eine Runde zu absolvieren. Kurz vor dem Ziel überholt der F1 den Holden, doch der BMW ist Sekundenbruchteile früher auf der Ziellinie und gewinnt. Es ist unheimlich, wie viel schneller ein Formel 1 Rennwagen durch die Schikane rast, als ein gewöhnlicher BMW oder ein V8 Rennauto.

Das F1-Rennen startet um 02.00 Uhr und dauert 58 Runden. In der Startreihe stehen die zwei Italiener Fisichella als schnellster und Trulli als zweiter. Der Australier Mark Webber folgt als drittschnellster. Die Sauber-Fahrer Villeneuve und Massa starten aus den Positionen 4 und 18. Michael Schumacher ist nur 19. Diese Ausgangspositionen lassen ein sehr spannendes Rennen erwarten.

Die Plätze sind bezogen, der Start verläuft problemlos, ausser dass Villeneuve dabei bereits einige Ränge vergibt – schade nach dieser idealen Ausgangslage. Fisichella scheint überlegen und die beiden Renaults fahren einem Triumph entgegen. Dank Bildschirm und Kommentator bleiben wir auf dem Laufenden, sonst hätten wir wegen all den Boxenstopps schon lange den Überblick verloren. Ein sensationeller Fisichella gewinnt das erste Rennen der Saison, sein Teamkollege Alonso wird grossartiger dritter, und Barrichello auf Ferrari verhindert als zweiter einen Doppelsieg von Renault.

Am Montag verabschieden wir uns von den liebenswürdigen Freunden Louise und Alain. Auch sie haben eine Europareise gebucht und wir freuen uns sehr wenn sie uns im Herbst besuchen werden.

08.02. Phillip Island liegt 130 km südöstlich von Melbourne. Die weltbekannte Motorradrennstrecke ist in hügeligem Gelände und in Strandnähe wunderschön angelegt. Am westlichsten Ende der Insel leben eine grosse Robben-Kolonie sowie viele kleine Pinguine. Wir sehen einige erwachsene, etwa 6 bis 7jährige Pinguine, die sich gerade mausern und deshalb nicht auf Futtersuche (im Meer) gehen können. Dies hat jedoch zur Folge, dass ganz junge Pinguine, die sich noch nicht selber ernähren können, kläglich verhungern, weil ihre Eltern sie in dieser Zeit nicht füttern.

09.03. Der 49'000 ha grosse Wilson’s Promontory Nationalpark, an der südlichsten Spitze des Australischen Festlandes gelegen, empfängt uns mit vereinzelt heftigen Regenschauern und trübem Wetter. Doch es soll besser werden. Der Nationalpark, nur gerade 220 km von Melbourne entfernt, ist ein äusserst beliebtes Ausflugsziel an langen Wochenenden, Weihnachten und Ostern. Am Mittwoch ist der Campingplatz mit ca. 500 Stellplätzen noch fast leer und von Freitagnachts um elf Uhr bis am Montag (Labour Day = Feiertag) ist er komplett voll.

10.03. Der Himmel klart langsam auf und wir starten zu einer kurzen Wanderung an die Squeaky Beach. Wir schauen einem Schwarm Delfine beim Jagen, Springen und Spielen zu. Vom Strand aus sehen wir zum Mt Bishop, 319 müM, und beschliessen, gleich weiterzugehen um diesen Hügel mit wunderbarer Aussicht auch noch zu besteigen.

In der Nacht überraschen wir einige Rehe beim Grasen und auch ein paar aufgeschreckte Hasen hüpfen eilends davon.

11.03. Mt Oberon ist 558 müM. Die Aussicht vom Gipfel auf das grün-blaue glasklare Meer und die weissen Strände ist phänomenal. Wir treffen Barbara und Herbert, mit denen wir am Abend noch ein Glas Wein trinken und uns über eines unserer nächsten Reiseziele, Südamerika, unterhalten. Sie haben Ecuador, Bolivien, Peru, Chile und Argentinien während sechs Monaten vorwiegend mit dem öffentlichen Bus bereist und sind richtig begeistert.

