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2008/2009
Argentinien, Chile

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Santiago de Chile – Copiapó (Chile)

25.12.2008 – 20.01.2009

26.12.2008 – Villa El Colorado – Nationalpark La Campana
Nachdem wir uns von El Colorado einsam die Serpentinen heruntergeschlängelt haben müssen wir uns eine Stunde später wieder im dreispurigen Verkehr der Hauptstadt zurechtfinden. Dank GPS ist das zwar ein bisschen einfacher, doch im Tunnel nutzt es dann trotzdem nichts mehr. Die Ruta 5 nach Norden ist allerdings gut signalisiert und so sind wir im Nu auf dem richtigen Weg.

Über die Berge erreichen wir den nahen Nationalpark La Campana, wo wir übernachten und morgen den Gipfel des gleichnamigen Berges erklimmen möchten.

27.12.2008
Bereits um viertel nach acht machen wir uns auf den Weg zum Cerro La Campana. Statt über den Nebel enttäuscht zu sein freuen wir uns, noch möglichst lang in der morgendlichen Kühle zu wandern. Gemäss Beschreibung benötigt man für die gut 1400 Höhenmeter 4 ½ Stunden, wir schaffen die anstrengende Tour in 3 ½. Bereits auf halbem Weg blicken wir auf ein riesiges Nebelmeer. Im Schatten der Bäume bleibt die Temperatur angenehm. Erst auf dem letzten Wegstück über Geröll und grosse Felsbrocken wird es warm, doch wir erreichen den Gipfel lang bevor es im Steilhang unerträglich heiss wird. Wir erleben einmal mehr einen perfekten Tag!

28.12.2008 – Nationalpark La Campana – Parque Caren, Santiago
Obwohl die Lagune eigentlich nur von 09.00 – 21.30 offen ist fragen wir, ob wir hier übernachten dürften. Der zuvorkommende Mitarbeiter sagt, eigentlich wäre es verboten, aber er würde seinen Chef fragen, denn freundlichen Menschen tue man gern einen Gefallen. Also verbringen wir den Nachmittag unterhaltsam nahe beim Wasser mit einer äusserst gesprächigen Chilenenfamilie, das heisst, deren männlichen Mitgliedern: dem Vater (52, Professor), seinen zwei Söhnen, dem Schwiegersohn und einem Nachbarsjungen.

Es ist zwar untersagt im einladenden Wasser der schönen Lagune zu baden, doch das hindert in dieser Hitze viele nicht daran sich ins kühle Nass zu stürzen. Den Grund für das scheinbar unsinnige Verbot erfahren wir später vom Aufseher am Eingang: Vor ein paar Jahren ist ein (Feuerwehr)mann ertrunken, der schlecht schwimmen konnte und sich beim Baden in den Schlingpflanzen verfangen hatte.

29.12.2008 – Parque Caren – MAN, Santiago
Der Tag bei MAN ist für mich ziemlich langweilig. Wir haben für heute einen Service vereinbart und der Chef von Puerto Montt hat uns gesagt, wir müssten um acht Uhr da sein. Als wir ankommen wird uns jedoch mitgeteilt, dass erst ab halb neun gearbeitet werde. Jörg Slanitz, mit dem wir bisher nur E-Mail-Kontakt hatten, begrüsst uns und wir freuen uns sehr, ihn hier anzutreffen. Er ist von MAN Deutschland angestellt und verantwortlich für den Markt in Südamerika. So gibt Peter ihm unsere Aufträge in Deutsch weiter und der Vorarbeiter notiert alles fein säuberlich, bereits richtig übersetzt, auf den Auftragsblock. Doch bis zur zehnminütigen Pause um zehn Uhr hat sich an unserem Fahrzeug noch keine Schraube gedreht. Erst danach geht es endlich los – schnell nicht, aber stetig.

In Südamerika ticken die Uhren anders… Heute wird’s wohl nichts…

Erstaunlicherweise ist abends um sechs jedoch nur noch das schwierigste Problem offen. Alles andere ist bereits erledigt. Der Kurzschluss auf der linken Seite konnte nicht eruiert werden und die Möglichkeit der südamerikanischen Lösung wird diskutiert. Diese besteht darin, dass eine neue Leitung gelegt wird, doch Morgen will sich der Spezialist erst nochmals selber darum kümmern und, falls er nichts findet, am Mittag entscheiden, was gemacht wird.