12.03. Ninety Mile Beach ist Sandstrand soweit das Auge reicht. Zwanzig Gratiscampingplätze liegen zwischen Seaspray und Golden Beach und ein etwas grösserer an der Paradise Beach. Die Wassertemperatur beträgt angenehme 18 Grad, doch es soll viele Haie geben und deshalb schwimmen wir nicht weit hinaus.

13.03. Die freien Campingplätze entlang des Barry Way, einer sehr schönen Naturstrasse Richtung Norden, sind menschenleer. Wir wählen „Running Waters“ mit Feuerstelle, direkt am Snowy River gelegen. In der Dunkelheit wird ein Känguru von unserer Anwesenheit überrascht und wir erschrecken einander gegenseitig. In der stockdunklen Nacht beschwert sich ein unbekanntes Lebewesen mit lautem Fauchen über unser Eindringen in sein Gebiet, aber ansonsten ist es hier herrlich still.

14.03. Mt Kosciuszko ist mit 2228 Metern der höchste Berg des Australischen Festlandes. Vom Charlotte Pass aus, wo die kälteste je registrierte Temperatur von minus 23°C in Australien gemessen wurde, sind es genau 9 Kilometer und etwa 350 Höhenmeter bis zum Gipfel. Dank der regelmässigen Steigung können wir an diesem wunderschönen Tag zügig marschieren und nach der Wanderung sogar noch ein gutes Stück weiterfahren. Der Alpine Way ist eine kurvenreiche Berg- und Talbahn – irrsinnig schön, aber auch ein Krampf für unseren Landcruiser, was sich im Dieselverbrauch bemerkbar macht.

Geehi ist der schönste und interessanteste Campingplatz im Nationalpark. Hier gibt es Abendessen und Frühstück mit Kängurus – sicher an die dreissig Stück grasen im nahen Feld.

15.03. Wie gestern ist es auch heute tagsüber noch sehr heiss – 30 bis 35°C.

Die höchste Stadt in Australien, Cabramurra, liegt auf 1488 müM. Sie wurde 1954 für die Arbeiter erstellt, welche für die Elektrizitäts- und Wasserwerke des „Snowy Scheme’s“ arbeiteten. 1974 wurde sie am jetzigen Standort wiedererbaut und für die Arbeiter des Kraftwerkes „Upper Tumut“ erhalten. Das Dorfzentrum ist ganz hübsch, doch die restlichen Häuser im Ort sehen alle genau gleich aus und wir finden die Stadt gar nicht schön.

1956 – 57 wurden alle 101 Gebäude, inkl. drei Kirchen und zwei Schulhäuser, des hundert Jahre alten Ortes “Old Adaminaby” 8 km Richtung Nordosten verschoben um dem steigenden Wasser des riesigen künstlich erstellten Sees „Lake Eucumbene“ Platz zu machen. Die 1890 erbaute Schule dient heute als Büro des Campingplatzes. Stauseen in Australien haben immer eine Doppelfunktion: Sie sind in erster Linie Wasserreservoirs und dienen aber auch zur Stromerzeugung.

Am Abend gibt es einen Wetterumschwung und den schwarzen Wolken von Südwesten folgen anhaltende Schauer.

16.03. Anstatt über die Berge nach Canberra zu fahren wählen wir den kürzeren Weg über den Snowy Mountains Highway via Cooma. Nachdem wir jedoch dort eine Zeitung gekauft und das Wetter studiert haben ändern wir kurz entschlossen unseren Reiseplan gleich nochmals. Es soll am Freitag in Canberra nachts 4°C kalt werden, deshalb reisen wir an die Südostküste nach Eden, wo es zwar auch bedeckt und kühl, aber immerhin ein bisschen milder ist.


31.03.2005

Unterwegs begegnen wir einem Vogel, über den wir schon viel gehört haben. Der Lyrebird imitiert Stimmen und Geräusche. John hat einmal in seinem Garten Pferdegetrappel gehört und war sich ganz sicher, dass auf seinem Grundstück keine Pferde weiden. Er fand einen Lyrebird, der dieses Geräusch nachahmte. Wir sehen ihn heute zum ersten Mal in Natura und nicht nur auf einem Strassenschild.

Wir erreichen die Sapphire Coast, von Eden bis Bermagui, im Südosten von New South Wales. Sie ist wunderschön.

18. – 20.03. Im Killerwal Museum in Eden, das 1931 gegründet wurde, ist das Skelett des 22 Meter langen Killerwals „Old Tom“ ausgestellt. Seine Leiche wurde im September 1930 in der Südlichen Bay treibend gefunden. Auch die Kieferknochen des grössten der Meerestiere, eines 30 Meter langen Blauwals sind hier zu bestaunen. Enorm – das Gewicht eines solchen Tieres entspricht etwa 2000 Menschen. In einem ausgezeichnet gemachten Film werden verschiedene Wale beim Spielen gezeigt. Es ist sensationell wie sich diese Tiere in Szene setzen können.

Eden lebte von 1828 – 1930 vom Walfang und jetzt beherbergt die Werft die grösste Fischereiflotte des Staates New South Wales. Die Wale haben heute eine andere Bedeutung: Touristen werden mit Booten hinausgefahren, um diese Riesen der Ozeane zu beobachten. Die Saison dafür ist Oktober bis Dezember.

Ben Boyd Nationalpark: Vor über 100 Jahren schon, 1883, hat der 29 Meter hohe Leuchtturm auf dem äussersten Zipfel des Green Cape seine Tätigkeit aufgenommen und zeigt den Seefahrern, welche die Südostküste Australiens passieren, den Weg. 1963 wurde er elektrifiziert und seine Leuchtkraft wurde entsprechend erhöht. 1967 erfolgte eine weitere Verstärkung der Lichtintensität auf 1 Mio. Lux.

Nachdem mich kürzlich ein Känguru zum Boxkampf aufgefordert hatte sehen wir heute zum ersten Mal ein rasendes Wallaby, es „rennt“ so schnell und flach, dass es uns vorkommt wie ein Gepard.

Im nördlichen Teil des Ben Boyd Nationalparks sind die Pinnacles die Hauptattraktion. Die Entstehung der weiss/roten Sandsteinfelsen begann vor 65 Mio. Jahren, als weicher weisser Sand mit einer roten Lehmkappe abgelagert wurde.

20.-21.03. Der kurze Abstecher nach Bega dient vor allem der Käsedegustation und wir hoffen, auch einige delikate Käse kaufen zu können. Für Peters Geschmack ist leider nichts dabei, er bevorzugt Hartkäse wie Greyerzer oder Emmentaler. Ich mag jedoch den einen oder anderen aus der Bega Produktion und decke mich mit Vorrat ein, der für gut zwei Wochen ausreichen sollte. Eine Kooperative von 130 Farmen liefert wöchentlich ca. 150'000 Liter Milch ausschliesslich für die Käseproduktion. Die Käserei beschäftigt 400 Mitarbeiter, wovon ein Grossteil von Montag bis Freitag in zwei Schichten, 06.00 bis 15.30 oder 15.30 bis Mitternacht arbeitet. Bega-Käse wird vor allem in den Supermärkten verkauft.

Wir fahren wieder zur Küstenstrasse zurück und finden im Mimosa Rocks Nationalpark den wohl schönsten Camping seit langem: Gillards Beach. Unser Platz liegt mit bester Aussicht und „privaten“ Zugang direkt über dem weiten Sandstrand.

Das Tierleben ist fantastisch: Zwei Meter lange Leguane, grosse Kängurus, kleine dunkle Wallabies, Bandicoots und Buschratten umgeben uns. Vögel machen sich einen Spass daraus im Tiefflug über die Kühlerhaube von Baum zu Baum zu segeln oder die tollkühnsten Kunststücke zu vollführen.

22.03. Wäre es heute strahlend blau, würden wir noch ein wenig bleiben, doch es giesst zeitweise wie aus Kübeln und wir packen zusammen, sobald der Regen zwischendurch ein wenig nachlässt.

In Tilba Tilba, einem kleinen Touristenstädtchen, gibt es nochmals eine Käserei und hier deckt sich Peter mit einem Käse ein, der seinem Gaumen mundet.