30.12.2008 – MAN, Santiago – Horcón
Der Elektriker entdeckt den Kurzschluss innert einer halben Stunde: Er liegt in der Positionslampe vorne links (oben) – da ist ein Kabel durchgescheuert. Das ist der einzige Ort wo bisher noch niemand gesucht hatte, doch mit dem Schema der Sicherung Nr. 6, das ihm Jörg Slanitz von MAN Deutschland besorgt hatte, konnte er systematisch suchen. Wir sind froh, dass das Problem nach nunmehr einem Jahr der Ungewissheit endlich sauber gelöst ist.

So können wir denn bereits vor Mittag den Hof von MAN verlassen und an die kühle Pazifikküste weiterfahren, nachdem die Idee den Nationalpark La Campana auch von Norden her zu erkunden durch zu tief hängende Bäume vereitelt wurde.

Ein einsames Zelt steht im eigentlich schönen, aber leider total vom Unrat verdreckten Park in Horcón. Marisa ist bereits vor einem Jahr mit ihrem Rucksack von Rio Negro losgezogen und hat inzwischen auch Bolivien bereist, wo sie unter anderem Unterricht erteilt hat. Sie ist auf der Suche nach „ihrem“ Platz auf der Welt und nach der inneren Ausgeglichenheit. Sie ist sehr gläubig, deshalb fühlt sie sich nie allein und hat auch keine Angst an sehr einsamen Orten zu übernachten.

31.12.2008 – Horcón – Pichicuy
In Papudo sehen wir Marisa beim Autostopp und nehmen sie mit bis zur Ausfahrt Pichicuy. Dabei erfahren wir noch einiges mehr über die Frau, die erst einmal bis nach Mexiko reisen und später auch Europa kennen lernen möchte.

Pichicuy ist ein kleines Fischerdorf an der Pazifikküste, wo wir bei der Mole einen schönen Platz finden zum Silvester feiern. Die Fischer-Leute sind sehr freundlich und wir fühlen uns wohl. Am Abend fährt ein argentinisches Wohnmobil an, mit einer Italienisch/Argentinischen Familie an Bord. So feiern wir denn „Nochebuena“, wie der Silvester in Spanischsprachigen Raum heisst, zusammen mit Marisa, Kim und deren Sohn Franco mit frischen Krabbenbeinen und teilweise selbst gemachten italienischen Spezialitäten.

01.01.2009 – Pichicuy – Catapilco
Wir besuchen Doris, eine Schweizerin, deren Adresse wir vor langer Zeit von deren Kusine und unserer Freundin in der Schweiz erhalten hatten. Sie freut sich riesig über unseren spontanen Besuch und, obwohl wir einander vorher nicht kannten, weiss sie sofort wer wir sind, weil auch sie unsere Reise auf der Website verfolgt. Sie lädt uns zu einem feinen Mittagessen ein und wir revanchieren uns gern mit dem Nachtessen.

Doris ist vor einigen Jahren mit ihrem damaligen Chilenen-Freund dem unerträglich stressigen Job als Buschauffeurin in der Schweiz entflohen. Er ging jedoch nach kurzer Zeit wieder zurück in die Schweiz, sie blieb. Nachdem Doris anfänglich sehr schwere Zeiten durchlebte geht es ihr heute gut, sie hat liebe Freunde und ist in der Gemeinde integriert. Zudem scheint sie mit ihrem Freund Juan, der leider nicht hier ist, eine sehr herzliche Beziehung zu pflegen.

23.00 Vor dem ins Bett gehen höre ich, dass der Kompressor des Tiefkühlers immer ein- und ausschaltet. Daraufhin stellt Peter fest, dass es einen elektrischen Wackelkontakt gibt. Das passiert gerade am richtigen Ort, denn Doris besitzt einen Tiefkühlschrank und wir dürfen unsere Ware (Glace, Fleisch und Erdbeeren) über Nacht darin aufbewahren.

02.01.2009 – Catapilco – Los Molles
Nach der behelfsmässigen Reparatur funktioniert unsere Tiefkühltruhe wieder einwandfrei und wir verabschieden uns von Doris mit der Hoffnung, einander wieder einmal zu sehen.

Der Tessiner Giorgio besitzt in Los Molles ein aussergewöhnliches Restaurant: El Pirata Suizo. Für uns ist das ein Grund, wieder einmal auswärts zu essen. Peter kommt bereits nach der Reservation für heute Abend mit einem frischen Zopf zurück, der schmeckt gerade wie vom Beck zuhause.

Im Pirata Suizo gibt es keine Speisekarte, keine Pommes-Frites, kein Coke, kein Fanta. Es gibt frisch gepresste oder gekochte Fruchtsäfte, die übrigens sehr lecker schmecken, Wasser, Bier und Wein. Der Gastwirt selbst erläutert den Gästen seine Menu-Vorschläge, die je nach Gusto auch ein wenig abgeändert werden können. Statt Spätzli mit Meerfrüchten bekommt Peter also Spätzli mit einer anderen Sauce. Zum Lomo gibt’s gekochte Rüebli und feine Rösti, das Dessert ist eine Auswahl an Kuchen, Glace, Cremes und Torten.

03.01.2009 – Los Molles – Totoralillo
Das wirklich Schöne an der Playa Totoralillo ist die Sicht von oben auf die sandige Insel. Eigentlich wollten wir zwei Tage hier bleiben, doch unser Standplatz ist nicht dermassen berauschend, dass er zum Verweilen einladen würde. Und mit der Sonne ist es auch so eine Sache, am chilenischen Strand sind wir bisher gar noch nicht von ihr verwöhnt worden, denn meistens liegt Nebel über der Küste.

04.01.2009 – Totoralillo – Coquimbo/La Serena
Der Campingplatz „Sole di Mare“ liegt zwischen Coquimbo und La Serena. Das kommt meinem Wunsch, beide Städte zu besuchen, sehr entgegen. So fahren wir heute mit den Rädern den Strand entlang zur Altstadt von La Serena und ich kann in aller Ruhe die zahlreichen alten Gebäude und Kirchen ablichten.

05.01.2009 In Coquimbo faszinieren uns vor allem das Kreuz des 3. Jahrtausends und das Weltcupstadion – zwei topmoderne Bauten – als Gegensatz zu den alten Gebäuden in La Serena.

06.01.2009 – La Serena – Pisco Elqui – Vicuña
Pisco Elqui bietet uns kaum eine Möglichkeit zum Übernachten. Bei der Distillerie mitten im Ort gäbe es Platz, doch die Leute sind nicht kompetent genug, uns das zu gestatten. Vor der Polizei ist es leider zu steil.

Wir machen trotzdem eine Tour durch die Pisco-Destillerie und degustieren die beiden unterschiedlichen Piscos „Tres Erres“ und „Mistral“. Der eine ist sechs Monate gereift, der andere drei Jahre. Peter überlässt mir, in weiser Vorahnung, seinen nach der Tour servierten Pisco Sour.

Und weil ja bekanntlich immer alles so kommt wie es kommen muss finden wir am Rio Elqui, kurz vor Vicuña, einen viel schöneren Platz als den mitten im Dorf von Pisco Elqui.

Mitten in der Nacht – um 01.00 Uhr sind wir schon tief am Schlafen – klopft es energisch an die Tür. Ein älterer Typ, eigentlich ganz nett, möchte sich ein wenig mit uns unterhalten. Er habe mit seinem Laster eine Panne, das Schaltgetriebe sei kaputt, und er müsse bis morgen warten, dann werde es ersetzt. Deshalb möchte er gern mit uns ein Bier trinken und ein bisschen plaudern. Hmmmh? Nein, wir möchten jetzt lieber schlafen. Es ist ihm zwar vollkommen unverständlich, dass man um Mitternacht (seine Worte) bereits schlafen kann, aber okay, wir können ja morgen noch ein bisschen schwatzen. Am Morgen ist allerdings er derjenige, der uns nur schlaftrunken zuwinkt als wir wegfahren.