23.03. Die ganze Nacht regnet es beinahe ununterbrochen. Weil die Wettervorhersage auch für die nächsten Tage nicht besser aussieht reisen wir von Batemans Bay weiter nach Canberra.

Melbourne wurde 1901, nach der Gründung des „Commonwealth of Australia“, die erste Hauptstadt dieses Landes. Bevor beschlossen wurde, eine neutrale neue Hauptstadt zu bauen buhlten Sydney und Melbourne um den Sitz des nationalen Parlaments. Im Jahre 1908 fand man in den sanften Hügeln von New South Wales den idealen Standort und es wurde ein weltweiter Wettbewerb für die Planung der Stadt ausgeschrieben. 1912 gewann der Amerikaner Walter Burley Griffin mit seinen Plänen für eine weitläufige „Gartenstadt“, die auch einen grossen künstlichen See vorsahen.

Der Bau der Stadt zog sich hin und die Parlamentseröffnung erfolgte im Jahre 1927. Der Stausee wurde sogar erst 1963 fertig gestellt und zu ehren des Planers „Lake Burley Griffin“ genannt. Dieser 11 Kilometer lange See fügt sich wie selbstverständlich in die Architektur der Stadt ein.

Das erst 1988 neu bezogene Parlamentsgebäude auf dem Capital Hill ist dem Publikum frei zugänglich und alle Regierungsgeschäfte sind öffentlich. Wir nehmen an einer 50minütigen Führung teil und lassen uns vor allem von der Architektur des modernen Bauwerks begeistern. Dieser neue Bau steht dort wo Griffin ihn in seinen Plänen von 1912 eigentlich schon vorgesehen hatte und er fügt sich genial in das geometrische Stadtbild ein, dem ein Dreieck zugrunde liegt.

Vom Volk werden alle drei Jahre neue Volksvertreter in den Senat und ins Repräsentantenhaus gewählt. Die Senatoren haben eine sechsjährige Amtszeit, alle drei Jahre scheidet die Hälfte von ihnen aus. Wählen darf man mit 18 Jahren und es herrscht Stimmzwang.

Jedes Baumaterial, ob Marmor oder Holz, jede Dekoration, ob Gemälde oder Wandteppich, ist sorgsam ausgewählt um so die verschiedenen Elemente der australischen Geschichte und Kultur zum Ausdruck zu bringen. So stellen zum Beispiel die mit grünem Marmor verkleideten Säulen im Foyer den Eukalyptus-Wald dar. Das Mosaik auf dem Vorplatz wurde nach dem Bild „Possum Wallaby Dreaming“ des führenden Aboriginal Künstlers Michael Tjakamarra Nelson mit etwa 90'000 handgefertigten Granitstücken von 1984 – 87 durch drei Handwerker erstellt. Es ist die Anerkennung der langen Geschichte einheimischer Kultur in Australien. Der Wandteppich in der „Great Hall“ misst 20 x 9 Meter und ist einer der grössten der Welt. Als Grundlage für dessen Erstellung diente das Gemälde des Australischen Künstlers Arthur Boyd, das einen Eukalyptus-Wald in der Shoalhaven-Region zeigt. Ein Team von 13 Webern benötigte 2 ½ Jahre um diese Arbeit zu vollenden.

Vom Dach des Parlamentshauses bietet sich eine spektakuläre Sicht von Canberra. Direkt Richtung Norden befinden sich das alte Parlamentsgebäude, die „Anzac Parade“, eine weite Strasse, gesäumt von Kriegsdenkmälern, und das „War Memorial Museum“ am Ende der Allee.

24.03. Der Eintritt ins Kriegsmuseum ist frei und es gibt sogar 90minütige Gratis-Führungen. Das breite Wissen der vielen Angestellten ist erstaunlich, jegliche Fragen werden freundlich und ausführlich beantwortet.

Was uns in diesem Museum auffällt, ist vor allem, wie viel Respekt den Soldaten und Zivilisten aller Nationen entgegengebracht wird. Viele Erläuterungen und Erklärungen zu Begebenheiten sind zwar schrecklich, aber es gibt keine abschätzigen Bemerkungen dazu.