07.01.2009 – Vicuña – 2100 müM
Als erstes holen wir kurz vor Mittag unseren Fahrgast Cameron aus Seattle bei seinem Hotel ab. Er will unbedingt über den Agua Negra nach Argentinien reisen, aber es gibt keine Busverbindung und da hat er uns gebeten, ihn doch mitzunehmen.

Kurz nach dem Chilenischen Zoll finden wir auf nur 2100 müM einen idealen Platz um den Nachmittag und die Nacht zu verbringen. Wir wollen morgen früh starten um noch am Vormittag, möglichst ohne Gegenverkehr, den schmalen Paso Agua Negra zu überqueren.

Weil Cameron kein Zelt mitführt darf er in unserer Führerkabine schlafen – wir hatten ihm vor der Zusage mitgeteilt, er müsse dann halt in der Prärie übernachten. Aber er war so erpicht auf die Mitfahrmöglichkeit, dass er sich mit allem einverstanden erklärt hat. Da wir nicht für Gäste eingerichtet sind können wir ihm lediglich zwei Faserpelzdecken überlassen. Damit kann er sich doch wenigstens einigermassen warm halten.

08.01.2009 – 2100 müM – San José de Jáchal
Die Fahrt über den 4780 m hohen Agua Negra ist denn auch eindrucksvoll. Der Büsserschnee ist eines der seltsamsten Phänomene, das wir schon gesehen haben und wir stellen die verschiedensten Thesen auf, wie der wohl entsteht.

Am Nachmittag müssen wir unseren Fahrgast, dem wir nur versprochen hatten ihn bis nach San José mitzunehmen, richtiggehend hinauswerfen. Denn er hat verlauten lassen er würde überall mit uns hinkommen und macht keine Anstalten sich um eine Fahrgelegenheit nach San Juan zu erkundigen. Aber es ist angenehmer, allein zu reisen und nicht noch jemanden mittragen zu müssen. Es war gut, Cameron mitzunehmen, aber die Zeit ist abgelaufen.

09.01.2009 – San José de Jáchal – Nationalpark Talampaya
In San José de Jáchal kaufen wir tüchtig ein. Das ist zwar nicht ganz einfach, den der grösste Supermarkt der Stadt ist sehr klein und das Gedränge riesengross. Allein zum Früchte, Gemüse, Käse und Trockenfleisch einkaufen warten wir eine geschlagene halbe Stunde – dank Nummern geht es schön der Reihe nach. An der Kasse geht es dann noch einmal so lang, denn die Warteschlange zieht sich durch den ganzen Laden. Dann warten wir noch gute fünf Minuten bis der Chef fertig telefoniert hat, damit ich mit der Kreditkarte bezahlen kann, denn beides geht nicht miteinander.

Endlich geht es los Richtung Nationalpark Talampaya. Doch an der Provinzgrenze zu La Rioja werden wir angehalten: Wegen der Fruchtfliege ist es nicht erlaubt Früchte mitzuführen, Bananen sind ausgenommen. Hoppla, das ist nicht gerade angenehm, haben wir doch soeben auch feine Äpfel, Nektarinen und Orangen erstanden. Aber es gibt keine Ausnahmen und deshalb verarbeite ich das ganze schnell zu zwei Liter Fruchtsalat. Auch gut.

10.01.2009 Der Nationalpark Talampaya ist Weltkulturerbe der Menschheit und der Zutritt ist nur geführt erlaubt. Die nördliche Tour zu den Sehenswürdigkeiten Petroglyphen, Botanischer Garten, Sagrada Familia/Catedral und Mönch – wo bleiben Eiger und Jungfrau? – dauert zweieinhalb Stunden und ist sehr eindrücklich.

11.01.2009 – Talampaya – Provinzialpark Ischigualasto – Talampaya
Im Provinzialpark Ischigualasto läuft die Tour etwas anders ab. Die 40 Kilometer-Rundtour fahren wir im eigenen Fahrzeug im Konvoi. Im vordersten Fahrzeug fährt der Führer mit und an den fünf Attraktions-Punkten erhalten wir dann Nachhilfeunterricht in Geologie. Auf Spanisch ist das zwar anstrengend aber trotzdem lehrreich.

Aufgrund der erhaltenen E-Mails könnte es sein, dass Margret, Hartmut und Ingo heute zum NP Talampaya fahren. Deshalb beschliessen wir, schon heute die erste Etappe Richtung Fiambala zu starten und nochmals auf dem schönen Campingplatz in Talampaya zu übernachten anstatt auf dem nicht sehr einladenden Platz beim Ischigualasto.

Wir haben uns gerade fertig eingerichtet und Peter meint soeben „es hätte ja sein können“ (dass Margret und Hartmut da sind), schon tönt es von der Strasse her nach Mercedes. Kaum zu glauben, fünf Minuten nach uns kommen sie an. Und als Tüpfchen auf dem i hat Margret heute Geburtstag. So feiern wir einmal mehr gemeinsam.

12.01.2009 – Talampaya – Pituil
In der Nacht hat es geregnet und der Nationalpark Talampaya bleibt heute geschlossen, weil die gesamte Tour durch das Flussbett des Rio Talampaya, der normalerweise bloss unterirdisch (ca. 3 m unter der Erdoberfläche) fliesst, nach Regenfällen jedoch ein paar oberirdische Rinnsale übrig bleiben. Für uns passt es jedoch, dass es für die Fahrt etwas kühler ist.

13.01.2009 – Pituil – Fiambalá
Wegen der Dakar-Rallye gibt es viel Polizeipräsenz. Die Kontrollen sind freundlich und die Beamten sind sehr neugierig. Fiambalá ist grösser als wir uns vorgestellt hatten und aufgrund des Anlasses ist gehörig etwas los. Auf der Ausfahrt Richtung Norden zum Fahrerlager überholt uns plötzlich Edi vom Robusto mit seinem Quad. Brigitte und Edi haben auf der Plaza gestanden und uns vorbeifahren sehen. Das ist ein unverhofftes und umso fröhlicheres Wiedersehen.

Sie haben ihr Wohnmobil bereits perfekt in der letzten Kurve an der Einfahrt zum Fahrerlager platziert. Dort hat es teilweise tiefen Sand und sie sind überzeugt, dass wir da mehr oder weniger alleine bleiben, weil sich kaum einer in das weiche Gelände wagen würde. Später stellen wir allerdings fest, dass solche Ideen nur uns Europäern in den Sinn kommen können. Da wird kopflos „einparkiert“ ohne sich die geringsten Gedanken zu machen. So wird halt geschoben, gezogen, manchmal auch gegraben und so für uns ist nicht nur die Rallye selbst sondern auch das Drum und Dran ein fröhliches Spektakel.

14. – 16.01.2009 – Fiambalá
Wir erleben die Ankunft der Etappe von Copiapó nach Fiambalá und sind überrascht, wie locker vor allem die Motorradfahrer hier eintreffen. Doch später erfahren wir, dass die Spezialprüfung in Copiapó abgesagt wurde, weil bereits nach 22 Kilometern zu viele Fahrzeuge stecken geblieben waren und die Strecke blockiert hatten.

Nach dem Eindunkeln stellen wir uns an den Zaun vom Fahrerlager und haben Glück, dass er auch kommunikationsfreudige Rallye-Teilnehmer gibt. Mit dem Fahrer des Lastwagens Nr. 577, welcher an 15. Stelle liegt wechseln wir nur ein paar Worte und wünschen ihm viel Glück bevor er sich hundemüde zum Schlafen in sein Mini-Zelt legt. Doch sein Navigator ist noch frischer und wir erfahren von ihm, dass die diesjährige Dakar-Rallye in Argentinien/Chile auch für sie ein einzigartiges Spektakel sei. Die begeisterte Menschenmenge und die 8stündige Fernsehübertragung am Starttag in Buenos Aires hätte alles bisher da Gewesene übertroffen, es sei ein riesiges überwältigendes Fest gewesen. Auch die Sicherheit im Camp sei viel höher als in Afrika, hier gäbe es keine Leute, die den Zaun überstiegen und klauen was nicht niet- und nagelfest ist. Am übernächsten Etappenort, Cordoba, würden drei Millionen Motorsport-Begeisterte erwartet.