Wir versuchen, möglichst viel aufzunehmen, doch Kriege sind ein sehr trauriges Kapitel. Der erste Weltkrieg ist sehr nahrhaft. Der zehnminütige Film aus dem zweiten Weltkrieg über die Bombardierung von Berlin ist realitätsnah, es ist dunkel und alles vibriert. Die Schilderungen des zweiten Weltkriegs gehen uns noch näher und wir sind froh um die kommende Mittagspause.

Wir treffen uns mit Robbie und Ian im Yacht Club zum Lunch und geniessen es, an diesem wunderbaren Tag auf der Terrasse zu sitzen, auf den See hinaus zu schauen und Segler-Geschichten zu erzählen. Wir haben die beiden gestern ganz zufällig im Parlamentshaus angetroffen.

Nach gut zwei Stunden will Peter dann nochmals ins Museum, um sich das Deutsche Kampfflugzeug „Messerschmitt 109“ und den grossen viermotorigen Amerikanischen Bomber anzuschauen. Ich schleiche mich bereits nach einer Viertelstunde wieder ins Freie um die Denkmäler an der „Anzac Parade“ näher zu betrachten. Dies ist zwar genau so traurig, aber die frische Luft und ein wenig marschieren tun ganz gut.

25.03. Wir nutzen den klaren Tag um die grandiose Aussicht vom Telstra Tower auf dem Black Mountain zu geniessen. Canberra ist eine sehr grüne Stadt und der See ist gerade noch das Tüpfchen auf dem i. Gegen Osten hin klafft allerdings eine kahle Lücke – vor zwei Jahren wurde ein ganzer Vorort zerstört, als ein Buschbrand wütete und alles dem Erdboden gleichmachte.

Auf dem Weg zum Tidbinbilla Nature Reserve lockt uns ein Wegweiser mit der Aufschrift „Space Centre“. Nach vier Kilometern kommen wir den Satellitenschüsseln, die wir schon von weitem gesehen hatten, näher und wir finden ein eindrückliches Besucherzentrum. Der „Canberra Deep Space Communication Complex“, auch bekannt als „Tidbinbilla Tracking Station“ ist eines von weltweit drei Zentren, das Daten von Satelliten empfängt und direkt an die NASA weiterleitet, respektive auch Daten der NASA an die Satelliten sendet. Ein weiteres Zentrum befindet sich in Madrid (Spanien) und das andere in Goldstone (Kalifornien, USA). Jedes dieser Zentren deckt ungefähr 120° (Längengrade) ab und so ist eine unterbruchslose Kommunikation mit den Satelliten möglich.

Es stellt sich heraus, dass uns die Erforschung des Weltalls weit mehr interessiert, als das Tidbinbilla Nature Reserve, wo das riesige Buschfeuer von 2003 ebenfalls Schaden anrichtete und sich alles zuerst wieder regenerieren muss. So überlebte zum Beispiel von den Koalas lediglich einer mit schweren Verbrennungen, die in einem Zoo behandelt wurden. „Lucky“ wurde nach seiner Genesung wieder in seinen ursprünglichen Lebensraum zurückgebracht und man holte weitere acht junge Koalas, um sie hier anzusiedeln. Sieben von ihnen leben inzwischen in einem grossen Gehege, einer von ihnen braucht noch Zusatznahrung und wird in einem Käfig gehalten, bis er sich an die neue Umgebung gewöhnt hat und sich selber ausreichend ernähren kann. Uebrigens: Damit sich Eukalyptus-Bäume vermehren können braucht es Buschfeuer. Die Samenkammern öffnen sich nämlich erst, wenn sie vom Feuer dazu „gezwungen“ werden.

26.03. Bei schönem Wetter fahren wir von Canberra über Cooma nochmals zur Südostküste zurück. Der Gillards Beach Camping lockt uns nochmals, nachdem wir am Dienstag nur weggefahren sind, weil es so fürchterlich geregnet hat. Doch am Ostersamstag ist alles überfüllt und wir finden nur einen kleinen Platz bei Leuten, mit denen Peter sich das letzte Mal bereits länger unterhalten hat. Es stellt sich heraus, dass wir einmal mehr genau bei den richtigen Leuten „angeklopft“ haben. Eine unserer Nachbarinnen aus Safenwil hat uns nämlich gebeten die neue Adresse ihrer Freunde in Australien ausfindig zu machen. Mit nur je einem Vornamen und einem früheren Wohnort scheint das für uns unmöglich zu sein. Zwei Anrufe enden erfolglos. Heute Abend am Campfeuer wirft Peter einmal mehr die Frage in die Runde, ob es eine Möglichkeit gäbe, so etwas herauszufinden. Unsere Chancen scheinen zu steigen, nachdem uns versichert wird das sei ganz einfach, man frage beim Elektronischen Registeramt nach und bekomme Auskunft. Colin war früher bei der Bank als Anlageberater tätig und arbeitete später als Privatdetektiv. Heute ist er noch sporadisch für das Registeramt im Einsatz, wo jeder Australier mit dem aktuellen Wohnsitz eingetragen ist, weil hier Stimmzwang herrscht. Er muss am Freitag sowieso auf dieses Amt und bietet uns an, die Suche für uns durchzuführen. Er ist zuversichtlich, das Paar zu finden und will uns ein E-Mail mit der Adresse aller in Frage kommenden Personen zukommen lassen.

27. – 29.03. An Ostern ist das Wetter grandios, Ostermontag ein wenig durchzogen und am Dienstag beginnt der Tag mit blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein. Gegen Mittag ziehen dann von Westen einige Wolken auf, doch wir wissen inzwischen, dass das absolut kein Grund zur Sorge sein muss. Gestern ist kein Regentropfen gefallen, nachdem wir mehrmals Angst hatten, dass es jetzt aber wirklich so weit ist. Wir sind inzwischen die einzigen Gäste auf einer Fläche wo vorher über zwanzig Personen waren.

Wir spielen Frisbee am Strand, plaudern mit den Fischern, lesen, feuern und kochen/backen/grillen auf dem Feuer. Wir beobachten Wildtiere wie Kängurus, Wallabies, Leguane und den Possum. Gelbschwanz Kakadus, leuchtend rote Papageien und farbenfrohe Rosellas sowie Tauben und anderes Gefieder flattert fröhlich umher, zwitschert und trillert in allen Tönen.

Peter fährt mit dem Fahrrad nach Tathra, um dort eine Zeitung zu kaufen, damit wir die Wetteraussichten für die nächsten Tage studieren und unsere Weiterreise planen können.

30.03. Um am Strand zu liegen ist es ein wenig zu kühl und immer wieder verhindern Wolkenfelder, dass sich die so sehnlich erwartete Sonne zeigt. Irgendwie scheint diesmal die Prognose weit von der momentanen Wetterlage entfernt, deshalb brechen wir nach weiteren vier Tagen an diesem schönen Ort auf und fahren langsam Richtung Sydney.

Die erste Etappe führt über Tathra und Bega und auf dem Princess Highway bis nach Naroowa am Wagonga Inlet. Wir stoppen dort, weil der Caravanpark schön sonnig ist und direkt am Wasser liegt. Es ist wirklich gut, genügend Zeit zu haben.

31.03. Via Batemans Bay und Ulladulla fahren wir nach Bendalong Point, wo es einen netten Campingplatz geben soll. Der Strand ist schön, doch die Plätze mit Strom im hübschen Feriendorf liegen in einem dunklen Wald und sind mit $ 30.-- pro Nacht viel zu teuer. Nur etwa fünf Kilometer weiter finden wir den ganz sympathischen „Rustic Caravan Park“ am Lake Berringer. Als Pensionierte bezahlt man $ 5.-- pro Person plus $ 3.-- für Strom, einmal duschen kostet $ 2.--. John und Johanna (seine Mutter, Österreicherin) schmeissen den Laden und freuen sich, die Gäste persönlich zu betreuen. Hanna führt uns sogar durch ihr Haus und zeigt uns die inzwischen etwa 500 Exemplare grosse Eulen-Sammlung sowie einige ihrer Malereien. Auf einem nahen Baum leben zwei Eulen. Wir finden die eine auf von ihnen und bestaunen sie, währenddem sie ganz ungläubig auf uns nieder schaut.

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