Am Donnerstag fahren wir früh zum Startplatz, verpassen jedoch die Motorradfahrer, welche bereits ab 06.50 Uhr und teilweise bei Regen gestartet sind. Ab dem Start der Autos sind wir dann aber dabei. So richtig in Action sehen wir die Fahrzeuge aber leider nicht, denn dafür müssten wir in die Dünen. Um jedoch dahin zu gelangen hätten wir bereits gestern zu Fuss insoffizielle „Sperrgebiet“ aufbrechen müssen, denn mit unserer BMW kommen wir unmöglich durch den Sand. Aber wir haben ja gute Freunde, welche mit ihrem Quad zu den spektakulärsten Stellen fahren können und ihre besten Bilder auf die Website schalten. Wer also interessiert ist findet die tollen Rallye-Fotos von Brigitte und Edi unter www.waypoints.ch.

Am Freitag darf Peter endlich wieder einmal „arbeiten“. Er nimmt Edis Klima-Anlage unter die Lupe und findet ein feines Leck, durch das Kältemittel entwichen ist. Mangels Ersatzteile beheben sie die Schwachstelle behelfsmässig und hoffen, dass die Reparatur trotzdem möglichst lange wirksam ist. Nach einem Nachmittag im Internet mögen wir nicht weiterziehen und verbringen den milden Abend mit Brigitte und Edi draussen bei einem feinen Glas Wein (oder zwei).

17.01.2009 – Fiambalá – Termas de Fiambalá
Wir verabschieden uns vom Robusto-Team, das Richtung Süden reist und fahren zu den 14 Kilometer entfernten Thermen.
Leider werden wir gleich mit der Kehrseite der Medaille konfrontiert. Dank der Dakar-Rallye wurde Fiambalá vom einen auf den anderen Tag weltbekannt und nutzt nun diesen Umstand schamlos aus. Die Preise in den Thermen steigen ab 14. Januar für Ausländer um das dreifache. Der Eintritt für Argentinier ist von 6 auf 10 Pesos gestiegen, für Ausländer von 6 auf 20! Die Übernachtung kostet pro Motorhome neu 35 statt wie bisher 15 Pesos, dafür zahlen Autos jetzt 15 statt wie bisher 5 Pesos Parkgebühr. Zum Vergleich: Campingplätze mit Infrastruktur kosten oft nur 15 Pesos für zwei Personen, inklusive Wohnmobil.

Wir sind sicher, dass niemand eine kleine Erhöhung beanstandet hätte, doch der extreme Preisanstieg hat bereits viele Ausländer veranlasst, beim Eingang wieder umzukehren. Dies bringt der Stadt leider viel mehr schlechte Publizität als mehr Geld in die Kasse. Wir beklagen uns nicht nur beim ausführenden Personal sondern werden direkt beim Tourismusbüro vorstellig und schreiben per E-Mail eine direkte Beschwerde an den Bürgermeister der Stadt. Es ist sonst nicht unsere Art, uns derart über hohe Preise aufzuregen, doch hier merken wir, dass vor allem auch die Einheimischen unter dem enormen Preisaufschlag leiden.

Die Wirte des Restaurants vom Thermalbad dürften den geringeren Arbeitsaufwand wegen fehlender ausländischer Touristen wohl kaum beklagen. Sie sind schon überfordert, wenn neben uns eine achtköpfige Familie (4 Erwachsene, 4 Kinder) speisen möchte. Diese müssen über eine Stunde warten, bis ihr einfaches Essen serviert wird, derweil der „Chef“ teilnahmslos herumsteht (und seine Frau allein in der Küche arbeiten lässt). Die Argentinier nehmen ihr Essen selber mit und verspeisen es in den hübsch angelegten Unterständen neben den attraktiv in die Natur eingepassten Thermalbecken mit Naturboden.

19.01.2009 – Termas de Fiambalá – 3’174 müM
Beim kurzen Aufstieg zum Hügel von dem man auf Fiambalá herunterschauen kann unterhält sich ein 67jähriger im Ort geborener Mann mit uns. Seine Familie ist um 1850 an der Gründung der Stadt beteiligt gewesen. Sie seien vor 40 Jahren noch mit den Mauleseln zu den Thermen hochgegangen, damals waren sie natürlich noch viel weiter in den Bergen oben und noch nicht erschlossen, und hätten da zwei Wochen Ferien verbracht. Im Ort selber sind von ehemals fünf etwa 90 Meter tiefen Brunnen nur noch deren drei in Betrieb, ein neuer von 140 Meter tiefe wird im Norden gebohrt (das wissen wir jedoch von anderer Seite). Einer der stillgelegten Brunnen befindet sich mitten auf der Plaza und als er ein Junge war wurde das Wasser dort mit der Handpumpe geschöpft. Als uns der Mann fragt ob wir gern die Legende des San Pedro hören möchten sind wir natürlich sehr interessiert, denn diese Kirche liegt gleich am südlichen Stadteingang ist und sehr bekannt. San Pedro wurde in Bolivien überfallen und all seiner heiligen Gegenstände und Glocken beraubt. Als er auf der Weiterreise durch Fiambalá zog blieben seine Maulesel genau an der Stelle stehen wo sich heute die Kirche befindet und wollten keinen Schritt mehr weiter gehen. Also hat er sich dort nieder gelassen und das Gotteshaus wurde aufgebaut – so sagt man.

Am Mittag verabschieden wir uns von vielen neu gewonnenen Freunden und nehmen den ersten Abschnitt Richtung Paso de San Francisco und Chile unter die Räder. Damit uns die Luft heute noch nicht ausgeht übernachten wir auf knapp 3'200 müM um den morgigen Tag hoffentlich problemlos zu meistern.

20.01.2009 – 3’174 müM – Paso de San Francisco – 33 km östlich von Copiapó (Chile)
Die Argentinische Seite des Paso San Francisco ist zwar mehrheitlich kahl aber ein Paradies von Farben. Die Laguna Verde, kurz nach der Grenze die auf der Passhöhe liegt, ist mit ihrem smaragdgrünen Wasser und den warmen Quellen nahe beim Ufer ein richtiger Traum in dieser kahlen von über 6'000 Meter hohen schneebedeckten Vulkanen umgebenen Gegend.

Vier österreichische Bergsteiger, die gestern den 6'893 Meter hohen Ojos del Salado bestiegen haben feiern heute ihren Erfolg mit reichlich Bier in einem der heissen Becken. Ihre 2 Liter selbst gebrannten von zuhause mitgebrachten Schnaps mussten sie vorher schon zu Kühlzwecken dem Wasser ihres Mietwagens beifügen, weil dieses auf 5'200 müM eingefroren war. Na dann Mal Prost!

Trotz des zweifelhaften Wetters möchten wir an die Laguna Santa Rosa fahren. Die drei am Ende des Salar de Maricunga gelegenen Lagunen mit den Flamingos und auf dem Wasser nistenden Vögeln im Nationalpark Tres Cruces sollen einen Besuch absolut wert sein.

Weil wir die Abkürzung nehmen kommen wir direkt und auf einer etwas besseren Piste hin. Das hat allerdings zwei Haken: Erstens gelangen wir unten an statt auf der Klippe, von wo die Lagunen und die Vögel besser zu sehen wären und zweitens sind wir beim zu späten Versuch auf die obere Piste zu gelangen stecken geblieben. Den ersten Gedanken, rückwärts in der gleichen Spur rauszufahren verwerfen wir, weil das Ende der Piste vor uns nur gerade zwei Meter entfernt, der schön geschwungene Bogen rückwärts aber sicher 10 Meter lang ist. Mit allen Sperren und der Untersetzung wühlen wir uns ganz langsam auf den etwas festeren Grund vor.

Peter hat die Idee von Anfang her skeptisch betrachtet, doch er hat meinem Drängen nachgegeben. Ich darf zwar auf 100 Meter Entfernung noch ein paar Fotos knipsen, aber dann will er schleunigst wieder raus um vor dem allenfalls einsetzenden Regen wieder auf der sicheren Naturstrasse zu sein. Ausser Spesen nix gewesen.

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